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Während der Verknüpfung mit ihm fiel es ihr schwer, ihre Gefühle so zu stählen, wie es eine Aes Sedai sollte. Ihre beiden Persönlichkeiten vermischten sich wie zwei Farben, die man in denselben Topf schüttete. Sie kämpfte dagegen an, entschlossen, ihre Identität zu bewahren. Bei einer Verknüpfung war das von entscheidender Bedeutung, was man ihr immer wieder eingehämmert hatte.

Androl zeigte auf eine Gruppe Ungeheuer, die angefangen hatten, ihn mit Pfeilen zu beschießen. Blitzartig öffnete sich das Wegetor und verschlang die Geschosse. Pevara blickte sich um und entdeckte, dass sie auf eine andere Gruppe Tiermenschen hagelten.

Wegetore öffneten sich im Boden, rissen die Trollocs von den Beinen und ließen sie Hunderte Fuß am Himmel wieder erscheinen. Ein winziges Wegetor schnitt einem Myrddraal den Kopf ab und ließ den Körper zappelnd tintenschwarzes Blut verspritzen. Androls Mannschaft stand jetzt in der Nähe des westlichen Abschnitts, wo einst die Drachenstellung gewesen war. Überall um sie herum befanden sich Schattengezücht und Sharaner.

Androl, Machtlenken! Sie konnte fühlen, wie es in die Höhe stieg. Etwas Mächtiges.

Taim! Androls sofort aufflammende Wut fühlte sich an, als würde sie Pevara gleich aus der Welt brennen. Darin verbarg sich der Verlust von Freunden und der Zorn über den Verrat eines Mannes, der sie doch hätte beschützen sollen.

Vorsichtig, mahnte sie. Wir wissen nicht, ob er es ist.

Der Angreifer befand sich in einem Zirkel aus Männern und Frauen, sonst hätte Pevara ihn nicht wahrnehmen können. Tatsächlich konnte sie die Gewebe nicht sehen. Aber sie sah die bedrohliche, fast einen Schritt breite Feuersäule, die auf sie zuschoss und heiß genug war, um den steinigen Boden rot glühen zu lassen.

In letzter Sekunde konnte Androl ein Wegetor öffnen, das die Feuersäule abfing und zurück in die Richtung schickte, aus der sie gekommen war. Brausendes Feuer verbrannte Trolloc-Kadaver und entzündete Unkraut und Büsche.

Was dann geschah, bekam Pevara gar nicht bewusst mit. Androls Tor verschwand, als hätte man es ihm aus der Hand gerissen, dann schlugen direkt neben ihnen Blitze ein. Pevara krachte zu Boden, Androl landete schwer auf ihr.

In diesem Augenblick verlor sie sich.

Es geschah zufällig, ausgelöst von dem schweren Zusammenstoß. In den meisten Fällen wäre ihre Verknüpfung einfach entglitten, aber Androl hatte einen kräftigen Griff. Der Damm, der Pevaras Ich von dem seinen trennte, brach entzwei, und sie verschmolzen. Als würde man durch einen Spiegel treten und dann sich selbst betrachten.

Gewaltsam zog sie sich wieder heraus, tat das aber mit einer messerscharfen Wahrnehmung, die sie nicht beschreiben konnte. Wir müssen hier weg, dachte sie noch immer mit Androl verknüpft. Die anderen schienen noch alle am Leben zu sein, aber das würde nicht mehr von langer Dauer sein, falls ihr Feind die nächsten Blitze schickte. Instinktiv begann Pevara mit dem komplizierten Gewebe für ein Wegetor, obwohl das doch gar nichts bewirken würde. Androl führte den Zirkel an, also konnte bloß er …

Das Tor schnappte auf. Pevara keuchte. Sie hatte das getan, nicht er. Das gehörte zu den kompliziertesten, schwierigsten und machtintensivsten Geweben, die sie kannte, aber sie hatte das so mühelos geschafft, als würde sie jemandem zuwinken. In einem Zirkel, den ein anderer führte.

Theodrin stolperte als Erste hindurch. Die anmutige Domani zerrte einen benommenen Jonneth mit sich. Emarin folgte ihr hinkend; ein Arm baumelte nutzlos an seiner Seite.

Androl betrachtete staunend das Tor. »Ich glaubte, wenn man in einem Zirkel steckt, den ein anderer führt, könnte man unmöglich die Macht lenken.«

»Kann man auch nicht. Das ist mir zufällig gelungen.«

»Zufällig? Aber wieso …«

»Rein in das Tor, Klotzkopf«, befahl Pevara und stieß ihn darauf zu. Sie folgte ihm, dann brach sie auf der anderen Seite zusammen.

»Damodred, ich brauche Euch da, wo Ihr jetzt seid«, sagte Mat. Er machte sich nicht die Mühe aufzuschauen, konnte aber durch das geöffnete Tor Galads Pferd schnauben hören.

»Man muss sich unwillkürlich fragen, ob Ihr noch bei Verstand seid, Cauthon«, erwiderte Galad.

Schließlich sah Mat von seinen Karten auf. Er war nicht unbedingt davon überzeugt, sich jemals an diese Wegetore zu gewöhnen. Er stand im Befehlshaus, das Tuon in der Felsspalte im Dasharfels errichtet hatte, und in der Wand klaffte ein Wegetor. Auf der anderen Seite saß Galad in seiner weiß-goldenen Uniform der Kinder des Lichts auf seinem Pferd. Noch immer war er in der Nähe der Ruinen stationiert, wo sich ein Trolloc-Heer den Weg über den Mora erzwingen wollte.

Galad Damodred war ein Mann, der gut ein paar Becher Schnaps hätte vertragen können. Mit diesem hübschen Gesicht und dem immer gleichen Ausdruck hätte er genauso gut eine Statue sein können. Nein, Statuen waren lebendiger.

»Ihr tut, was man Euch befiehlt«, sagte Mat und blickte wieder auf die Karte. »Ihr sollt den Fluss an dieser Stelle halten und tun, was Euch Tam sagt. Es ist mir völlig gleichgültig, ob Ihr der Meinung seid, dass Eure Stellung nicht wichtig genug ist.«

»Nun gut«, erwiderte Galad mit einer Stimme, die so kalt wie die einer Leiche im Schnee war. Er wendete sein Pferd, und die Damane Mika schloss das Tor.

»Das da draußen ist ein Blutbad, Mat«, sagte Elayne. Beim Licht, ihr Tonfall war ja noch kälter als Galads!

»Ihr alle habt mir den Befehl übergeben. Lasst mich meine Arbeit machen.«

»Wir ernannten dich zum Befehlshaber der Heere«, erwiderte Elayne. »Du hast keineswegs den Oberbefehl.«

Das war typisch Aes Sedai, sich an jedem verdammten Wort aufzuhängen. Es … Stirnrunzelnd blickte er auf. Min hatte gerade leise etwas zu Tuon gesagt. »Was ist?«, wollte er wissen.

»Ich sah ihn allein auf einem Feld liegen«, sagte Min, »als wäre er tot.«

»Matrim«, ergriff Tuon das Wort. »Ich bin … besorgt.«

»Dieses eine Mal sind wir einer Meinung«, sagte Elayne von ihrem Thron auf der anderen Seite des Raumes. »Mat, ihr General manövriert dich aus.«

»So verflucht einfach ist das nicht«, erwiderte Mat und pochte mit dem Finger auf die Karten. »So verflucht einfach ist das nie.«

Der Mann, der den Schatten anführte, war gut. Sehr gut sogar. Es ist Demandred, dachte Mat. Ich kämpfe gegen einen der lichtverfluchten Verlorenen.

Gemeinsam erschufen sie ein grandioses Gemälde. Jeder reagierte mit subtiler Sorgfalt auf die Züge des anderen. Bloß dass Mat versuchte, etwas zu viel Rot in seine Farben zu mischen. Er wollte das falsche Bild zeichnen, aber es sollte überzeugend sein.

Das war schwer. Er musste genug Geschick beweisen, um Demandred zurückzuhalten, dabei aber schwach genug erscheinen, um Angriffslust zu wecken. Eine schrecklich subtile Finte. Es war gefährlich, möglicherweise sogar katastrophal. Gezwungenermaßen wandelte er auf der Rasierklinge. Unmöglich zu vermeiden, sich in die Füße zu schneiden. Die Frage lautete nicht, ob er bluten würde, sondern ob er es bis zur anderen Seite schaffte oder nicht.

»Setzt die Ogier in Marsch«, befahl er leise, wieder über die Karten gebeugt. »Sie sollen die Männer an der Furt verstärken.« Dort kämpften die Aiel und beschützten den Weg, während sich die Männer der Weißen Burg und der Bande der Roten Hand von der Anhöhe zurückzogen.

Der Befehl wurde an die Ogier weitergegeben. Pass auf dich auf, Loial, dachte Mat und machte eine Notiz auf die Karte, wo er die Ogier hingeschickt hatte. »Warnt Lan, er befindet sich noch immer an der Westseite der Anhöhe. Ich will, dass er sie umrundet, jetzt, wo die meisten Streitkräfte des Schattens oben sind, und dann wieder zurück zum Mora zieht, direkt in den Rücken des anderen Trolloc-Heeres, das in der Nähe der Ruinen über den Fluss will. Er soll sie nicht angreifen; er soll einfach außer Sicht bleiben und die Position halten.«