Выбрать главу

»Blut und verfluchte Asche!«, sagte Mat. »Schickt sofort sechzehn Damane und Sul’dam da runter! Eine Nachricht an die nördlichen Bogenschützeneinheiten, die Abteilungen zweiundvierzig und fünfzig sollen dorthin. Und sagt den Kundschaftern, dass ich sie auspeitschen lasse, wenn sie so etwas noch einmal übersehen.«

»Höchsterlauchter«, sagte der Kundschafter, salutierte und sprang auf die Füße, dann ging er rückwärts hinaus, ohne aufzublicken, um ja nicht das Wagnis einzugehen, Mats Blick zu erwidern.

Eigentlich fand Elayne es ganz beeindruckend, wie mühelos der Kundschafter Bericht und Ehrerbietung vereint hatte. Außerdem war sie angewidert. Kein Herrscher sollte so etwas von seinen Untertanen verlangen. Die Stärke einer Nation kam durch die Stärke ihrer Menschen; brach man sie, brach man sich das eigene Kreuz.

»Du wusstest, dass ich komme,«, sagte Elayne, nachdem Mat seinen Adjutanten noch ein paar Befehle gegeben hatte. »Und du hast den Zorn erwartet, den deine Planänderungen auslösen würden. Soll man dich doch zu Asche verbrennen, Matrim Cauthon, warum hast du bloß das brennende Bedürfnis verspürt, das zu tun? Eigentlich dachte ich, wir hätten einen soliden Schlachtplan.«

»Das war er auch.«

»Warum ihn dann ändern!«

»Elayne.« Mat blickte sie an. »Jeder hat mir das Kommando übergeben, gegen meinen erklärten Willen, weil die Verlorenen meine Ansichten nicht ändern können, richtig?«

»Das war im Großen und Ganzen die allgemeine Ansicht«, erwiderte Elayne. »Obwohl das meiner Meinung nach weniger mit deinem Medaillon zu tun hatte als vielmehr mit der Tatsache, dass kein Zwang in deinen dicken, sturen Schädel eindringen kann.«

»Verdammt richtig«, sagte Mat. »Wie dem auch sei, wenn die Verlorenen Leute aus unserem Lager mit Zwang belegen, haben sie vermutlich auch ein paar Spione in unseren Besprechungen.«

»Ich schätze schon.«

»Also kennen sie unseren Plan. Unseren großen Plan, den wir so lange vorbereitet haben. Sie kennen ihn.«

Elayne zögerte.

»Licht!« Mat schüttelte den Kopf. »Die erste und wichtigste Regel, einen Krieg zu gewinnen, liegt darin, in Erfahrung zu bringen, was dein Feind tun wird.«

»Ich dachte immer, die erste Regel lautet, kenne dein Gelände«, erwiderte Elayne und verschränkte die Arme.

»Das auch. Aber wie dem auch sei, mir wurde Folgendes klar: Wenn der Feind genau weiß, was wir tun werden, müssen wir das ändern. Sofort. Schlechte Schlachtpläne sind besser als die, mit denen dein Feind rechnet.«

»Warum hast du nicht vorher geahnt, dass das passiert?«, verlangte Elayne zu wissen.

Ausdruckslos sah er sie an. Ein Mundwinkel zuckte, dann zog er den Hut tiefer und hüllte seine Augenklappe in Schatten.

»Beim Licht!«, stieß Elayne hervor.»Du hast es gewusst. Du hast diese ganze Woche damit verbracht, zusammen mit uns zu planen, und dabei hast du die ganze Zeit gewusst, dass du alles über den Haufen wirfst!«

»Das wäre zu viel der verdammten Ehre«, sagte Mat und schaute wieder auf seine Karten. »Ich glaube, ein Teil von mir hat das vielleicht die ganze Zeit über gewusst, aber es wurde mir erst einen Moment vor der Ankunft der Sharaner wirklich bewusst.«

»Wie sieht also der neue Plan aus?«

Er antwortete nicht.

»Du wirst ihn für dich behalten«, sagte Elayne und fühlte, wie ihre Beine nachzugeben drohten. »Du wirst die Schlacht anführen, und keiner von uns wird wissen, was du beim Licht planst, richtig? Sonst könnte es jemand mitbekommen, und die Neuigkeit würde den Schatten erreichen.«

Er nickte.

»Möge uns der Schöpfer behüten«, flüsterte sie.

Mat runzelte die Stirn. »Weißt du, genau das Gleiche hat Tuon auch gesagt.«

Auf dem Plateau hielt sich Uno die Ohren zu, als die Drachen in seiner Nähe den Trollocs und Sharanern westlich von ihnen ihr Feuer entgegenspuckten. Ein beißender Geruch brannte in der Luft, und der Drachendonner war so ohrenbetäubend, dass er nicht einmal seine eigenen verdammten Flüche hören konnte.

Unter ihnen griffen Lan Mandragorans Reiter die Flanken der Sturmtruppen an und versperrten ihnen den Weg, damit die Drachen mehr Schaden anrichten konnten. Die Sharaner hatten Trollocs dabei. Sie würden auch Machtlenker mit sich führen, sogar viele von ihnen. Weiter flussaufwärts rückte ein großes Trolloc-Heer – die Horde, die Dai Shans Streitmacht so große Verluste zugefügt hatte – aus dem Nordosten an und war nicht mehr weit vom Feld von Merrilor entfernt.

Die Drachen verstummten kurz, und die Drachenmänner stopften ihre Rachen mit dem Zeug, das sie antrieb, was auch immer das war. Uno würde ihnen auf keinen Fall zu nahe kommen. Das waren ganz üble Geräte, die nur Unheil bringen konnten. Davon war er fest überzeugt.

Der Anführer der Drachenmänner war ein drahtiger Cairhiener, für den Uno noch nie viel übriggehabt hatte. Für gewöhnlich starrte seinesgleichen ihn bloß immer finster an, wenn er den Mund aufmachte. Der da saß hochmütig auf seinem Pferd und zuckte nicht einmal zusammen, als die Drachen wieder feuerten.

Der Amyrlin-Sitz hatte sich mit diesen Männern verbündet und mit den Seanchanern auch. Darüber würde er sich bestimmt nicht beschweren. Sie brauchten jedes verfluchte Schwert, das sie kriegen konnten, cairhienische und verdammte seanchanische eingeschlossen.

»Gefallen Euch unsere Drachen, Hauptmann?«, rief ihm der Anführer – ein gewisser Talmanes – zu. Hauptmann. Idiotischerweise hatte man ihn befördert. Er führte nun eine Streitmacht aus frisch rekrutierten Pikenmännern der Burg und leichter Kavallerie an.

Er hätte über gar nichts den Befehl haben dürfen; er hatte sich als ganz gewöhnlicher Soldat wohlgefühlt. Aber er hatte sowohl die Ausbildung als auch Kampferfahrung, beides Dinge, die heutzutage eher rar geworden waren, zumindest hatte Königin Elayne das behauptet. Also war er jetzt ein lichtverfluchter Offizier und führte Kavallerie und Fußsoldaten an! Nun, mit einer Pike wusste er falls nötig umzugehen, obwohl er den Kampf vom Sattel aus bevorzugte.

Seine Männer standen bereit, die Anhöhe zu verteidigen, sollte es der Feind den Hang hinaufschaffen. Bis jetzt hatten die unterhalb der Drachen stationierten Bogenschützen das verhindert, aber sie würden sich bald zurückziehen müssen, und dann würden die stinknormalen Soldaten sich um den stinknormalen Kampf kümmern müssen. Unten wichen die Sharaner zur Seite, um Trollocs den langen Hang erstürmen zu lassen.

Die Pikenmänner würden vorrücken und den Angriff der Tiermenschen abwehren, und die Piken würden hier gute Dienste leisten, da die Trollocs bergauf mussten. Fügte man dann noch verfluchte Kavallerie an ihren Flanken und ein paar verdammte Bogenschützen hinzu, die durch diese hoch am Himmel gemachten Wegetore schossen, würden sie vermutlich tagelang hier aushalten können. Vielleicht sogar Wochen. Falls ein weit überlegener Feind anstürmte, würden sie einen Zoll nach dem anderen zurückweichen und sich an jedes Stück Boden festklammern.

Uno ging davon aus, dass er diese verkorkste Schlacht unmöglich überleben konnte. Er fand es schon überraschend, es bis jetzt geschafft zu haben. Im Ernst, eigentlich hätte sich schon der verrückte Masema seinen Kopf holen müssen, oder die Seanchaner in Falme, oder irgendein Trolloc. Er hatte sich bemüht, möglichst sehnig zu bleiben, damit er so widerwärtig wie möglich schmeckte, wenn sie ihn in einen ihrer abartigen Kochtöpfe steckten.

Die Drachen feuerten erneut und sprengten gewaltige Lücken in die Horden der vorrückenden Tiermenschen. Uno hielt sich die Ohren zu. »Warnt einen Mann gefälligst, bevor ihr das macht, ihr aus einem Ziegenhintern baumelnden …«

Der nächste Schuss übertönte ihn.

Unter ihnen schleuderte es Trollocs in die Luft, als die Drachen den Boden unter ihren Krallen pulverisierten. Diese Eier explodierten, sobald sie aus diesen verfluchten Rohren geschossen wurden. Was abgesehen von der Einen Macht konnte Eisen explodieren lassen? Uno war sich sicher, es niemals erfahren zu wollen.