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»Wir kämpfen hier«, erwiderte Agelmar. »Und wenn wir die Stellung nicht länger halten können, ziehen wir uns zurück, um Zeit zu gewinnen.«

Lan erstarrte. »Ein Rückzug?«

Agelmar nickte. »Wir sind hier, um den Vorstoß der Trollocs zu verlangsamen. Das gelingt uns, indem wir sie eine Weile hier festhalten und uns dann langsam durch Shienar zurückziehen.«

»Agelmar, ich bin nicht zum Tarwin-Pass gekommen, um den Rückzug anzutreten.«

»Dai Shan, man hat mir glaubwürdig versichert, dass Ihr hergekommen seid, um zu sterben.«

Das war die reine Wahrheit. »Ich werde Malkier kein zweites Mal an den Schatten verlieren, Agelmar. Ich kam zum Pass – die Malkieri folgten mir einfach –, um dem Dunklen König zu zeigen, dass man uns nicht besiegt hat. Jetzt zu gehen, nachdem wir uns hier festsetzen konnten …«

»Dai Shan.« Lord Agelmars Stimme wurde noch leiser. »Ich respektiere Eure Entscheidung, zu kämpfen. Das tun wir alle; allein Euer Marsch an diesen Ort hat Tausende inspiriert. Das mag nicht Eure Absicht gewesen sein, aber es war die Absicht, die das Rad für Euch webte. Die Entschlossenheit eines Mannes, für Gerechtigkeit zu sorgen, ist nichts, was man leichtfertig ignorieren kann. Aber es gibt einen Moment, in dem man zur Seite treten und das Gesamtbild betrachten muss.«

Lan blieb stehen und musterte den alten General. »Vorsicht, Lord Agelmar. Das hört sich fast so an, als würdet Ihr mich selbstsüchtig nennen.«

»Das tue ich auch, Lan«, sagte Agelmar. »Und das seid Ihr auch.«

Lan regte keinen Muskel.

»Ihr kamt her, um Euer Leben für Malkier wegzuwerfen. Allein für sich genommen ist das edel. Aber da wir nun in der Letzten Schlacht kämpfen, ist es auch dumm. Wir brauchen Euch. Wegen Eurer Sturheit werden Männer sterben.«

»Ich habe sie nicht darum gebeten, mir zu folgen. Licht! Ich habe alles getan, was in meiner Macht stand, um sie davon abzuhalten.«

»Die Pflicht ist schwerer als ein Berg, Dai Shan.«

Diesmal zuckte Lan zusammen. Wie lange war es her, dass ihn jemand mit Worten dazu gebracht hatte? Unwillkürlich musste er daran denken, dass er das gleiche Konzept einem Jungen aus den Zwei Flüssen beigebracht hatte. Einem Schafhirten, der die Welt völlig naiv betrachtet und sich vor dem Schicksal gefürchtet hatte, das das Muster für ihn bereithielt.

»Manche Männer sind vom Schicksal auserkoren zu sterben«, fuhr Agelmar fort. »Andere sind ausersehen zu leben und zu führen, und sie empfinden es als Last. Falls Ihr hier bis zum letzten Mann kämpfen wollt, dann könnt Ihr das tun, und sie würden noch beim Sterben über den Ruhm dieses Kampfes singen. Oder Ihr könntet tun, was wir beide tun müssen. Uns zurückziehen, wenn wir dazu gezwungen werden, uns anpassen und den Schatten so lange aufhalten und ihm Steine in den Weg legen, wie wir können. Bis die anderen Armeen uns Hilfe schicken können.

Wir haben eine ausgesprochen bewegliche Streitmacht. Jede Armee hat Euch ihre beste Kavallerie geschickt. Ich habe neuntausend leichte saldaeanische Kavalleristen komplizierte Manöver mit Präzision ausführen sehen. Wir können dem Schatten hier schaden, aber seine Zahl erweist sich als zu groß. Größer, als ich für möglich gehalten hätte. Wir werden ihm beim Rückzug weiteren Schaden zufügen. Wir werden Möglichkeiten finden, ihm mit jedem rückwärtigen Schritt Verluste zuzufügen. Ja, Lan. Ihr habt mich zum kommandierenden General über dieses Schlachtfeld gemacht. Das ist mein Rat an Euch. Es wird nicht heute passieren, vielleicht nicht einmal diese Woche, aber wir werden uns zurückziehen müssen!«

Lan ging schweigend weiter. Bevor er antworten konnte, sah er am Himmel ein blaues Licht explodieren. Das Notsignal aus dem Pass. Die Einheiten, die vorhin in den Kampf gezogen waren, brauchten Hilfe.

Ich denke darüber nach, dachte er. Seine Müdigkeit verdrängend lief er zu den Pferdeseilen, wo der Knecht Mandarb hingebracht haben würde.

Er musste nicht zu diesem Scharmützel reiten. Er hatte gerade eines beendet. Er entschied sich trotzdem hinzureiten und konnte sich gerade noch davon abhalten, Bulen zuzurufen, für ihn ein Pferd bereit zu machen. Er kam sich wie ein Narr vor. Licht, er hatte sich wirklich an die Hilfe dieses Mannes gewöhnt.

Agelmar hat recht, dachte er, während die Pferdeknechte beinahe über die eigenen Füße stolperten, um Mandarb schnell zu satteln. Der Hengst war unruhig, spürte seine Stimmung. Sie werden mir folgen. Genau wie Bulen. Sie im Namen eines untergegangenen Königreichs in den Tod zu führen … selbst in diesen Tod zu reiten … wie unterscheidet sich das von Tenobias Einstellung?

Kurz darauf galoppierte er zurück zur Front und musste entdecken, dass die Trollocs beinahe den Durchbruch geschafft hätten. Er stürzte sich in den Kampf, und in dieser Nacht hielten sie stand. Irgendwann würde es ihnen nicht mehr gelingen. Was dann?

Dann … würde er Malkier wieder im Stich lassen und tun, was getan werden musste.

Egwenes Streitkräfte hatten sich am südlichen Punkt des Feldes von Merrilor versammelt. Sie sollten nach Kandor Reisen, sobald Elaynes Truppen nach Caemlyn abgerückt waren. Rands Heere waren noch nicht nach Thakan’dar gezogen, sondern warteten nun im Norden des Feldes, wo man leichter für Nachschub sorgen konnte. Er behauptete, dass die Zeit noch nicht reif für seinen Angriff war; man konnte nur zum Licht beten, dass er mit den Seanchanern Fortschritte machte.

So viele Leute zu transportieren bereitete einem gewaltige Kopfschmerzen. Aes Sedai erschufen viele Wegetore, die sich aneinanderreihten wie die Türen in einem großen Ballsaal. Soldaten rückten zusammen und warteten darauf, dass sie an der Reihe waren. Viele der stärksten Machtlenkerinnen waren an dieser Aufgabe nicht beteiligt; sie würden die Macht bald genug im Kampf lenken müssen, und Wegetore zu erschaffen würde nur dringend benötigte Kraft vergeuden, bevor die wirklich wichtigen Aufgaben überhaupt begonnen hatten.

Natürlich machten die Soldaten der Amyrlin den Weg frei. Da die Vorhut auf der anderen Seite ihre Stellungen bezog und das Lager fertig war, war für sie der Augenblick gekommen, sich dorthin zu begeben. Sie hatte den Morgen mit einer Besprechung des Saals der Burg verbracht, wo sie die Versorgungsberichte und Geländeeinschätzungen durchgegangen war. Sie war froh, dem Saal erlaubt zu haben, eine größere Rolle im Krieg zu spielen; die Sitzenden, von denen schon viele länger als ein Jahrhundert lebten, hatten viel an Erfahrung beizusteuern.

»Es gefällt mir nicht, so lange warten zu müssen«, murrte Gawyn, als er an ihre Seite ritt.

Sie musterte ihn.

»Ich vertraue General Brynes Schlachtfeldeinschätzung, genau wie der Saal auch«, erwiderte sie, als sie an den Illianer Gefährten vorbeiritten. Auf jedem der auf Hochglanz polierten Brustpanzer waren die Neun Bienen von Illian zu sehen. Sie salutierten ihr mit hinter dem Gitterschutz ihrer konischen Helme verborgenen Gesichtern.

Sie war sich nicht sicher, ob sie sie so gern in ihrem Heer hatte – sie würden loyaler zu Rand stehen als zu ihr –, aber Bryne hatte darauf bestanden. Er behauptete, dass ihrer Streitmacht, so gewaltig sie auch sein mochte, eine Elitetruppe wie die Gefährten fehlte.

»Ich finde noch immer, wir hätten früher aufbrechen sollen«, sagte Gawyn, als sie durch das Tor nach Kandor hinübertraten.

»Es sind doch nur ein paar Tage vergangen.«

»Ein paar Tage, in denen Kandor brannte.« Sie konnte seine Frustration fühlen. Und dass er sie leidenschaftlich liebte. Er war jetzt ihr Ehemann. Silviana hatte sie am Vorabend in einer schlichten Zeremonie getraut. Es kam Egwene noch immer seltsam vor, ihre eigene Hochzeit genehmigt zu haben. Aber wenn man die höchste Autorität war, was sollte man machen?

Als sie das Lager an der Grenze von Kandor betraten, ritt Bryne heran und gab einer wartenden Patrouille angespannt Befehle. Als er Egwene erreichte, stieg er aus dem Sattel, verbeugte sich tief und küsste ihren Ring. Dann stieg er wieder aufs Pferd und ritt weiter. Zog man in Betracht, dass man ihn letztlich dazu hatte zwingen müssen, diese Armee anzuführen, war er doch sehr respektvoll. Natürlich hatte auch er seine Forderungen gestellt, die erfüllt worden waren, also hatte er vielleicht auch sie unter Druck gesetzt. Die Heere der Weißen Burg anzuführen war für ihn eine Gelegenheit gewesen; kein Mann wurde gern in den Ruhestand geschickt. Der Große Hauptmann hätte überhaupt nicht in der Situation sein dürfen, dieses Angebot zu erhalten.