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Hinter ihnen in der Mitte des Plateaus bedrängte der Rest von Mats Heer weiterhin die sharanische Armee und versuchte sie nach Südwesten zurückzuwerfen. Falls ihm das gelang und er sie nach unten gegen die Trollocs zwingen konnte, die gegen Elaynes Soldaten kämpften, würde das ein großes Durcheinander verursachen, das er zu seinem Vorteil nutzen könnte. Aber im Augenblick gaben die Sharaner keinen Zoll an Boden preis; tatsächlich drängten sie Mats Heer zurück, das anfing nachzugeben.

Hurin legte sich hin und lauschte dem Stöhnen überall um sich herum, hörte die fernen Rufe und das Klirren aufeinandertreffender Waffen, roch den Geruch der Gewalt, der in einem Ozean aus Gestank um ihn herumhing.

Das Schlimmste stand ihnen noch bevor.

Das Licht stehe ihnen bei …

Berelain wischte sich mit einem Lappen das Blut von den Händen, als sie den Festsaal ihres Palastes betrat. Die Tische waren zu Feuerholz verarbeitet worden, um die riesigen Kamine an beiden Seiten des langen Raumes zu beheizen; die Möbel waren durch Reihen von Verwundeten ersetzt.

Die Tür zur Küche wurde aufgestoßen, und eine Gruppe Kesselflicker eilte hinein. Einige von ihnen schleppten Tragen, andere halfen verwundeten Männern, in den Raum zu hinken. Beim Licht!, dachte Berelain. Noch mehr? Der Palast war bis zum Bersten mit Verwundeten gefüllt.

»Nein, nein!«, sagte sie und ging den Neuankömmlingen entgegen. »Nicht hier herein. Den Korridor hinten. Wir werden sie dort unterbringen müssen. Rosil! Wir haben neue Verwundete.«

Die Kesselflicker wandten sich dem Korridor zu und redeten tröstend auf die Verwundeten ein. Man brachte nur jene zurück, die gerettet werden konnten. Berelain war gezwungen gewesen, den Anführerinnen der Tuatha’an-Frauen genau zu erklären, welche Verletzungen zu aufwendig zu Heilen waren. Es war besser, zehn Männer mit schlimmen Verletzungen zu retten, als dieselbe Kraft für die Rettung eines Mannes zu verbrauchen, der sich nur noch mit einem Faden Hoffnung ans Leben klammerte.

Diese Erklärung war eines der schrecklichsten Dinge gewesen, die sie je in ihrem Leben hatte tun müssen.

Die Kesselflicker marschierten weiter in einer Reihe, und sie hielt nach dem Schimmer weißer Kleidung Ausschau. Es waren Weißmäntel darunter, aber nicht derjenige, den sie suchte.

So viele … dachte sie erneut. Die Kesselflicker hatten keine Hilfe, die Verwundeten zu transportieren. Jeder einsatzfähige Mann und die meisten Frauen im Palast waren zum Schlachtfeld gegangen, um entweder zu kämpfen oder den Flüchtlingen aus Caemlyn zu helfen, Pfeile zu sammeln.

Rosil rauschte herein; ihre Kleidung war blutverschmiert, was sie aber ignorierte. Augenblicklich übernahm sie den Befehl über die Verwundeten und suchte nach jenen, die sofort ihre Hilfe brauchten. Unglücklicherweise wurde die Küchentür in genau diesem Augenblick erneut aufgestoßen, und eine Gruppe blutverschmierter Andoraner und Aiel stolperte herein, von den Kusinen von einem anderen Abschnitt des Schlachtfelds geschickt.

Was nun folgte, kam Wahnsinn schon sehr nahe, als Berelain jeden antrieb, den sie finden konnte – Stallburschen, Alte, nicht einmal fünfjährige Kinder –, um den Neuankömmlingen zu helfen. Von den Aiel kamen nur die schlimmsten Verwundeten; sie neigten dazu, so lange auf dem Schlachtfeld auszuharren, wie sie eine Waffe halten konnten. Das bedeutete, dass vielen von denen, die nach Mayene kamen, nicht mehr zu helfen war. Sie musste für sie Platz schaffen, den sie nicht hatte, und zusehen, wie sie Blut ausspuckten und starben.

»Das ist doch Unsinn!«, sagte sie und stand auf. Ihre Hände waren wieder nass vom Blut, und sie hatte keinen sauberen Lappen mehr. Licht! »Wir müssen mehr Hilfe kommen lassen! Ihr da!« Sie zeigte auf einen Aiel, der geblendet worden war. Er saß an die Wand gelehnt und trug einen Verband um die Augen. »Ihr da, der blinde Aiel.«

»Ich heiße Ronja.«

»Gut, Ronja. Ich habe ein paar Gai’shain hier, die mir helfen. Aber wenn ich richtig informiert bin, müsste es doch viel mehr von ihnen geben. Wo stecken sie?«

»Sie warten auf das Ende der Schlacht, damit sie den Siegern helfen können.«

»Wir holen sie«, sagte sie. »Wir brauchen jeden, der beim Kampf helfen kann.«

»Vielleicht kommen sie zu Euch, Berelain Paendrag, um bei der Versorgung der Verletzten zu helfen«, sagte der Mann. »Aber sie werden nicht kämpfen. Das ist nicht ihr Platz.«

»Sie werden Vernunft annehmen«, erwiderte sie energisch. »Das ist die Letzte Schlacht!«

»Ihr mögt hier ja der Clanhäuptling sein«, sagte der Aiel und musste lächeln, »aber Ihr seid nicht der Car’a’carn. Und nicht einmal er könnte den Gai’shain befehlen, das Ji’e’toh zu verletzen.«

»Wer könnte es dann?«

Das schien den Mann zu überraschen. »Niemand. Das ist unmöglich.«

»Und die Weisen Frauen?«

»Die würden das nicht tun. Niemals.«

»Wir werden ja sehen«, verkündete Berelain.

Der Mann lächelte breiter. »Ich glaube, dass sich kein Mann und keine Frau wünschen sollte, sich Eurem Zorn auszusetzen, Berelain Paendrag. Aber sollte man mein Augenlicht wiederherstellen, würde ich sie mir eher wieder ausstechen, als zuzusehen, wie Gai’shain kämpfen.«

»Dann sollen sie eben nicht kämpfen«, erwiderte Berelain. »Vielleicht können sie ja helfen, die Verwundeten zu bergen. Rosil, seid Ihr mit dieser Gruppe fertig?«

Die erschöpfte Frau nickte. Es gab nicht eine Aes Sedai im Palast, die nicht so aussah, als würde sie jeden Moment umkippen. Berelain blieb auf den Beinen, weil sie ein paar Kräuter genommen hatte, von denen sie sich nicht vorstellen konnte, dass Rosil sie gutheißen würde.

Nun, hier konnte sie nichts mehr ausrichten. Besser, sie sah nach den Verwundeten in den Lagerräumen. Sie hatten …

»Meine Lady die Erste?«, fragte da eine Stimme. Es war Kitan, eine der Mägde, die zurückgeblieben waren, um bei der Versorgung der Verwundeten zu helfen. Die schlanke Frau nahm ihren Arm. »Da gibt es etwas, das Ihr Euch ansehen müsst.«

Berelain seufzte, nickte dann aber. Welches Grauen erwartete sie jetzt schon wieder? Eine weitere Blase des Bösen, die Gruppen von Verwundeten hinter Mauern einsperrte, die es eben noch nicht gegeben hatte? Waren ihnen schon wieder die Verbände ausgegangen? Vermutlich gab es in der ganzen Stadt kein Laken, Tischtuch oder Unterzeug mehr, das nicht bereits zu Verbänden zerschnitten worden war.

Das Mädchen führte sie die Stufen zu ihren eigenen Gemächern hinauf, wo ein paar der Verwundeten versorgt wurden. Sie betrat eines der Zimmer und entdeckte überrascht ein bekanntes Gesicht. Annoura saß auf der Bettkante. Sie trug mit Grau geschlitztes Rot, ihre unweigerlichen Zöpfe waren zurückgelegt und auf eine sehr unvorteilhafte Weise gebunden. Um ein Haar hätte Berelain sie nicht erkannt.

Annoura erhob sich bei ihrem Eintreten und verneigte sich, obwohl sie so aussah, als würde sie gleich vor Erschöpfung zusammenbrechen.

Auf dem Bett lag Galad Damodred.

Berelain keuchte auf und eilte an seine Seite. Er war es, obwohl er eine hässliche Wunde im Gesicht hatte. Noch atmete er, aber er war bewusstlos. Berelain wollte nach seiner Hand greifen, entdeckte aber, dass der Arm in einem Stumpf endete. Einer der Feldscher hatte ihn bereits kauterisiert, damit er nicht verblutete.

»Aber wie?«, fragte Berelain, umklammerte seine andere Hand und schloss die Augen. Die Hand fühlte sich warm an. Als sie gehört hatte, was Demandred da brüllte, dass er den Mann in Weiß besiegt hatte …

»Ich war der Meinung, dass ich Euch das schuldete«, sagte Annoura. »Ich entdeckte ihn auf dem Schlachtfeld, nachdem Demandred seinen Sieg verkündet hatte. Ich zog ihn dort fort, während er gegen einen Mann von der Schwarzen Burg kämpfte.« Sie ließ sich auf einen Hocker neben dem Bett fallen, beugte sich vor. »Ich konnte ihn nicht Heilen, Berelain. Ich war bloß dazu fähig, ein Wegetor zu machen, um ihn herzubringen. Es tut mir leid.«