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Den Aes Sedai ging es nicht gut. Die sharanischen Machtlenker gewannen diesen Kampf. Glück, dachte Mat. Heute brauchen wir mehr als nur ein bisschen davon. Lass mich jetzt nicht im Stich.

Das wäre wirklich ein passendes Ende für Matrim Cauthon. Es gefiel dem Muster, ihn auszulachen. Mit einem Mal wurde ihm klar, welch ein Scherz das gewesen wäre, ihm Glück zu geben, wenn es nichts bedeutete, und es ihm dann einfach wegzunehmen, wenn es einmal wirklich darauf ankam.

Blut und verdammte Asche, dachte er und steckte den leeren Wasserbeutel weg. Das einzige Licht kam von der Fackel, die Karede hielt. Im Augenblick war da nichts von seinem Glück zu fühlen. Das passierte schon mal. Er vermochte nicht zu sagen, ob es nun bei ihm war oder nicht.

Nun, wenn sie schon keinen vom Glück begünstigten Matrim Cauthon haben konnten, dann würden sie zumindest einen sturen Matrim Cauthon bekommen. Er hatte nicht die Absicht, an diesem Tag zu sterben. Es musste noch getanzt werden; da waren noch Lieder, die gesungen, und Frauen, die geküsst werden mussten. Zumindest eine Frau.

Er stand auf und begab sich wieder zu den Totenwächtern, den Ogiern, Tams Heer, der Bande, den Grenzländern – alle, die er hier oben aufgestellt hatte. Die Schlacht ging weiter, und sie kämpften hart, drängten die Sharaner sogar ein paar Hundert Schritte zurück. Aber Demandred war nicht entgangen, was er hier tat, und er schickte nun Trollocs vom Fluss direkt den Steilhang hinauf, um sich in den Kampf zu stürzen. Dieser Hang war am schwersten zu erklimmen, aber dem Verlorenen würde klar sein, dass er Mat bedrängen musste.

Diese Trollocs stellten eine echte Gefahr dar. Am Fluss gab es genug von ihnen, um Elayne einzukreisen und sich den Weg auf die Anhöhe freizukämpfen. Falls eines von Mats Heeren zerschlagen wurde, war er erledigt.

Nun, er hatte die Würfel geworfen und seine Befehle gegeben. Jetzt konnte man nur noch kämpfen, bluten und hoffen.

Im Westen loderte ein Lichtschein wie flüssiges Feuer in die Höhe. Brennende Tropfen aus geschmolzenem Stein flogen durch die dunkle Luft. Zuerst glaubte Mat, Demandred hätte sich entschieden, aus dieser Richtung anzugreifen, aber der Verlorene war noch immer dabei, die Andoraner zu vernichten.

Ein weiterer Lichtblitz. Dort kämpften die Aes Sedai. Durch Dunkelheit und Rauch glaubte Mat genau zu sehen, dass Sharaner von Westen nach Osten über die Anhöhe flohen. Er ertappte sich bei einem Lächeln.

»Seht mal«, sagte er, klopfte Karede auf die Schulter und erregte die Aufmerksamkeit des Mannes.

»Was ist?«

»Ich weiß es nicht«, sagte Mat. »Aber es setzt die Sharaner in Brand, also bin ich mir sicher, dass es mir gefällt. Kämpft weiter!« Er führte Karede und die anderen zum nächsten Angriff auf die sharanischen Soldaten.

Olver ging gebückt durch die Last des Pfeilbündels auf seinem Rücken. Er hatte darauf bestanden, dass das Gewicht echt sein musste. Was würde geschehen, wenn ein Handlanger des Schattens die Ware inspizierte und entdeckte, dass sein Bündel nur aus leichtem Stoff bestand?

Setalle und Faile mussten ihn nun wirklich nicht dauernd ansehen, als würde er jeden Augenblick zusammenbrechen. So schwer war das Bündel nun auch wieder nicht. Natürlich würde ihn das nicht davon abhalten, Setalles Mitleid zu erregen, sobald sie wieder zurück waren. Er musste sich in solchen Dingen üben, oder er würde als ein so hoffnungsloser Fall wie Mat enden.

Ihre Reihe bewegte sich weiter auf das Nachschublager im Verdorbenen Land zu, und er musste zugeben, dass es ihn nicht gestört hätte, wenn das Bündel etwas leichter gewesen wäre. Nicht weil er müde wurde. Aber wie sollte er denn falls nötig kämpfen? Er würde das Bündel schnell fallen lassen müssen, und dieses Bündel schien man nicht schnell loswerden zu können.

Grauer Staub bedeckte seine Füße. Keine Schuhe, und seine Kleidung würde jetzt gute Lumpen abgeben. Faile und die Bande hatten eine der erbärmlichen Karawanen angegriffen, die sich auf das Nachschublager des Schattens zuschleppten. Der Kampf war schnell vorbei – nur drei Schattenfreunde und eine verwahrloste Kauffrau bewachten eine Gruppe erschöpfter, halb verhungerter Gefangener.

Viele der Güter trugen das Zeichen Kandors, ein rotes Pferd. Tatsächlich waren viele der Gefangenen Kandori. Faile hatte ihnen die Freiheit angeboten, sie nach Süden geschickt, aber nur die Hälfte war gegangen. Die anderen hatten darauf bestanden, sie zu begleiten und zur Letzten Schlacht zu marschieren, obwohl Olver auf den Straßen schon Bettler mit mehr Fleisch auf den Knochen gesehen hatte als diese Leute. Immerhin halfen sie, dass Failes Reihe echt aussah.

Das war wichtig. Olver blickte auf, als sie sich dem Nachschublager näherten. In der kalten Nacht säumten Fackeln den Weg. Mehrere dieser verschleierten Aiel standen an der Seite und beobachteten die Kolonne. Olver blickte zu Boden, damit sie seinen Hass nicht sehen konnten. Er hatte gewusst, dass man Aiel nicht vertrauen konnte.

Ein paar Wächter – keine Aiel, sondern weitere Schattenfreunde – befahlen ihnen, stehen zu bleiben. Aravine ging weiter; sie trug die Kleidung der Kauffrau, die sie getötet hatten. Faile war offensichtlich Saldaeanerin, und man hatte entschieden, dass sie zu auffällig war, um die Rolle einer Kauffrau des Schattens zu spielen.

»Wo sind eure Wächter?«, fragte der Soldat. »Das ist Lifas Gruppe, oder? Was ist passiert?«

»Diese Narren!«, sagte Aravine und spuckte aus. Olver verbarg ein Lächeln. Ihr ganzes Benehmen hatte sich verändert. Sie wusste eine Rolle zu spielen. »Sie sind tot, wo ich sie zurückließ! Ich habe ihnen gesagt, nicht in der Nacht herumzuspazieren. Ich weiß nicht, was die drei erwischt hat, aber wir fanden sie am Lagerrand. Aufgebläht, mit dunkler Haut.« Sie sah angewidert aus. »Ich glaube, etwas legte Eier in ihren ausgehöhlten Bauch. Wir wollten nicht herausfinden, was da schlüpft.«

Der Soldat grunzte. »Und Ihr seid?«

»Pansai«, sagte Aravine. »Lifas Geschäftspartnerin.«

»Seit wann hat Lifa denn eine Geschäftspartnerin?«

»Seit ich ihr einen Dolch in den Rücken rammte und ihre Karawane übernahm.«

Die Informationen über Lifa stammten von den geretteten Gefangenen. Sie waren lückenhaft. Olver schwitzte. Der Wächter warf Aravine einen langen Blick zu, dann fing er an, die Reihe abzugehen.

Failes Soldaten befanden sich unter den gefangenen Kandori. Sie gaben sich alle Mühe, die richtige Haltung einzunehmen.

»Du da, Frau«, sagte der Wächter und zeigte auf Faile. »Saldaeanerin, was?« Er lachte. »Ich war immer der Meinung, eine saldaeanische Frau würde einen Mann töten, bevor sie seine Gefangene wird.« Er versetzte Faile einen Stoß.

Olver hielt die Luft an. O Blut und verdammte Asche! Lady Faile würde sich das nicht gefallen lassen. Der Wächter wollte wissen, ob die Gefangenen wirklich eingeschüchtert waren oder nicht! Failes Haltung, ihre Art, würde sie verraten. Sie war eine Adelige und …

Faile warf sich zu Boden, kauerte sich zusammen und wimmerte eine Erwiderung, die Olver nicht verstehen konnte.

Mit offen stehendem Mund sah er zu, dann zwang er den Mund wieder zu und starrte zu Boden. Wie war das möglich? Wie hatte eine Lady wie Faile nur gelernt, sich wie eine Dienerin zu verhalten?

Der Wächter grunzte. »Macht weiter«, sagte er zu Aravine mit einem Wink. »Wartet dort, bis wir nach euch schicken.«

Die Gruppe schlurfte zu einer Stelle, wo Aravine jedem befahl, sich hinzusetzen. Sie stand mit verschränkten Armen an der Seite und tippte mit dem Fuß auf, während sie wartete. Donner grollte, und Olver verspürte ein seltsames Frösteln. Er schaute auf und sah in das augenlose Gesicht eines Myrddraal.