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»Rand«, sagte er, trat vor und berührte seinen Arm. »Einen Moment, bitte.«

Rand zögerte, dann nickte er und machte eine Geste. »Wir sind abgeschirmt; sie können uns nicht zuhören. Worum geht es?«

»Nun, mir ist gerade etwas aufgefallen. Die Aiel sind wie Werkzeuge.«

»Schön. Und …?«

»Und Werkzeuge, die nicht benutzt werden, setzen Rost an.«

»Darum überfallen sie ja auch einander.« Rand rieb sich die Schläfe. »Um in Übung zu bleiben. Darum habe ich sie ja auch ausgeschlossen. Beim Licht, Perrin! Ich glaube, das wird eine Katastrophe. Wenn wir sie in dieses Dokument aufnehmen …«

»Ich glaube nicht, dass du jetzt noch eine andere Wahl hast. Die anderen werden niemals unterschreiben, wenn die Aiel ausgeschlossen bleiben.«

»Ich weiß nicht, ob sie überhaupt unterschreiben.« Rand schaute sehnsüchtig auf das Blatt Papier auf dem Tisch. »Es war so ein schöner Traum, Perrin. Der Traum, etwas Gutes für die Menschheit zu tun. Ich war davon überzeugt, sie fest in der Hand zu haben. Bis Egwene mich in die Enge trieb.«

Es war gut, dass die anderen nicht Rands Gefühle riechen konnten, sonst hätte jeder sofort gewusst, dass er sich niemals weigern würde, gegen den Dunklen König anzutreten. Er ließ sich nichts davon anmerken, aber Perrin wusste, dass er in seinem Inneren so nervös wie ein Junge vor seiner ersten Schafschur war.

»Rand, begreifst du nicht?«, sagte er plötzlich. »Die Lösung.«

Rand sah ihn nur stirnrunzelnd an.

»Die Aiel«, sagte Perrin. »Das Werkzeug, das benutzt werden musste. Ein Vertrag, der durchgesetzt werden muss …«

Zuerst zögerte Rand, dann grinste er breit. »Perrin, du bist ein Genie.«

»Wenn es um Schmiedearbeiten geht, weiß ich ein paar Sachen. Glaube ich zumindest.«

»Aber hier … hier geht es doch gar nicht um das Handwerk eines Schmieds …«

»Aber natürlich tut es das«, erwiderte Perrin. Wieso konnte Rand das nicht verstehen?

Rand drehte sich um und beendete zweifellos sein Gewebe. Er ging zu dem Dokument, dann hielt er es einem seiner Sekretäre im hinteren Teil des Pavillons hin. »Ich will, dass zwei zusätzliche Klauseln aufgenommen werden. Erstens: Dieses Dokument ist null und nichtig, wenn es nicht entweder von der seanchanischen Tochter der Neun Monde oder der Kaiserin unterzeichnet wird. Zweitens: Die Aiel mit Ausnahme der Shaido sollen als Vollstrecker des Friedens und Vermittler bei Disputen zwischen den Nationen in das Dokument aufgenommen werden. Jede Nation darf sich an sie wenden, wenn sie sich geschmäht fühlt, und die Aiel sorgen für Recht. Und nicht feindliche Heere. Sie können Verbrecher über nationale Grenzen verfolgen. Sie unterwerfen sich den Gesetzen der Nationen, in denen sie sich gerade aufhalten, aber sie sind keine Untertanen dieser Nationen.«

Er wandte sich Elayne zu. »Da habt Ihr Eure Vollstrecker, Elayne, die Methode, die verhindert, dass sich der von Euch erwähnte Unmut aufbaut.«

»Die Aiel?«, fragte sie skeptisch.

»Seid Ihr damit einverstanden, Rhuarc?«, wollte Rand wissen. »Bael, Jheran, der Rest von euch? Ihr behauptet, ihr würdet euren Daseinszweck verlieren, und Perrin sieht euch als Werkzeug, das etwas zu tun braucht. Übernehmt ihr diese Verantwortung? Kriege zu verhindern, jene zu bestrafen, die Verbrechen begehen, mit den Herrschern der Nationen zusammenzuarbeiten, damit der Gerechtigkeit Genüge getan wird?«

»Gerechtigkeit, wie wir sie sehen, Rand al’Thor«, fragte Rhuarc, »oder wie sie sie sehen?«

»Es wird nach dem Gewissen der Aiel gehen müssen«, sagte Rand. »Wenn sie euch rufen, werden sie wissen müssen, dass sie eure Gerechtigkeit empfangen. Das wird nicht funktionieren, wenn die Aiel zu Marionetten werden. Eure Unabhängigkeit wird dafür sorgen, dass das hier eine effektive Lösung ist.«

Gregorin und Darlin fingen an sich zu beschweren, aber Rand brachte sie mit einem Blick zum Schweigen. Perrin nickte mit verschränkten Armen. Ihre Beschwerden waren jetzt schwächer als zuvor. Bei vielen von ihnen roch er … Nachdenklichkeit.

Sie betrachten das als Gelegenheit, wurde ihm klar. Für sie sind die Aiel Wilde, und sie glauben, man könnte sie leicht manipulieren, sobald es Rand nicht mehr gibt. Perrin grinste und stellte sich ihre Niederlage vor, sollten sie es jemals versuchen.

»Das kommt sehr plötzlich«, sagte Rhuarc.

»Willkommen zum Festmahl«, fügte Elayne hinzu, die Rand noch immer mit Blicken zu erdolchen schien. »Probiert die Suppe.« Seltsamerweise roch sie nach Stolz. Seltsame Frau.

»Ich warne Euch, Rhuarc«, sagte Rand. »Ihr werdet eure Sitten verändern müssen. In dieser Angelegenheit werden die Aiel gemeinsam handeln müssen; die Häuptlinge und Weisen Frauen werden sich zu einem Rat treffen müssen, um gemeinsam Entscheidungen zu fällen. Ein Clan kann keine Schlacht schlagen, während andere Clans anderer Ansicht sind und für die Gegenseite kämpfen.«

»Wir sprechen darüber«, verkündete Rhuarc und nickte den anderen Häuptlingen zu. »Das bedeutet für die Aiel das Ende.«

»Und einen neuen Anfang«, meinte Rand.

Die Clanhäuptlinge der Aiel und die Weisen Frauen versammelten sich in zwei Gruppen an der Seite und begannen leise zu debattieren. Aviendha blieb, während Rand besorgt ins Leere starrte. Perrin hörte ihn etwas flüstern, so leise, dass er nur Bruchstücke mitbekam.

»… dein Traum jetzt … wenn du aus diesem Leben erwachen wirst, werden wir nicht länger …«

Rands Sekretäre, denen die Hektik aus den Poren quoll, traten vor, um an den Zusatzklauseln des Dokuments zu arbeiten. Die Frau namens Cadsuane beobachtete alles mit strenger Miene.

Sie roch außerordentlich stolz.

»Fügt eine weitere Klausel hinzu«, sagte Rand. »Die Aiel wenden sich an andere Nationen um Hilfe, falls sie zu der Entscheidung kommen, dass ihre Zahl nicht ausreicht. Arbeitet formelle Wege aus, wie die Nationen bei den Aiel vorstellig werden, wenn sie wollen, dass man ihnen ihr Recht verschafft oder wenn sie die Erlaubnis brauchen, einen Feind anzugreifen.«

Die Sekretäre nickten und arbeiteten noch eifriger.

»Ihr tut so, als wäre das schon alles entschieden«, sagte Egwene zu Rand.

»Oh, davon sind wir noch weit entfernt«, warf Moiraine ein. »Rand, ein paar Worte.«

»Werden sie mir gefallen?«

»Ich fürchte nicht. Verratet mir, warum müsst Ihr die Heere persönlich anführen? Ihr werdet zum Shayol Ghul gehen, wo Ihr zweifellos mit niemandem Kontakt aufnehmen werden könnt.«

»Jemand muss den Befehl haben, Moiraine.«

»Was das angeht, da sind wir uns wohl alle einig.«

Rand nahm die Arme wieder auf den Rücken und roch beunruhigt. »Für diese Menschen habe ich die Verantwortung übernommen, Moiraine. Ich will dafür sorgen, dass man sich um sie kümmert, dass die Grausamkeiten dieser Schlacht so gering wie möglich ausfallen.«

»Ich fürchte, das ist kein guter Grund, um eine Schlacht anzuführen«, erwiderte Moiraine leise. »Man kämpft nicht, um seine Truppen zu schützen, man kämpft, um zu siegen. Dieser Anführer müsstet nicht Ihr sein, Rand. Ihr solltet es auch nicht sein.«

»Ich lasse nicht zu, dass diese Schlacht zu einem Chaos wird, Moiraine. Wenn Euch die Fehler bekannt wären, die wir das letzte Mal machten, die Verwirrung, die entsteht, wenn jedermann glaubt, den Befehl zu haben. Jede Schlacht ist ein Chaos, aber wir brauchen trotzdem einen obersten Befehlshaber, der Entscheidungen trifft, der versucht, das Chaos zu bewältigen.«

»Was ist mit der Weißen Burg?« Romanda kämpfte sich zu Egwene durch und stieß dabei beinahe alle anderen aus dem Weg. »Wir haben die Möglichkeiten, auf effiziente Weise zwischen den Fronten zu Reisen, wir bewahren kühlen Kopf, wo andere die Nerven verlieren, und uns gehört das Vertrauen aller Nationen.«