Выбрать главу

Kurze Zeit später studierten Elayne und Egwene die detaillierten Karten, die Bryne mitgebracht hatte. Sie lagen über vier Tische ausgebreitet. Die Herrscher hielten sich zurück und ließen ihre Befehlshaber diskutieren.

»Das ist gute Arbeit, Bryne«, lobte Lord Agelmar. Der Shienarer war einer der vier noch übrigen sogenannten Großen Hauptmänner. Bryne war ein anderer. Die letzten beiden von ihnen – Davram Bashere und Rodel Ituralde – standen Seite an Seite am Ende eines anderen Tisches und berichtigten eine Karte der westlichen Grenzländer. Ituralde hatte dicke Tränensäcke unter den Augen, und manchmal zitterten seine Hände. Elayne hatte gehört, dass er in Maradon viel mitgemacht hatte und erst kürzlich gerettet worden war. Ehrlich gesagt überraschte es sie, dass er überhaupt anwesend war.

»Nun gut«, sagte Elayne zu der Versammlung. »Wir müssen kämpfen. Aber wie? Wo?«

»Große Streitmächte Schattengezücht sind an drei Orten eingedrungen«, sagte Bryne. »In Caemlyn, Kandor und am Tarwin-Pass. Der Pass sollte nicht aufgegeben werden, vorausgesetzt, unsere Kräfte reichen, um Lord Mandragoran dabei zu helfen, die Lage zu stabilisieren. Vermutlich dürfte unser heutiger Vorstoß dazu führen, dass sich das Schattengezücht vom Pass zurückzieht. Dem Feind dort den Weg zu versperren ist eine Aufgabe, für die die schwere Kavallerie von Malkier nicht besonders geeignet ist. Vielleicht sollten wir ihm einige Pikenkompanien schicken. Wenn er diesen Pass weiterhin versperrt, können wir den größten Teil unserer Streitkräfte für den Kampf in Andor und Kandor einsetzen.«

Agelmar nickte. »Ja. Das sollte machbar sein, wenn wir dem Dai Shan die nötige Unterstützung zukommen lassen. Aber wir können nicht riskieren, dass Shienar genau wie Kandor überrannt wird. Sollten sie den Pass überwinden …«

»Wir sind auf eine längere Schlacht vorbereitet«, sagte König Easar. »Kandors Widerstand und Lans Kampf am Pass haben uns die nötige Zeit verschafft. Unsere Bürger ziehen sich in die Festungen zurück. Wir können standhalten, selbst wenn wir den Pass verlieren sollten.«

»Tapfere Worte, Euer Majestät«, sagte Gareth Bryne. »Aber es wäre besser, wir müssten die Shienarer nicht auf diese Weise auf die Probe stellen. Wir sollten den Pass auf jeden Fall halten, ganz egal, was dazu notwendig ist.«

»Und Caemlyn?«, fragte Elayne.

Ituralde nickte. »Ein Feind, der so tief hinter unseren eigenen Linien steht, mit einem Tor zu den Kurzen Wegen, um Verstärkung zu bringen … das ist schlimm.«

»Frühe Berichte von heute Morgen deuten darauf hin, dass die Trollocs im Moment an Ort und Stelle bleiben«, sagte Elayne. »Sie haben große Teile der Stadt niedergebrannt, andere Viertel aber in Ruhe gelassen – und jetzt, da ihnen die Stadt gehört, haben sie angefangen, die Brände zu löschen.«

»Irgendwann verlassen sie sie«, sagte Bryne. »Aber es ist besser, wenn wir sie dort bald vertreiben, statt zu lange damit zu warten.«

»Warum keine Belagerung in Betracht ziehen?«, fragte Agelmar. »Ich bin der Ansicht, dass der größte Teil unserer Truppen nach Kandor gehen sollte. Ich würde den Wolkenthron und die Drei Handelshallen nicht untergehen lassen wollen wie die Sieben Türme.«

»Kandor ist bereits gefallen«, sagte Prinz Antol leise.

Die Großen Hauptmänner richteten die Blicke auf den ältesten Sohn der kandorischen Königin. Er war ein großer Mann, der nicht viel sagte. Aber jetzt meldete er sich kühn zu Wort. »Meine Mutter kämpft für unser Land«, sagte er, »aber es ist ein Kampf der Rache und der Vergeltung. Kandor brennt, und das zerreißt mir das Herz, aber daran können wir nichts ändern. Wendet Andor den größten Teil Eurer Aufmerksamkeit zu; taktisch gesehen ist es viel zu wichtig, um ignoriert werden zu können, und ich will nicht erleben, dass noch ein Land auf die gleiche Weise untergeht wie das meine.«

Die anderen nickten. »Ein weiser Rat, Hoheit«, sagte Bashere. »Vielen Dank.«

»Vergesst aber nicht Shayol Ghul«, sagte Rhuarc, der an der Seite von Perrin, einigen Aes Sedai und ein paar anderen Häuptlingen der Aiel stand. Die Großen Hauptmänner wandten sich ihm zu, als hätten sie seine Anwesenheit völlig vergessen.

»Der Car’a’carn wird Shayol Ghul bald angreifen«, sagte Rhuarc. »Dann braucht er Speere in seinem Rücken.«

»Die wird er auch bekommen«, versprach Elayne. »Aber das bedeutet vier Fronten. Shayol Ghul, der Tarwin-Pass, Kandor und Caemlyn.«

»Lasst uns zuerst nach Caemlyn blicken«, sagte Ituralde. »Der Gedanke an eine Belagerung gefällt mir nicht. Wir müssen die Trollocs vertreiben. Wenn wir sie belagern, haben sie mehr Zeit, ihre Zahl durch die Kurzen Wege aufzustocken. Wir müssen sie jetzt erledigen, zu unseren Bedingungen.«

Agelmar nickte mit einem Grunzen, dann betrachtete er die Karte von Caemlyn, die ein Adjutant auf dem Tisch ausgebreitet hatte. »Können wir diesen Strom stoppen? Das Tor zu den Kurzen Wegen zurückerobern?«

»Das habe ich bereits versucht«, sagte Elayne. »Wir haben heute Morgen drei verschiedene Kompanien durch ein Wegetor in den Keller mit dem Tor geschickt, aber der Schatten ist vorbereitet und hat sich verbarrikadiert. Keine der Kompanien ist zurückgekehrt. Ich weiß nicht, ob wir das Tor überhaupt zurückerobern können, nicht einmal, ob wir es vernichten können.«

»Und wenn wir es von der anderen Seite aus versuchen?«, fragte Agelmar.

»Die andere Seite?«, fragte Elayne. »Ihr meint aus dem Inneren der Kurzen Wege?«

Agelmar nickte.

»Niemand reist durch die Wege«, sagte Ituralde entsetzt.

»Die Trollocs schon«, meinte Agelmar.

»Ich kenne sie«, sagte Perrin und trat an den Tisch. »Und es tut mir leid, meine Lords, aber ich glaube nicht, dass man das Tor von der anderen Seite erobern könnte. So wie ich es verstanden habe, könnten wir es nicht vernichten – nicht einmal mit der Einen Macht. Und wir können es auch nicht von innen halten, das lässt der Schwarze Wind nicht zu. Unsere beste Möglichkeit besteht darin, die Trollocs irgendwie aus Caemlyn hinauszuwerfen und dann diese Seite des Tors zu halten. Richtig beschützt wird es der Schatten nie wieder gegen uns verwenden können.«

»Gut. Wir werden andere Möglichkeiten in Betracht ziehen«, sagte Elayne. »Obwohl mir da der Gedanke kommt, dass wir die Schwarze Burg benachrichtigen sollten, um ihre Asha’man zu bekommen. Wie viele von ihnen sind dort?«

Perrin räusperte sich. »Ich glaube, Ihr solltet Vorsicht walten lassen, was diesen Ort angeht, Euer Majestät. Dort geht etwas vor.«

Elayne runzelte die Stirn. »›Etwas‹?«

»Ich weiß nichts Genaues«, sagte Perrin. »Ich sprach mit Rand darüber, und er war sehr besorgt und sagte, er wollte sich darum kümmern. Wie dem auch sei … seid einfach nur vorsichtig.«

»Ich bin immer vorsichtig«, sagte Elayne nachdenklich. »Also, wie bekommen wir die Trollocs aus Caemlyn raus?«

»Wir könnten ja eine große Truppe im Breamwald verstecken; der ist beinahe fünfzig Meilen nördlich von Caemlyn.« Bryne zeigte auf die Karte. »Wenn eine kleine Kompanie als Köder für eine Falle an den Stadttoren aufmarschiert und die Trollocs dazu bringt, sie zurück in den Wald zu jagen … Ich war stets besorgt, dass ein Invasionsheer den Wald als Deckung für einen Angriff auf die Stadt benutzen könnte. Ich hätte nie gedacht, dass ich diese Möglichkeit selbst in Betracht ziehe.«

»Interessant«, sagte Agelmar und studierte eine Karte mit dem Umland von Caemlyn. »Das scheint ein guter Rat zu sein.«

»Aber was ist mit Kandor?«, fragte Bashere. »Der Prinz hat ja durchaus recht, dass das Land nicht mehr zu retten ist, aber wir können einfach nicht zulassen, dass die Trollocs von dort in andere Länder strömen.«

Ituralde rieb sich am Kinn. »Das wird alles sehr schwierig. Drei Trolloc-Heere, und wir werden dazu gezwungen, unsere Aufmerksamkeit zwischen ihnen zu teilen. Ja, ich komme zusehends zu dem Schluss, dass es der richtige Weg ist, sich auf eines von ihnen zu konzentrieren und den Vorstoß der anderen beiden nur zu behindern.«