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»Seid leise«, zischte Perrin. »Umgedreht? Was meint Ihr? Ist das …«

»Dreizehn Myrddraal und dreizehn Schattenlords.« Lanfear verzog verächtlich die Lippen. »So primitiv. So eine Verschwendung.«

»Ich verstehe nicht.«

Lanfear seufzte und wählte dann einen Tonfall, als müsste sie etwas einem Kind erklären. »Machtlenker können unter den richtigen Umständen mit Gewalt auf die Seite des Schattens geholt werden. M’Hael hat hier Probleme mit dem Prozess gehabt, es geht nicht so einfach, wie es hätte sein sollen. Er braucht Frauen, wenn er Männer müheloser Umdrehen will.«

Licht! Wusste Rand, dass man so etwas mit Menschen tun konnte? Hatten sie mit ihm das Gleiche vor?

»Ich wäre bei den beiden vorsichtig«, meinte Lanfear. »Sie sind mächtig.«

»Dann solltet Ihr etwas leiser sprechen«, flüsterte Perrin.

»Bah. Es ist einfach, an diesem Ort Laute zu verändern. Ich könnte so laut schreien, wie ich wollte, und sie würden es nicht hören. Sie trinken, seht Ihr? Sie haben den Wein mit auf diese Seite gebracht. Natürlich sind sie im Fleisch hier. Ich bezweifle, dass ihr Anführer sie vor den damit verbundenen Gefahren gewarnt hat.«

Perrin beobachtete die Wächter. Die beiden Männer tranken ihren Wein und kicherten. Plötzlich kippte der Erste zur Seite, gefolgt von dem anderen. Sie rutschten von ihren Stühlen und landeten mit einem dumpfen Aufprall auf dem Boden.

»Was habt Ihr getan?«

»Spaltwurzel im Wein«, erklärte Lanfear.

»Warum helft Ihr mir?«

»Ich mag Euch, Perrin.«

»Ihr gehört zu den Verlorenen!«

»Das ist vorbei«, sagte sie. »Dieses … Privileg wurde mir genommen. Der Dunkle König entdeckte, dass ich Lews Therin helfen wollte zu siegen. Jetzt bin ich …« Mitten im Wort erstarrte sie und sah wieder zum Himmel. Was sah sie bloß in diesen Wolken? Etwas, das sie blass werden ließ. Im nächsten Augenblick verschwand sie.

Perrin versuchte sich zu entscheiden, was er tun sollte. Natürlich konnte er ihr nicht vertrauen. Aber sie war ausgesprochen gut im Wolfstraum. Sie erschien neben ihm, ohne dabei den geringsten Laut zu verursachen. Das war schwerer, als es aussah; sie musste die Luft anhalten, die sie bei ihrer Ankunft verdrängte. Sie musste ganz präzise erscheinen, damit sie keine Geräusche verursachte, und sie musste das Rascheln ihrer Kleidung dämpfen.

Überrascht wurde sich Perrin bewusst, dass sie dieses Mal auch ihren Duft maskiert hatte. Er hatte sie erst riechen können – sie duftete nach Nachtlilien –, nachdem sie das Wort an ihn gerichtet hatte.

Unsicher stieg er aus der Grube und näherte sich der Hütte. Beide Männer schliefen. Was geschah wohl mit Menschen, die im Traum schliefen? Normalerweise hätte sie das zurück in die wache Welt geschickt – aber sie waren leibhaftig hier.

Der Gedanke an das, was man mit ihnen gemacht hatte, ließ ihn frösteln. Umgedreht? Hatte sie es nicht so bezeichnet? Beim Licht. Es erschien ungerecht. Nicht, dass das Muster jemals gerecht wäre, musste er zugeben und durchsuchte schnell die Hütte.

Er fand den Traumnagel unter dem Tisch in den Erdboden getrieben. Das silbrige Metall erinnerte an einen langen Zeltnagel, an dessen Seiten sich seltsame Zeichen entlangzogen. Er ähnelte dem anderen, mit dem er es zu tun gehabt hatte, war aber nicht völlig gleich. Er zog ihn heraus, dann legte er die Hand auf den Hammer und wartete, rechnete mit der Ankunft des Schlächters.

»Er ist nicht hier«, sagte Lanfear.

»Licht!« Perrin riss den Hammer in die Höhe. Dann beruhigte er sich wieder und drehte sich zu ihr um. »Warum erscheint Ihr auf diese Weise, Frau?«

»Er sucht nach mir«, erklärte sie und blickte zum Himmel. »Eigentlich sollte ich nicht in der Lage sein, das hier zu tun, und er wird misstrauisch. Sollte er mich finden, weiß er Bescheid, und ich werde vernichtet, werde eine Ewigkeit lang gefangen sein und brennen.«

»Erwartet Ihr von mir, dass ich Mitleid mit Euch habe, mit einer der Verlorenen?«, fauchte Perrin.

»Ich habe meinen Meister gewählt«, erwiderte sie und musterte ihn. »Das ist mein Preis – es sei denn, ich finde eine Möglichkeit, mich davon zu befreien.«

»Was?«

»Ich glaube, Ihr habt noch die beste Chance«, sagte sie. »Ihr müsst siegen, Perrin, für mich, und ich muss an Eurer Seite sein, wenn das passiert.«

Er schnaubte. »Ihr habt keine neuen Tricks gelernt, oder? Macht einem anderen dieses Angebot. Ich bin nicht interessiert.« Er drehte den Traumnagel. Er hatte nie herausfinden können, wie der andere funktioniert hatte.

»Ihr müsst oben drehen.« Lanfear streckte die Hand aus.

Perrin sah sie bloß an.

»Glaubt Ihr nicht, ich hätte ihn mir selbst nehmen können, wenn ich gewollt hätte?« Sie klang amüsiert. »Wer hat denn M’Haels kleine Schoßtiere für Euch ausgeschaltet?«

Er zögerte, dann gab er ihn ihr. Mit dem Daumen fuhr sie von der Spitze bis hinauf zur halben Länge, und etwas klickte darin. Dann drehte sie den dicken Kopf herum. Draußen schrumpfte die violette Kuppel und löste sich auf.

Sie gab ihn zurück. »Dreht den Kopf wieder herum, um das Feld zu erschaffen, dann fahrt Ihr mit dem Finger in die entgegengesetzte Richtung als ich eben, um ihn zu verriegeln – je länger man dreht, umso größer wird das Feld. Seid vorsichtig. Wo auch immer Ihr ihn platziert, hat das Auswirkungen auf die wache Welt wie auch auf diese, und es wird auch Eure Verbündeten daran hindern, hinein- oder hinauszukommen. Mit einem besonderen Schlüssel könnt Ihr ihn passieren, aber ich weiß nicht, wo der für diesen Traumnagel ist.«

»Ich danke Euch«, sagte Perrin widerstrebend. Einer der schlafenden Männer zu seinen Füßen grunzte und drehte sich auf die Seite. »Gibt es … gibt es wirklich keinen Widerstand gegen die Verwandlung? Können sie denn gar nichts tun?«

»Man kann für kurze Zeit Widerstand leisten«, sagte sie. »Aber nur kurz. Am Ende fällt selbst der Stärkste. Falls man ein Mann ist, der Frauen gegenübersteht, haben sie einen im Handumdrehen bezwungen.«

»So etwas sollte nicht möglich sein«, sagte Perrin. »Niemand sollte einen Menschen zwingen können, sich dem Schatten zuzuwenden. Auch wenn man uns alles andere nimmt, diese Entscheidung sollten wir selbst treffen können.«

»Oh, sie haben ja die Wahl«, meinte Lanfear und stieß einen von ihnen mit dem Zeh an. »Sie hätten sich ja dämpfen lassen können. Das hätte ihnen diese Schwäche genommen, und man hätte sie niemals Umdrehen können.«

»Keine große Wahl.«

»So ist das Gewebe des Musters, Perrin Aybara. Nicht alle Möglichkeiten sind gut. Manchmal muss man eben das Beste aus einer schlimmen Situation machen und den Sturm abreiten.«

Er sah sie scharf an. »Wollt Ihr damit andeuten, dass Ihr genau das tut? Ihr habt Euch dem Schatten angeschlossen, weil es die ›beste‹ Wahl war? Das glaube ich nicht, Frau. Ihr habt ihm Euch um der Macht willen angeschlossen. Das weiß doch jeder.«

»Glaubt, was Ihr wollt, Welpe.« Ihr Blick verhärtete sich. »Ich habe für meine Entscheidungen leiden müssen. Für das, was ich in meinem Leben tat, musste ich Schmerzen, Qualen und unerträgliche Trauer erdulden. Was ich erlitten habe, geht weit über Eure Vorstellungskraft hinaus.«

»Und von allen Verlorenen habt Ihr Eure Stellung als Erste gewählt und sie akzeptiert.«

Sie schnaubte. »Glaubt Ihr wirklich dreitausend Jahre alte Geschichten?«

»Immer noch besser, als den Worten von jemandem wie Euch zu vertrauen.«

»Wie Ihr wollt«, sagte sie und blickte wieder auf die Schlafenden. »Falls Euch das hilft zu verstehen, Welpe, solltet Ihr wissen, dass viele der Meinung sind, Leute wie die hier würden beim Umdrehen getötet. Und dann würde etwas anderes in den Körper kriechen. Zumindest glauben das einige.« Sie verschwand.