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Talmanes trat an den Rand der Anhöhe und begutachtete den Schaden. Eine Tarabonerin gesellte sich zu ihm, die Frau, die diese Waffen erfunden hatte. Sie sah nach hinten und erblickte Uno, dann warf sie ihm etwas zu. Ein Wachsklumpen. Sie tippte sich auf die Ohren, dann redete sie gestikulierend auf Talmanes ein. Zwar hatte er den Befehl über die Truppen, aber die Frau hatte das Kommando über die Geräte. Sie sagte den Männern, wo sie die Drachen für den Kampf hinzustellen hatten.

Uno knurrte, steckte das Wachs aber ein. Eine Faust Trollocs war durch die Salve hindurchgestürmt, etwa hundert Bestien, und er hatte jetzt wirklich keine Zeit, sich um seine beschissenen Ohren zu kümmern. Er schnappte sich eine Pike, legte sie an und bedeutete seinen Männern, seinem Beispiel zu folgen. Sie trugen alle das Weiß der Burg. Uno selbst trug einen weißen Wappenrock.

Er bellte Befehle, dann machte er seine Pike bereit, indem er sich ein Stück seitwärts am Hang aufstellte. Mit einer Hand packte er den Schaft vor seinem Körper, um den Stoß zu führen und zu verstärken; die andere Hand hielt ihn eine Armlänge vom Ende entfernt, um ihn nach vorn zu rammen, wenn die Trollocs in Reichweite kamen. Hinter ihm standen mehrere Reihen Pikenmänner bereit, um nach dem ersten Zusammenstoß vorzurücken.

»Die Piken ruhig halten, ihr dämlichen Schafhirten!«, brüllte Uno. »Ruhig!«

Die Tiermenschen eilten den Hang hinauf und krachten gegen die Pikenreihe. Die ersten Bestien versuchten die Piken mit ihren Waffen zur Seite zu schlagen, aber Unos Männer traten vor und spießten die Ungeheuer auf, manchmal sogar zwei Trollocs mit einer Waffe. Uno grunzte und zog seine Pike zurück in die Reihe, um einen Trolloc in den Hals zu stechen.

»Die erste Reihe, zurück!«, brüllte er und zerrte an der Waffe, um sie aus dem getöteten Trolloc zu lösen. Seine Kameraden verfuhren ebenso, lösten ihre Waffen und ließen die Leichen den Hang hinunterrollen.

Die Pikenmänner der Frontreihe fielen zurück, während die zweite Reihe zwischen ihnen vortrat und Piken in geifernde Trollocs stieß. Jede Reihe wechselte sich an der Front ab, bis die ganze Gruppe Tiermenschen tot war. »Gute Arbeit«, sagte Uno und stellte seine Waffe senkrecht auf. Stinkendes Trolloc-Blut rann von der Spitze den Schaft hinunter. »Gute Arbeit.«

Er warf einen Blick auf die Drachenmänner, die weitere Eier in die Rohre schoben. Eilig holte er das Wachs aus der Tasche. Ja, diese verdammte Position konnten sie halten. Sie konnten sie gut halten. Sie brauchten bloß …

Ein Kreischen aus der Höhe hielt ihn davon ab, sich das Wachs in die Ohren zu stopfen. Neben ihm schlug etwas auf dem Boden auf. Eine mit Wimpeln versehene Bleikugel, die vom Himmel gefallen war. »Stinkende seanchanische Ziege!«, brüllte Uno, legte den Kopf in den Nacken und drohte mit der Faust. »Das hat fast meinen Scheitel getroffen, du Wurmfresser!«

Der Raken flog weiter. Vermutlich hatte sein Reiter nicht ein Wort von dem verstanden, was Uno gebrüllt hatte. Verdammte Seanchaner. Er bückte sich und entfernte die Notiz aus der Kugel.

Zieht euch über den Südwesthang der Anhöhe zurück.

»Du willst mich doch wohl treten«, murmelte Uno. »Gegen den Kopf treten, während ich schlafe. Allin, verdammter Narr, könnt Ihr das lesen?«

Allin, ein dunkelhaariger Mann aus Andor, trug einen Bart, der die Wangen frei ließ. Uno war schon immer der Meinung gewesen, dass das einfach nur lächerlich aussah.

»Rückzug?«, sagte Allin. »Jetzt?«

»Die haben doch ihren winzigen Verstand verloren«, knurrte Uno.

In der Nähe empfingen Talmanes und die Tarabonerin eine Botin – und der finsteren Miene der Frau nach zu urteilen, überbrachte sie dieselbe Botschaft. Rückzug.

»Cauthon sollte besser verdammt noch mal wissen, was er da tut!« Uno schüttelte den Kopf. Es ging noch immer nicht in seinen Kopf, wie jemand Cauthon auch nur den Befehl über irgendetwas übergeben konnte. Er konnte sich noch gut an den Jungen erinnern, der mit eingefallenen Augen jeden anfauchte. Halb tot, dabei ziemlich verwöhnt. Uno schüttelte den Kopf.

Aber er würde es tun. Er hatte der verfluchten Weißen Burg einen Eid geleistet. Also würde er gehorchen.

»Gebt den Befehl weiter«, sagte er zu Allin und stopfte sich Wachs in die Ohren, denn Aludra bereitete an den Drachen eine letzte Salve vor dem Rückzug vor. »Wir verlassen diese verfluchte Stellung und …«

Ein Krachen traf Uno wie ein körperlicher Schlag, ließ sein ganzes Inneres erbeben und um ein Haar sein lausiges Herz stehen bleiben. Sein Kopf schlug auf dem Boden auf, bevor er überhaupt realisiert hatte, dass er gestürzt war.

Stöhnend blinzelte er Staub aus den Augen und rollte sich herum, als ein neuer Blitz den Standort der Drachen traf. Und da kam schon der nächste. Blitze! Seine Soldaten lagen auf den Knien, die Ohren zugehalten, die Augen zusammengekniffen. Aber Talmanes stand schon wieder und brüllte Befehle, die Uno kaum verstehen konnte, bedeutete seinen Leuten, sich zurückzuziehen.

Ein Dutzend riesige und unglaublich schnelle Feuerbälle stiegen aus dem sharanischen Heer hinter den Trollocs auf. Uno fluchte und warf sich Schutz suchend in eine Bodensenke, bevor die ganze Anhöhe nur Momente später wie bei einem Erdbeben erschüttert wurde. Erdklumpen regneten auf ihn herab und begruben ihn fast.

Alles kam auf sie herunter. Alles. Jeder lichtverfluchte sharanische Machtlenker des ganzen Heeres schien sich gleichzeitig auf diesen Teil des Plateaus zu konzentrieren. Seine Leute hatten Aes Sedai, die die Drachen beschützen sollten, aber allem Anschein nach würden sie große Schwierigkeiten haben, sich gegen das hier zu wehren!

Der Angriff schien eine Ewigkeit zu dauern. Als er nachließ, kroch Uno ins Freie. Ein paar der verdammten Drachen waren in ihre Einzelteile zerlegt worden, und Aludra bemühte sich mit ihren Männern, sie in Sicherheit zu bringen und den Rest zu schützen. Talmanes, der eine blutige Hand an den Kopf hielt, brüllte herum. Uno grub sich Wachs aus einem seiner Ohren – vermutlich hatte das sein Hörvermögen gerettet – und eilte geduckt zu Talmanes.

»Wo sind Eure verfluchten Aes Sedai?«, brüllte er. »Sie sollten so etwas doch verdammt noch mal unterbinden!«

Ihnen standen vier Dutzend zur Verfügung, die Gewebe aus der Luft schneiden oder sie zur Seite lenken sollten, um die Drachen zu beschützen. Sie hatten behauptet, die Polov-Anhöhe gegen alles verteidigen zu können, abgesehen vielleicht dem Kommen des Dunklen Königs. Jetzt waren sie völlig durcheinander; die Blitze waren in ihrer Mitte eingeschlagen.

Neue Trollocs kamen den Hang hinauf. Uno befahl Allin, eine Pikenmauer zu bilden und die Kreaturen fernzuhalten, dann rannte er mit ein paar Wächtern zu den Schwestern. Er stieß zu den Behütern, half Frauen auf die Füße, suchte dabei nach ihrer Anführerin.

»Kwamesa Sedai?«, fragte er, als er die tonangebende Aes Sedai fand, die sich den Dreck aus dem Gewand klopfte. Die schlanke, dunkelhäutige Arafelerin murmelte leise vor sich hin.

»Was war das denn?«, verlangte sie zu wissen.

»Äh …«, sagte Uno.

»Die Frage war nicht an Euch gerichtet«, fauchte sie und musterte den Himmel. »Einar! Warum habt Ihr diese Gewebe nicht gesehen?«

Ein Asha’man eilte herbei. »Sie kamen so schnell. Sie waren da, bevor ich eine Warnung rufen konnte. Und … beim Licht! Wer auch immer sie schickte, war stark. Stärker, als ich je gesehen habe, stärker als …«

Hinter ihnen zerschnitt ein Strich aus Licht die Luft. Er war gewaltig, hatte die Länge der Festung von Fal Dara. Um die eigene Achse rotierend, öffnete er ein riesiges Wegetor, das den Boden zerschnitt. Auf der anderen Seite stand ein Mann in funkelnder Rüstung aus münzenähnlichen Ringen ohne Helm, mit dunklen Haaren und einer ausgeprägten Nase. In der Hand hielt er ein goldenes Zepter, dessen Spitze wie ein Stundenglas oder ein edler Pokal geformt war.

Kwamesa reagierte sofort, riss die Hand hoch und schleuderte ein Gewebe Feuer. Der Mann machte eine Bewegung, und das Feuer wurde abgewehrt. Dann hob er beinahe schon gleichgültig den Arm, und etwas Dünnes, Heißes und Weißes verband ihn mit der Aes Sedai. Ihre Gestalt glühte auf, und dann war sie einfach verschwunden. Ein paar Flocken rieselten zu Boden.