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Seine erschöpften Soldaten setzten sich einfach zwischen die Toten auf das Schlachtfeld. Einige fingen mühsam an, sich selbst Verbände anzulegen, oder kümmerten sich um die Verletzten, die sie ins Innere des Keils gezogen hatten. Im Süden entdeckte Tam einen entmutigenden Anblick. Verließen die Seanchaner etwa ihr Lager am Dasharfels?

»Haben wir also gewonnen?«, fragte er.

»Nicht mal annähernd«, antwortete Lan. »Wir haben diesen Teil des Flusses erobert, aber das ist der weniger wichtige Kampf. Demandred hatte seine Trollocs hier erbarmungslos angetrieben, damit wir den größeren Kampf flussabwärts an der Furt nicht unterstützen können.« Lan wendete sein Pferd. »Sammelt Eure Männer, Klingenmeister. Diese Schlacht endet nicht mit der untergehenden Sonne. Ihr werdet in den kommenden Stunden erneut gebraucht. Tai’shar Manetheren.«

Lan galoppierte mit donnernden Hufen zu seinen Grenzländern.

»Tai’shar Malkier«, rief ihm Tam verspätet hinterher.

»Also … sind wir noch immer nicht fertig?«, fragte Dannil.

»Nein, mein Junge. Das sind wir nicht. Aber wir machen eine Pause, lassen die Männer Heilen und finden etwas zu essen.« Unversehens klafften am Schlachtfeldrand Wegetore auf. Cauthon war also klug genug gewesen, Tam zu ermöglichen, seine Verwundeten nach Mayene zu schaffen. Es …

Menschen strömten aus den Öffnungen. Hunderte, nein, Tausende. Tam runzelte die Stirn. In der Nähe sammelten sich die Weißmäntel – der Angriff der Tiermenschen hatte sie hart getroffen, aber Tams Ankunft hatte sie vor der Vernichtung bewahrt. Argandas Truppen formierten sich oben an den Ruinen, und die von Trolloc-Kadavern umgebene Wolfsgarde richtete ihre blutverschmierte Flagge hoch in den Himmel.

Mühsam setzte sich Tam in Bewegung. Jetzt fühlten sich seine Gliedmaßen wie tote Gewichte an. Er war erschöpfter, als hätte er einen Monat damit verbracht, Baumstümpfe aus dem Boden zu ziehen.

Am ersten Wegetor stieß er auf Berelain höchstpersönlich, die dort mit einigen Aes Sedai stand. Inmitten von Schlamm und Tod erschien die wunderschöne Frau schrecklich fehl am Platz. Ihr schwarzes und silbernes Gewand, das Diadem in ihrem Haar … Licht, sie gehörte nicht hierher.

»Tam al’Thor«, begrüßte sie ihn. »Ihr habt den Befehl über diese Streitmacht?«

»Mehr oder weniger«, erwiderte Tam. »Entschuldigt, meine Lady die Erste, aber wer sind diese ganzen Menschen?«

»Die Flüchtlinge aus Caemlyn«, sagte Berelain. »Ich schickte ein paar Kundschafter, um zu sehen, ob sie dringend Heilung benötigen. Sie verweigerten sie und bestanden darauf, dass ich sie zur Schlacht bringe.«

Tam kratzte sich am Kopf. Zur Schlacht? Alle Männer und viele Frauen, die ein Schwert halten konnten, waren bereits in die Armee aufgenommen worden. Hier kamen vor allem Kinder und Ältere durch die Tore und ein paar Hausfrauen, die zurückgeblieben waren, um sich um die Jüngsten zu kümmern.

»Entschuldigt«, sagte er, »aber auf diesem Feld herrscht der Tod.«

»Das habe ich ihnen zu erklären versucht«, sagte Berelain mit einem Hauch von Verzweiflung in der Stimme. »Sie behaupten, sie könnten nützlich sein. Es wäre immer noch besser, als das Ende der Letzten Schlacht zusammengedrängt an der Straße nach Weißbrücke abwarten zu müssen, sagen sie.«

Stirnrunzelnd verfolgte Tam, wie Kinder auf das Feld liefen. Sein Magen verkrampfte sich, als er sah, wie sie die schrecklichen Toten näher betrachteten, und viele zuckten anfangs zurück. Andere bahnten sich einen Weg vorbei an den Gefallenen und hielten Ausschau nach Leuten, die noch immer lebten und Geheilt werden konnten. Begleitet wurden sie von ein paar alten Soldaten, die man zum Schutz der Flüchtlinge abkommandiert hatte; sie passten auf Trollocs auf, die noch nicht ganz tot waren.

Frauen und Kinder fingen an, zwischen den Toten Pfeile einzusammeln. Das würde nützlich sein. Sehr nützlich. Überrascht sah Tam Hunderte von Kesselflickern aus einem Wegetor strömen. Sie machten sich daran, unter der Anleitung mehrerer Gelber Schwestern nach Verwundeten zu suchen.

Tam ertappte sich bei einem Nicken. Es störte ihn noch immer, Kindern zu erlauben, etwas Derartiges zu sehen. Nun, wenn wir hier versagen, werden sie noch viel Schlimmeres sehen, dachte er. Wenn sie sich nützlich machen wollten, dann sollte man es ihnen erlauben.

»Sagt mir, Tam al’Thor«, fragte Berelain, »geht es … Galad Damodred gut? Ich sehe hier seine Männer, aber nicht sein Banner.«

»Er wurde zu anderen Pflichten abberufen, meine Lady die Erste«, antwortete Tam. »Flussabwärts. Ich fürchte, ich habe seit Stunden nichts mehr von ihm gehört.«

»Ah. Nun, Heilen wir Eure Männer und geben ihnen etwas zu essen. Vielleicht trifft ja bald eine Nachricht von Lord Damodred ein.«

Elayne berührte sanft Gareth Brynes Wange. Dann schloss sie seine Augen, erst das eine, dann das andere, bevor sie den Soldaten zunickte, die seine Leiche gefunden hatten. Sie trugen Bryne fort. Seine Beine baumelten über den Rand seines Schildes, der Kopf hing über die andere Seite.

»Er ritt einfach schreiend los«, sagte Birgitte. »Direkt in die feindlichen Linien. Er war nicht aufzuhalten.«

»Siuan ist tot«, sagte Elayne und verspürte ein beinahe überwältigendes Gefühl des Verlusts. Siuan … sie war immer so stark gewesen. Mühsam brachte sie ihre Gefühle unter Kontrolle. Sie musste ihre Aufmerksamkeit auf die Schlacht gerichtet halten. »Gibt es eine Nachricht von dem Befehlshaus?«

»Das Lager am Dasharfels wurde aufgegeben«, meldete Birgitte. »Ich weiß nicht, wo Cauthon steckt. Die Seanchaner haben uns im Stich gelassen.«

»Lass mein Banner noch höher heben«, sagte Elayne. »Bis wir von Mat hören, übernehme ich den Befehl über dieses Schlachtfeld. Schaff meine Berater her.«

Birgitte ritt los, um die Befehle zu geben. Elaynes Gardistinnen sahen argwöhnisch zu, wie die Trollocs am Fluss gegen die Andoraner anstürmten. Sie füllten den Korridor zwischen der Anhöhe und dem Moor völlig aus und drohten den Boden von Shienar zu betreten. Ein Teil von Egwenes Streitmacht hatte die Tiermenschen von der anderen Seite des Korridors angegriffen, was eine Weile etwas Druck von ihren Truppen genommen hatte, aber noch mehr Angreifer hatten sich von oben auf sie gestürzt, und es sah so aus, als würden Egwenes Männer niedergemacht.

Elayne hatte soliden Unterricht in Taktik genossen, hatte aber wenig praktische Erfahrung auf dem Feld. Trotzdem blieb ihr nicht verborgen, wie schlimm sich die Dinge entwickelten. Ja, sie hatte die Nachricht erhalten, dass der Brückenkopf der Trollocs flussaufwärts von dem eintreffenden Lan und seinen Grenzländern aufgerieben worden war. Aber das brachte der Situation hier an der Furt kaum eine Erleichterung.

Jeden Augenblick ging die Sonne am Horizont unter. Der Feind machte keine Anstalten, sich zurückzuziehen, und die Soldaten begannen zögernd, große Feuer und Fackeln zu entzünden. Die Männer rechteckige Formationen bilden zu lassen erleichterte die Verteidigung, aber es bedeutete auch, jede Hoffnung auf einen Vorstoß aufzugeben. Hier kämpften auch die Aiel und die Cairhiener. Aber die Pikenhaufen bildeten das Fundament ihres Schlachtplans.

Sie kreisen uns langsam ein, dachte sie. Und wenn dem Schattengezücht das gelang, konnten sie zudrücken, bis die Andoraner zerplatzten. Beim Licht, das ist schlimm.

Noch einmal loderte die Sonne hinter den Wolken am Horizont grell auf. Die kommende Nacht verschaffte den Bestien einen weiteren Vorteil. Mit der hereinbrechenden Dunkelheit kam auch die Kälte. Ihre ursprüngliche Annahme, dass diese Schlacht Tage in Anspruch nehmen würde, erschien jetzt albern. Der Schatten griff mit seiner ganzen Macht an. Der Menschheit blieben keine Tage mehr, sondern nur noch Stunden.