Выбрать главу

Schlampig. Diese Gruppe Draghkar – beim Licht, es waren mehr als hundert – hätte jeden Mann überwältigen, ihn töten und dann wieder verschwinden können, bevor man ihre Anwesenheit überhaupt entdeckte. Das ferne Grollen der Schlacht – die Signalhörner, die brüllenden Drachen, die zischenden Feuerbälle, was Elayne nun alles lediglich fühlte, aber dank ihrer zerstörten Trommelfelle nicht hören konnte – hatte den Angriff der Ungeheuer gedeckt. Sie hätten zuschlagen und fliehen können, aber sie waren gierig.

Die Königliche Garde schwärmte aus und hackte auf die überraschten Kreaturen ein – von denen viele noch Soldaten hielten. Wenn man nach der Kraft der Arme ging, waren die Bestien keine starken Kämpfer. Elayne wartete und bereitete Gewebe vor. Sie brannte die Draghkar, die zu fliehen versuchten, vom Himmel.

Sobald der Letzte von ihnen tot war – zumindest die, die sie gefunden hatten –, winkte Elayne ihre Behüterin zu sich. Die Luft stank nach verbranntem Fleisch. Elayne rümpfte die Nase und beugte sich vom Pferderücken herab, um Birgittes Kopf zwischen die Hände zu nehmen. Sie Heilte die Ohren der Frau. Dabei strampelten die Babys. Reagierten sie immer, wenn sie jemanden Heilte, oder bildete sie sich das ein? Elayne hielt sich den Leib mit einem Arm, während Birgitte zurücktrat und sich umsah.

Die Behüterin spannte einen Pfeil ein, und Elayne fühlte ihre Sorge. Birgitte schoss, und ein Draghkar taumelte aus der Deckung eines Zeltes. Ein Seanchaner stolperte mit glasigen Augen heraus. Das Seelensaugen war unterbrochen worden; der arme Kerl würde niemals wieder völlig bei Verstand sein.

Elayne wendete ihr Pferd und sah seanchanische Soldaten herbeistürmen. Birgitte redete mit ihnen, dann wandte sie sich an Elayne, um mit ihr zu sprechen. Aber Elayne schüttelte bloß den Kopf, und Birgitte zögerte, dann sagte sie etwas zu den Seanchanern.

Elaynes Leibwache sammelte sich wieder um sie, und sie eilten in die Richtung weiter, die sie ursprünglich eingeschlagen hatten. Da näherte sich eine Damane und ihre Sul’dam, die überraschenderweise vor Elayne einen Knicks machten. Vielleicht hatte diese Fortuona ihnen ja befohlen, fremden Monarchen Respekt zu erweisen.

Elayne zögerte, aber was sollte sie machen? Natürlich hätte sie zum Heilen in ihr eigenes Lager zurückkehren können, aber das würde Zeit in Anspruch nehmen, und sie musste dringend mit Mat sprechen. Was nutzte es, tagelang Schlachtpläne zu schmieden, wenn er sie dann einfach so verwarf? Sie vertraute ihm – beim Licht, sie hatte ja keine andere Wahl –, aber sie wollte dennoch wissen, was er beabsichtigte.

Sie seufzte, dann hielt sie der Damane ihren Fuß entgegen. Die Frau runzelte die Stirn, blickte die Sul’dam an. Beide schienen das als Beleidigung zu betrachten. Was Elayne auch genau so beabsichtigt hatte.

Die Sul’dam nickte, und ihre Damane berührte Elaynes Bein ein Stück über dem Stiefelrand. Die Stiefel waren nicht das Kleidungsstück einer Königin, sondern von Soldatenart, aber sie würde auf gar keinen Fall mit damenhaften Halbschuhen in die Schlacht reiten.

Ein kleiner, eisiger Stich des Heilens schoss durch ihren Körper, und langsam kehrte ihr Hörvermögen zurück. Die niedrigen Töne zuerst. Explosionen. Das ferne Dröhnen des Drachenfeuers, das Rauschen des Flusses in der Nähe. Mehrere Seanchaner, die sich unterhielten. Dann folgten die mittleren Töne, schließlich eine wahre Flut von Geräuschen. Zelteingänge raschelten, Soldaten schrien, Hörner wurden geblasen.

»Sag ihnen, sie sollen die anderen Heilen«, sagte Elayne zu Birgitte.

Birgitte hob eine Braue und fragte sich vermutlich, warum sie den Befehl nicht selbst gab. Nun, diese Seanchaner legten großen Wert darauf, welche Leute mit anderen reden durften. Sie würde ihnen nicht die Ehre geben, direkt mit ihnen zu sprechen.

Birgitte gab den Befehl weiter, und die Lippen der Sul’dam verzogen sich zu einem schmalen Strich. Sie hatte den Kopf zur Hälfte rasiert; sie war eine Adlige. Wenn das Licht auf ihrer Seite stand, hatte Elayne geschafft, sie erneut zu beleidigen.

»Ich werde es tun«, sagte die Frau. »Obwohl ich beim besten Willen nicht verstehen kann, warum eine von Euch von einem Tier Geheilt werden will.«

Seanchaner hielten nichts davon, Damane Heilen zu lassen. Zumindest behaupteten sie das. Allerdings hatte es sie keineswegs davon abgehalten, die Gewebe ihren gefangenen Frauen beizubringen, nachdem sie nun aus erster Hand gesehen hatten, welche Vorteile das in der Schlacht brachte. Allerdings akzeptierten die Hochgeborenen das Heilen nur selten, wie Elayne gehört hatte.

»Lass uns gehen«, sagte sie und trieb ihr Pferd an. Mit Gesten bedeutete sie ihren Soldaten, zurückzubleiben und sich Heilen zu lassen.

Birgitte musterte sie, widersprach aber nicht. Sie eilten weiter, Birgitte stieg auf ihr Pferd und ritt an Elaynes Seite auf das Befehlshaus der Seanchaner zu. Ungefähr von der Größe eines kleinen, einstöckigen Bauernhauses, hatte man es am südlichen Fuß des Dasharfelsens in eine große Felsspalte hineingebaut – man hatte es wieder von der Felssäule entfernt, weil Mat sich sorgte, es könnte ein zu leichtes Ziel darstellen. Den ebenen Gipfel würde man weiterhin dazu benutzen, die Schlacht in kurzen Abständen zu überwachen.

Elayne gestattete Birgitte, ihr beim Absteigen zu helfen – Licht, allmählich kam sie sich wirklich unbeholfen vor. Als wäre sie ein Schiff im Trockendock. Sie nahm sich einen kurzen Augenblick Zeit zur Vorbereitung. Reglose Züge, alle Gefühle unter Kontrolle. Sie zupfte an ihrer Frisur herum, glättete das Kleid, dann betrat sie das Gebäude.

»Was im Namen eines verfluchten, zweifingerigen, es im Heu treibenden Trollocs bildest du dir eigentlich ein, Matrim Cauthon?«, brüllte sie sofort beim Eintreten los.

Der Fluch ließ den Mann grinsend von seinem Kartentisch aufsehen, was wenig überraschte. Er trug Mantel und Hut über sehr adretter Seidenkleidung, die aussah, als wäre sie geschneidert, um zur Hutfarbe zu passen; am Kragen und an den Manschetten hatte man Leder aufgenäht, damit sie nicht völlig fehl am Platz wirkten. Es roch nach einem Kuhhandel. Aber warum trug sein Hut ein rosafarbenes Band?

»Hallo, Elayne«, erwiderte Mat. »Ich dachte mir schon, dass ich mich darauf freuen kann, dich bald zu begrüßen.« Er deutete auf einen Stuhl an der Seite des Raumes in den roten und goldenen Farben Andors. Er war zusätzlich gepolstert, und daneben stand eine Tasse mit heißem Tee auf einem Tischchen.

Sei verflucht, Matrim Cauthon, dachte sie. Wann bist du nur so clever geworden?

Die seanchanische Kaiserin saß an der Stirnseite des Raumes auf ihrem eigenen Thron, Min an der Seite, in genug grüne Seide gehüllt, um einem Laden in Caemlyn zwei Wochen lang als Ware zu reichen. Elayne entging keineswegs, dass Fortuonas Thron zwei Finger höher stand als ihrer. Verfluchte unerträgliche Frau. »Mat. In deinem Lager sind Draghkar.«

»Verdammt! Wo?«

»Ich sollte sagen, in deinem Lager waren Draghkar«, sagte Elayne. »Wir haben uns um sie gekümmert. Du solltest deine Bogenschützen anweisen, besser aufzupassen.«

»Ich habe es ihnen gesagt«, klagte Mat. »Verdammte Asche. Jemand soll die Bogenschützen überprüfen, ich …«

»Großer Prinz!« Ein Bote stürzte durch die Tür, warf sich auf die Knie und dann weiter auf den Boden, ohne dabei zu verstummen. »Das Bogenschützenufer ist gefallen! Es wurde von sharanischen Reitern getroffen – sie verbargen ihren Angriff durch den Rauch der Feuerbälle.«