Выбрать главу

Sie trommelte mit dem Finger auf ihren Arm.

»Bitte …«, sagte Perrin und hob die Hand. »Bitte.«

»Nein.« Sie wandte sich ab. »Ich habe aus dem Fehler gelernt, mein Herz auf jemanden zu setzen, der es nicht verdient. Lebt wohl, Wolfswelpe.«

Sie verschwand und ließ Perrin auf Händen und Knien an diesem seltsamen Ort zurück.

Faile, sagte eine Stimme in seinem Kopf. Mach dir keine Sorgen wegen Lanfear. Du musst zu Faile gehen.

Ja … Ja, er konnte zu ihr gehen, oder nicht? Wo steckte sie? Das Feld von Merrilor. Dort hatte er sie verlassen. Dort würde sie sein. Er versetzte sich dorthin, schaffte es irgendwie, sich genug zu konzentrieren, um es zu schaffen. Aber natürlich war sie nicht da. Er befand sich im Wolfstraum.

Das Portal, das Rand schicken würde. Hier würde es sein. Er musste es bloß dorthin schaffen. Er musste … er musste …

Er brach zusammen und rollte sich auf den Rücken. Er fühlte, wie seine Gedanken dahintrieben, dem Nichts entgegen. Er starrte in den stürmischen Himmel, und sein Blick trübte sich. Zumindest … zumindest war ich für Rand da, dachte er.

Die Wölfe konnten Shayol Ghul jetzt auf dieser Seite halten, nicht wahr? Sie konnten Rand beschützen … Sie würden es schaffen müssen.

Faile stocherte mit einem Stock in ihrem armseligen Lagerfeuer herum. Es war dunkel geworden, das Feuer verbreitete ein schwaches rotes Glühen. Sie hatten nicht gewagt, es größer zu machen. In der Fäule schlichen tödliche Kreaturen umher. Trollocs gehörten hier noch zu den geringsten Gefahren.

Die Luft hatte einen durchdringenden Geruch an sich, und Faile erwartete, hinter jedem schwarz gesprenkelten Busch eine verfaulende Leiche zu finden. Wo sie hintrat, zersprang die trockene Erde, als hätte es hier schon seit Jahrhunderten nicht mehr geregnet. In der Ferne entdeckte sie eine Lichtergruppe, die einen kränklich grünen Schimmer absonderte und über den Silhouetten einer Baumgruppe vorbeischwebte. Es erinnerte an einen glühenden Insektenschwarm. Sie wusste genug über die Fäule, um den Atem anzuhalten, bis sie vorbei waren. Sie wusste nicht, was das genau war, und sie wollte es auch nicht herausfinden.

Sie hatte ihre Gruppe auf eine kleine Anhöhe geführt, um dort ihr Lager aufzuschlagen. Auf dem Weg war ein Karawanenarbeiter von einem Zweig getötet worden, ein anderer war gestorben, weil er in etwas getreten war, das wie Schlamm aussah – und sein Bein aufgelöst hatte. Etwas davon hatte er auch ins Gesicht bekommen. Er war wild um sich schlagend und schreiend gestorben.

Sie hatten ihn knebeln müssen, damit der Lärm keine anderen Schrecken brachte.

Die Fäule. Hier konnten sie nicht überleben. Ein einfacher Weg hatte zwei ihrer Leute getötet, und sie musste versuchen, mehrere Hundert zu beschützen. Wächter der Bande, Mitglieder der Cha Faile und die Kutscher und Arbeiter ihrer Nachschubkarawane. Acht der Wagen waren noch einsatzfähig, und sie hatten sie in dieses Lager gebracht. Vermutlich würden sie zu auffällig sein, um noch weiter damit fahren zu können.

Sie war sich nicht einmal sicher, ob sie die Nacht überlebten. Licht! Ihre einzige Hoffnung auf Rettung schien bei den Aes Sedai zu liegen. Würden sie bemerken, was geschehen war, und Hilfe schicken? Das schien eine ausgesprochen schwache Hoffnung zu sein, aber sie verstand nur wenig von der Einen Macht.

»Also gut«, sagte Faile leise zu den anderen, die ebenfalls hier saßen – Mandevwin, Aravine, Harnan, Setalle und Arrela von den Cha Faile. »Reden wir.«

Die anderen sahen schrecklich aus. Vermutlich hatte man auch ihnen seit Kindertagen Angst mit Geschichten über die Fäule eingejagt. Die schnellen Todesfälle seit ihrer Ankunft in diesem Land hatten das noch untermauert. Sie wussten, wie gefährlich dieser Ort war. Jedes Geräusch in der Nacht ließ sie zusammenzucken.

»Ich erkläre, soweit ich es kann«, sagte Faile und versuchte die anderen von dem Tod um sie herum abzulenken. »Während der Blase des Bösen hat einer dieser Kristalle Berisha Sedais Fuß durchbohrt, als sie gerade dieses Wegetor webte.«

»Eine Wunde?«, fragte Mandevwin. »Hätte das denn schon ausgereicht, um das Tor scheitern zu lassen? Es stimmt, ich weiß nicht viel über die Angelegenheiten der Aes Sedai, und ich will es auch nicht. Ist es denn möglich, eine zufällige Öffnung an den falschen Ort zu erschaffen, bloß weil man abgelenkt ist?«

Setalle runzelte die Stirn, und der Ausdruck erregte Failes Aufmerksamkeit. Setalle war weder eine Adlige noch Offizierin. Aber etwas an dieser Frau … sie strahlte Autorität und Weisheit aus.

»Ihr wisst etwas?«, fragte Faile.

Setalle räusperte sich. »Ich weiß ein bisschen … ein bisschen über das Machtlenken. Einst interessierte mich dieses Gebiet. Wird ein Gewebe falsch gewoben, dann tut es manchmal einfach nichts. Dann wiederum ist das Ergebnis katastrophal. Ich habe aber nie gehört, dass ein Gewebe so etwas tun würde, einerseits funktioniert es, aber doch auf die falsche Weise.«

»Nun«, erwiderte Harnan, blickte in die Dunkelheit und schauderte sichtlich, »die Alternative bestünde darin, dass sie uns in die Fäule schicken wollte

»Vielleicht war sie desorientiert«, meinte Faile. »Die Belastung des Augenblicks ließ sie uns an den falschen Ort schicken. Ich bin in einem angespannten Augenblick auch schon in die falsche Richtung gelaufen. So könnte es gewesen sein.«

Die anderen nickten, aber wieder sah Setalle beunruhigt aus.

»Was ist?«, fragte Faile sie direkt.

»Die Ausbildung der Aes Sedai ist sehr ausführlich, gerade was solche Situationen angeht«, sagte Setalle. »Keine Frau erreicht den Rang einer Aes Sedai, ohne zu lernen, wie man die Macht unter hoher Belastung lenkt. Es gibt bestimmte … Hürden, die eine Frau überwinden muss, um den Ring tragen zu können.«

Also, dachte Faile. Setalle muss eine Angehörige haben, die Aes Sedai ist. Jemand, der ihr nahesteht, wenn sie sich solche vertraulichen Dinge erzählten. Vielleicht eine Schwester?

»Dann müssen wir davon ausgehen, dass das eine Falle ist?« Aravine klang verwirrt. »Dass Berisha eine Schattenfreundin war? Sicherlich hat der Schatten Wichtigeres zu tun, als einen einfachen Nachschubzug in die falsche Richtung zu führen.«

Faile hielt den Mund. Das Horn war in Sicherheit; die Truhe, in dem es lag, stand jetzt in der Nähe in ihrem kleinen Zelt. Sie hatten die Wagen im Kreis aufgestellt und nur dieses eine Feuer entfacht. Der Rest der Karawane schlief oder versuchte es zumindest.

Die viel zu stille Luft gab Faile das Gefühl, als beobachteten sie tausend Augen. Sollte der Schatten eine Falle für ihre Karawane geplant haben, dann bedeutete das, dass er über das Horn Bescheid wusste. In diesem Fall schwebten sie in ernsthafter Gefahr. Möglicherweise sogar einer noch größeren Gefahr, als die Anwesenheit in der Fäule allein schon bedeutete.

»Nein«, sagte Setalle. »Nein, Aravine hat recht. Das kann keine absichtliche Falle gewesen sein. Ohne die Blase des Bösen wären wir niemals so blindlings in das Tor gestolpert. Soweit wir wissen, erscheinen diese Blasen völlig zufällig.«

Es sei denn, Berisha hätte einfach die Umstände genützt. Außerdem war da der Tod der Frau zu bedenken. Diese Wunde in ihrem Leib hatte nicht ausgesehen, als wäre eine der Kristallnadeln dafür verantwortlich gewesen. Sie hatte wie eine Messerwunde ausgesehen. Als hätte jemand Berisha angegriffen, sobald das Horn das Tor passiert hatte. Damit sie niemals verraten konnte, was sie getan hatte?

Beim Licht, ich werde misstrauisch.

»Also«, sagte Harnan, »was tun wir?«

»Das kommt darauf an.« Faile sah Setalle an. »Besteht eine Möglichkeit, dass eine Aes Sedai weiß, wo man uns hingeschickt hat?«

Setalle zögerte, als wollte sie nur ungern enthüllen, wie viel sie wusste. Aber als sie das Wort ergriff, tat sie es entschieden. »Gewebe hinterlassen einen Nachklang. Also ja, eine Aes Sedai könnte entdecken, wo wir gelandet sind. Aber dieser Nachklang hält sich nicht lange. Bei einem mächtigen Gewebe bestenfalls ein paar Tage. Und nicht alle Machtlenkerinnen können ihn erkennen – das ist ein seltenes Talent.«