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»Und wenn sie sich einfach in die Stadt zurückziehen?«, fragte Trom. »Die Brände verlöschen.«

»Dann setzen wir die Drachen ein und fangen an, Caemlyn dem Erdboden gleichzumachen, ob es uns gefällt oder nicht. Wir können nicht länger warten.«

Androl kämpfte gegen den Schlaf an. Sie hatten ihm etwas zu trinken gegeben … Es machte ihn schläfrig. Wozu war das gedacht gewesen?

Es muss etwas mit dem Machtlenken zu tun haben, dachte er benommen. Die Eine Macht blieb ihm verwehrt, obwohl es keine Abschirmung mehr gab. Was für ein Getränk konnte einem Mann das nur antun?

Der arme Emarin lag gefesselt da und schluchzte. Sie hatten ihn noch nicht Umdrehen können, aber jede Stunde schien er sich dem Augenblick zu nähern, an dem sein Wille zerbrach. Androl wand sich und verrenkte den Kopf. Die dreizehn Männer, die Taim für die Umwandlung benutzte, konnte er in dem dunklen Raum kaum ausmachen. Sie saßen zusammengesunken um einen Tisch. Sie waren erschöpft.

Androl erinnerte sich … Taim hatte am Vortag herumgebrüllt. Er hatte die Männer beschimpft, behauptet, dass ihre Arbeit zu lange dauerte. Für die ersten Männer und Frauen, die sie Umgedreht hatten, hatten sie viel Kraft aufbringen müssen, und jetzt fiel es ihnen offensichtlich bedeutend schwerer.

Pevara schlief. Der Tee hatte ihr das Bewusstsein geraubt. Danach hatte man das Gebräu auch ihm gegeben, aber es war wie ein nachträglicher Einfall erschienen. Meistens schienen sie nicht einmal an ihn zu denken. Tatsächlich war Taim wütend gewesen, als er herausgefunden hatte, dass seine Gefolgsleute Pevara den Tee verabreicht hatten. Anscheinend wollte er sie als Nächste Umdrehen, aber der Prozess erforderte, dass das Opfer die Macht lenken konnte.

»Lasst mich los!«

Die neue Stimme ließ Androl sich noch mehr verrenken. Abors und Mishraile zerrten jemanden durch die Tür, eine kleine Frau mit kupferfarbener Haut. Toveine, eine der Aes Sedai, mit denen Logain den Behüterbund eingegangen war.

In der Nähe regte sich Logain – seine Augen waren geschlossen, und er sah aus, als wäre er gleich von einer ganzen Horde wütender Männer zusammengeschlagen worden.

»Was tut ihr da!«, verlangte Toveine zu wissen. »Licht! Ich …« Sie verstummte wie abgeschnitten, als Abors ihr einen Knebel in den Mund stopfte. Der Mann mit den dicken Augenbrauen war freiwillig zu Taim gegangen, lange bevor sie mit dem Umdrehen begonnen hatten.

Noch immer benommen versuchte Androl, die Hände von den Fesseln zu befreien. Sie saßen jetzt viel fester. Richtig. Evin hatte sie ja überprüft und neu gebunden.

Er fühlte sich so hilflos. Nutzlos. Er hasste dieses Gefühl. Wenn er sein Leben einer Sache gewidmet hatte, dann niemals nutzlos zu sein. Immer etwas über die Situation zu wissen.

»Dreht sie als Nächste um«, befahl Taims Stimme.

Androl verrenkte sich den Kopf. Taim saß am Tisch. Er war gern bei der Prozedur dabei, aber für Toveine hatte er keinen Blick übrig. Er hielt etwas in den Händen. Irgendeine Scheibe …

Plötzlich stand er auf und schob den Gegenstand in die Gürteltasche. »Die anderen beklagen sich, das viele Umdrehen hätte sie so erschöpft. Wenn sie die da Umgedreht haben, kann sie sich ihren Reihen anschließen und Kraft spenden. Mishraile, Ihr begleitet mich. Es ist Zeit.«

Mishraile und ein paar der anderen gesellten sich zu Taim; sie hatten irgendwo außerhalb von Androls Blickfeld gestanden.

Taim eilte zur Tür. »Wenn ich zurück bin, dann will ich, dass diese Frau Umgedreht ist.«

Lan galoppierte über den felsigen Boden zum gefühlten hundertsten Mal auf den Pass zu, obwohl er dort noch keine Woche kämpfte.

Prinz Kaisel und König Easar setzten sich an seine Seite und trieben ihre Pferde an. »Was ist los, Dai Shan?«, rief Kaisel. »Noch ein Angriff? Ich habe das Notfallsignal gar nicht gesehen!«

Scheiterhaufen aus Kadavern und Holz brannten rechts und links von ihm, als er den Sturmangriff mehrerer Hundert Malkieri anführte. Die Kadaver zu verbrennen war nicht einfach, aber sie brauchten nicht nur das Licht; sie wollten den Trollocs wenigstens ein paar Mahlzeiten vorenthalten.

Voraus hörte Lan etwas, das ihn entsetzte. Davor hatte er sich gefürchtet.

Explosionen.

Das Donnern in der Ferne klang wie gegeneinanderschlagende Felsen. Ein jedes erschütterte die Luft.

»Beim Licht!« Königin Ethenielle von Kandor gesellte sich auf ihrem weißen Wallach zu ihnen. Sie war eine korpulente Frau und für eine Grenzländerin etwas matronenhaft. Ihr Gefolge enthielt ihren Schwertträger Lord Baldhere und den ergrauten Kalyan Ramsin, ihren neuen Ehemann.

Sie näherten sich dem Pass, wo Krieger den Bestien den Weg versperrten. Unversehens wurde eine Gruppe Kandori neben den Scheiterhaufen an der Front in die Luft geschleudert.

»Lord Mandragoran!« Eine Gestalt in einem schwarzen Mantel winkte ihnen zu. Narishma eilte herbei, begleitet von seinen Aes Sedai. Lan hatte immer einen Machtlenker an der Front, aber sie hatten den Befehl, nicht in die Kämpfe einzugreifen. Er brauchte sie ausgeruht für unerwartete Notfälle.

So wie jetzt.

»Die Macht wird gelenkt?«, verlangte Lan zu wissen und zügelte Mandarb.

»Schattenlords, Dai Shan«, stieß Narishma keuchend hervor. »Möglicherweise zwei Dutzend.«

»Zwanzig oder mehr Machtlenker«, sagte Agelmar. »Sie werden uns in zwei Hälften teilen wie ein Schwert ein Frühlingslamm.«

Lan betrachtete die vergiftete Landschaft, die einst seine Heimat gewesen war. Eine Heimat, die er nie kennengelernt hatte.

Er würde Malkier aufgeben müssen. Das zugeben zu müssen fühlte sich an, als würde man ein Messer in seinen Eingeweiden umdrehen, aber er würde es tun. »Ihr bekommt Euren Rückzug, Lord Agelmar«, sagte er. »Narishma, können Eure Machtlenker etwas tun?«

»Wir können versuchen, ihre Gewebe in der Luft zu durchtrennen, wenn wir nahe genug an sie herankommen«, erwiderte Narishma. »Aber das wird schwer werden, vielleicht sogar unmöglich, denn sie benutzen bloß Ströme aus Feuer und Erde. Davon abgesehen, wo es so viele sind … nun, sie werden uns als Ziele aussuchen. Ich fürchte, wir würden niedergemacht, bevor …«

In der Nähe erschütterte ein Treffer den Boden, und Mandarb stieg auf die Hinterbeine und schleuderte Lan um ein Haar aus dem Sattel. Vom Lichtblitz fast vollständig geblendet kämpfte Lan mit seinem Pferd.

»Dai Shan!« Das war Narishmas Stimme.

Lan blinzelte Tränen aus den Augen.

»Geht zu Königin Elayne!«, brüllte er. »Holt Machtlenker, die unseren Rückzug decken. Ohne sie hauen sie uns in Stücke. Geht, Mann!«

Agelmar brüllte zum Rückzug, brachte Bogenschützen nach vorn, die auf die Machtlenker schossen und sie in Deckung zwingen sollten. Lan zog das Schwert und galoppierte los, um die Reiter zurückzuholen.

Das Licht beschütze uns, dachte er, schrie sich heiser und rettete von seiner Kavallerie, was er konnte. Der Pass war verloren.

Nervös wartete Elayne im Braemwald.

Schon sehr alt, gehörte der Wald zu jener Sorte, die eine eigene Seele zu haben schien. Die uralten Bäume waren seine knorrigen Finger, die aus dem Erdboden in die Höhe griffen, um den Wind zu ertasten.

In einem Wald wie Braem fiel es schwer, sich nicht ganz klein zu fühlen. Auch wenn die Bäume völlig kahl waren, fühlte Elayne aus den Tiefen des Waldes tausend Blicke auf sich lasten. Unwillkürlich dachte sie an die Geschichten, die man ihr als Kind erzählt hatte, dass der Wald voller Räuber sei – einige von ihnen durchaus anständig, andere wiederum mit Herzen so bösartig wie die von Schattenfreunden.

Tatsächlich …, dachte sie, als ihr eine ganz bestimmte Geschichte wieder einfiel. Sie wandte sich Birgitte zu. »Hast du nicht irgendwann einmal eine Diebesbande aus diesem Wald angeführt?«

Birgitte schnitt eine Grimasse. »Ich hatte gehofft, dass du die Geschichte nicht kennst.«