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»Immer«, erwiderte Perrin und winkte Thom zum Abschied zu. »Gaul, bist du sicher, dass du das tun willst?«

»Das bin ich«, sagte der Aiel-Mann, lockerte seine Speere in ihrer Scheide und warf einen Blick durch Rands Wegetor.

Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, nahmen die beiden Männer ihre schweren Bündel und betraten die Welt der Träume.

14

Große Mengen Spaltwurzel

Beim Licht …«, flüsterte Perrin und betrachtete die Landschaft. »Alles stirbt.«

Der brodelnde, wogende schwarze Himmel des Wolfstraums war nicht neu, aber der Sturm, den er schon seit Monaten ankündigte, war endlich eingetroffen. Gewaltige Windstöße rasten in unnatürlichen Mustern erst in die eine und dann in die andere Richtung. Perrin schloss den Umhang, dann verstärkte er ihn mit einem Gedanken und stellte sich einfach vor, die Schnüre, die ihn zusammenhielten, seien widerstandsfähiger.

Vor ihm und Gaul erstreckte sich eine kleine Blase der Ruhe, die den schlimmsten Wind fernhielt. Das hatte sich als einfacher erwiesen als gedacht, als hätte er nach einem schweren Stück Eiche gegriffen und es so leicht wie Kiefer vorgefunden.

Die Landschaft erschien weniger real als sonst. Der tosende Strom glättete die Hügel, es war, als könnte man der Erosion mit bloßem Auge zuschauen. An anderen Stellen schwoll das Land an und bildete Felsformationen und neue Hügel. Erdklumpen flogen in die Luft und zerplatzten dort. Das Land selbst brach auseinander.

Perrin ergriff Gauls Schulter und versetzte sie beide an einen anderen Ort. Ihm war der Verdacht gekommen, dass sie einfach zu nahe bei Rand waren. Als sie dann auf der vertrauten Ebene im Süden erschienen – der Ort, an dem er mit Springer gejagt hatte –, erwies sich der Sturm in der Tat als weniger gewalttätig.

Sie verstauten ihre schweren Bündel mit dem Wasser und dem Proviant in einem dichten Gebüsch. Perrin wusste nicht, ob sie von dem Essen und Wasser, das im Traum zu finden war, existieren konnten, und er wollte es auch nicht herausfinden. Ihre Vorräte sollten für ungefähr eine Woche reichen, und solange ein Wegetor als Ausgang auf sie wartete, bereitete ihm das Risiko, das er hier einging, keine großen Sorgen.

Hier im Süden zeigte die Landschaft nicht solche Auflösungserscheinungen wie in unmittelbarer Nähe zum Shayol Ghul. Aber wenn er eine Stelle lange genug beobachtete, konnte er verfolgen, wie Teile von … nun eigentlich von allem dem Wind zum Opfer fielen. Abgestorbene Weizenhalme, Teile von Baumstümpfen und Felssplitter – das alles wurde unaufhörlich in die unersättlichen schwarzen Wolken gezogen. Wenn er wieder hinschaute, waren Dinge, die eben noch zerrissen worden waren, oft wieder unversehrt, wie es eben die Art des Wolfstraums war. Er verstand. Genau wie die wache Welt wurde auch dieser Ort langsam aufgefressen. Hier war das nur leichter zu sehen.

Der Wind peitschte auf sie ein, war aber nicht so stark, dass er ihn fernhalten musste. Es fühlte sich an wie zu Beginn eines Sturms, direkt bevor Regen und Blitze kamen. Der Bote der kommenden Zerstörung.

Gaul hatte sich die Shoufa vor das Gesicht gezogen und blickte sich misstrauisch um. Seine Kleidung hatte sich verändert und stimmte nun genau mit der Farbe des Grases überein.

»Du musst hier sehr vorsichtig sein«, sagte Perrin. »Harmlose Gedanken können zur Realität werden.«

Gaul nickte, dann nahm er zögernd den Schleier wieder ab. »Ich höre zu und tue, was befohlen wird.«

Es war ermutigend, dass die Kleidung des Aiel sich nicht sehr veränderte, als sie über das Feld gingen. »Versuch einfach, deinen Verstand klar zu halten«, sagte Perrin. »Nicht so viel denken. Einfach nach dem Instinkt handeln und meinem Beispiel folgen.«

»Ich werde wie ein Gara jagen«, erwiderte Gaul und nickte. »Mein Speer ist dein, Perrin Aybara.«

Perrin ging weiter und sorgte sich, dass sich Gaul aus Versehen an einen anderen Ort versetzte, indem er einfach nur daran dachte. Aber bis jetzt hatte der Mann kaum irgendwelche Nebenwirkungen des Wolfstraums gezeigt. Wenn er überrascht wurde, veränderte sich seine Kleidung etwas, sein Schleier hing plötzlich an Ort und Stelle, ohne dass er danach gegriffen hatte, aber das schien es auch eigentlich schon zu sein.

»Also gut«, sagte Perrin. »Ich bringe uns zur Schwarzen Burg. Wir jagen ein gefährliches Wild, einen Mann namens Schlächter. Erinnerst du dich noch an Lord Luc?«

»Der Lopinginny

Perrin runzelte die Stirn.

»Das ist ein Vogel«, erklärte Gaul. »Aus dem Dreifachen Land. Diesen Mann habe ich nicht oft zu Gesicht bekommen, aber er erschien wie eines dieser Großmäuler, die tief im Inneren feige sind.«

»Nun, das war nur gespielt«, sagte Perrin. »Außerdem ist er im Traum eine ganz andere Person – hier ist er ein Raubtier namens Schlächter, das Wölfe und Menschen jagt. Er ist sehr mächtig. Wenn er dich töten will, erscheint er im Zeitraum eines Wimpernschlages in deinem Rücken und stellt sich vor, du wärst von Schlingpflanzen eingehüllt und könntest dich nicht bewegen. Und du stündest gefangen da, während er dir die Kehle durchschneidet.«

Gaul lachte.

»Das ist witzig?«, fragte Perrin.

»Du tust, als wäre das neu«, erklärte Gaul. »Dabei bin ich im ersten Traum überall ständig von Frauen und Männern umgeben, die mich mit einem Gedanken mit Luft fesseln und zu jedem beliebigen Zeitpunkt töten könnten. Ich bin daran gewöhnt, in der Gesellschaft einiger Leute hilflos zu sein. So ist die Welt nun einmal, Perrin Aybara.«

»Trotzdem«, sagte Perrin streng, »wenn wir den Schlächter finden – er hat ein kantiges Gesicht mit Augen, die halb tot zu sein scheinen, und kleidet sich immer in schwarzes Leder –, will ich, dass du dich von ihm fernhältst. Ich kämpfe gegen ihn.«

»Aber …«

»Du hast gesagt, du gehorchst mir, Gaul«, beharrte Perrin. »Das ist wichtig! Er hat Springer getötet; ich will nicht, dass er auch noch dich tötet. Du kämpfst nicht gegen den Schlächter.«

»Also gut. Ich schwöre es. Ich tanze mit diesem Mann nicht den Tanz der Speere, es sei denn, du befiehlst es.«

Perrin seufzte und stellte sich vor, wie Gaul mit den Speeren im Köcher einfach nur dastand und sich wegen seines Eides von dem Schlächter töten ließ. Licht, Aiel konnten ja so schwierig sein. »Du kannst gegen ihn kämpfen, wenn er dich angreift«, sagte er, »aber nur, um die Flucht zu ergreifen. Jage ihn nicht, und wenn ich gegen ihn kämpfe, bleib aus dem Weg. Verstanden?«

Gaul nickte. Perrin legte ihm die Hand auf die Schulter, dann versetzte er sie in Richtung Schwarze Burg. Er selbst war noch nie dort gewesen, also musste er sie erst finden. Der erste Ortswechsel brachte sie in eine Gegend von Andor, in der grasige Hügel im stürmischen Wind zu tanzen schienen. Perrin hätte es vorgezogen, mit großen Schritten einfach von Hügel zu Hügel zu springen, aber er hielt Gaul noch nicht dafür geeignet. Stattdessen versetzte er sie immer wieder.

Nach vier oder fünf Versuchen brachte er sie zu einem Ort, wo sich in der Ferne eine durchsichtige, leicht purpurn schimmernde Kuppel erhob.

»Was ist das?«, fragte Gaul.

»Unser Ziel! Das ist das Ding, das Grady und Neald daran hindert, Wegetore zur Schwarzen Burg zu weben.«

»So wie es uns in Ghealdan ergangen ist.«

»Genau.« Diese Kuppel wühlte lebhafte Erinnerungen an sterbende Wölfe auf. Perrin unterdrückte sie. An diesem Ort konnten solche Erinnerungen zu unberechenbaren Gedanken führen. Tief in seinem Inneren gestattete er sich einen brennenden Zorn, der wie die Wärme seines Hammers war, aber das war auch schon alles.

»Gehen wir«, sagte er und versetzte sie direkt vor die Kuppel. Sie schien aus Glas zu bestehen. »Zieh mich dort weg, sollte ich zusammenbrechen«, bat er Gaul und trat in die Barriere hinein.