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»Zurück«, sagte Faile und schob sich den Hügel zollweise hinunter. »Wir müssen einen Plan ersinnen.«

Perrin erwachte durch das Gefühl, im Winter in einen See geworfen zu werden. Er keuchte auf.

»Legt Euch hin, Ihr Narr«, sagte Janina und nahm seinen Arm. Die hellhaarige Weise Frau sah so erschöpft aus, wie er sich fühlte.

Er befand sich an einem weichen Ort. Zu weich. Ein schönes Bett, saubere Laken. Draußen vor den Fenstern schlugen Wellen sanft gegen eine Küste, Möwen schrien. In der Nähe stöhnten auch Menschen.

»Wo bin ich?«, fragte er.

»In meinem Palast«, sagte Berelain. Sie stand direkt neben der Tür, und er hatte sie bis jetzt noch gar nicht bemerkt. Die Erste hatte ihr Diadem aufgesetzt, den fliegenden Falken, und trug ein scharlachrotes Kleid mit gelbem Besatz. Das Zimmer war üppig ausgestattet mit goldverzierten Spiegeln und Glasfenstern. Das Bett wies Bettpfosten und einen Himmel auf.

»Ich sollte hinzufügen, dass mir diese Situation irgendwie bekannt vorkommt, Lord Aybara«, fuhr die Erste fort. »Dieses Mal habe ich Vorkehrungen getroffen, nur für den Fall, dass Ihr Euch wundert.«

Vorkehrungen? Perrin schnupperte. Uno? Er konnte den Mann riechen. Und tatsächlich deutete Berelain zur Seite, und Perrin drehte sich um und fand Uno auf einem Stuhl sitzen. Der Mann trug einen Arm in der Schlinge.

»Uno! Was ist mit Euch passiert?«, fragte Perrin.

»Die lichtverfluchten Trollocs sind mir passiert«, grollte Uno. »Ich warte darauf, dass ich mit dem Heilen an der Reihe bin.«

»Zuerst werden jene mit lebensbedrohlichen Wunden Geheilt«, sagte Janina. Von den Weisen Frauen hatte sie das größte Geschick im Heilen bewiesen; anscheinend hatte sie sich entschlossen, bei den Aes Sedai und Berelain zu bleiben. »Ihr, Perrin Aybara, wurdet bis zur Grenze des Überlebens Geheilt. Aber nur bis zur Grenze des Überlebens. Wir konnten uns erst jetzt um die Verletzungen kümmern, die Euer Leben nicht bedrohten.«

»Wartet!« Mühsam setzte sich Perrin auf. Beim Licht, er war erschöpft. »Wie lange bin ich schon hier?«

»Zehn Stunden«, sagte Berelain.

»Zehn Stunden! Ich muss gehen. Der Kampf …«

»Der Kampf wird ohne Euch weitergehen«, sagte Berelain. »Es tut mir leid.«

Perrin knurrte leise. So müde. »Moiraine kannte eine Methode, die Müdigkeit eines Mannes wegzuwischen. Kennt Ihr das auch, Janina?«

»Wenn ich es wüsste, würde ich es nicht für Euch tun«, sagte die Weise Frau. »Ihr braucht Schlaf, Perrin Aybara. Euer Kampf in der Letzten Schlacht ist vorbei.«

Perrin biss die Zähne zusammen und versuchte aufzustehen.

»Verlasst dieses Bett«, sagte Janina mit einem finsteren Blick, »und ich fessle Euch mit Luft und lasse Euch dort stundenlang hängen.«

Instinktiv versuchte sich Perrin zu versetzen. Er fing an, den Gedanken zu schmieden, und kam sich augenblicklich wie ein Narr vor. Irgendwie war er in die reale Welt zurückgekehrt. Hier konnte er sich nicht versetzen. Er war so hilflos wie ein Säugling.

Frustriert legte er sich wieder zurück.

»Seid doch froh, Perrin«, sagte Berelain leise und trat ans Bett. »Ihr müsstet tot sein. Wie seid Ihr auf dieses Schlachtfeld gekommen? Hätten Euch Haral Luhhan und seine Männer dort nicht liegen gesehen …«

Perrin schüttelte den Kopf. Für jemanden, der den Wolfstraum nicht kannte, würden seine Erklärungen keinen Sinn ergeben. »Wie stehen die Dinge, Berelain? Der Krieg? Unsere Heere?«

Sie schürzte die Lippen.

»Ich kann die Wahrheit an Euch riechen«, sagte Perrin. »Sorge, Unruhe.« Er seufzte. »Ich habe gesehen, dass sich die Fronten verschoben haben. Wenn auch die Männer von den Zwei Flüssen auf dem Feld von Merrilor sind, dann wurden unsere drei Heere alle an denselben Ort zurückgedrängt. Alle abgesehen von denen in Thakan’dar.«

»Wir wissen nicht, wie es dem Lord Drachen geht«, sagte sie leise und glitt auf einen Stuhl neben seinem Bett. An der Wand nahm Janina Unos Arm. Er fröstelte, als das Heilen durch seinen Körper fuhr.

»Rand kämpft noch«, sagte Perrin.

»Es ist zu viel Zeit vergangen«, sagte sie. Da war etwas, das sie ihm nicht sagte, um das sie herumschlich. Er konnte es an ihr riechen.

»Rand kämpft noch«, wiederholte er. »Hätte er verloren, würden wir dieses Gespräch nicht führen.« Er streckte sich; die Erschöpfung steckte ihm tief in den Knochen. Beim Licht! Er konnte sich doch nicht einfach hier ausruhen, während Männer starben! »In der Nähe der Bohrung vergeht die Zeit nach anderen Maßstäben. Ich habe ihn besucht und es selbst erlebt. Hier draußen sind viele Tage vergangen, aber ich wette, dass es für Rand bloß ein Tag war. Vielleicht sogar weniger.«

»Das ist gut. Ich leite Eure Worte an die anderen weiter.«

»Berelain«, sagte Perrin. »Ihr müsst etwas für mich erledigen. Ich schickte Elyas mit einer Botschaft zu unseren Heeren, aber ich weiß nicht, ob er sie ausrichten konnte. Graendal beeinflusst den Verstand unserer Großen Hauptmänner. Könnt Ihr für mich herausfinden, ob seine Botschaft eingetroffen ist?«

»Sie ist gehört worden«, erwiderte sie. »Fast zu spät, aber sie ist eingetroffen. Ihr habt Gutes getan. Schlaft jetzt.« Sie stand auf.

»Berelain?«

Sie drehte sich zu ihm um.

»Faile. Was ist mit Faile?«

Ihre Nervosität wurde schlimmer. Nein.

»Eine Blase des Bösen zerstörte ihre Nachschubkarawane, Perrin«, sagte sie leise. »Es tut mir leid.«

»Hat man ihre Leiche gefunden?«, zwang er sich zu fragen.

»Nein.«

»Dann lebt sie auch noch.«

»Es …«

»Sie lebt noch«, beharrte Perrin. Er würde einfach annehmen müssen, dass es sich so verhielt. Wenn nicht …

»Natürlich besteht noch Hoffnung«, sagte sie, ging zu Uno, der gerade seinen Geheilten Arm vorsichtig streckte, und bedeutete ihm, sich ihr anzuschließen. Sie verließen das Zimmer. Janina beschäftigte sich noch mit dem Waschgeschirr. Perrin konnte in den Korridoren Stöhnen hören, und der ganze Ort roch nach Heilkräutern und Schmerzen.

Licht, dachte er. Failes Karawane hatte das Horn transportiert. Hatte es jetzt der Schatten im Besitz?

Und Gaul. Er musste zu Gaul zurückkehren. Er hatte den Mann im Wolfstraum zurückgelassen, wo er Rand den Rücken deckte. Falls man seine Erschöpfung zum Maßstab nehmen konnte, dann konnte der Aiel unmöglich noch viel länger durchhalten.

Perrin hatte das Gefühl, wochenlang schlafen zu können. Janina kehrte an sein Lager zurück, dann schüttelte sie den Kopf. »Es bringt nichts, wenn Ihr versucht, Eure Augen mit Gewalt aufzuhalten, Perrin Aybara.«

»Ich habe zu viel zu tun, Janina. Bitte. Ich muss zum Schlachtfeld zurückkehren und …«

»Ihr werdet hierbleiben, Perrin Aybara. In Eurem Zustand nutzt Ihr niemandem, und der Versuch, etwas anderes zu beweisen, bringt Euch kein Ji ein. Wenn der Schmied, der Euch hergebracht hat, erfahren würde, dass ich Euch losstolpern und auf dem Schlachtfeld sterben ließ, würde er bestimmt zurückkommen und versuchen, mich an den Füßen aus dem Fenster zu hängen.« Sie zögerte. »Und dieser Mann … ich glaube beinahe, ihm könnte das gelingen.«

»Meister Luhhan«, sagte Perrin und erinnerte sich schwach an die Augenblicke, bevor er das Bewusstsein verloren hatte. »Er war dort. Er fand mich?«

»Er rettete Euer Leben. Dieser Mann warf sich Euch über die Schulter und rannte zu einer Aes Sedai, damit sie ein Wegetor webte. Bei seiner Ankunft wart Ihr nur Sekunden vom Tod entfernt. Zieht man Eure Größe in Betracht, dann ist es schon eine beträchtliche Tat, Euch überhaupt hochzuheben.«