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Elayne runzelte die Stirn. »Warum habe ich dir noch mal eines dieser Medaillons gegeben?«

»Da bin ich mir nicht sicher«, erwiderte Birgitte. »Es zeigte erstaunliche Voraussicht und ein echtes Gespür für Selbsterhaltung. Sah dir so gar nicht ähnlich.«

»Das finde ich wirklich nicht fair, Birgitte.«

»Ich weiß! Es ist sogar außerordentlich unfair, dass ich es mit dir zu tun habe. Schon lange habe ich mich gefragt, ob du das irgendwann einmal einsiehst. Sind alle jungen Aes Sedai so leichtsinnig wie du, oder bekam ich bloß den Hauptgewinn dieses Wurfes?«

»Hör auf zu jammern«, murmelte Elayne und behielt ihr Lächeln aufrecht für jeden der im Vorbeigehen salutierenden Männer. »Langsam wünsche ich mir, ich hätte einen der in der Burg ausgebildeten Behüter genommen. Dann müsste ich mir wenigstens nicht immer wieder den gleichen Mist anhören.«

Birgitte lachte. »Ich glaube, du verstehst Behüter nicht einmal halb so gut, wie du glaubst.«

Elayne ließ das Thema fallen, als sie am Reisegelände vorbeikamen, wo Sumeko und andere Kusinen Boten vom Schlachtfeld hin und her transportierten. Bis jetzt hatte der mit ihnen abgeschlossene Vertrag gehalten.

In ihrer Tasche steckte Egwenes – und damit der Amyrlin – offizielle Antwort zu den Kusinen und wie Elayne mit ihnen verfahren war. Sie vermochte förmlich, die von diesen Zeilen ausgehende Hitze zu spüren, aber sie verbarg sich hinter sorgfältig formulierten Worten und der Übereinkunft, dass das jetzt nicht der Augenblick war, um sich wegen solcher Dinge den Kopf zu zerbrechen.

Elayne würde hier noch einige Überzeugungsarbeit leisten müssen. Irgendwann würde Egwene einsehen, warum es vernünftig war, die Kusinen in Andor unter ihrer Aufsicht arbeiten zu lassen. Ein Stück hinter dem Reisegelände fiel ihr Blick auf einen müde aussehenden Shienarer, der von einem der Männer von den Zwei Flüssen einen Wasserschlauch entgegennahm. Der Mann mit dem Haarknoten trug eine Augenklappe und sah bekannt aus.

»Uno?«, fragte Elayne ungläubig und zügelte Mondschatten.

Er zuckte zusammen und hätte beinahe Wasser über sich geschüttet. »Elayne?«, fragte er und wischte sich mit dem Ärmel über die Stirn. »Ich hatte gehört, dass Ihr jetzt die verdammte … jetzt die Königin seid. Vermutlich war das wohl unausweichlich, seid Ihr doch die lichtverfluchte Tochter-Erbin. Entschuldigung. Die Tochter-Erbin. Nicht lichtverflucht.« Der Shienarer verzog das Gesicht.

»Ihr könnt so viel fluchen, wie Ihr wollt, Uno«, sagte Elayne trocken. »Nynaeve ist nicht in der Nähe. Was macht Ihr hier?«

»Die Amyrlin«, erwiderte er. »Sie wollte verdammt noch mal einen Boten, und ausgerechnet ich wurde ausgesucht. Euren Befehlshabern habe ich bereits Egwenes verfluchten Bericht übermittelt, was das auch immer nutzen soll. Wir haben unsere Kampfpositionen eingenommen und angefangen, uns in Kandor umzusehen, und es ist einfach nur ein lichtverfluchter Schlamassel. Wollt Ihr Einzelheiten hören?«

Elayne lächelte. »Meine Befehlshaber werden mir schon Bericht erstatten, Uno. Ruht Euch aus und nehmt verdammt noch mal ein Bad, Ihr Sohn eines Schäferfurunkels.«

Die Bemerkung ließ Uno seinen nächsten Schluck Wasser ausspucken. Elayne lächelte. Den letzten Fluch hatte sie erst am Vortag von einem Soldaten gehört und konnte sich immer noch nicht erklären, was daran so schlimm sein sollte. Jedenfalls hatte er die richtige Wirkung.

»Ich … für mich gibt es kein verdammtes Bad«, sagte Uno. »Äh, Euer Majestät. Ich hatte meine fünf Minuten Pause. Die Trollocs könnten bald im verfluchten Kandor angreifen, und ich lasse auf keinen Fall zu, dass die anderen ohne mich mit dem Kampf anfangen.« Er salutierte und verneigte sich, bevor er zurück zum Reisegelände eilte.

»Schade«, bemerkte Birgitte, »er war ein guter Saufkumpan. Es hätte mir gefallen, wenn er noch eine Weile geblieben wäre.« Der Bund verriet Elayne einen anderen Grund, als ihre Behüterin Unos Kehrseite betrachtete.

Elayne errötete. »Dafür ist im Moment keine Zeit. Für keines von beiden.«

»Ich schaue doch bloß«, erwiderte Birgitte unschuldig. »Ich schätze, wir sollten uns die Berichte der anderen Schlachtfelder anhören.«

»Das sollten wir«, sagte Elayne fest entschlossen.

Birgitte brachte ihre Verärgerung nicht zum Ausdruck, aber Elayne konnte sie fühlen. Manchmal hasste es ihre Behüterin, eine Schlacht zu planen, was sie bei einer Frau, die in Tausenden von Schlachten gekämpft hatte, einer Heldin, die während einiger der größten Augenblicke der Geschichte zahllose Leben gerettet hatte, eigentlich eher merkwürdig fand.

Sie kamen zum Befehlspavillon. Dort besprach sich Bashere mit mehreren der Kommandanten: Abell Cauthon, Gallenne und Trom, der stellvertretende Kommandant der Weißmäntel. Galad war wie Perrin bei der Truppe vor Caemlyn. Elayne fand Trom überraschend sympathisch – jedenfalls weitaus mehr als Galad selbst.

»Und?«, fragte sie.

»Euer Majestät.« Trom verbeugte sich. Ihm gefiel es gar nicht, dass sie eine Aes Sedai war, aber er verbarg es gut. Die anderen Anwesenden salutierten, obwohl es Bashere lediglich bei einem freundlichen Winken beließ und dann auf ihre Karten zeigte.

»Die Berichte von allen Fronten sind da«, sagte er. »Flüchtlinge aus Kandor eilen zur Amyrlin und ihren Soldaten, und es sind auch eine Menge Kämpfer dabei. Größtenteils Haussoldaten oder Kaufmannswächter. Lord Ituraldes Truppen warten noch immer auf den Lord Drachen, bevor sie zum Shayol Ghul ausrücken können.« Bashere knetete den Schnurrbart mit dem Finger. »Sobald sie in diesem Tal sind, ist jeder Rückzug unmöglich.«

»Und die Armee der Grenzländer?«

»Hält die Stellung.« Bashere zeigte auf eine andere Karte, die Shienar darstellte. Flüchtig fragte sich Elayne, ob Uno wohl lieber mit dem Rest seiner Landsleute am Pass gekämpft hätte. »Die letzten Boten berichteten, dass sie fürchten, überrannt zu werden, und einen geordneten Rückzug in Betracht ziehen würden.«

Elayne runzelte die Stirn. »Stehen die Dinge dort so schlimm? Eigentlich sollten sie aushalten, bis ich die Trollocs in Andor erledigt habe und mich mit ihnen vereinige. Das war der Plan.«

»Das war er«, stimmte Bashere ihr zu.

»Ihr werdet mir jetzt erklären, dass im Krieg ein Plan nur so lange Bestand hat, bis das erste Schwert gezogen ist«, sagte Elayne. »Oder war es der erste Pfeil, der abgeschossen wird?«

»Die erste Lanze gehoben wird«, murmelte Bashere kaum hörbar.

»Das alles ist mir durchaus klar«, sagte Elayne und stach mit dem Finger in Richtung Karte. »Aber ich weiß auch, dass Lord Agelmar als General gut genug ist, um eine Horde Trollocs in Schach zu halten, vor allem mit den Heeren der Grenzländer im Rücken.«

»Im Moment halten sie die Stellung«, sagte Bashere. »Trotzdem werden sie stark bedrängt«. Er hob die Hand, um ihren Einspruch zu verhindern. »Ich weiß, dass Euch ein Rückzug Sorge bereitet, aber ich rate Euch, versucht nicht, Agelmar zu überstimmen. Er hat seinen Ruf als Großer Hauptmann verdient, und er ist vor Ort, während wir weit weg sind. Er wird wissen, was zu tun ist.«

Sie holte tief Luft. »Ja. Ihr habt recht. Seht, ob Egwene ihm zusätzliche Männer schicken kann. In der Zwischenzeit müssen wir unsere Schlacht hier schnell gewinnen.« An vier Fronten gleichzeitig zu kämpfen würde ihre Ressourcen in kurzer Zeit erschöpfen.

Sie konnten nicht nur auf vertrautem Terrain kämpfen, sondern hatten auch die besten Chancen. Wenn die anderen Armeen standhalten konnten, während sie die Trollocs in Andor vernichtete, konnte sie sich Lan und Agelmar anschließen und aus dem Unentschieden im Pass einen Sieg machen. Egwene hatte möglicherweise auch eine Chance, aber das kam darauf an, was ihr der Schatten entgegenschleudern würde. Elayne wollte es gar nicht wissen.

»Die Trollocs müssen uns unbedingt angreifen«, sagte sie. »Jetzt sofort.«

Bashere nickte.

»Verstärkt die ständigen Angriffe«, sagte sie. »Trefft sie mit einer Pfeilsalve nach der anderen. Macht ihnen klar, dass wir sie ganz langsam und beständig ausmerzen, wenn sie nicht angreifen.«