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Bashere starrte mit zusammengekniffenen Augen auf die Karte, als könnte er durch das Pergament auf das Land blicken, das es darstellte. »Wir bringen Bewegung in diese Schlacht«, sagte er leise, »aber wir kontrollieren sie nicht. Wir reiten darauf, so wie ein Mann ein durchgehendes Pferd reitet. Ich vermag nicht zu sagen, wo der Galopp endet. Ich lenke es ab, ich schicke es durch Dornenhecken. Aber solange die Trollocs unermüdlich anstürmen, kann ich es nicht aufhalten.«

Elayne runzelte die Stirn. Einen endlosen Rückzug konnte sie sich nicht leisten; sie musste das Schattengezücht so schnell und gründlich besiegen, dass sie sich mit ihren übrig gebliebenen Truppen Lans und Egwenes Heeren anschließen konnte, um die Invasion des Nordens abzuwehren.

Nur so konnten sie siegen. Sonst spielte es absolut keine Rolle, was Rand gegen den Dunklen König ausrichten konnte.

Licht, was für ein Schlamassel.

»Tut es.«

Perrin legte seinen Hammer auf der Schulter ab und hörte sich an, wie der schwitzende junge Bote Elaynes Befehle verkündete. Eine sanfte Brise bewegte die Äste des Waldes hinter ihm. Dort kämpften die Ogier. Er hatte befürchtet, sie würden sich weigern, die Bäume zu gefährden, aber ihr Kampf … beim Licht, Perrin hatte noch nie eine derartige Brutalität erlebt.

»Diese Taktik ist nicht schlecht«, sagte Tam, als er die Befehle las. »Die Königin hat ein Talent für die Kriegskunst.«

Perrin schickte den Botenjungen mit einer Handbewegung weg. Er passierte Galad und mehrere seiner Weißmäntelkommandanten, die sich in der Nähe besprachen. »Sie hört denen gut zu, die etwas von Taktik verstehen«, meinte er, »und sie mischt sich nicht ein.«

»Das wollte ich damit sagen, mein Junge«, erwiderte Tam mit einem Lächeln. »Wenn man den Befehl hat, geht es nicht immer darum, den Leuten zu sagen, was sie tun sollen. Manchmal muss man einfach wissen, wann man den Leuten, die wissen, was sie tun, nicht im Weg stehen darf.«

»Weise Worte, Tam«, sagte Perrin und wandte sich nach Norden. »Ich schlage vor, du hältst dich daran, weil du von jetzt an den Befehl hast.«

Perrin konnte Rand sehen. Die Farben verschwammen. Rand sprach auf einem trostlosen Felskamm, den er nicht erkannte, mit Moiraine. Sie waren fast bereit zur Invasion von Shayol Ghul. Perrin fühlte einen Sog von Rand ausgehen, der immer stärker wurde. Bald würde er ihn brauchen.

»Perrin?«, fragte Tam. »Was soll dieser Unsinn mit dem Kommando?«

»Du übernimmst unsere Streitkräfte, Tam. Die Männer arbeiten mittlerweile zusammen; lass dir von Arganda, Gallenne und Galad helfen.« In der Nähe hielt Grady ein Wegetor offen, durch das die Verwundeten der letzten Scharmützel zum Heilen geschickt wurden. Berelain leitete das Lazarett auf der anderen Seite, das die Gelbe Ajah in Mayene eröffnet hatte. Die Luft von der anderen Seite war warm.

»Ich weiß nicht, ob sie auf mich hören werden, Perrin. Ich bin bloß ein einfacher Bauer.«

»Sonst haben sie doch auch auf dich gehört.«

»Da sind wir auch durch die Wildnis gereist. Du warst immer in der Nähe. Sie haben mir wegen deiner Autorität gehorcht.« Tam rieb sich das Kinn. »So, wie du nach Norden blickst, werde ich das Gefühl nicht los, dass du nicht mehr lange hier sein wirst.«

»Rand braucht mich«, erwiderte Perrin leise. »Soll man mich doch zu Asche verbrennen, Tam, es widerstrebt mir außerordentlich – aber ich kann nicht hier an deiner Seite in Andor kämpfen. Jemand muss Rand den Rücken decken, und es … nun, das werde ich sein. Irgendwie weiß ich das.«

Tam nickte. »Gehen wir doch zu Arganda oder Gallenne und sagen ihnen, dass sie den Befehl über unsere Männer haben. Königin Elayne erteilt sowieso die meisten der Befehle, und …«

»Männer!«, rief Perrin und sah zu den versammelten Kriegern hin. Arganda besprach sich mit Gallenne. Sie wandten sich Perrin zu, genau wie die Angehörigen der Wolfsgarde und Galad und seine Weißmäntel. Der junge Bornhald betrachtete ihn mit dunklen Augen. Dieser Mann wurde in letzter Zeit immer unberechenbarer. Hoffentlich hatte Galad ihn vom Branntwein fernhalten können.

»Ihr akzeptiert alle meine Autorität, wie sie mir von der Krone von Andor gewährt wurde?«, wollte Perrin wissen.

»Natürlich, Lord Goldauge«, rief Arganda. »Ich glaubte, das wäre geklärt.«

»Hiermit ernenne ich Tam al’Thor zum Lord«, rief Perrin. »Im Namen seines Sohnes, des Wiedergeborenen Drachen, ernenne ich ihn zum Verwalter der Zwei Flüsse. Er hat meine Autorität, die die Autorität des Drachen ist. Sollte ich diese Schlacht nicht überleben, tritt Tam meine Nachfolge an.«

Im Lager wurde es still, dann nickten die Männer. Einige salutierten Tam sogar. Tam stöhnte so leise, dass Perrin bezweifelte, dass es außer ihm jemand gehört hatte.

»Ist es zu spät, dich dem Frauenkreis zu übergeben, damit sie sich dich mal ordentlich vorknöpfen?«, fragte Tam. »Vielleicht ein ordentlicher Klaps auf den Hintern und eine Woche Wassertragen für die Witwe al’Thone?«

»Tut mir leid, Tam«, sagte Perrin. »Neald, versucht ein Wegetor zur Schwarzen Burg zu öffnen.«

Der junge Asha’man konzentrierte sich sichtlich. »Es funktioniert noch immer nicht, Lord Goldauge.«

Perrin schüttelte den Kopf. Aus Lans Berichten von der Front hatte er entnommen, dass Angehörige der Schwarzen Burg für den Schatten kämpften. Etwas war dort geschehen, etwas Schreckliches. »Also gut, dann nach Merrilor.«

Neald nickte und konzentrierte sich.

Während er arbeitete, wandte sich Perrin wieder den Männern zu. »Ich verabscheue es, euch zu verlassen, aber in mir sind diese Haken, die mich nach Norden ziehen. Ich muss zu Rand, und darüber gibt es keine Diskussion. Ich versuche zurückzukehren. Wenn mir das nicht gelingt … nun, ihr sollt alle wissen, dass ich stolz auf euch bin. Auf euch alle. Wenn das hier vorbei ist, seid ihr in meiner Heimat willkommen. Wir öffnen ein Fass von Meister al’Veres bestem Branntwein. Oder auch zwei. Wir werden uns an unsere gefallenen Kameraden erinnern, und wir werden unseren Kindern erzählen, wie wir uns wehrten, als die Wolken schwarz wurden und die Welt anfing zu sterben. Wir werden ihnen erzählen, dass wir Schulter an Schulter standen und der Schatten dort nicht durchkam.«

Er hob ihnen Mah’alleinir entgegen, und er erduldete ihren Jubel. Nicht, weil er ihn verdiente, sondern weil sie ihn mit Sicherheit verdienten.

Neald öffnete das Wegetor. Perrin ging darauf zu, dann zögerte er, als jemand seinen Namen rief. Stirnrunzelnd betrachtete er Dain Bornhald, der herbeigeeilt kam.

Misstrauisch legte Perrin die Hand auf seinen Hammer. Dieser Mann hatte ihm das Leben gerettet, sowohl vor den Trollocs wie auch vor einem anderen Weißmantel, aber er kannte auch dessen tief sitzende Abneigung. Vermutlich gab ihm Bornhald nicht länger die Verantwortung für den Tod seines Vaters, aber das bedeutete nicht, dass der Mann ihn mochte oder gar akzeptierte.

»Auf ein Wort, Aybara«, sagte der Weißmantel und warf einen Blick auf Gaul, der in der Nähe stand. »Unter vier Augen.«

Perrin gab Gaul das Zeichen, dass alles in Ordnung war, und der Aiel zog sich zögernd zurück. Dann führte er Bornhald von dem offenen Tor fort. »Worum geht es? Wenn es Euer Vater ist …«

»Beim Licht, haltet einfach den Mund«, sagte Bornhald und schaute weg. »Ich will das hier nicht sagen. Ich hasse es, das sagen zu müssen. Aber Ihr müsst es wissen. Soll das Licht mich verbrennen, Ihr müsst es wissen.«

»Was wissen?«

»Aybara«, sagte Bornhald und holte tief Luft. »Die Trollocs haben Eure Familie nicht getötet.«

Perrin erstarrte.

»Es tut mir leid.« Bornhald sah ihn noch immer nicht an. »Es war Ordeith. Euer Vater hat ihn beleidigt. Er riss die Familie in Stücke, und wir schoben es auf die Trollocs. Ich habe sie nicht getötet, aber ich habe auch nichts gesagt. So viel Blut …«

»Was?« Perrin packte den Weißmantel an der Schulter. »Aber sie sagten … ich meine …« Beim Licht, das hatte er doch bereits schon abgehakt!