Выбрать главу

Zoll für Zoll näherte sie sich Aravine. Bela keuchte und schnaufte, Schweiß befleckte ihr Fell. Die saldaeanische Kavallerie gehörte zu den besten im Land, und Faile kannte sich mit Pferden aus. Sie hatte alle Rassen geritten. In diesen Minuten auf dem Schlachtfeld wäre sie mit Bela gegen das beste tairenische Rennpferd angetreten. Die zottelige Stute, die keiner bemerkenswerten Zucht entstammte, bewegte sich wie ein Champion.

Den Rhythmus der Hufschläge unter ihr spürend, ließ Faile ein Messer aus dem Ärmel gleiten. Sie trieb Bela an, über eine kleine Bodensenke zu springen, und als sie einen winzigen Moment in der Luft hingen, berechnete sie Wind, Landung und den Augenblick. Sie riss den Arm zurück und schleuderte das Messer durch die Luft, unmittelbar bevor Belas Hufe wieder auf dem Boden aufkamen.

Das Messer traf genau und bohrte sich in Aravines Rücken. Die Frau kippte aus dem Sattel und schlug auf dem Boden auf, der Beutel rutschte aus ihrem Griff.

Faile sprang von Belas Rücken und kam rutschend neben dem Beutel zu stehen. Sie löste den Knoten und sah das funkelnde Horn darin.

»Es … tut … mir leid«, flüsterte Aravine und rollte sich auf die Seite. Ihre Beine bewegten sich nicht. »Sagt Alvin nicht, was ich tat. Er hat … einen so schrecklichen Geschmack … bei Frauen …«

Faile richtete sich auf, dann sah sie mitleidig nach unten. »Betet, dass der Schöpfer Eure Seele aufnimmt, Aravine«, sagte sie und schwang sich wieder auf Belas Rücken. »Denn wenn er das nicht tut, wird sie sich der Dunkle König holen. Ich überlasse Euch ihm.« Sie trieb Bela an.

Voraus trieben sich noch mehr Trollocs herum, und sie richteten ihre Aufmerksamkeit auf sie. Sie brüllten etwas, und mehrere Myrddraal glitten herbei und zeigten auf Faile. Sie fingen an, sich um sie herum zu verteilen und ihr den Weg abzuschneiden.

Grimmig biss sie die Zähne zusammen und lenkte Bela zurück in die Richtung, aus der sie gekommen war, hoffte, Harnan, Vanin oder sonst jemanden zu treffen, der ihr helfen würde.

Im Lager herrschte fieberhafte Aktivität, und Faile entdeckte Reiter, die hinter ihr herjagten und riefen: »Sie hat das Horn von Valere!«

Irgendwo auf diesem Plateau kämpften Mat Cauthons Truppen mit dem Schatten. So nahe dran!

Ein Pfeil bohrte sich neben ihr in den Boden, dem weitere folgten. Faile erreichte die Gefangenenkäfige, um die nun Leichen lagen. Bela keuchte, vermutlich am Ende ihrer Kräfte. Faile entdeckte ein anderes Pferd in der Nähe, einen gesattelten braunen Wallach, der einen gefallenen Soldaten zu seinen Füßen anstieß.

Faile verlangsamte das Tempo. Was sollte sie nur tun? Die Pferde wechseln, aber was dann? Sie warf einen Blick über die Schulter und duckte sich, als ein weiterer Pfeil über sie hinwegflog. Sie hatte etwa ein Dutzend sharanische Reiter hinter sich, die mit kleinen Eisenringen benähte Wämser trugen. Hunderte von Trollocs folgten ihnen.

Selbst mit einem frischen Pferd kann ich ihnen nicht entkommen. Sie lenkte Bela hinter einen Nachschubkarren in Deckung und sprang von ihr, um zu dem anderen Pferd zu rennen.

»Lady Faile?«, fragte eine piepsige Stimme.

Faile schaute nach unten. Olver kauerte unter dem Wagen und klammerte sich an sein Messer.

Die Reiter hatten sie fast erreicht. Faile hatte keine Zeit mehr zum Nachdenken. Sie riss das Horn aus dem Beutel und drückte es Olver in die Hände. »Nimm das«, stieß sie hervor. »Versteck dich. Bring es später zu Mat Cauthon.«

»Ihr lasst mich zurück?«, fragte Olver. »Ganz allein?«

»Ich muss«, sagte sie, stopfte mit pochendem Herzen ein paar Pfeilbündel in den Beutel. »Sobald diese Reiter vorbei sind, wählst du dir ein anderes Versteck! Sie werden zurückkommen und alles durchsuchen, wo ich war, nachdem …«

Nachdem sie mich erwischen.

Sie würde sich selbst umbringen müssen, damit sie nicht unter Folterqualen verriet, was sie mit dem Horn gemacht hatte. Sie packte Olver am Arm. »Es tut mir so leid, dir das aufzubürden, Kleiner. Aber es ist kein anderer da. Du hast das vorhin so gut gemacht; das schaffst du auch. Bring Mat das Horn, oder alles ist verloren.«

Sie rannte ins Freie, hielt den Beutel deutlich sichtbar in der Hand. Einige der seltsam gekleideten Fremden entdeckten sie und zeigten auf sie. Sie hob den Beutel und stieg in den Sattel des Wallachs, dann trieb sie ihn zum Galopp an.

Trollocs und Schattenfreunde folgten ihr und ließen den kleinen Jungen und seine schwere Last mitten im Trolloc-Lager unter dem Karren kauernd zurück.

Logain drehte die dünne Scheibe um. Schwarz und weiß, geteilt durch eine Schlangenlinie. Angeblich aus Cuendillar. Die Flocken, die der Druck seiner Finger löste, schienen seine ewig währende Natur zu verspotten.

»Warum hat Taim sie nicht zerbrochen?«, fragte er. »Er hätte es tun können. Sie sind so brüchig wie altes Leder.«

»Ich weiß es nicht«, erwiderte Androl und blickte seine Gruppe an. »Vielleicht ist der richtige Augenblick noch nicht gekommen.«

»Zerbrecht sie im richtigen Augenblick, und es wird dem Drachen helfen«, sagte der Mann, der sich Emarin nannte. Er klang besorgt. »Zerbrecht sie im falschen Augenblick … und dann passiert was?«

»Ich vermute nichts Gutes«, meinte Pevara. Eine Rote.

Würde er sich jemals an jenen rächen können, die ihn gedämpft hatten? Einst hatte ihn allein dieser Hass überleben lassen. Jetzt gab es da einen neuen Hunger in ihm. Er hatte Aes Sedai besiegt, hatte ihren Willen gebrochen und sie für sich beansprucht. Vergeltung erschien so … sinnlos. Sein so langsam gewachsenes Verlangen, M’Hael zu töten, hatte etwas von dieser Leere gefüllt, aber es reichte nicht. Was gab es noch?

Einst hatte er sich Wiedergeborener Drache genannt. Einst hatte er sich darauf vorbereitet, die Welt zu beherrschen. Sie niederknien zu lassen. Er strich über das Siegel für den Kerker des Dunklen Königs, während er am Rand der Schlacht stand. Er befand sich weit im Südwesten, unterhalb des Moores, wo seine Asha’man ein kleines Basislager unterhielten. In der Ferne grollte Donner – explodierende Gewebe, die zwischen Aes Sedai und Sharanern gewechselt wurden.

Dort hatte eine große Anzahl seiner Asha’man gekämpft, aber die sharanischen Machtlenker waren Aes Sedai und Asha’man zusammengenommen zahlenmäßig weit überlegen. Andere strichen über die Schlachtfelder, jagten Schattenlords und töteten sie.

Er hatte schneller Männer verloren als der Schatten. Es gab zu viele Feinde.

Er hielt das Siegel in die Höhe. Es verkörperte Macht. Die Macht, um die Schwarze Burg irgendwie zu beschützen? Wenn sie uns nicht fürchten, mich fürchten, was geschieht dann mit uns, sobald der Drache tot ist?

Unzufriedenheit strömte durch den Bund. Er erwiderte Gabrelles Blick. Sie hatte die Schlacht verfolgt, aber jetzt musterte sie ihn. Fragte ihn. Drohte ihm?

Hatte er wirklich geglaubt, er hätte die Aes Sedai gezähmt? Eigentlich hätte er bei der Vorstellung lachen sollen. Keine Aes Sedai konnte gezähmt werden, niemals.

Logain steckte das Siegel und seine Gefährten betont langsam in die Tasche an seinem Gürtel. Er knotete sie zu, erwiderte Gabrelles Blick. Ihre Sorge schoss in die Höhe. Einen Augenblick lang hatte er den Eindruck gehabt, dass sie um ihn besorgt war und nicht wegen dem, was er vielleicht tat.

Vielleicht lernte sie ja, wie man den Behüterbund überlistete, wie man Gefühle schickte, von denen sie glaubte, dass sie ihn einlullen würden. Nein, Aes Sedai konnte man nicht zähmen. Ihnen den Bund aufzuerlegen hatte sie nicht unter Kontrolle gebracht. Es hatte nur für neue Komplikationen gesorgt.

Er griff an den hohen Kragen, nahm die Drachennadel ab, die er dort trug, und hielt sie Androl hin. »Androl Genhald, Ihr seid in die Grube des Todes gegangen und zurückgekehrt. Nun stehe ich zweifach in Eurer Schuld. Ich ernenne Euch hiermit zum vollwertigen Asha’man. Tragt die Nadel mit Stolz.« Er hatte dem Mann bereits seinen Schwertanstecker zurückgegeben und ihn wieder zum Geweihten gemacht.