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Aber was war das? Schatten näherten sich von rechts, übergroße Gestalten marschierten aus der Dunkelheit. Weitere Trollocs? Arganda biss die Zähne gegen den Schmerz zusammen. Seinen Streitkolben hatte er verloren, aber er hatte noch immer sein Stiefelmesser. Er würde nicht ohne … ohne …

Ogier, erkannte er blinzelnd. Das sind keine Trollocs. Das sind Ogier. Trollocs würden keine Fackeln tragen.

»Ruhm den Baumeistern!«, rief Lan ihnen entgegen. »Also habt Ihr zu dem Heer gehört, das Cauthon gegen die Flanke der Sharaner schickte. Wo ist er? Ich will mit ihm reden!«

Einer der Ogier lachte grollend. »Da seid Ihr nicht der Einzige, Dai Shan. Cauthon flitzt wie ein Eichhörnchen im Unterholz auf der Suche nach Nüssen. Jetzt ist er hier, dann ist er weg. Ich soll Euch ausrichten, dass wir diesen sharanischen Vorstoß aufhalten müssen, was es auch kosten mag.«

Noch mehr Lichter blitzten in der Ferne auf. Dort kämpften Aes Sedai und Sharaner. Cauthon versuchte, die Streitkräfte des Schattens einzukreisen. Arganda verdrängte seine Schmerzen und versuchte nachzudenken.

Was war mit Demandred? Arganda konnte jetzt eine weitere Schneise der Vernichtung erkennen, die von dem Verlorenen ausging. Sie brannte sich auf der anderen Flussseite durch die Verteidiger. Die Pikenformationen standen kurz vor der Auflösung, jeder Lichtstrahl tötete Hunderte.

»Sharanische Machtlenker auf der einen Seite«, murmelte Arganda, »und einer der Verlorenen auf der anderen! Licht! Mir ist nie wirklich klar geworden, wie viele Trollocs dort sind. Sie sind zahllos.« Jetzt konnte er sehen, wie sie Elaynes Truppen angriffen; Blitze der Einen Macht beleuchteten Tausende von ihnen dort unten in der Ferne. »Wir sind erledigt, nicht wahr?«

Auf Lans Gesicht spiegelte sich der Fackelschein. Augen wie Schiefer, ein Antlitz wie Granit. Er widersprach Arganda nicht.

»Was tun wir?«, fuhr Arganda fort. »Um zu siegen … Beim Licht, um zu siegen, müssen wir diese Sharaner niederringen und die Pikenmänner retten – sie sind bald von Trollocs umzingelt –, dazu müsste jeder unserer Männer mindestens fünf der Bestien töten! Und da ist Demandred nicht mitgezählt!«

Lan gab keine Erwiderung.

»Wir sind verloren«, sagte Arganda.

»Falls dem so ist, stehen wir dennoch in erhöhter Position«, sagte Lan, »und wir kämpfen, bis wir sterben, Ghealdaner. Man ergibt sich, wenn man tot ist. Viele Männer hatten bedeutend weniger.«

Die Fäden potenzieller Möglichkeiten widersetzten sich Rand, als er sie zu der Welt verwebte, die er sich vorstellte. Ihm war nicht klar, was das zu bedeuten hatte. Vielleicht war das, was er sich so vorstellte, einfach unwahrscheinlich. Was er hier tat, mit Fäden zu zeigen, was alles möglich war, war mehr als eine einfache Illusion. Dazu griff man auf Welten zurück, die es zuvor gegeben hatte, Welten, die es wieder geben konnte. Spiegel der Realität, in der er lebte.

Er erschuf diese Welten nicht. Er … manifestierte sie lediglich. Er zwang die Fäden, sich der von ihm verlangten Realität zu öffnen, und schließlich gehorchten sie. Ein letztes Mal wurde aus Dunkelheit Licht, und das Nichts wurde zu Etwas.

Er trat in eine Welt, die den Dunklen König nicht kannte.

Er wählte Caemlyn als Eingang. Vielleicht, weil der Dunkle König diesen Ort in seiner letzten Schöpfung benutzt hatte und Rand ihm beweisen wollte, dass die schreckliche Version nicht unausweichlich war. Er musste diese Stadt noch einmal sehen, aber unverdorben.

Er ging über die Straße vor dem Palast und holte tief Luft. Die Butterblütenbäume standen in voller Blüte, die hellgelben Blüten hingen über Hofmauern. Dort spielten Kinder und warfen Blütenblätter in die Luft.

Nicht eine Wolke verdunkelte den strahlend hellen Himmel. Rand schaute auf, hob die Arme und trat aus dem Schatten der Äste in das wärmende Sonnenlicht. Am Palasteingang standen keine Wächter, nur ein freundlicher Diener, der einigen Besuchern Fragen beantwortete.

Rands Füße hinterließen Spuren in den goldenen Blütenblättern, als er sich dem Eingang näherte. Ein Kind kam ihm entgegen, und Rand blieb lächelnd stehen.

Das Mädchen reckte sich und berührte das Schwert an Rands Gürtel. Es erschien verwirrt. »Was ist das?«, fragte es mit weit aufgerissenen Augen.

»Ein Relikt«, flüsterte Rand.

Das Lachen anderer Kinder ließ die Kleine den Kopf drehen, und sie lief weg, kicherte, als eines der Kinder Hände voll Blütenblätter in die Luft schleuderte.

Rand ging weiter.

IST DAS FÜR DICH ETWA PERFEKTION? Die Stimme des Dunklen Königs schien aus weiter Ferne zu kommen. Er konnte in diese Realität eindringen, um mit Rand zu sprechen, aber im Gegensatz zu den anderen Visionen konnte er hier nicht erscheinen. Dieser Ort war seine Antithese.

Denn dies war die Welt, die es geben würde, falls Rand ihn in der Letzten Schlacht tötete.

»Komm und sieh es dir an«, erwiderte Rand lächelnd.

Keine Erwiderung. Ließ sich der Dunkle König zu weit in diese Wirklichkeit hineinziehen, würde er aufhören zu existieren. An diesem Ort war er gestorben.

Alle Dinge gingen und kamen wieder. Das war die Bedeutung des Rades der Zeit. Was nutzte es, eine Schlacht gegen den Dunklen König zu gewinnen, wenn man doch genau wusste, dass er zurückkehren würde? Rand konnte mehr erreichen. Er konnte das hier erreichen.

»Ich würde gern die Königin sprechen«, sagte Rand zu dem Diener am Palasttor. »Ist sie da?«

»Ihr solltet sie im Garten finden, junger Mann«, sagte der Diener. Er warf einen Blick auf Rands Schwert, aber es war Neugier und keine Besorgnis. In dieser Welt konnten sich Menschen einfach nicht vorstellen, einander zu verletzen. Das gab es nicht.

»Danke«, sagte Rand und betrat den Palast. Die Gänge waren vertraut und doch anders. Während der Letzten Schlacht war Caemlyn beinahe bis auf die Grundmauern zerstört worden, und der Palast hatte gebrannt. Die Rekonstruktion ähnelte dem Vorbild, aber nicht in allen Einzelheiten.

Rand spazierte langsam durch die Korridore. Etwas bereitete ihm Sorgen, ein leises Unbehagen. Was war es …?

Lass dich hier nicht einfangen, erkannte er. Sei nicht selbstzufrieden. Diese Welt war nicht real, nicht völlig. Noch nicht.

Konnte der Dunkle König das geplant haben? Rand dazu zu bringen, für sich ein Paradies zu erschaffen, nur um es zu betreten und sich darin zu verlieren, während die Letzte Schlacht tobte? Menschen starben im Kampf.

Er durfte das nicht vergessen. Er durfte nicht zulassen, dass ihn dieser Wunschtraum verschlang. Als er die Galerie betrat – einen langen Korridor, der scheinbar von Fenstern gesäumt wurde –, fiel es ihm schwer, das im Gedächtnis zu behalten. Denn diese Fenster schauten nicht auf Caemlyn hinaus. Diese neuen Glasportale erlaubten den Blick auf andere Orte, wie ein nie erlöschendes Wegetor.

Rand passierte eines, das wie eine sich unter Wasser befindliche Bucht aussah, in der bunte Fische in alle Richtungen flitzten. Ein anderes zeigte eine friedliche Wiese hoch oben in den Verschleierten Bergen. Rote Blumen unterbrachen das Gras wie Farbkleckse auf dem Boden eines Malerateliers.

Auf der anderen Wand schauten die Fenster auf die großen Städte der Welt. Rand passierte Tear, wo der Stein nun als Museum für die Tage des Dritten Zeitalters diente und die Verteidiger seine Kuratoren waren. Kein Angehöriger dieser Generation hatte jemals eine Waffe getragen, und die Geschichten ihrer Großeltern über Kämpfe verblüfften sie. Ein anderes zeigte die Sieben Türme von Malkier, die wiedererrichtet worden waren – aber als Denkmal und nicht als Befestigung. Nach dem Tod des Dunklen Königs war die Fäule verschwunden, und das Schattengezücht war auf der Stelle tot umgefallen. Als wäre der Dunkle König mit ihnen allen verknüpft gewesen, so wie ein Blasser eine Faust Trollocs führte.