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»Und ob ich das verdammt noch mal bin.«

»Wegen Galgan braucht sich niemand Sorgen zu machen«, sagte Selucia. »Er ist ein zu guter Soldat, um unsere derzeitigen Bemühungen um Stabilität zu sabotieren. Um Krisa solltet Ihr Euch Sorgen machen. Sie hat drei Meuchelmörder aus Seanchan geholt.« Selucia warf einen Blick zur Balkontür. Zum ersten Mal fiel Mat ein Fleck auf dem Boden auf, der möglicherweise Blut war. »Bis jetzt habe ich zwei erwischt. Schade. Ich hatte Euch für den dritten gehalten.« Sie musterte ihn, als würde sie in Betracht ziehen, dass er sämtlicher Logik zum Trotz dieser Attentäter war.

»Ihr seid einfach bloß verrückt«, verkündete Mat, zog seinen Hut zurecht und holte den Ashandarei. »Ich gehe zu Tuon.«

»Das ist nicht länger ihr Name, möge sie ewig leben. Man kennt sie als Fortuona, aber Ihr solltet sie mit keinem dieser Namen ansprechen, sondern bloß als ›Höchstgeborene‹ oder ›Größte‹.«

»Ich nenne sie, wie ich es verdammt noch mal für richtig halte«, sagte Mat. »Wo ist sie?«

Selucia musterte ihn.

»Ich bin kein Attentäter!«

»Dafür halte ich Euch auch nicht. Ich versuche lediglich zu entscheiden, ob es ihr recht wäre, wenn ich Euch den Ort verrate.«

»Ich bin ihr Ehemann, oder nicht?«

»Seid still«, sagte Selucia. »Ihr habt gerade versucht, mich davon zu überzeugen, dass Ihr kein Attentäter seid, und dann kommt Ihr damit? Dummer Mann. Sie ist im Palastgarten.«

»Es ist …«

»… mitten in der Nacht«, unterbrach Selucia ihn. »Ja, ich weiß. Sie hört nicht immer auf die Logik.« Er entdeckte einen Hauch von Verzweiflung in ihrer Stimme. »Sie hat eine ganze Abteilung Totenwächter um sich.«

»Es interessiert mich nicht, ob sie den Schöpfer selbst dabeihat«, fauchte Mat und ging zurück zum Balkon. »Ich werde sie auf einen Stuhl setzen und ihr ein paar Dinge erklären.«

Selucia folgte ihm, lehnte sich gegen den Türrahmen und sah ihn skeptisch an.

»Nun, vielleicht setze ich sie nicht auf einen Stuhl«, sagte Mat und schaute über das Geländer nach unten in den Garten. »Aber ich werde ihr – mit logischen Argumenten – erklären, warum sie nicht auf diese Weise in der Nacht herumspazieren kann. Zumindest werde ich es erwähnen. Blut und verdammte Asche. Wir sind wirklich ganz schön hoch hier, was?«

»Normale Menschen nehmen die Treppe.«

»Jeder Soldat in der Stadt hält nach mir Ausschau«, sagte Mat. »Ich glaube, Galgan will mich verschwinden lassen.«

Selucia schürzte die Lippen.

»Das habt Ihr nicht gewusst?«

Sie zögerte, dann aber schüttelte sie den Kopf. »Es ist nicht unvorstellbar, dass Galgan nach Euch Ausschau hält. Unter normalen Umständen wäre der Prinz der Raben eine Konkurrenz. Er ist der General unserer Heere, aber diese Aufgabe wird oft dem Prinzen der Raben übertragen.«

Der Prinz der Raben. »Erinnert mich bloß nicht daran«, sagte Mat. »Ich habe das immer für meinen Titel gehalten, als ich mit der Tochter der Neun Monde verheiratet wurde. Hat der sich nicht mit ihrer Thronbesteigung geändert?«

»Nein«, erwiderte Selucia. »Noch nicht.«

Mat nickte, dann seufzte er, als er den Abstieg betrachtete. Er schob ein Bein über die Brüstung.

»Es gibt einen anderen Weg«, sagte Selucia. »Kommt mit, bevor Ihr Euch noch Euren blöden Hals brecht. Ich weiß noch immer nicht, was sie eigentlich mit Euch will, aber ich bezweifle, dass sie Euch in den Tod stürzen sehen will.«

Dankbar hüpfte Mat von der Brüstung und folgte Selucia in das Gemach. Sie öffnete einen Schrank, dann schob sie die Hinterwand zur Seite und enthüllte einen finsteren Gang, der in die steinernen Palastwände führte.

»Blut und verfluchte Asche«, sagte Mat und steckte den Kopf hinein. »Hat es den immer schon gegeben?«

»Ja.«

»So ist er vielleicht hereingekommen«, murmelte Mat. »Ihr müsst den Gang versperren, Selucia.«

»Ich tat etwas Besseres. Wenn die Kaiserin schläft – möge sie ewig leben –, schläft sie auf dem Dachboden. Sie schläft niemals in diesem Gemach. Wir haben nicht vergessen, wie mühelos Tylin ermordet wurde.«

»Das ist gut.« Mat erschauderte. »Ich habe die Kreatur aufgespürt, die das getan hat. Der wird keine Kehlen mehr herausreißen. Tylin und Nalesean können zusammen ein kleines Tänzchen deswegen veranstalten. Lebt wohl, Selucia. Vielen Dank.«

»Für den Gang? Oder weil ich Euch nicht mit der Armbrust getötet habe?«

»Weil Ihr mich nicht mit verfluchte Hoheit angesprochen habt wie Musenge und die anderen«, murmelte Mat und betrat den geheimen Gang. An der Wand hing eine Laterne, und er entzündete sie.

Hinter ihm lachte Selucia. »Wenn Euch das stört, Cauthon, dann steht Euch ein ausgesprochen nervenaufreibendes Leben bevor. Es gibt nur eine Möglichkeit, nicht länger der Prinz der Raben zu sein, wenn Euch jemand eine Schlinge um den Hals legt.« Sie schloss die Schrankwand.

Was für eine reizende Frau, dachte Mat. Als sie nicht mit ihm gesprochen hatte, da hatte sie ihm besser gefallen. Oder doch nicht? Kopfschüttelnd ging er los, und erst jetzt fiel ihm auf, dass sie ihm gar nicht verraten hatte, wo der Gang eigentlich hinführte.

Begleitet von ein paar Töchtern ging Rand durch Elaynes Lager am Ostrand des Braemwaldes. Jetzt am Abend war hier alles dunkel, aber kaum einer schlief. Man traf Vorbereitungen, die Zelte abzubauen und das Heer am nächsten Morgen nach Osten in Richtung Cairhien zu verlegen.

Für ihn gab es heute Abend nur zwei Wächterinnen. Damit kam er sich beinahe schon nackt vor, obwohl er einst der Meinung gewesen war, dass sämtliche Leibwächter überflüssig waren. Die unweigerliche Drehung des Rades hatte seine Ansichten so sicher verändert, wie es die Jahreszeiten veränderte.

Er benutzte einen von Laternen beleuchteten Pfad, der offensichtlich einst ein Wildpfad gewesen war. Dieses Lager hatte nicht lange genug bestanden, um andere Pfade zu erschaffen. Leise Geräusche flüsterten durch den Abend; Karren wurden mit Vorräten beladen, Klingen an Schleifsteinen gewetzt, Mahlzeiten an hungrige Soldaten ausgeteilt.

Die Männer riefen einander nichts zu, denn es war Abend, die Streitkräfte des Schattens befanden sich in der Nähe im Wald, und Trollocs hatten gute Ohren. Die Laternen waren mit Schiebern versehen, um nur wenig Licht abzugeben, und die Kochfeuer waren auf ein Minimum reduziert.

Rand verließ mit seinem langen Bündel den Pfad und ging durch das raschelnde Gras auf Tams Zelt zu. Das würde ein kurzer Besuch werden. Er nickte den salutierenden Soldaten zu, an denen er vorbeikam. Zwar waren sie schockiert, ihn zu sehen, aber es überraschte sie nicht, ihn im Lager anzutreffen. Elayne hatte seinen früheren Besuch allgemein bekannt gemacht.

Ich führe diese Heere an, hatte sie gesagt, als sie sich das letzte Mal voneinander verabschiedet hatten, aber du bist ihr Herz. Du hast sie versammelt, Rand. Sie kämpfen für dich. Bitte lass sie dich sehen, wenn du kommst.

Und das tat er. Er wünschte sich, er könnte sie besser beschützen, aber das war eine Last, die er nun einmal tragen musste. Wie sich herausgestellt hatte, hatte das Geheimnis nicht darin gelegen, sich so hart zu machen, dass er kurz vor dem Zerbrechen stand. Oder einfach nur seine Gefühle abzutöten. Stattdessen musste man vom Schmerz erfüllt einfach weitermachen, so wie er die Schmerzen der Wunden an seiner Seite ertragen hatte, und den Schmerz als einen Teil von sich akzeptieren.

Zwei Männer aus Emondsfelde bewachten Tams Zelt. Rand nickte ihnen zu, als sie salutierten. Ban al’Seen und Dav al’Thone – einst hätte er niemals geglaubt, sie jemals salutieren zu sehen. Und sie machten das auch noch zackig.

»Ihr habt eine ernste Aufgabe, Männer«, sagte Rand zu ihnen. »So wichtig wie jeder andere auf diesem Schlachtfeld.«

»Andor zu verteidigen, mein Lord?«, fragte Dav verwirrt.

»Nein«, erwiderte Rand. »Auf meinen Vater aufzupassen. Sorgt dafür, dass ihr das gut tut.« Er schob sich in das Zelt und ließ die Töchter draußen warten.