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Aber natürlich war das alles nur ein Schauspiel, damit sie versuchen konnte, ihn zu manipulieren. So waren Aes Sedai nun einmal. Ja, er hatte Lust von ihr verspürt, vielleicht sogar Zuneigung. Aber er war sich nicht sicher, dass er sich darauf verlassen konnte, was er von ihrer Seite aus glaubte gefühlt zu haben. Was er auch versucht hatte, um stark und frei zu sein, trotz allem blieb der Eindruck bestehen, dass man ihn seit seiner Jugend an unsichtbaren Fäden lenkte.

Demandreds Machtlenken pulsierte vor Kraft. Eine solche Macht.

Auf dem Plateau donnerte es ohrenbetäubend. Logain warf den Kopf in den Nacken und lachte. Körper wurden wie Blätter von der Anhöhe in die Luft geschleudert.

»Verknüpft euch mit mir«, befahl er jenen, die bei ihm geblieben waren. »Gesellt euch zu mir in einen Zirkel, und lasst uns ebenfalls den M’Hael und seine Männer suchen. Gebe das Licht, dass ich ihn finden kann – meine Tafel verdient das beste Fleisch, den Anführer des Rudels!«

Und danach … Wer wusste das schon? Schon immer hatte er sich einmal mit einem der Verlorenen messen wollen. Logain ergriff wieder die Quelle und hielt das sich aufbäumende Saidin fest, als wäre es eine sich windende Schlange, die ihn beißen wollte. Mit seinem Angreal zog er noch mehr in sich hinein, und dann strömte die Macht der anderen in ihn. Er lachte noch lauter.

Gawyn war schrecklich müde. Normalerweise hätte ihn diese Woche der Vorbereitungen erfrischen müssen, aber heute fühlte er sich, als wäre er meilenweit gelaufen.

Daran war nichts zu ändern. Er zwang seine Aufmerksamkeit wieder auf das Wegetor vor ihm auf dem Tisch, das das Schlachtfeld überblickte. »Seid Ihr sicher, dass sie es nicht sehen können?«, fragte er Yukiri.

»Ich bin sicher«, erwiderte sie. »Das ist erschöpfend überprüft worden.«

Sie wurde immer geschickter mit diesen Fenstertoren. Das hier hatte sie auf der Platte eines Tisches gewebt, den man aus Tar Valon ins Lager geschafft hatte. Er schaute auf das Schlachtfeld, als handelte es sich um eine Karte.

»Wenn Ihr die andere Seite tatsächlich unsichtbar gemacht habt«, sagte Egwene nachdenklich, »könnte dies in der Tat sehr nützlich werden …«

»Aus der Nähe wäre es leichter zu entdecken«, räumte Yukiri ein. »Das hier befindet sich aber so hoch oben am Himmel, dass es vom Boden einfach nicht zu sehen ist.«

Gawyn gefiel es nicht, dass sich Egwene so weit über das Schlachtfeld beugte. Er hielt den Mund; das Wegetor war so sicher, wie sie es weben konnten. Er konnte sie nicht vor allem beschützen.

»Beim Licht«, sagte Bryne leise, »sie hauen uns in Stücke.«

Gawyn musterte ihn. Der Mann hatte sich jeder Andeutung widersetzt, auf seine Güter zurückzukehren – selbst den weniger subtilen. Er hatte darauf bestanden, dass er noch immer ein Schwert führen konnte; man dürfte ihm nur nicht erlauben, die Führung zu übernehmen. Außerdem konnte jeder von ihnen unter einem Zwang stehen, gab er zu bedenken. In gewisser Weise bescherte ihnen das Wissen, dass er es tat, sogar einen Vorteil. Ihn konnten sie zumindest im Auge behalten.

Was Siuan auch tat. Sie hielt schützend seinen Arm. Sonst waren nur noch Silviana und Lelaine im Zelt anwesend.

Die Schlacht verlief nicht gut. Cauthon hatte bereits die Anhöhe verloren – ursprünglich hatte der Plan vorgesehen, sie so lange wie nur möglich zu halten –, und die Drachen waren zerstört. Demandreds Angriff mit der Einen Macht war viel stärker gewesen, als jeder von ihnen vorausgesehen hatte. Und aus dem Nordosten war die andere Trolloc-Horde eingetroffen und bedrängte Cauthons Verteidiger flussaufwärts.

»Was plant er nur?«, fragte Egwene und tippte auf den Tisch. Leises Geschrei drang aus der Öffnung. »Wenn er so weitermacht, wird man unsere Heere einkreisen.«

»Er versucht einen Köder für die Falle auszulegen«, sagte Bryne.

»Was für eine Falle denn?«

»Es ist nur eine Vermutung, und das Licht weiß, dass meine Einschätzung nicht mehr so vertrauenswürdig wie früher ist«, sagte Bryne. »Es sieht so aus, als wollte Cauthon alles in die Schlacht werfen, keine Verzögerungstaktik mehr, kein Versuch, die Trollocs zu erschöpfen. So, wie das hier abläuft, wird die Entscheidung in Tagen fallen. Vielleicht sogar nur in Stunden.«

»Das klingt genau wie etwas, das Mat versuchen würde«, erwiderte Egwene resigniert.

»Ich kann die Gewebe nicht sehen«, sagte Lelaine, »aber diese Macht …«

»Demandred ist mit einem Zirkel verknüpft«, erwiderte Egwene. »Augenzeugen zufolge ist es ein voller Zirkel. Etwas, das man seit dem Zeitalter der Legenden nicht mehr gesehen hat. Und er besitzt ein Sa’angreal. Einige der Soldaten sahen es – ein Zepter.«

Mit der Hand auf dem Schwertgriff beobachtete Gawyn die Kämpfe in der Tiefe. Er konnte Männer schrill schreien hören, als Demandred sie mit einer Woge Feuer nach der anderen eindeckte.

Plötzlich donnerte die Stimme des Verlorenen und hallte weit in die Luft. »Wo bist du, Lews Therin? Du bist auf jedem der anderen Schlachtfelder in Verkleidung gesehen worden. Bist du auch hier? Kämpfe gegen mich!«

Gawyns Hand umklammerte den Schwertgriff. Soldaten strömten die südwestliche Seite der Anhöhe hinunter, um die Furt zu überqueren. Ein paar kleine Gruppen hielten den Hang noch, und Drachenmänner, die aus Gawyns Perspektive so klein wie Insekten waren, zogen die noch funktionstüchtigen Drachen mit Maultiergespannen in Sicherheit.

Demandred regnete Zerstörung auf die fliehenden Truppen. Er war eine Ein-Mann-Armee und schleuderte Körper in die Luft, ließ Pferde explodieren, verbrannte und vernichtete. Um ihn herum nahmen seine Trollocs die erhöhte Stellung in Besitz. Ihr blökender Jubel stieg durch das Wegetor.

»Wir werden uns mit ihm auseinandersetzen müssen, Mutter«, sagte Silviana. »Bald.«

»Er will uns aus der Deckung locken«, meinte Egwene. »Er hat dieses Sa’angreal. Wir könnten ebenfalls einen Zirkel aus zweiundsiebzig bilden, und was dann? Ihm in die Falle gehen? Abgeschlachtet werden?«

»Welche Wahl bleibt uns denn, Mutter?«, wollte Lelaine wissen. »Licht! Er tötet Tausende.«

Er tötete Tausende. Und sie standen einfach hier herum.

Gawyn trat zurück.

Außer Yukiri, die begierig seinen Platz neben Egwene einnahm, schien niemand seinen Rückzug zu bemerken. Er schlüpfte aus dem Zelt, und als ihn die Wächter fragend ansahen, behauptete er, frische Luft zu brauchen. Egwene würde das befürworten. Sie fühlte, wie müde er in letzter Zeit war; sie hatte es ihm gegenüber schon mehrmals erwähnt. Seine Lider fühlten sich an, als würden sie Eisengewichte nach unten ziehen. Er schaute zu dem schwarzen Himmel empor. Er konnte das Donnern in der Ferne hören. Wie lange würde er wohl noch hier herumstehen und nichts tun, während andere Männer starben?

Du hast es versprochen, dachte er bei sich. Du hast gesagt, du wärst bereit, in ihrem Schatten zu stehen.

Aber das bedeutete nicht, dass er aufhören musste, wichtige Dinge zu vollbringen, oder? Er griff in die Tasche und holte einen Ring der Blutmesser hervor. Er steckte ihn auf den Finger, und augenblicklich kehrte seine Kraft zurück, verschwand seine Erschöpfung schlagartig.

Er zögerte, dann nahm er auch die anderen Ringe und steckte sie alle an.

Am Südufer des Mora rief Tam al’Thor vor den Ruinen nordöstlich vom Dasharfels das Nichts, wie es ihm Kimtin vor so vielen Jahren beigebracht hatte. Er stellte sich eine einzelne Flamme vor und ergoss seine Gefühle in sie hinein. Er wurde ganz ruhig, dann floh ihn diese Ruhe und ließ nichts zurück. Wie eine frisch gestrichene Wand, die wunderschön und weiß war. Alles schmolz dahin.

Tam war das Nichts. Er zog den Bogen, und das gute schwarze Eibenholz bog sich, der Pfeil berührte seine Wange. Er zielte, aber das war unerheblich. Wenn er so tief in die Leere eintauchte, würde der Pfeil genau das tun, was er befahl. Er wusste das nicht, genauso wenig wie die Sonne wusste, dass sie aufgehen würde, oder die Äste wussten, dass ihre Blätter fallen würden. Diese Dinge wusste man nicht; diese Dinge waren einfach.