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Egwene sackte auf ihrem Sattel zusammen und senkte ihr Sa’angreal. Sie vermochte nicht genau zu sagen, wie viel Zeit vergangen war. Die Soldaten in der Nähe starrten sie mit weit aufgerissenen Augen an. An diesem Tag war ihr Blut nicht erforderlich gewesen.

»Das war beeindruckend«, sagte Gawyn und ritt an ihre Seite. »Als würden sie eine Stadtmauer angreifen und versuchen Sturmleitern aufzustellen … nur eben ohne Mauern und Leitern.«

»Die kommen wieder«, sagte Egwene müde. »Wir haben nur einen Bruchteil von ihnen getötet.«

Morgen oder spätestens übermorgen würden sie es erneut versuchen. Vielleicht mit einer neuen Taktik – möglicherweise würden sie in getrennten Wellen angreifen, um es den Aes Sedai schwerer zu machen, ganze Horden auf einmal zu vernichten.

»Wir haben sie überrascht«, fuhr Egwene fort. »Beim nächsten Mal werden sie energischer anstürmen. Aber heute haben wir standgehalten.«

»Du hast nicht nur standgehalten«, sagte Gawyn mit einem Lächeln. »Du hast sie in die Flucht gejagt. Ich habe noch nie gesehen, wie eine Armee so gründlich Prügel bezogen hat.«

Der Rest des Heeres schien seine Meinung zu teilen, die Soldaten jubelten und schwenkten die Waffen. Egwene unterdrückte ihre Müdigkeit und steckte den Stab weg. In der Nähe senkten andere Aes Sedai kleine Statuen, Armbänder, Broschen, Ringe und Stäbe. Sie hatten jedes verfügbare Angreal und Sa’angreal aus den Lagerräumen der Weißen Burg geholt – so wenig das auch sein mochten – und sie unter den Schwestern an der Front verteilt. Am Ende eines jeden Tages würde man sie einsammeln und an die Schwestern weiterreichen, die fürs Heilen zuständig waren.

Die Aes Sedai drehten um und ritten durch das jubelnde Heer zurück. Leider würde bald die Zeit der Trauer kommen. Die Schwestern konnten nicht jede Schlacht gewinnen. Aber im Augenblick war Egwene zufrieden damit, die Soldaten ihren Sieg genießen zu lassen, denn es war ein Sieg der besten Art. Die Art, die keine Lücken in ihren Reihen zurückließ.

»Der Lord Drache und seine Truppen haben damit angefangen, Shayol Ghul zu erkunden.« Bashere zeigte auf eine der Karten. »Unser Widerstand in Kandor und Shienar zwingt den Schatten, immer mehr Truppen zu diesen Kämpfen zu entsenden. Bald wird die Fäule bis auf eine kleine Zahl Verteidiger größtenteils leer sein. Dann kann er leichter zuschlagen.«

Elayne nickte. Irgendwo in ihrem Hinterkopf fühlte sie Rand. Etwas bereitete ihm Sorgen, aber er war einfach zu weit weg, um das besser wahrnehmen zu können. Gelegentlich besuchte er sie in ihrem Lager im Braemwald, aber im Augenblick befand er sich an einer der anderen Fronten.

Bashere fuhr fort. »Die Amyrlin sollte in der Lage sein, Kandor zu halten, wenn man die Zahl an Machtlenkerinnen bedenkt, die ihr zur Verfügung stehen. Wegen ihr mache ich mir keine Sorgen.«

»Aber wegen der Grenzländer schon«, sagte Elayne.

»Ja. Sie wurden aus dem Tarwin-Pass vertrieben.«

»Ich wünschte, sie hätten ihre Stellung halten können, aber die Übermacht war zu groß. Daran lässt sich nichts mehr ändern, außer ihnen die Hilfe zukommen zu lassen, die uns möglich ist.«

Bashere nickte. »Vielleicht könnte Lord Mandragoran seinen Rückzug mit mehr Aes Sedai oder Asha’man wieder in einen Vorstoß verwandeln.«

Von denen sie keine mehr entbehren konnten. Sie hatte ihm ein paar Aes Sedai aus Egwenes Lager geschickt, um ihn bei seinem ersten Rückzug zu unterstützen, und das hatte geholfen. Aber wenn nicht einmal Rand selbst die Schattenlords dort vernichten konnte …

»Lord Agelmar wird wissen, was zu tun ist«, sagte Elayne. »Wenn es das Licht will, kann er die Trollocs von den dichter besiedelten Gegenden weglocken.«

Bashere grunzte. »Ein solcher Rückzug – sie sind ja fast schon in die Flucht geschlagen worden – bringt für gewöhnlich keine Gelegenheit, den Verlauf einer Schlacht zu beeinflussen.« Er zeigte auf die Karte von Shienar.

Elayne studierte sie. Der Weg der Trollocs würde kein bevölkertes Land verschonen. Fal Dara, Mos Shirare, Fal Moran … Und Stadtmauern richteten gegen Schattenlords nichts aus.

»Schickt Lan und den Lords von Shienar eine Botschaft«, sagte sie leise. »Befehlt, dass Fal Dara und Ankor Dail niedergebrannt werden sollen, und Fal Moran und Dörfer wie Medo. Sie verbrennen bereits das Nutzland – sie sollen auch die Städte leeren. Evakuiert die Zivilisten nach Tar Valon.«

»Es tut mir leid«, sagte Bashere leise.

»Es muss getan werden, nicht wahr?«

»Ja«, sagte der General.

Licht, was für ein Schlamassel. Nun, was hast du erwartet? Alles ganz ordentlich und einfache Lösungen?

Das Scharren von Blättern verkündete, dass Talmanes mit einem seiner Kommandanten kam. Der Cairhiener sah erschöpft aus. Das taten sie alle. Eine Woche der Schlacht war erst der Anfang, aber die damit verbundene Aufregung legte sich. Jetzt kam die eigentliche Arbeit des Krieges. Tage des Kampfes oder des Wartens auf den Kampf, Nächte, in denen man mit dem Schwert in der Hand schlief.

Elayne hatte den Morgen eintausend Schritt weiter südlich begonnen, aber der geordnete Rückzug hielt sie in Bewegung. Die neue Stellung war ideal. Drei kleine Bäche mit leichtem Zugang, genug Raum für ein Truppenlager, Bäume auf dem Hügel, die auch als Wachtürme dienten. Bedauerlich, dass sie diesen Ort am Morgen wieder verlassen mussten.

»Die Trollocs kontrollieren den ganzen südlichen Teil des Waldes«, sagte Bashere und rieb sich den Schnurrbart. »Sie meiden die Lichtungen. Das bedeutet, dass unsere Kavallerie nicht vernünftig operieren kann.«

»Die Drachen sind hier so gut wie nutzlos, Euer Majestät«, sagte Talmanes. »Da sich die Kreaturen nun von den Straßen fernhalten, fällt es uns schwer, anständigen Schaden anzurichten. Im Wald ist es fast unmöglich, die Drachenkarren zu manövrieren, und wenn wir einen Schuss abfeuern können, zerstören wir mehr Bäume als Schattengezücht.«

»Was ist mit diesen … wovon auch immer Aludra da sprach.«

»Ihre Drachenzähne?«, sagte Talmanes. »Das ist besser. Damit verschießen die Drachen Metallschrot statt nur einer Kugel. Das streut ziemlich und funktioniert innerhalb des Waldes halbwegs ordentlich, aber ich bleibe dabei, dass die Drachen weniger Schaden anrichten, als das Risiko ihres Einsatzes wert ist.«

»Ich glaube, der Wald hat uns so viel genützt, wie möglich war«, sagte Bashere und verschob ein paar Trolloc-Platzhalter auf ihren Karten. »Wir haben ihre Zahl reduziert, aber sie werden schlauer, bleiben im dichten Wald und versuchen, uns einzukreisen.«

»Vorschläge?«

»Ziehen wir uns zurück. In Richtung Osten.«

»Zum Erinin? So weit im Norden gibt es keine Brücke über den Fluss«, sagte Talmanes.

Bashere nickte. »Also wisst Ihr, worum ich bitten werde. Ihr habt eine Kompanie, die Brücken bauen kann. Schickt sie mit einigen Eurer Drachen zum Schutz und lasst sie direkt östlich von uns Pontonbrücken bauen. Der Rest von uns wird nicht weit hinter ihnen sein. Das offene Terrain dort wird unserer Kavallerie und den Drachen Gelegenheit geben, mehr Schaden anzurichten. Wir können uns darauf verlassen, dass der Erinin die Trollocs aufhält, vor allem, nachdem wir die Brücken abgefackelt haben. Ein paar dort platzierte Drachen sollten ihr Vorankommen ebenfalls behindern. Wir ziehen weiter östlich zum Alguenya und wiederholen das Ganze. Dann haben wir die Straße nach Cairhien erreicht. Wir gehen nach Norden, und wenn wir einen vernünftigen Ort gefunden haben, an dem wir uns verschanzen können – ich glaube, ich kenne da genau die richtige Stelle –, stellen wir uns dem Schatten und haben Cairhien im Rücken.«

»Ihr glaubt doch sicherlich nicht, dass wir diesen ganzen Weg hinter uns bringen müssen«, protestierte Elayne.