Sofort erschien Androl eifersüchtig. Was seid Ihr? Eine Grüne, die ein Schwarm Männer umschwirrt?
Sie übermittelte ihm ihre Belustigung. Warum nicht?
Sie sind zu jung für Euch. Jedenfalls Jonneth. Und Theodrin würde mit Euch um ihn kämpfen.
Ich denke daran, mit ihnen den Behüterbund einzugehen, nicht, sie ins Bett zu zerren, Androl. Also ehrlich. Außerdem zieht Emarin Männer vor.
Androl verstummte. Wirklich?
Aber natürlich. Ist Euch das noch nie aufgefallen?
Androl erschien verblüfft. Manchmal konnten Männer überraschend begriffsstutzig sein, selbst so aufmerksame Beobachter wie Androl.
Pevara umarmte die Eine Macht, als sie die Mitte der Gruppe erreichten. Würde sie genug Zeit für ein Wegetor haben, falls etwas schiefging? Das Terrain war ihr unbekannt, aber solange sie an einen Ort in der Nähe Reiste, würde das keine Rolle spielen. Sie hatte das Gefühl, an eine Henkersschlinge zu treten und sie sich genau anzusehen, um zu entscheiden, wie gut sie ihrem Hals passte.
In der Mitte der Gruppe stand ein hochgewachsener Mann in einer Rüstung aus Silberscheiben mit Löchern in der Mitte und gab Befehle. Neben ihm schwebte ein Pokal durch die Luft. Androl versteifte sich. Er lenkt die Macht, Pevara.
Also das war Demandred? Er musste es sein. Pevara ließ sich vom warmen Schein Saidars überfluten und ihre Gefühle fortspülen. Der alte Mann, der sie geführt hatte, trat vor und flüsterte Demandred etwas zu. Trotz ihrer durch Saidar geschärften Sinne konnte Pevara seine Worte nicht verstehen.
Demandred wandte sich ihrer kleinen Gruppe zu. »Was soll das? Hat M’Hael seine Befehle so schnell wieder vergessen?«
Androl ließ sich auf die Knie fallen, und die anderen folgten seinem Beispiel. Obwohl es sie anwiderte, schloss sich Pevara ihnen an.
»Erhabener«, sagte Androl, »wir sind bloß …«
»Keine Ausflüchte!«, brüllte Demandred. »Keine Spielchen! M’Hael soll alle seine Schattenlords nehmen und die Truppen der Weißen Burg vernichten. Wenn ich noch einen von euch abseits vom Kampf sehe, werdet ihr euch wünschen, ich hätte euch stattdessen den Trollocs übergeben!«
Androl nickte eifrig, dann wich er zurück. Eine für Pevara unsichtbare Peitsche aus Luft traf ihn mitten ins Gesicht – sie spürte seinen Schmerz durch den Bund. Der Rest von ihnen folgte ihm und zog sich mit gesenkten Köpfen zurück.
Das war dumm und gefährlich, sagte Pevara.
Und effektiv, erwiderte er mit starr nach vorn gerichtetem Blick und der Hand an der Wange; zwischen den Fingern sickerte Blut. Jetzt wissen wir mit Sicherheit, dass Taim auf dem Schlachtfeld ist, und wir wissen, wo wir ihn finden. Beeilen wir uns.
Galad eilte durch einen Albtraum. Er hatte gewusst, dass die Letzte Schlacht vermutlich das Ende der Welt bedeutete, aber jetzt … jetzt fühlte er es auch.
Machtlenker von beiden Seiten schlugen aufeinander ein und ließen die Polov-Anhöhe erbeben. Blitze waren so oft eingeschlagen, dass Galad so gut wie nichts mehr hören konnte, und seine Augen schmerzten von dem grellen Aufleuchten in der Nähe.
Er warf sich gegen die Hangseite, grub die Schulter in den Boden und duckte sich, als vor ihm eine Reihe Explosionen den Untergrund aufriss. Seine Mannschaft – zwölf Männer in schmutzigen weißen Umhängen – warfen sich zusammen mit ihm in Deckung.
Die Angriffe setzten den Truppen der Weißen Burg schwer zu, aber das galt auch für die Sharaner. Das von so vielen Machtlenkern entfesselte Inferno war schier unglaublich.
Hier an der Westseite kämpften der größte Teil der Infanterie der Weißen Burg und zahlreiche Sharaner. Galad blieb am Rand dieses Schlagabtausches und hielt nach sharanischen Machtlenkerinnen Ausschau, die allein oder in kleinen Gruppen unterwegs waren. Auf beiden Seiten waren die Linien vielerorts zersplittert. Das war nicht überraschend; die hier eingesetzte Eine Macht machte es so gut wie unmöglich, solide Schlachtenreihen beizubehalten.
Überall rannten Soldaten umher und suchten Deckung in Löchern, die in den Felsen gesprengt worden waren. Andere beschützten Gruppen von Machtlenkern. In der Nähe streiften Männer und Frauen in kleinen Einheiten umher und vernichteten die Truppen der Burg mit Feuer und Blitzen.
Auf diese hatte es Galad abgesehen.
Er hob das Schwert und zeigte auf drei Sharanerinnen ein Stück weiter den Hang hinauf. Er und seine Männer befanden sich auf halber Höhe.
Drei. Drei würden schwierig sein. Sie richteten ihre Aufmerksamkeit auf eine kleine Abteilung Soldaten, die die Flamme von Tar Valon trugen. Blitze regneten auf die unglücklichen Männer herab.
Galad hielt vier Finger in die Höhe. Plan Nummer vier. Er sprang aus seiner Deckung und rannte auf die drei Frauen zu. Seine Männer zählten bis fünf, dann folgten sie ihm.
Die Frauen sahen ihn. Wäre das nicht passiert, hätte Galad den Vorteil gehabt. Eine von ihnen hob die Hand, webte Feuer und schleuderte ihm das Gewebe entgegen. Die Flamme traf ihn, und obwohl er die Hitze spüren konnte, löste sich das Gewebe in seine Einzelteile auf – ließ ihn angesengt, aber größtenteils unversehrt zurück.
Die Sharanerin riss entsetzt die Augen auf. Dieser Blick … dieser Blick wurde Galad langsam vertraut. Es war der Ausdruck eines Soldaten, dessen Schwert im Kampf zerbrach, der Ausdruck einer Person, die etwas gesehen hatte, das es eigentlich nicht hätte geben dürfen. Was tat man, wenn die Eine Macht versagte, die eine Sache, die einen über seine Mitmenschen erhob?
Man starb. Galads Klinge forderte den Kopf der Frau, während ihre Gefährtinnen versuchten, ihn mit Luft zu fesseln. Das Metall auf seiner Brust wurde eiskalt, und er fühlte, wie die Luftströme um ihn herumbrausten.
Eine schlechte Entscheidung, dachte Galad und rammte der zweiten Frau das Schwert in die Brust. Die dritte erwies sich als schlauer und schleuderte einen großen Stein gegen ihn. Er bekam kaum rechtzeitig den Schild hoch, bevor der Stein gegen seinen Arm schmetterte und ihn von den Beinen holte. Die Frau hob gerade den nächsten Stein, als Galads Mannschaft über sie herfiel. Unter Schwerthieben ging sie zu Boden.
Galad bekam wieder Luft; Schmerz strahlte von der Stelle aus, an der ihn der Stein getroffen hatte. Stöhnend setzte er sich auf. In der Nähe hackten seine Männer noch immer auf die dritte Sharanerin ein. So gründlich mussten sie gar nicht sein, aber einige der Kinder hatten merkwürdige Vorstellungen, wozu Aes Sedai fähig waren. Er hatte Laird dabei erwischt, wie er den abgeschlagenen Kopf einer Sharanerin ein Stück entfernt von der Leiche vergraben wollte. Laird behauptete steif und fest, dass sie beim nächsten Vollmond ins Leben zurückkehren würde, wenn man das nicht tat.
Während die Männer die anderen beiden Leichen verstümmelten, kam Golever heran und bot Galad die Hand. »Soll mich das Licht doch verbrennen«, sagte Golever mit einem breiten Grinsen im bärtigen Gesicht, »wenn das nicht die beste Arbeit ist, die wir je erledigt haben, mein Kommandierender Lordhauptmann, dann weiß ich es auch nicht!«
Galad stand auf. »Es ist das, was getan werden muss, Kind Golever.«
»Ich wünschte, man hätte es öfter tun müssen! Darauf haben die Kinder seit Jahrhunderten gewartet. Ihr seid der Erste, der es auch tut. Das Licht erleuchtet Euch, Galad Damodred. Das Licht erleuchtet Euch!«
»Möge das Licht den Tag erleuchten, an dem kein Mann mehr töten muss«, erwiderte Galad müde. »Es ist nicht richtig, sich am Tod zu erfreuen.«