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– Ich weiß aber, in welcher Richtung man danach suchen sollte.

– Das könnte eine Hilfe sein.

– Du hältst diese Anmerkung also auch für wichtig? Du glaubst, ohne sie könnten wir alle ›erledigt‹ sein?

– Oh, vielleicht sind wir auch mit ihr gründlich erledigt, aber solange wir sie nicht haben und andere glauben, dass das Ding existiert, werden sie jeden gnadenlos niedermachen, der ihnen im Weg steht oder den sie nicht für hundertprozentig kooperativ halten. Meine Aufpasserin hier, eine Oerileithe, Colonel der Ocula, sagte mir, über Nasqueron habe sich eine Flotte von Kriegsschiffen der Merkatoria versammelt. Angeblich ist sie hier, um sie und mich abzuholen, aber ich fürchte, sie könnten andere Absichten haben.

– Eine militärische Intervention?

– Sobald sie glauben, eine feste Spur zu haben, die zur Liste führt.

– Nun, dann müssen wir vermeiden, ihnen eine solche Spur zu liefern. Zugleich darf ich meinen Mit-Dwellern keinen Vorwand liefern, mich als abscheulichen Verräter zu brandmarken, weil ich auch nur daran denke, etwas an fremde Mächte weiterzugehen, was mit der fraglichen Sache zu tun hat. Zwar lassen meine eigenen Forschungen und die vieler anderer vermuten, dass die gesuchten Daten entweder hoffnungslos veraltet oder ein Hirngespinst sind, vielleicht auch beides. Dennoch muss ich zumindest jemandem die Richtung weisen, wenn ich nicht für immer tot bleiben will.

– Und zu diesem Jemand hat das Schicksal offenbar mich ausersehen. wo muss ich hin?

– Ach ja. Dazu muss ich etwas erklären. als ich begriff, worauf sich die Anmerkung in Band eins bezog, suchte ich natürlich nach Band drei. Zumindest nach einigen Tagen, nachdem ich meine Wut und mein Entsetzen darüber überwunden hatte, dass ich ohne eigene Schuld – oder doch nur, weil ich das an sich harmlose Steckenpferd der Bibliophilie reite – möglicherweise etwas entfesselt hatte, was viel zerstören konnte, angefangen bei meinem eigenen durchaus glücklichen und zufriedenen Leben. Ich machte mich also auf die Suche und förderte den Band schließlich auch zutage. Ich hatte noch nie so viel Anlass, meine Nachlässigkeit beim Katalogisieren zu verfluchen. Die betreffende Passage befand sich in einer eigenen Mappe, die ich zum Anhang dazugeheftet hatte. Das Original dieser Mappe brachte ich persönlich in einem verschlossenen Behälter zu einem befreundeten Sammler in der Stadt Deilte in der Südlichen Polarregion. Ich bat diesen Freund, den Behälter für mich in Verwahrung zu nehmen, aber nicht zu öffnen. Im Falle meines Todes sollte er ihn an jemanden weitergeben, dem er seinerseits vertraute und der ihn ebenfalls nicht öffnen sollte. Zu gegebener Zeit würde ein Familienmitglied oder eine andere Person meines Vertrauens mit einem ganz bestimmten Bildblatt bei ihm vorsprechen. Ich spreche von dem Bildblatt, das du jetzt bei dir trägst. Dieser Person sei der Behälter auszuhändigen.

– Hätte denn dein Freund in Deilte von deinem Tod erfahren? Ich wusste davon nichts.

– Vielleicht, vielleicht auch nicht. Er sammelt antiquarische Daten, so wie ich, lebt aber sehr zurückgezogen. Er könnte jedoch durch gemeinsame Bekannte davon gehört haben.

– Schön, sendete Fassin. – Ich muss also nach Deilte. Wie war der Name seines Freundes?

– Chimilinith.

Der Name hatte Valseirs Signalvertiefung kaum verlassen, als Fassin einen Neutrinoburst registrierte.

Ein bestimmter Teil von Deilte?, fragte er und sah sich etwas genauer um.

Chimilinith zog früher gern mit seinem Haus in der Gegend umher. Aber ich nehme an, die Einheimischen werden ihn kennen.

– Schön. Hast du dir die Daten denn auch angeschaut? Wie sahen sie aus?

Die Privatkabine war leer bis auf ihn und Valseir, das Schwebetablett mit der Schale – er hatte beides beim Eintreten automatisch gescannt und festgestellt, dass es nur das war, was es zu sein schien – und die Bildschirme, die ebenfalls in keiner Weise außergewöhnlich waren. wer könnte hier mit Neutrinos kommunizieren? Von wo aus? Und warum der plötzliche Ausbruch genau in diesem Moment?

Wie Algebra.

Fassin scannte Valseirs schlichte Kleidung. Keine Spur von irgendwelchen High-Tech-Geräten. Das Raffinierteste an den Gewändern war das Gewebe selbst.

Algebra?, wiederholte er.

Die Innen-und Außenseite der Diamantblase waren sauber. Er scannte die Zugangsröhre. Nichts.

Alien-Algebra, erklärte Valseir.

Fassin schaute nach oben auf die Unterseite des Luftschiffs und suchte dann im gleichen Radius den freien Gasraum außerhalb ab. Immer noch nichts. also noch weiter draußen.

Alien ?, fragte er zerstreut.

Auch nichts in der näheren Umgebung. Zuerst kam die Dzunda, dann etwa hundert Meter bis zum nächsten Luftschiff nichts, dann weitere Zuschauer-und Versorgungsschiffe – sowie der Panzerkreuzer Puisiel, der ein paar Kilometer höher in der Atmosphäre mühelos mit der Zuschauerflotte Schritt hielt – und schließlich die GasClipper, die sich gerade anschickten, die Boje an der SturmMauer zu umrunden, den ersten Wendepunkt dieses kurzen Rennens.

Alien-Symbolik. Aber nicht ausschließlich. Einige der Zeichen kamen mir bekannt vor. Sie hatten Ähnlichkeit mit einer Form von Translatio V, einer speziesübergreifenden, so genannten ›Universal‹-Notation, die vor etwa zwei Milliarden Jahren von den Wopuld erfunden wurde – einer längst ausgestorbenen Spezies von Invers-Spongiformen –, aber mit Elementen aus der uralten Piktogrammschrift der Dweller. Ich hätte mir gern Notizen gemacht, aber ich verzichtete darauf, etwas von dem Material in irgendeiner Form bei mir zu tragen, ausgenommen natürlich, was – zwangsläufig lückenhaft – in meinem Gedächtnis gespeichert ist. Daher konnte ich seither nicht daran arbeiten.

Fassin zeichnete alles, was gesprochen wurde, mit den Systemen des Gasschiffes auf, um es später wenn nötig wiederholen zu können, doch zugleich suchte er immer noch hektisch die weitere Umgebung nach Wanzen oder Abhörgeräten ab. Die Sensoren des Gasschiffchens registrierten einen weiteren Neutrinoburst, es musste eine Nachricht sein; ein kurzes Muster im Chaos der nahezu masselosen Teilchen.

Unmittelbar vor dem ersten Burst hatte Valseir den Namen des Dwellers ausgesprochen, dem er die Mappe gegeben hatte. Konnte das wirklich Zufall gewesen sein? Aber wie sollte sie jemand belauscht haben? Sie verständigten sich durch Signalflüstern, kohärente Lichtstrahlen, die von einer Transceiver-Vertiefung in der Oberfläche zur anderen geschickt wurden. Diese Art der Kommunikation konnte nicht abgehört werden, es sei denn, jemand hätte einen Spiegel oder einen Sensor in die Strahlen gehalten.

Konnte er selbst es gewesen sein? War sein Gasschiff verwanzt worden? Hatte Hatherence ihm etwas angehängt? Er scannte, überprüfte die Systeme, fand nichts.

Über ihnen stieg das Luftschiff rasch und stetig in die Höhe, während die GasClipper brüllend an der schroffen Sturmfassade entlangrasten. Die Dzunda wurde von der Sonne erfasst.

Also nur ein Gleichungssystem?, fragte Fassin den alten Dweller.

Der Drogennebel in der Privatkabine leuchtete plötzlich auf und zerfiel in winzige Dampfpartikel. Ein kleiner Bruchteil von ihnen glitzerte im Licht.

– Vielleicht auch nur eine einzige lange Gleichung.

Entsetzt saugte Fassin eine Probe der Dünste in das hochempfindliche Analysegerät des Pfeilschiffs.