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Birgitte trat heran. »Zurück in unser Lager?«

»Ich …« Elayne zögerte, weil sie etwas gehört hatte. Ein leiser Laut, aber irgendwie war er mächtig. Stirnrunzelnd ging sie ihm entgegen und hielt die Hand hoch, als Birgitte fragen wollte, was los war.

Sie umrundeten den Pavillon, überquerten grünes Gras und blühende Blumen und gingen auf die Klänge zu, die immer lauter wurden. Ein Lied. Ein wunderschönes Lied, wie sie es noch nie gehört hatte und das sie mit seiner eindrucksvollen Klangfülle erzittern ließ.

Es schlug über ihr zusammen, hüllte sie ein, vibrierte in ihr. Ein fröhliches Lied, ein Lied voller Ehrfurcht und Staunen, das war ganz offensichtlich, obwohl sie die Worte nicht verstehen konnte. Sie näherte sich einer Gruppe riesiger Geschöpfe, die selbst an Bäume erinnerten und ihre Hände mit geschlossenen Augen auf die knorrigen Stämme der Bäume gelegt hatten, die Rand hatte wachsen lassen.

Drei Dutzend Ogier verschiedenen Alters, einige mit Augenbrauen so weiß wie Schnee, andere so jung wie Loial. Er stand unter ihnen, und er sang mit einem Lächeln.

In der Nähe standen Perrin mit verschränkten Armen und seine Frau. »Was Ihr da über die Asha’man sagtet, hat mich nachdenklich gemacht – wenn wir Verbündete brauchen, was ist mit den Ogiern? Ich wollte mich darum kümmern, Loial zu suchen, aber bevor ich das tun konnte, fand ich sie hier bereits zwischen den Bäumen.«

Elayne nickte und hörte zu, wie das Lied der Ogier seinen Höhepunkt erreichte und ausklang, während die Sänger die Köpfe senkten. Einen Augenblick lang war alles friedlich.

Schließlich öffnete ein alter Ogier die Augen und wandte sich Elayne zu. Sein weißer Bart ragte bis zur Brust, der weiße Schnurrbart hatte die gleiche Länge. Die anderen Alten, sowohl Männer wie auch Frauen, schlossen sich ihm an. Loial begleitete sie.

»Ihr seid die Königin«, sagte der Alte und verbeugte sich vor ihr. »Die, die diese Reise anführt. Ich bin Haman, Sohn von Dal, Sohn von Morel. Wir sind gekommen, um Euch unsere Äxte für Euren Kampf zu leihen.«

»Ich freue mich«, erwiderte Elayne und nickte ihm zu. »Drei Dutzend Ogier werden unserer Schlacht zusätzliche Kraft verleihen.«

»Drei Dutzend, junge Menschenfrau?« Haman lachte grollend. »Der Große Stumpf ist nicht zusammengetreten und hat auch nicht so lange debattiert, um Euch drei Dutzend von uns zu schicken. Die Ogier werden an der Seite der Menschen kämpfen. Wir alle. Jeder von uns, der eine Axt oder ein langes Messer halten kann.«

»Wunderbar!«, rief Elayne aus. »Ich werde großen Nutzen aus euch ziehen.«

Eine ältere Ogierfrau schüttelte den Kopf. »So eilig. So schnell. Wisset, junge Menschenfrau. Es gab einige unter uns, die Euch und die Welt dem Schatten überlassen hätten.«

Elayne blinzelte entsetzt. »Ihr hättet das tatsächlich getan? Uns einfach … alleingelassen? Damit wir kämpfen?«

»Einige sprachen sich dafür aus«, sagte Haman.

»Ich vertrat selbst diese Position«, sagte die Frau. »Ich sprach dafür, obwohl ich eigentlich nicht davon überzeugt war, dass das richtig ist.«

»Was?« Loial kam näher heran. Offensichtlich war ihm das neu. »Du warst nicht dieser Überzeugung?«

Die Frau richtete den Blick auf ihn. »Wenn der Dunkle König diese Welt beansprucht, werden keine Bäume wachsen.«

Loial sah überrascht aus. »Aber warum hast du …«

»Ein Argument braucht eine gegensätzliche Meinung, wenn es sich beweisen soll, mein Sohn«, sagte sie. »Ein Sprecher lernt das wahre Ausmaß seiner Hingabe durch Widerspruch. Hast du nicht gelernt, dass Bäume stärkere Wurzeln bekommen, wenn der Wind an ihnen rüttelt?« Sie schüttelte den Kopf, schien es aber nicht besonders streng zu meinen. »Das heißt nicht, dass du das Stedding so einfach hättest verlassen sollen, wie du es tatest. Nicht allein. Glücklicherweise ist das ja geregelt.«

»Das ist geregelt?«, fragte Perrin.

Loial errötete. »Nun, du musst wissen, Perrin, ich bin jetzt verheiratet.«

»Das hast du aber nicht erwähnt!«

»Alles ist so schnell gegangen. Ich bin mit Erith verheiratet. Da drüben ist sie. Hast du sie singen hören? Ist ihr Lied nicht wunderschön? Verheiratet zu sein ist gar nicht so übel, Perrin. Warum hast du mir nicht gesagt, dass es gar nicht so übel ist? Ich glaube, es gefällt mir ziemlich gut.«

»Ich freue mich für Euch, Loial«, unterbrach Elayne ihn. Ogier konnten ziemlich ausführlich über Nebensächlichkeiten sprechen, wenn man nicht aufpasste. »Und ich bin euch allen sehr dankbar, dass ihr euch uns anschließt.«

»Vielleicht ist es den Preis allein schon wert, um diese Bäume zu sehen«, meinte Haman. »Mein ganzes Leben lang haben die Menschen die Großen Bäume nur gefällt. Nun sehen zu können, wie sie jemand wachsen lässt … Wir trafen die richtige Entscheidung. Ja, ja, das taten wir. Die anderen werden das hier sehen müssen …«

Loial gab Perrin Handzeichen, weil er ihm offensichtlich alles erzählen wollte. »Erlaubt mir, ihn einen Moment auszuborgen, Loial«, sagte Elayne und steuerte Perrin auf die Hainmitte zu.

Faile und Birgitte schlossen sich ihr an, und Loial wartete hinter ihnen. Die Großen Bäume schienen ihn abzulenken.

»Ich habe eine Aufgabe, die ich Euch übertragen möchte«, sagte Elayne leise zu Perrin. »Der Verlust von Caemlyn könnte für unsere Truppen eine ernsthafte Versorgungskrise bedeuten. Auch wenn sich alle über die Lebensmittelpreise aufregen, konnten wir doch jeden satt machen und Vorräte für die kommende Schlacht sammeln. Diese Vorräte sind jetzt verloren.«

»Was ist mit Cairhien?«

»Dort gibt es noch Lebensmittel«, sagte Elayne. »Genau wie in der Weißen Burg und in Tear. Baerlon hat ordentliche Bestände von Metall und Pulver – ich muss noch herausfinden, was wir von den anderen Nationen bekommen können und wie es um ihre Getreidevorräte bestellt ist. Es wird eine gewaltige Aufgabe sein, Nachschub und Rationen für alle Heere zu organisieren. Ich möchte diese Aufgabe einer Person anvertrauen.«

»Und da habt Ihr an mich gedacht?«, fragte Perrin.

»Ja.«

»Es tut mir leid«, erwiderte er. »Elayne, Rand braucht mich.«

»Rand braucht uns alle.«

»Mich braucht er mehr.« Perrin nickte. »Min hat das in einer Vision gesehen, hat er gesagt. Ohne mich an seiner Seite wird er in der Letzten Schlacht sterben. Außerdem muss auch ich noch ein paar Kämpfe zu Ende bringen.«

»Ich mache es«, sagte da Faile.

Stirnrunzelnd drehte sich Elayne zu ihr um.

»Es ist meine Pflicht, sich um die Armee meines Gemahls zu kümmern«, sagte Faile. »Ihr seid seine Lehnsherrin, Euer Majestät, also sind Eure Bedürfnisse seine Bedürfnisse. Wenn Andor den Befehl über die Letzte Schlacht hat, dann werden die Zwei Flüsse dafür sorgen, dass es ernährt wird. Überlasst mir den Zugang zu Wegetoren, die groß genug für Wagen sind, gebt mir Truppen, die meine Wege beschützen können, und verschafft mir den Zugang zu sämtlichen Quartiermeisterunterlagen, die ich brauche. Ich werde es erledigen.«

Es war logisch und rational, aber nicht das, was Elayne brauchte. Wieweit konnte sie dieser Frau vertrauen? Faile hatte sich in politischen Dingen als sehr geschickt erwiesen. Das war nützlich, aber betrachtete sie sich wirklich als ein Teil von Andor? Elayne musterte die Frau.

»Ihr könntet diese Aufgabe niemand Besserem anvertrauen, Elayne«, sagte Perrin. »Faile wird sie erledigen.«

»Perrin«, sagte Elayne. »Da gibt es in diesem Zusammenhang noch eine andere Sache. Können wir kurz unter vier Augen sprechen?«

»Ich werde es ihr sowieso erzählen, wenn wir fertig sind, Euer Majestät«, sagte Perrin. »Vor meiner Gemahlin habe ich keine Geheimnisse.«

Faile lächelte.

Elayne musterte die beiden, dann seufzte sie leise. »Egwene kam während unseres Kriegsrats kurz zu mir. Es gibt da einen gewissen … wichtigen Gegenstand für die Letzte Schlacht, den sie noch überbringen lassen muss.«

»Das Horn von Valere«, sagte Perrin. »Ich hoffe, Ihr habt es noch.«