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Taim rieb sich mit zwei Fingern die Stirn, schloss die Augen. »Und ich glaubte, Ihr könntet eine so einfache Sache erledigen.« Taim erschuf ein kompliziertes Gewebe aus Geist und Feuer. Es traf Androl wie der Biss einer Schlange.

Plötzlich raste ein Schmerz durch seinen Körper, fing in den Füßen an und breitete sich in alle Glieder aus. Aufschreiend brach er zusammen.

»Wie gefällt Euch das?«, fragt Taim. »Moridin hat mir das beigebracht. Ich glaube, er will mich gegen Demandred hetzen.«

Androl schrie mit seiner eigenen Stimme. Das entsetzte ihn, aber es schien niemandem aufzufallen. Als Taim das Gewebe endlich losließ, verblich der Schmerz. Androl wälzte sich weiter im Staub, seine Glieder zuckten noch immer durch die Erinnerung an den Schmerz.

»Steht auf«, knurrte Taim.

Mühsam kam Androl auf die Beine.

Ich bin auf dem Weg, dachte Pevara.

Bleibt zurück, erwiderte er. Licht, er fühlte sich kraftlos. Als er aufstand, stolperte er gegen Taim, griff nach ihm, denn seine Beine wollten nicht gehorchen.

»Narr«, sagte Taim. »Steht still.« Und er begann ein anderes Gewebe. Androl versuchte aufzupassen, aber er war zu nervös, um Einzelheiten mitzubekommen. Es schwebte vor ihm, dann legte es sich um ihn.

»Was tut Ihr da?«, fragte er. Er brauchte das Zittern in seiner Stimme nicht vorzutäuschen. Diese Schmerzen.

»Ihr habt Androl gesehen?«, sagte Taim. »Ich lege Euch eine Spiegelmaske an und drehe das Gewebe um, lasse Euch wie er aussehen. Ich will, dass Ihr Euch als den Pagen ausgebt, Logain findet und ihn tötet. Nehmt ein Messer oder ein Gewebe, es ist mir egal.«

»Ihr … Ihr lasst mich wie Androl aussehen«, stammelte Androl.

»Androl ist einer von Logains Schoßhündchen«, sagte Taim. »Er sollte Euch nicht verdächtigen. Ich verlange da eine ausgesprochen einfache Sache von Euch, Nensen. Glaubt Ihr, dass Ihr es einmal nicht vermasselt?«

»Ja, M’Hael.«

»Gut. Denn wenn Ihr versagt, töte ich Euch.« Das Gewebe fiel an Ort und Stelle und war nicht mehr zu sehen.

Mishraile grunzte, ließ Androl los und trat zurück. »Ich glaube, Androl ist viel hässlicher, M’Hael.«

Taim schnaubte, dann scheuchte er Androl weg. »Das reicht. Geht mir aus den Augen. Kommt mit Logains Kopf zurück, oder Ihr braucht gar nicht mehr zurückzukehren.«

Androl eilte fort und spürte die Blicke der anderen im Nacken. Sobald er ein ordentliches Stück weit weg war, rannte er um eine Hecke, die größtenteils verbrannt war, und stolperte beinahe über Pevara, Emarin und Jonneth, die sich dort verbargen.

»Androl!«, flüsterte Emarin. »Eure Tarnung! Was ist passiert? War das Taim?«

Androl ließ sich zu Boden sacken und versuchte sein pochendes Herz wieder zu beruhigen. Dann hielt er den Beutel hoch, den er Taim vom Gürtel gestohlen hatte, als sie zusammengestoßen waren. »Er war es. Ihr werdet das nicht glauben, aber …«

Arganda strich auf Mächtigs Sattel sitzend das Stück Papier glatt und zog seine Liste mit dem Schlüssel aus der Tasche. Diese Trollocs schossen weiterhin mit Pfeilen. Bis jetzt war er noch jedem Treffer entgangen. Genau wie Königin Alliandre, die noch immer mit ihm ritt. Wenigstens war sie bereit, bei seiner Reserve zurückzubleiben, wo sie etwas besser geschützt war.

Zusätzlich zu der Legion des Drachen und den Grenzländern war seine Streitmacht zusammen mit der Wolfsgarde und den Weißmänteln nach der Schlacht bei den Ruinen flussabwärts gezogen. Arganda hatte mehr Fußsoldaten als die anderen, und sie marschierten hinter ihnen her.

Es hatte genug Kämpfe gegeben, da die Trollocs und Sharaner in dem trockenen Flussbett versuchten, die Heere Andors einzukreisen. Arganda hatte dort ein paar Stunden lang gekämpft, als die Sonne unterging und Schatten brachte. Aber als er die Nachricht bekommen hatte, hatte er sich zurückgezogen.

»Eine Sauklaue ist das«, murrte er, ging die kleine Verschlüsselungsliste durch und hielt sie in die Nähe einer Fackel. Die Befehle waren echt. Entweder das, oder jemand hatte den Schlüssel geknackt.

»Und?«, fragte Turne.

»Cauthon ist am Leben.« Arganda grunzte.

»Wo ist er?«

»Keine Ahnung.« Arganda faltete das Papier zusammen und steckte den Schlüssel weg. »Der Bote sagte, Cauthon öffnete ein Wegetor vor ihm, warf ihm den Brief ins Gesicht und befahl ihm, mich zu finden.«

Arganda wandte sich nach Süden und spähte in die Dunkelheit hinein. In Vorbereitung auf die Nacht hatten seine Männer durch Wegetore Öl herbeigeschafft und Holzstapel entzündet. Im Feuerschein konnte er die Männer aus den Zwei Flüssen herankommen sehen, genau wie es der Befehl gesagt hatte.

»Hallo, Tam al’Thor!«, sagte Arganda und hob eine Hand. Seinen Kommandanten hatte er nicht mehr gesehen, seit sie sich vor Stunden nach dem Kampf bei den Ruinen getrennt hatten.

Die Neuankömmlinge sahen so erschöpft aus, wie sich Arganda fühlte. Es war ein sehr langer Tag gewesen, und er war noch lange nicht vorbei. Ich wünschte, Gallenne wäre hier, dachte Arganda und warf einen Blick auf die Trollocs am Fluss, während al’Thors Männer näher kamen. Ich könnte jemanden brauchen, mit dem ich debattieren kann.

Weiter flussabwärts ertönten Rufe und klirrender Lärm von dem Ort, an dem die Pikenhaufen der Andoraner die in Wellen angreifenden Tiermenschen kaum noch abwehren konnten. Mittlerweile zog sich diese Schlacht am unteren Mora entlang, und zwar fast bis zum Dasharfels. Seine Männer hatten geholfen, dass die Andoraner nicht eingekesselt wurden.

»Was gibt es Neues, Arganda?«, fragte Tam.

»Cauthon lebt«, sagte Arganda. »Und das ist verdammt erstaunlich, wenn man bedenkt, dass jemand seinen Kommandoposten zerlegt, sein Zelt angezündet, einen Haufen seiner Damane umgebracht und seine Frau weggejagt hat. Cauthon hat es irgendwie überstanden.«

»Ha!«, sagte Abell Cauthon. »Das ist mein Junge.«

»Er hat mir mitgeteilt, dass ihr kommt«, sagte Arganda. »Er behauptet, ihr hättet Pfeile. Stimmt das?«

Tam nickte. »Unsere letzten Befehle schickten uns durch das Wegetor nach Mayene, um dort Geheilt und neu ausgerüstet zu werden. Ich weiß nicht, wie Mat wissen konnte, dass Pfeile kommen würden, aber eine Lieferung von den Frauen in den Zwei Flüssen traf genau in dem Augenblick ein, in dem wir uns zur Rückkehr vorbereiteten. Wir haben auch Langbögen für euch, falls ihr sie braucht.«

»Tun wir. Cauthon will, dass unsere Truppen flussaufwärts zu den Ruinen zurückmarschieren, das Flussbett überqueren und die Polov-Anhöhe an ihrer nordöstlichen Seite erklimmen.«

»Keine Ahnung, was das soll, aber ich schätze, er weiß, was er da tut …«, meinte Tam.

Gemeinsam zogen ihre Streitkräfte in der Nacht flussaufwärts und ließen die kämpfenden Andoraner, Cairhiener und Aiel zurück. Der Schöpfer beschütze euch, Freunde, dachte Arganda.

Sie überquerten das ausgetrocknete Flussbett und kamen zum Nordosthang. An dieser Stelle herrschte oben auf dem Plateau Stille, aber der Schein ganzer Fackelreihen war deutlich zu sehen.

»Das wird eine harte Nuss, wenn das da oben Sharaner sind«, sagte Tam leise und schaute den dunklen Hang hinauf.

»In Cauthons Botschaft stand, dass wir Hilfe erhalten«, erwiderte Arganda.

»Was für Hilfe denn?«

»Ich weiß nicht. Er hat nicht …«

In der Nähe grollte Donner, und Arganda zuckte zusammen. Die meisten Machtlenker sollten angeblich auf der anderen Seite der Anhöhe kämpfen, aber das bedeutete nicht, dass ihnen hier keine begegnen würden. Er hasste dieses Gefühl, den Eindruck, dass ihn möglicherweise ein Machtlenker beobachtete und sich zu entscheiden versuchte, ob er ihn mit Feuer, Blitz oder Erde tötete.

Machtlenker. Ohne sie würde die Welt ein besserer Ort sein. Aber wie sich herausstellte, war dieser Laut gar kein Donner. Aus der Nacht galoppierten Reiter mit Fackeln, durchquerten das Flussbett und gesellten sich zu Arganda und seinen Männern. Inmitten einer Ansammlung von Grenzlandbannern flatterte der Goldene Kranich.