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Die Boten liefen los, um seine Befehle zu überbringen, und er machte die nächste Notiz. Eine So’jhin brachte ihm einen Becher Kaf, die Süße mit den Sommersprossen. Er war viel zu sehr auf seine Schlacht konzentriert, um ihr zuzulächeln.

Er nippte an dem Gebräu und ließ sich von der Damane ein Wegetor auf der Tischplatte weben, damit er das Schlachtfeld selbst sehen konnte. Er beugte sich darüber, legte die freie Hand aber an die Tischkante. Nur ein verdammter Narr würde sich durch ein zweihundert Fuß über dem Boden befindliches Loch stoßen lassen.

Dann stellte er den Becher auf einem Seitentischchen ab und zückte das Fernrohr. Die Trollocs rückten von der Anhöhe in Richtung Moor. Ja, Demandred war wirklich gut. Die riesigen Bestien, die er losschickte, waren langsam, aber so mächtig wie ein Steinschlag. Eine Gruppe berittener Sharaner stand ebenfalls im Begriff, die Anhöhe zu verlassen. Leichte Kavallerie. Sie würde seine Truppen an der Furt angreifen und verhindern, dass sie gegen die linke Flanke der Bestien vorrückten.

Eine Schlacht war nichts anderes als ein Duell im großen Rahmen. Auf jede Bewegung folgte eine Gegenbewegung – oft auch drei oder vier. Man reagierte, indem man eine Abteilung hierhin und eine dorthin verlegte, versuchte die Bemühungen des Gegners zu vereiteln, während man Druck auf die Stellen ausübte, an denen er schlecht aufgestellt war. Hin und her, hin und her. Mat war zahlenmäßig unterlegen, aber das konnte er sich zunutze machen.

»Teilt Talmanes die folgenden Worte mit«, sagte er, während er noch immer durch das Fernrohr blickte. »›Erinnert Ihr Euch noch, wie Ihr mit mir gewettet habt, ich könnte keine Münze quer durch die ganze Schenke in einen Becher werfen?‹«

»Ja, Höchsterlauchter«, sagte der seanchanische Bote.

Mat hatte darauf entgegnet, dass er es versuchen würde, sobald er betrunkener war – sonst wäre es doch unfair. Dann hatte er so getan, als würde er sich betrinken, und Talmanes dazu verleitet, den Einsatz von Silber auf Gold zu erhöhen.

Talmanes war das aber keineswegs verborgen geblieben, und er hatte darauf bestanden, dass er wirklich trank. Dafür schulde ich ihm immer noch ein paar Mark, oder?, dachte Mat flüchtig.

Er richtete das Fernrohr auf den Norden des Plateaus. Eine Gruppe schwerer sharanischer Kavallerie hatte sich versammelt, um den Hang hinunterzureiten; er konnte ihre langen Lanzen erkennen.

Sie bereiteten sich darauf vor, nach unten zu stürmen, um Lans Männer abzufangen, wenn sie die Nordseite der Polov-Anhöhe passierten. Dabei hatte der Befehl Lan noch gar nicht erreicht.

Es bestätigte seinen Verdacht: Demandred hatte nicht nur Spione im Lager, er hatte sogar einen im oder in unmittelbarer Nähe des Befehlshauses. Jemand, der Botschaften schicken konnte, sobald Mat den Befehl erteilt hatte. Vermutlich also Machtlenker hier im Haus, die ihre Fähigkeiten verbargen.

Verfluchte Asche. Als wäre das alles nicht schon schwer genug.

Der Bote kehrte von Talmanes zurück. »Höchsterlauchter«, sagte er, warf sich zu Boden und berührte mit der Nase den Boden, »Euer Mann sagt, dass seine Streitkräfte völlig am Boden sind. Er will Eure Befehle befolgen, lässt aber mitteilen, dass die Drachen heute nicht mehr einsatzfähig sind. Es wird Wochen brauchen, um sie zu reparieren. Sie sind … ich bitte um Vergebung, Höchsterlauchter, aber so lauteten seine genauen Worte. Sie sind schlimmer dran als eine Schenkmagd in Sabinel. Ich weiß nicht, was das zu bedeuten hat.«

»Schenkmägde arbeiten dort für Trinkgeld«, sagte Mat mit einem Grunzen, »bloß dass die Leute in Sabinel kein Trinkgeld geben.«

Das war natürlich eine Lüge. In Sabinel hatte Mat versucht, Talmanes dazu zu bringen, ihm dabei zu helfen, ein paar Schenkmägde herumzukriegen. Talmanes hatte vorgeschlagen, er solle eine Kriegsverletzung vortäuschen, um Mitleid zu erringen.

Guter Mann. Die Drachen waren noch einsatzfähig, aber vermutlich ganz schön mitgenommen. Hier hatten sie einen Vorteil; mit Ausnahme von ihm und Aludra wusste niemand, wie sie genau funktionierten. Verdammte Asche, selbst er sorgte sich bei jedem Abschuss, dass ihnen die Dinger um die Ohren flogen.

Fünf oder sechs Drachen waren unbeschädigt; Mat hatte sie rechtzeitig durch ein Wegetor in Sicherheit gebracht. Aludra hatte sie südlich von der Furt aufgestellt, wo sie auf die Anhöhe zielten. Mat würde sie einsetzen, aber bei dem Spion den Eindruck erwecken, dass so gut wie alle vernichtet worden waren. Talmanes konnte sie aber zusammenflicken, damit er sie wieder benutzen konnte.

Aber in dem Augenblick, in dem ich das mache, wird ihnen Demandred alles entgegenschleudern, was er hat. Es musste einfach der richtige Augenblick sein. Verfluchte Asche, in letzter Zeit drehte sich sein Leben nur noch darum, den richtigen Augenblick zu finden. Und genau diese Augenblicke gingen ihm langsam aus. Jetzt befahl er Aludra erst einmal, die Trollocs, die den Südwesthang hinunterkamen, über den Fluss hinweg mit dem halben Dutzend noch funktionierender Drachen unter Feuer zu nehmen.

Sie war weit genug von der Anhöhe entfernt, und sie würde in Bewegung bleiben, damit Demandred keine Gelegenheit haben würde, ihren genauen Standort zu bestimmen und sie zu vernichten. Der von ihnen erzeugte Qualm würde ihre Position zusätzlich verbergen.

»Mat«, sagte Elayne von ihrem Thron. Amüsiert fiel ihm auf, dass sie, als sie ihn aus Gründen der »Bequemlichkeit« etwas zurechtgeschoben hatte, Birgitte irgendwie dazu gebracht hatte, ihn ein paar Zoll zu erhöhen, sodass sie jetzt genau auf gleicher Höhe mit Tuon saß. Vielleicht sogar einen Zoll höher. »Bitte. Kannst du wenigstens etwas von dem erklären, was du da tust?«

Nicht ohne dass es der Spion mitbekommt, dachte er und blickte sich im Raum um. Wer war es? Eine von den drei Paaren Damane und Sul’dam? Konnte eine Damane eine Schattenfreundin sein, ohne dass es ihre Sul’dam mitbekam? Was war mit den Leuten auf der anderen Seite? Diese Adlige mit der weißen Strähne im Haar sah verdächtig aus.

Oder war es einer der vielen Generäle? Galgan? Tylee? Bannergeneralin Gerisch? Sie stand da und starrte ihn finster an. Also ehrlich. Frauen. Sie hatte wirklich ein hübsches Hinterteil, aber er hatte es bloß erwähnt, um höflich zu sein. Schließlich war er ein verheirateter Mann.

Hier war einfach zu viel Betrieb, das war das Problem. Er hätte Hirse auf den Boden streuen können und am Ende des Tages Mehl gehabt. Angeblich waren sie alle überaus loyal und nicht einmal ansatzweise dazu fähig, die Kaiserin zu verraten, sollte sie ewig leben. Was sie natürlich nicht würde, wenn hier weiterhin Spione ein und aus gingen.

»Mat?«, sagte Elayne nun schon beharrlicher. »Jemand muss wissen, was du vorhast. Solltest du fallen, müssen wir deinen Plan weiter fortführen.«

Nun, gegen dieses Argument ließ sich schwerlich etwas einwenden. Er hatte selbst schon daran gedacht. Zuversichtlich, dass man seine neuen Befehle ausführte, trat er zu Elayne. Er schaute sich um, lächelte alle unschuldig an. Sie brauchten nicht zu wissen, dass er ihnen misstraute.

»Warum schaust du jeden anzüglich an?«, wollte Elayne leise wissen.

»Ich schaue überhaupt nicht anzüglich«, protestierte er. »Nach draußen. Ich will einen Spaziergang machen und frische Luft schnappen.«

»Knotai?«, fragte Tuon und stand auf.

Er sah nicht in ihre Richtung – dieser Blick konnte Stahl durchbohren. Stattdessen verließ er ohne jede Eile das Gebäude. Wenige Augenblicke später folgten Elayne und Birgitte.

»Was soll das?«, fragte Elayne leise.

»Da drinnen sind so viele Ohren.«

»Du glaubst, im Befehlshaus ist ein Spion …«

»Moment«, sagte Mat, nahm sie am Arm und zog sie mit sich. Freundlich nickte er ein paar Totenwächtern zu. Sie grunzten zur Erwiderung. Für Totenwächter war das richtig geschwätzig.