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»Die Luftgewebe werden sich in ein paar Minuten von selbst auflösen«, sagte der Mann barsch. »Ich konnte mir nicht vorstellen, dass sie mich durchlassen.«

Mat warf Tuon einen Blick zu. Sie war so steif wie eine gestärkte Schürze geworden. Seanchaner vertrauten keinen Frauen, die die Macht lenken konnten, und erst recht nicht jemandem wie Logain.

»Logain«, sagte er. »Ich brauche Euch an der Seite der Weißen Burg. Diese Sharaner schlagen sie zu Brei.«

Logain trug mit Tuon ein Blickduell aus.

»Das ist nicht mein Krieg.«

»Das ist unser Krieg«, fauchte Mat. »Für jeden Einzelnen von uns.«

»Ich stand zum Kampf bereit«, erwiderte Logain. »Und wie wurde es mir gedankt? Fragt die Rote Ajah. Sie verraten Euch, welche Belohnung ein vom Muster missbrauchter Mann zu erwarten hat.« Er lachte bellend. »Das Muster verlangte einen Drachen! Also kam ich! Aber zu früh. Nur etwas zu früh.«

»Moment mal.« Mat trat zu ihm. »Ihr seid zornig, weil Ihr nicht der Drache sein konntet?«

»Es geht nicht um so kleinliche Dinge«, sagte Logain. »Ich folge dem Lord Drachen. Soll er sterben. Daran liegt mir nichts. Aber ich und die Meinen sollten an seiner Seite sein und nicht hier kämpfen. Diese Schlacht um die bedeutungslosen Leben von Männern ist nichts verglichen mit der Schlacht am Shayol Ghul.«

»Und doch wisst Ihr, dass wir Euch hier brauchen«, erwiderte Mat. »Sonst wärt Ihr schon längst gegangen.«

Logain schwieg.

»Geht zu Egwene. Sammelt jeden ein, den Ihr habt, und beschäftigt die sharanischen Machtlenker

»Was ist mit Demandred?«, fragte Logain leise. »Er verlangt nach dem Drachen. Er verfügt über die Kraft von einem Dutzend Männer. Keiner von uns kann ihm entgegentreten.«

»Und doch wollt Ihr es versuchen, oder? Darum seid Ihr eigentlich hier, jetzt in diesem Augenblick. Ihr wollt, dass ich Euch gegen Demandred schicke.«

Logain zögerte, dann nickte er. »Den Wiedergeborenen Drachen kann er nicht haben. Stattdessen wird er mit mir vorliebnehmen müssen. Der … Ersatz des Drachen, wenn man so will.«

Verfluchte Asche, die sind doch alle verrückt. Aber unglücklicherweise stand die Frage im Raum, was er sonst gegen einen der Verlorenen ausrichten sollte. Im Augenblick drehte sich sein Schlachtplan darum, Demandred beschäftigt zu halten und den Mann zu Reaktionen zu zwingen. Wenn er die Arbeit eines Generals erledigen musste, konnte er nicht so viel Schaden durch Machtlenken anrichten.

Mat würde sich wirklich etwas einfallen lassen müssen, um den Verlorenen auszuschalten. Er arbeitete daran. Schon die ganze verdammte Schlacht arbeitete er daran, und ihm war noch nichts eingefallen.

Wieder warf er einen Blick durch sein Wegetor. Elayne wurde viel zu sehr bedrängt. Er musste etwas unternehmen. Die Seanchaner ins Feld schicken? Er hatte sie am südlichen Ende des Feldes von Merrilor am Ufer des Erinin Aufstellung nehmen lassen. Sie würden für Demandred das Ass im Ärmel sein, das ihn daran hinderte, sämtliche Truppen in die Kämpfe zu entsenden. Davon abgesehen hatte er Pläne für sie. Wichtige Pläne.

Logain würde gegen Demandred nicht viel bewirken können, wenn er das richtig einschätzte. Aber er würde mit dem Asha’man irgendwie klarkommen müssen. Wenn Logain es versuchen wollte, dann sollte es eben so sein.

»Ihr dürft gegen ihn kämpfen«, sagte Mat. »Tut es jetzt oder wartet, bis er etwas geschwächt ist. Beim Licht, ich hoffe, wir können ihn schwächen. Aber wie dem auch sei, das überlasse ich Euch. Sucht Euch den richtigen Augenblick aus und greift an.«

Logain lächelte, dann webte er mitten im Raum ein Wegetor und schritt mit der Hand auf dem Schwertknauf hindurch. Genug Stolz, um der Wiedergeborene Drache zu sein, hatte er ja, das stand fest. Mat schüttelte den Kopf. Was würde er darum geben, um nichts mehr mit diesen ganzen Anführern zu tun haben zu müssen. Er mochte jetzt einer von ihnen sein, aber das konnte man wieder in Ordnung bringen. Dazu brauchte er bloß Tuon davon zu überzeugen, dem Thron zu entsagen und mit ihm durchzubrennen. Das würde nicht einfach werden, aber verdammte Asche, er schlug die Letzte Schlacht. Verglichen mit dieser Herausforderung schien Tuon ein Knoten zu sein, der sich spielerisch leicht öffnen ließ.

»Ruhmreich …«, flüsterte Min. »Das wird immer noch geschehen.«

»Jemand soll nach diesen Wächtern sehen«, sagte Mat und wandte sich wieder seinen Karten zu. »Tuon, wir sollten Euch vielleicht an einen anderen Ort bringen. Dieses Gebäude hier war nie sicher, und Logain hat das einmal mehr bewiesen.«

»Ich kann mich selbst verteidigen«, verkündete sie hochmütig.

Zu hochmütig. Er sah sie mit hochgezogener Braue an, und sie nickte.

Wirklich?, dachte er. Darum willst du dich streiten? Er war nicht davon überzeugt, dass der Spion das glauben würde. Eigentlich war der Grund zu fadenscheinig.

Sein Plan mit Tuon hatte vorgesehen, sich das zum Vorbild zu machen, was Rand einst mit Perrin gemacht hatte. Falls er ein Zerwürfnis mit den Seanchanern vortäuschen und Tuon dadurch ihre Truppen zurückziehen lassen konnte, würde der Schatten sie vielleicht ignorieren. Er brauchte dringend irgendeinen Vorteil.

Zwei Wächter traten ein. Nein, drei. Der eine Bursche war sehr unscheinbar. Mat schüttelte an Tuon gerichtet den Kopf und wandte sich wieder seinen Karten zu – da würden sie einen glaubwürdigeren Grund zum Streit brauchen.

Etwas an dem kleinen Wächter beschäftigte ihn. Sieht eher wie ein Diener als wie ein Soldat aus, dachte er. Er zwang sich aufzusehen, obwohl er sich nun wirklich nicht von irgendwelchen Dienern ablenken lassen sollte. Ja, da war der Bursche und stand nun neben seinem Tisch. Er verdiente wirklich keinerlei Aufmerksamkeit, obwohl er gerade ein Messer zückte.

Ein Messer.

Mat stolperte zurück, als der Graue Mann angriff, zückte selbst ein Messer und schrie auf, während Mika im selben Augenblick rief: »Die Macht wird gelenkt! In der Nähe!«

Min warf sich auf Fortuona, als die Wand des Befehlshauses plötzlich in Flammen stand. Sharaner in seltsamen Rüstungen aus golden lackierten Stahlbändern waren durch die brennende Öffnung zu sehen. Begleitet wurden sie von Machtlenkern mit tätowierten Gesichtern: Frauen in langen, steifen Kleidern, Männer mit bloßem Oberkörper und zerfetzten Hosen. Min nahm das alles mit einem Blick auf, bevor sie Fortuonas Thron umkippte.

Ein Feuerball schoss haarscharf an ihr vorbei, versengte ihr kostbares Seidengewand und verschlang die Wand hinter ihr. Fortuona wand sich aus ihrem Griff und kroch über den Boden; Min blinzelte überrascht. Die Frau hatte ihr bauschiges Gewand hinter sich gelassen – es war dazu gemacht, sie sofort freizugeben – und trug nun nur noch glatte Seidenhosen und ein eng anliegendes Hemd, beides schwarz.

Tuon kam mit einem Messer in der Hand wieder auf die Beine und knurrte leise auf eine beinahe raubtierhafte Weise. In der Nähe prallte Mat auf dem Boden auf, verkrallt in einen mit einem Messer bewaffneten Mann. Wo war dieser Angreifer bloß hergekommen? Min konnte sich nicht daran erinnern, ihn eintreten gesehen zu haben.

Tuon rannte zu Mat herüber, während die sharanischen Machtlenker das Befehlshaus mit Feuer bombardierten. Min kämpfte sich, von ihrem schrecklichen Gewand behindert, auf die Füße und duckte sich neben den Thron, drückte den Rücken dagegen, als sich der Boden aufbäumte.

Fortuona konnte sie nicht erreichen, also zwängte sie sich durch die hintere Wand, die aus dem papierähnlichen Zeug gefertigt war, das die Seanchaner Tenmi nannten.

Der Qualm ließ sie husten, aber jetzt, da sie draußen war, war die Luft doch klarer. Auf dieser Seite des Gebäudes war kein Sharaner zu sehen. Sie griffen alle von der anderen Richtung aus an. Min rannte an der Wand entlang. Machtlenker waren gefährlich, aber wenn es ihr gelang, einem ein Messer in den Leib zu rammen, würde die Eine Macht der ganzen Welt nicht helfen.