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Rand sollte besser auf sich aufpassen, damit ich ihm sagen kann, was ich von ihm halte, dachte sie, als Bashere, in eine leise Unterhaltung mit Birgitte vertieft, näher kam. Bashere war ein Mann mit krummen Beinen und einem dichten Schnauzbart. Elayne gegenüber verhielt er sich nicht so, wie es für einen Mann angesichts einer Königin angebracht gewesen wäre … andererseits war die Königin von Saldaea seine Nichte, also fühlte er sich in der Gegenwart von Königen vermutlich nicht gehemmt.

Er steht an erster Stelle in der Thronfolge, rief sich Elayne ins Gedächtnis zurück. Die Zusammenarbeit mit ihm würde genügend Gelegenheiten bieten, ihre Bindungen an Saldaea weiter zu vertiefen. Die Vorstellung, dass eines ihrer Kinder eines Tages auf diesem Thron saß, gefiel ihr noch immer. Sie legte eine Hand auf den Bauch. Die Babys traten nun immer häufiger. Niemand hatte ihr gesagt, dass es so viel Ähnlichkeit mit … nun ja, Verstopfung haben würde. Unglücklicherweise hatte Melfane entgegen jeder Wahrscheinlichkeit Ziegenmilch gefunden.

»Neuigkeiten?«, fragte Elayne, als Birgitte und Bashere eintrafen und Talmanes sein Pferd zur Seite lenkte, um Platz zu machen.

»Die Späherberichte über die Stadt sind da«, sagte Bashere.

»Der Hauptmann hatte recht«, sagte Birgitte. »Die Trollocs wurden an die Leine gelegt, und die Brände sind größtenteils erloschen. Gut die Hälfte der Stadt steht noch. Ein großer Teil des Rauchs, den wir sehen können, kommt von Kochfeuern und nicht von brennenden Häusern.«

»Trollocs sind dumm«, sagte Bashere, »aber Halbmenschen nicht. Die Trollocs hätten mit Begeisterung die Stadt verwüstet und überall Feuer gelegt, aber dann hätte das Risiko bestanden, dass ihnen die Brände entgleiten. Aber wie dem auch sei, die Wahrheit sieht nun einmal so aus, dass wir nicht wissen, was der Schatten dort plant, aber immerhin haben sie die Möglichkeit, die Stadt für eine Weile zu halten, sollten sie das wollen.«

»Und werden sie es versuchen?«, fragte Elayne.

»Ich weiß es wahrhaftig nicht«, erwiderte Bashere. »Wir kennen ihre Ziele nicht. Sollte dieser Angriff auf Caemlyn Chaos bringen und unseren Armeen Furcht einjagen? Oder soll damit eine Festung erobert werden, die dann für längere Zeit als Basis dient, aus der man ständig unsere Streitkräfte angreift? Damals im Trolloc-Krieg haben die Blassen Städte aus diesem Grund gehalten.«

Elayne nickte.

»Entschuldigung, Euer Majestät?« Sie drehte sich um und sah einen der Männer von den Zwei Flüssen vortreten. Einer ihrer Anführer, Tams Stellvertreter. Dannil, dachte sie, das ist sein Name.

»Euer Majestät«, wiederholte Dannil. Er zeigte eine gewisse Unsicherheit, sprach aber nicht ungebildet. »Lord Goldauge hat seine Männer im Wald ihre Positionen einnehmen lassen.«

»Lord Talmanes, habt Ihr Eure Drachen in Position gebracht?«

»Fast«, sagte Talmanes. »Verzeihung, Euer Majestät, aber ich bin nicht davon überzeugt, dass die Bogen gebraucht werden, nachdem diese Waffen gefeuert haben. Seid Ihr sicher, dass Ihr nicht mit den Drachen anfangen wollt?«

»Wir müssen die Trollocs in den Kampf locken«, erwiderte Elayne. »Die Stellung, die ich skizzierte, wird am besten funktionieren. Bashere, was ist mit meinem Plan für die Stadt selbst?«

»Ich glaube, es ist fast alles fertig, aber ich will es noch einmal überprüfen«, sagte Bashere und rieb sich nachdenklich den Schnurrbart. »Eure Frauen haben gute Wegetore gemacht, und Mayene gab uns das Öl. Seid Ihr sicher, dass Ihr etwas so Drastisches tun wollt?«

»Ja.«

Bashere wartete auf eine ausführlichere Antwort, vielleicht sogar eine Erklärung. Als sie schwieg, trieb er sein Pferd an und gab die letzten Befehle. Elayne ritt auf Mondschatten die Reihen der Soldaten hier an der Frontlinie ab, wo sie sich in der Nähe der Wälder aufgestellt hatten. In diesen letzten Augenblicken, während ihre Befehlshaber Anweisungen gaben, konnte sie nicht viel tun, aber sie konnte sich sehen lassen, wie sie voller Zuversicht dort ritt. Wo sie vorbeikam, hoben die Männer ihre Piken höher und nahmen das Kinn hoch.

Elayne hielt den Blick auf die schwelende Stadt gerichtet. Sie würde nicht wegschauen, und sie würde sich nicht von ihrer Wut übermannen lassen. Sie würde diese Wut benutzen.

Kurze Zeit später kehrte Bashere zu ihr zurück. »Es ist getan. Die Keller vieler der noch stehenden Gebäude sind mit Öl gefüllt. Talmanes und die anderen haben ihre Plätze eingenommen. Sobald Eure Behüterin mit der Vollzugsmeldung zurückkehrt, dass die Kusinen für die nächste Runde Wegetore bereit sind, können wir weitermachen.«

Elayne nickte, dann nahm sie die Hand vom Bauch, als Bashere dorthin blickte. Sie war sich gar nicht bewusst gewesen, dass sie wieder hingefasst hatte. »Was haltet Ihr davon, dass ich schwanger in die Schlacht reite? Ist das ein Fehler?«

Er schüttelte den Kopf. »Nein. Es beweist nur, wie verzweifelt unsere Situation ist. Es wird die Soldaten nachdenklich machen. Wird sie ernster machen. Außerdem …«

»Was?«

Bashere zuckte mit den Schultern. »Vielleicht erinnert es sie daran, dass nicht alles auf der Welt stirbt.«

Elayne richtete den Blick wieder auf die ferne Stadt. Bauern brannten im Frühling ihre Felder ab, um sie für neues Leben vorzubereiten. Vielleicht machte Andor genau das gerade durch.

»Verratet mir eines«, sagte Bashere. »Werdet Ihr den Männern sagen, dass Ihr das Kind des Lord Drachen tragt?«

Kinder, korrigierte Elayne in Gedanken. »Ihr glaubt etwas zu wissen, das vielleicht stimmt, vielleicht aber auch nicht, Lord Bashere.«

»Ich habe eine Frau und eine Tochter. Ich erkenne den Blick in Euren Augen, wenn Ihr den Lord Drachen anseht. Keine schwangere Frau berührt ihren Bauch so andächtig, wenn sie einen Mann ansieht, der nicht der Vater ist.«

Elaynes Lippen verzogen sich zu einem schmalen Strich.

»Warum verbergt Ihr das?«, wollte Bashere wissen. »Ich habe gehört, was einige der Männer denken. Sie sprechen von einem anderen Mann, einem Schattenfreund namens Mellar, der einst der Hauptmann Eurer Gardistinnen war. Ich erkenne, dass die Gerüchte falsch sind, aber andere sind nicht so klug. Ihr könntet diesen Gerüchten ganz leicht ein Ende bereiten.«

»Rands Kinder werden Zielscheiben sein«, sagte sie.

»Ah …«, erwiderte er. Er bearbeitete wieder den Schnurrbart.

»Falls Ihr diesem Schluss nicht zustimmt, Bashere, dann sagt es. Ich ertrage keine Kriecher.«

»Ich bin kein Kriecher, Frau«, sagte er eingeschnappt. »Aber ich bezweifle doch sehr, dass Euer Kind kein größeres Ziel sein könnte, als es das bereits ist. Ihr seid die Befehlshaberin der Armeen des Lichts! Ich glaube, Eure Männer verdienen zu wissen, wofür genau sie kämpfen.«

»Das geht Euch nichts an«, erwiderte Elayne, »und sie auch nicht.«

Bashere hob eine Braue. »Der Erbe des Reiches«, sagte er trocken, »geht seine Untertanen nichts an?«

»Ich glaube, Ihr überschreitet Eure Grenzen, General

»Schon möglich«, sagte er. »Vielleicht hat die viele Zeit, die ich mit dem Lord Drachen verbrachte, mein Benehmen verzerrt. Dieser Mann … man kann nie sagen, was er gerade denkt. Die Hälfte der Zeit hatte es den Anschein, als würde er mich gleich in zwei Stücke hauen, bloß weil ich die Bemerkung gewagt hatte, dass der Himmel ziemlich dunkel aussieht.« Bashere schüttelte den Kopf. »Denkt einfach darüber nach, Euer Majestät. Ihr erinnert mich an meine Tochter. Sie hätte etwas Ähnliches getan, und das ist der Rat, den ich ihr geben würde. Eure Männer werden tapferer kämpfen, wenn sie wissen, dass Ihr den Erben des Wiedergeborenen Drachen zur Welt bringt.«

Männer, dachte Elayne. Die Jungen wollen mich mit jeder albernen Tat beeindrucken, die ihnen in den närrischen Sinn kommt. Die Alten gehen davon aus, dass jede junge Frau einen Vortrag braucht.