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»Du kannst frei sprechen«, sagte Elayne. »Ich habe ein Gewebe gegen Lauscher gewebt.«

»Danke«, sagte Mat. »Ich wollte dich aus dem Befehlshaus raushaben. Ich sage dir, was ich tue. Sollte etwas schiefgehen, musst du einen neuen General aussuchen, richtig?«

»Mat, wenn du es für möglich hältst, dass da ein Spion …«

»Ich weiß es, also werde ich mir den Burschen zunutze machen. Das funktioniert schon. Vertrau mir.«

»Ja, und du bist so zuversichtlich, dass du bereits einen Ersatzplan für den Fall hast, dass du scheiterst.«

Er ignorierte die Bemerkung und nickte Birgitte zu. Sie sah sich unauffällig um und hielt nach Leuten Ausschau, die ihnen zu nahe kommen wollten.

»Wie gut spielst du Karten, Elayne?«, fragte er.

»Wie gut ich … Jetzt ist doch nicht die Zeit, um zu spielen!«

»Es ist genau der richtige Augenblick für ein Spiel. Ist dir eigentlich klar, wie sehr uns der Feind überlegen ist? Spürst du, wie sich bei Demandreds Angriffen der Boden bewegt? Wir können uns glücklich schätzen, dass er nicht in unser Befehlshaus Reist und uns angreift – ich vermute, er befürchtet, dass sich Rand irgendwo hier versteckt und er in einen Hinterhalt gerät. Aber Blut und verdammte Asche, er ist stark. Wenn wir nicht spielen, sind wir tot. Erledigt. Begraben.«

Sie verstummte.

»Mit Karten ist das so.« Mat hob einen Finger. »Karten sind nicht wie Würfel. Beim Würfeln will man so viele Würfe wie möglich gewinnen. Viele Würfe, viele Siege. Das ist allein vom Zufall bestimmt, verstehst du? Aber nicht bei den Karten. Bei einem Kartenspiel muss man die Gegner dazu verlocken, ihren Einsatz zu machen. Einen vernünftigen Einsatz. Das gelingt einem, indem man sie gelegentlich gewinnen lässt. Oder oft.

Das fällt hier nicht schwer, da wir in der Unterzahl und unterlegen sind. Die einzige Möglichkeit auf einen Sieg besteht darin, alles auf das richtige Blatt zu setzen. Beim Kartenspiel kann man neunundneunzigmal verlieren und trotzdem mit dem richtigen Blatt gewinnen. Jedenfalls solange der Gegner anfängt, leichtsinnig zu werden. Solange man sich die Verluste leisten kann.«

»Und das tust du? Du gibst vor, dass wir verlieren?«

»Natürlich nicht, verflucht.« Mat schüttelte den Kopf. »Das kann ich nicht vortäuschen. Das würde er sofort durchschauen. Ich verliere tatsächlich, aber ich behalte auch alles im Auge. Halte mich für diesen letzten Einsatz bereit, das Blatt, das noch alles gewinnen könnte.«

»Also wann schlagen wir zu?«

»Wenn die richtigen Karten kommen.« Mat hob die Hand und wehrte ihren Einspruch ab. »Elayne, ich werde es wissen. Ich werde es verflucht noch eins wissen. Mehr kann ich dazu nicht sagen.«

Sie verschränkte die Arme über dem dicken Bauch. Beim Licht, er schien jeden Tag größer zu werden. »Schön. Wie sehen deine Pläne für Andors Heer aus?«

»Ich habe Tam und seine Männer bereits am Fluss bei den Ruinen aufgestellt. Was den Rest deiner Streitkräfte angeht, möchte ich, dass du bei der Furt hilfst. Vermutlich geht Demandred davon aus, dass diese Trollocs dort oben im Norden den Fluss überqueren und unsere Verteidiger auf der shienarischen Seite flussabwärts treiben, während der Rest der Trollocs und die Sharaner die Anhöhe verlassen, um die Furt zu überqueren und uns dann flussaufwärts zu treiben.

Sie werden versuchen, uns einzukreisen, und das wird es dann gewesen sein. Aber Demandred hat eine Streitmacht den Mora hinaufgeschickt, um dem Fluss das Wasser mit einem Damm abzugraben, und das wird bald so weit sein. Wir werden sehen, ob wir das für uns in einen Vorteil verwandeln können. Aber sobald der Fluss versiegt, brauchen wir eine starke Verteidigung an Ort und Stelle, um die Trollocs aufzuhalten, wenn sie durch das Flussbett kommen. Dafür sind deine Streitkräfte da.«

»Wir gehen«, sagte Elayne.

»Wir?«, bellte Birgitte.

»Ich reite mit meinen Truppen«, verkündete Elayne und setzte sich in Richtung Pferdeseile in Bewegung. »Es ist offensichtlich, dass ich hier nichts ausrichten kann, und Mat will mich nicht im Befehlshaus haben. Also gehe ich verdammt noch mal zu dieser Furt.«

»In die Schlacht?«, sagte Birgitte.

»Wir stecken bereits mitten in der Schlacht«, erwiderte Elayne. »Die sharanischen Machtlenker könnten den Dasharfels und diese Felsspalte hier in der nächsten Minute mit zehntausend Männern angreifen. Komm schon. Ich verspreche auch, dass ich dich so viele Gardistinnen um mich herum aufstellen lasse, dass ich nicht einmal niesen kann, ohne Dutzende von ihnen nass zu machen.«

Birgitte seufzte, und Mat schenkte ihr einen tröstenden Blick. Sie nickte ihm zum Abschied zu, dann schloss sie sich Elayne an.

Also gut, dachte Mat und wandte sich wieder dem Befehlshaus zu. Elayne tat, was sie tun musste, und Talmanes hatte sein Signal begriffen. Jetzt konnte er sich der wahren Herausforderung zuwenden.

Konnte er Tuon dazu verleiten, das zu tun, was er wollte?

Galad führte die Kavallerie der Kinder des Lichts unweit der Ruinen zu einem breit gefächerten Angriff am Mora entlang. Das Schattengezücht hatte noch mehr Pontonbrücken angelegt, und Kadaver trieben hier so dicht wie Herbstblätter auf einem Teich. Die Bogenschützen hatten gute Arbeit geleistet.

Die Kreaturen, die den Übergang geschafft hatten, gaben nun den Kindern zu tun. Mit festgehaltener Lanze beugte sich Galad vor und durchtrennte den Hals eines riesigen bärgesichtigen Ungeheuers; er galoppierte mit bluttriefender Lanze weiter, während der Trolloc hinter ihm auf die Knie sackte.

Er führte seinen Hengst Sidama in die Masse der Tiermenschen, stieß sie von den Beinen oder ließ sie aus dem Weg springen. Die Macht eines Kavallerieangriffs lag in der Anzahl seiner Reiter begründet, und die von ihm zur Seite gezwungenen Feinde konnten von den nachfolgenden Pferden niedergemacht werden.

Seinem Sturmangriff folgte eine Salve von Tams Männern, die auf die Hauptgruppe der Trollocs schossen, die sich das Ufer emporkämpfte. Die nächsten strömten einfach über sie hinweg und trampelten die Verletzten noch tiefer in den Schlamm.

Golever und andere Kinder gesellten sich zu Galad, als ihrem Sturm – der über die ersten Reihen der Tiermenschen hinwegfegte – die Gegner ausgingen. Er und seine Männer zügelten scharf die Pferde, wandten sich mit erhobenen Lanzen um und galoppierten zurück, um kleine Gruppen von Reitern zu erreichen, die von der Hauptgruppe getrennt worden waren und nun allein kämpften.

Das Schlachtfeld war gewaltig. Galad verbrachte fast eine ganze Stunde damit, solche Gruppen zu suchen, sie zu retten und zurück zu den Ruinen zu befehlen, damit Tam oder einer seiner Hauptleute sie zu neuen Bannern formieren konnten. Während ihre Verlustzahlen stetig stiegen, vermengten sich die ursprünglichen Formationen mit anderen Männern. Nun ritten nicht nur Söldner mit den Kindern. Galad hatte Ghealdaner, Geflügelte Wachen und sogar zwei Behüter unter seinem Kommando. Kline und Alix. Beide hatten ihre Aes Sedai verloren. Galad rechnete nicht damit, dass sie lange überleben würden, aber sie kämpften mit furchterregender Wildheit.

Nachdem er wieder eine Gruppe Überlebende zu den Ruinen zurückgeschickt hatte, ließ er Sidama langsamer gehen und lauschte dem angestrengten Atem des Hengstes. Das Flussufer war hier zu einem blutigen Matsch aus Schlamm und Leichen geworden. Cauthon hatte recht gehabt, die Kinder hier zu belassen. Vielleicht traute er ihm ja einfach nur zu wenig zu.

»Wie lange kämpfen wir schon, was meint Ihr?«, fragte Golever neben ihm. Der Wappenrock des Kindes war zerfetzt worden und das darunterliegende Kettenhemd zum Vorschein gekommen. Eine feindliche Klinge hatte an der Seite einen Teil der Eisenringe zerschmettert. Der Schutz hatte gehalten, aber die Blutflecken waren ein deutlicher Hinweis, dass viele der Ringe durch das darunterliegende Wams in sein Fleisch getrieben worden waren. Es schien nicht zu schlimm zu bluten, also hielt Galad den Mund.