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Trolloc-Kadaver bedeckten den Schluchtboden wie eine Felldecke. Jedes Mal, wenn die Kreaturen den Durchgang erneut erzwingen wollten, hatten Lans Männer mit Lanzen und Stangenwaffen, Schwertern und Pfeilen Widerstand geleistet, Tausende erschlagen und sie für ihre Artgenossen aufgeschichtet, damit sie über sie hinwegklettern mussten. Aber jeder Zusammenstoß reduzierte auch Lans Mannstärke.

Jeder Angriff zwang sie, sich wieder ein Stück zurückzuziehen. Zum Passeingang. Nun trennten sie nicht einmal mehr hundert Fuß davon.

Lan spürte die Müdigkeit tief in seinen Knochen.

»Unsere Streitkräfte?«, fragte er Prinz Kaisel.

»Vielleicht noch sechstausend, die reiten können, Dai Shan.«

Weniger als die Hälfte dessen, womit sie am Vortag begonnen hatten. »Sagt ihnen, sie sollen aufsitzen.«

Kaisel sah entsetzt aus. »Wir treten den Rückzug an?«

Lan wandte sich dem Jungen zu.

Kaisel erbleichte. Man hatte Lan erzählt, sein Blick könne jedem Mann den Mut rauben; Moiraine hatte gern gescherzt, er könne einen Stein in einem Wettstreit im Blinzeln schlagen und habe die Geduld einer Eiche. Nun, er fühlte sich nicht so selbstsicher, wie die Leute dachten, aber dieser Junge hätte es besser wissen sollen, als zu fragen, ob sie sich zurückziehen sollten.

»Natürlich«, sagte Lan, »und dann greifen wir an.«

»Angreifen?«, wiederholte Kaisel. »Wir sind in der Defensive!«

»Sie werden uns hinwegfegen«, sagte Lan und zog sich auf Mandarbs Sattel. »Wir sind erschöpft, ausgelaugt und fast gebrochen. Bleiben wir hier stehen und lassen sie noch einmal auf uns zukommen, fallen wir ohne ein Wimmern.«

Lan erkannte ein Ende, wenn er es sah.

»Gebt die Befehle weiter«, sagte er zu Prinz Kaisel. »Wir ziehen uns langsam aus dem Pass zurück. Ihr lasst den Rest der Truppen auf der Ebene Aufstellung nehmen, aufgesessen und bereit, das Schattengezücht anzugreifen, wenn es durch den Pass kommt. Ein Sturmangriff wird großen Schaden anrichten; sie werden gar nicht wissen, was sie getroffen hat.«

»Werden wir nicht eingekreist und überrannt, wenn wir den Pass verlassen?«

»Das ist das Beste, was wir mit den uns noch zur Verfügung stehenden Kräften erreichen können.«

»Und dann?«

»Und dann brechen sie irgendwann durch, hauen unsere Armee in Stücke und überrennen uns.«

Kaisel saß für einen Moment da, dann nickte er. Wieder war Lan beeindruckt. Er hatte angenommen, der Junge hätte ihn begleitet, um den Ruhm der Schlacht kennenzulernen, um an der Seite Dai Shans zu kämpfen und ihre Feinde hinwegzufegen. Aber nein. Kaisel war ein echter Grenzländer. Er war nicht wegen des Ruhms hier. Er war gekommen, weil er es musste. Guter Junge.

»Gebt den Befehl. Die Männer werden froh sein, wieder auf den Pferden zu sitzen.« Zu viele von ihnen waren gezwungen gewesen, wegen des beengten Raums zu Fuß zu kämpfen.

Kaisel gab die Befehle, und diese Befehle brannten sich durch Lans Männer wie ein Herbstfeuer. Lan sah, wie Bulen Andere in den Sattel half.

Lan trieb Mandarb zum Schritt an, bis er an seiner Seite war. »Andere? Ihr seid nicht in der Verfassung zu reiten. Gesellt Euch zu den Verwundeten im hinteren Lager.«

»Damit ich daliege und mich von den Trollocs abschlachten lasse, nachdem sie Euch erledigt haben?« Andere beugte sich leicht schwankend im Sattel vor, und Bulen sah besorgt zu ihm hoch. Andere winkte ab und zwang sich in eine aufrechte Position. »Wir haben den Berg bereits bewegt, Lan. Bewegen wir noch die Feder und bringen es hinter uns.«

Lan wusste dem nichts entgegenzusetzen. Er rief den Männern, die vor ihm im Pass waren, den Befehl zu, sich zurückzuziehen. Sie scharten sich um ihn und wichen langsam zur Ebene zurück.

Die Trollocs johlten und brüllten vor Aufregung. Sie wussten, dass sie diesen Kampf mühelos gewinnen würden, sobald sie die einengenden Wände los waren.

Lan und seine kleine Streitmacht verließ den schmalen Pass; die zu Fuß rannten auf ihre Pferde zu, die am Passeingang festgebunden waren.

Dieses eine Mal brauchten die Trollocs kein Einpeitschen durch die Myrddraal, um anzugreifen. Ihre Schritte ließen den steinigen Boden erbeben.

Mehrere Hundert Fuß hinter dem Passeingang zügelte Lan sein Pferd und drehte sich um. Mühsam lenkte Andere sein Tier neben Lan, weitere Reiter gesellten sich zu ihnen und stellten sich zu langen Kavalleriereihen auf. Bulen drehte sein Pferd und galoppierte an der anderen Seite herbei.

Das Schattengezücht näherte sich dem Passende, eine anstürmende Streitmacht aus Tausenden Trollocs, die gleich in die Freiheit platzen würde – zum ersten Mal, seit die Schlacht begonnen hatte.

Lans Streitmacht stand stumm um ihn herum aufgereiht. Es waren viele ältere Männer dabei, die letzten Reste ihres untergegangenen Königreichs. Auf der viel größeren Ebene erschien das Heer, dem es gelungen war, die schmale Lücke zu sperren, auf einmal winzig.

»Bulen«, sagte Lan.

»Ja, Lord Mandragoran?«

»Ihr behauptet, mich vor vielen Jahren im Stich gelassen zu haben.«

»Ja, mein Lord. Es …«

»Jedes Versagen Eurerseits ist vergessen«, sagte Lan mit nach vorn gerichtetem Blick. »Es erfüllt mich mit Stolz, Euch Euren Hadori gegeben zu haben.«

Kaisel ritt heran und nickte Lan zu. »Dai Shan, wir sind bereit.«

»So ist es am besten«, sagte Andere. Mit verzerrtem Gesicht hielt er sich die Wunde und konnte sich kaum im Sattel halten.

»Es ist, was es sein muss«, sagte Lan. Es war kein Widerspruch. Jedenfalls nicht direkt.

»Nein«, erwiderte Andere. »Es ist mehr als das, Lan. Malkier ist wie ein Baum, dessen Wurzeln Weißwürmern zum Opfer gefallen sind und dessen Äste langsam verdorren. Ich würde lieber von einem Blitz weggebrannt werden.«

»Ich würde lieber angreifen«, sagte Bulen mit fester Stimme. »Ich würde lieber jetzt angreifen, als sie uns überrennen lassen. Lasst uns beim Angriff sterben, während unsere Schwerter heimwärts gerichtet sind.«

Lan nickte, drehte sich um und hob das Schwert hoch über den Kopf. Er hielt keine Rede. Die hatte er bereits gehalten. Seine Männer wussten, worum es hier ging. Ein letzter Sturmangriff, solange sie noch Kraft hatten, würde etwas bedeuten. Weniger Schattengezücht, das in zivilisierte Länder strömen konnte. Weniger Trollocs, die jene töteten, die sich nicht wehren konnten.

Der Feind erschien endlos. Eine geifernde, tobende Horde ohne Schlachtreihen oder Disziplin. Zorn, die leibhaftige Zerstörung. Abertausende von ihnen. Sie kamen wie eine plötzlich entfesselte Flutwelle, wogten aus der Schlucht.

Lans kleine Streitmacht war wie ein Kieselstein, der ihnen im Weg stand. Die Männer hoben stumm die Schwerter in seine Richtung. Ein letzter Salut.

»Jetzt!«, rief Lan. Jetzt, wo sie ausschwärmen. Das wird den größten Schaden anrichten. Lan stieß Mandarb die Stiefel in die Flanken und führte den Weg an.

Andere galoppierte an seiner Seite, klammerte sich mit beiden Händen an sein Sattelhorn. Er versuchte gar nicht erst, eine Waffe zu heben; bei dem Versuch wäre er aus dem Sattel gestürzt.

Nynaeve war viel zu weit weg, um viel von ihr durch den Behüterbund zu spüren, aber manchmal konnten mächtige Gefühle trotz der Entfernung hervorstechen. Lan versuchte Zuversicht zu übermitteln, für den Fall, dass es sie erreichte. Stolz auf seine Männer. Seine Liebe für sie. Er wünschte sich von ganzem Herzen, dass das die letzten Dinge waren, an die sie sich von ihm erinnerte.

Mein Arm ist das Schwert …

Ihre Hufe trommelten über den Boden. Die Trollocs vor ihnen grölten entzückt, weil sie erkannten, dass ihr Wild den Rückzug in einen Angriff verwandelt hatte, der die Männer direkt in ihre Fänge bringen würde.

Meine Brust ist ein Schild …

Lan vernahm eine Stimme, die diese Worte sprach, die Stimme seines Vaters. Das war natürlich albern. Beim Untergang von Malkier war Lan noch ein Säugling gewesen.