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Auf anderen Schirmen waren Dutzende von fremden schwarzen Schiffen zu sehen, die vom Himmel fielen.

Es waren gastaugliche Raumschiffe der Merkatoria, einige nur fünfzig Meter, andere drei-bis viermal so lang; pechschwarze Ellipsoide mit dicken Flügeln und rudimentären aber windschnittigen Leitwerken und Triebwerksgondeln. Sie stürzten auf die Luftschiffe zu. Nach jedem Höhenkilometer lösten sich zwei oder drei aus dem Schwarm und zogen wachsam ihre Kreise. weit darüber – kurz aus einem anderen Winkel von einer Kamera erfasst, zuerst verschwommen, dann plötzlich scharf – rotierten weitere glatte Formen über der hohen Dunstschicht wie Geier über dem Aas.

Wieder begann auf einem Schirm das Bild zu flimmern, stabilisierte sich und zeigte den Panzerkreuzer, der die Zuschauerflotte begleitete. Die Puisiel schwenkte die Geschütztürme und fuhr die Rohre aus. Ein gelblich weißer Strahl leuchtete auf, bohrte sich geradewegs durch das Schiff der Merkatoria, ließ es erschauern, jagte Schockwellen über seine Außenhaut, raste dahinter in die SturmMauer und erlosch. Aus der Wunde in der Wolkenwand quoll schwarzer Dampf, der rasch fortgerissen wurde. Die GasClipper waren verschwunden, als hätten sie sich in Luft aufgelöst.

»Bei allen furzenden Göttern, was geht hier vor?«, fragte Valseir. Die beiden hatten angehalten und beobachteten die Bildschirme ebenso gebannt wie die meisten anderen im Korridor.

Geschütztürme und Rohre der Puisiel schwenkten noch ein Stück weiter und kamen zum Stillstand, scheinbar ohne sich auf ein bestimmtes Ziel zu richten.

»Oh nein«, stöhnte Fassin.

Die Kanonen des Panzerkreuzers blitzten auf und spuckten Feuer und Rauch. Zugleich fielen, halb verdeckt von den Rauchschwaden der Breitseite, kleinere Schatten von seiner Unterseite, die ihrerseits Feuer und Rauch ausstießen, und jagten im Bogen nach oben, den feindlichen Raumschiffen entgegen. Die Bildschirme flimmerten. Die schwarzen Raumschiffe erstrahlten in hellem Licht. Auf halbem Wege zwischen der Puisiel und dem fremden Schwarm explodierten gleißende Linien und füllten das Gas über und um die Zuschauerflotte mit schwarzen Rauchpilzen.

Eine Kamera schwenkte auf ein wendendes Raumschiff, das in die Tiefe schoss und eine Rauchfahne hinter sich herzog. Dweller begannen zu schreien. Tabletts, Speisen, Drogen und Haus-kinder flogen durch die Luft, Panzerhäute signalisierten Aufregung und blinde Wut, ein Schwall von Kriegsbegeisterung wehte durch den Gang, als wäre eine Serie von winzigen Duftgranaten explodiert. Ein schwarzer Punkt mit einer dünnen Abgasfahne näherte sich dem angeschossenen Raumschiff, wurde aber mit einem Lichtblitz von oben erledigt. Ein noch kleineres, noch schnelleres Gebilde schoss über den Schirm, bohrte sich in das Schiff, detonierte im Innern und riss es entzwei; die beiden Teile stürzten, gefolgt von länger werdenden Rauchsäulen, in die Tiefe. Auch die anderen Raketen wurden so mühelos unschädlich gemacht wie lästige Insekten.

Fassin wollte Valseir weiterziehen. Ringsum heulten die Dweller, sie brüllten die Schirme an und begannen Wetten abzuschließen. Dumpfe Schläge und fernes Donnergrollen hallten durch den Gang, verspätete Kampfgeräusche zu den Bildern, die nahezu zeitgleich übertragen wurden.

Überall schwarze Glitzerobjekte. Der Panzerkreuzer begann zu leuchten, über seine ganze Länge strahlten feurige Punkte auf. Die Strahlen rasten durch ihn hindurch, bohrten sich in die SturmMauer und rissen dunkle Wunden in das schwarz brodelnde Gas. Einen Augenblick, bevor die ersten Strahlen ihr Ziel erreichten, feuerte die Puisiel ein letztes Mal ein Drittel ihrer Geschütze ab. Die meisten Schüsse waren auf die Stelle gezielt, wo das abstürzende Raumschiff gewesen war. Dann erzitterte der Riesenkreuzer wie ein Blatt im Sturm und begann, von weiteren Strahlen durchbohrt, zu sinken. Ein letzter Strahl, weniger hell, aber viel breiter, durchschnitt die ganze Mittelpartie, der Koloss knickte ab und trudelte in Spiralen abwärts. Ein paar winzige Doppelscheiben lösten sich aus dem Wrack und rotterten davon oder stürzten einfach ab. Einige zogen Rauchwolken hinter sich her. Andere wurden von Lichtspeeren getroffen und in Miniaturexplosionen zerrissen.

»Schneller, valseir«, flüsterte Fassin in die plötzliche Stille hinein. »Wir müssen weg von hier. Sieh zu, dass du nach draußen kommst.« Sie waren fast auf gleicher Höhe mit einer Zugangsröhre, die im 45°-Winkel nach oben führte. Fassin schob Valseir auf die Öffnung zu. »Da hinein.« Er wusste nicht einmal mit Sicherheit, ob sie wirklich fliehen sollten. Vielleicht wären sie auf dem Luftschiff immer noch sicherer. Aber näher am Ausgang hätten sie zumindest eine echte Wahl.

Valseir leistete keinen Widerstand. Die vorderste Front der schwarzen Schiffe hatte die Zuschauerflotte fast erreicht. Lautes Wehklagen erfüllte den Gang. Ein Strom von Dwellern kam von oben durch die Röhre und drängte Fassin und Valseir zurück.

Fassin schob den alten Dweller weiter, obwohl sie sich beide immer wieder nach den Bildschirmen umsahen. Eines der schwarzen Schiffe schraubte sich allmählich näher an die SturmMauer heran. Als es sie fast erreicht hatte, kam ein GasClipper aus dem wirbelnden schwarzen Gasvorhang geschossen. Die ausgefahrenen Klingensegel blitzten wie Speere aus gefrorenem Feuer. Der Clipper rammte das Kriegsschiff genau in der Mitte, biss förmlich hinein, und beide torkelten ineinander verkeilt über den Himmel. Ohne sich aus der tödlichen Umklammerung zu lösen, stürzten sie mit allem anderen hinab zum Fuß des schwarzen Sturmtrichters und weiter in den Hexenkessel aus heißem Gas.

Wieder hallten Freudenschreie durch den Gang.

Eine andere Kamera, ein anderer Bildschirm: ein Abschnitt der SturmMauer beulte sich aus, dunkles Gas umströmte einen riesigen abgerundeten Kegel, der sich durch den Sturm zwängte, als sei der gar nicht da.

Ein Koloss von einem Panzerkreuzer wurde sichtbar. Gasbänder flatterten wie riesige Fahnen hinter ihm her. Aufmunternde Zurufe und markerschütterndes Jubelgeschrei ließen den breiten Korridor vibrieren wie eine riesige Orgelpfeife. Der neue Panzerkreuzer flog in das klare Gasherz des gewaltigen Sturmauges, seine Oberfläche versilberte sich unversehens und schoss nach allen Seiten weiße Strahlen ab.

»Verdammt«, hörte Fassin sich sagen. »Sie haben auf diesen Angriff nur gewartet.«

Der silberne Panzerkreuzer steuerte geradewegs auf die Flotte aus schwarzen Schiffen zu, die zunächst die Zuschauerschiffe ins Visier genommen hatten. Nun drehten sie hektisch ab und formierten sich neu, um sich dieser unerwarteten Bedrohung zu stellen.

Der Panzerkreuzer raste heran, sein propellerloses Heck erglühte im Feuerschein, er feuerte aus allen Rohren. Der Himmel, der Sturm und die schwarzen Tiefen spiegelten sich in seiner silbrigen Oberfläche, die Funken sprühte und nach allen Seiten Strahlen abschoss, als wären es Lichtpfeile. Zwei weitere schwarze Schiffe explodierten und stürzten ab. Die Schreie der Dweller im Hauptgang – und die Wetten – schraubten sich in noch schwindelndere Höhen.

Von ständigen Einschlägen geschüttelt, kämpfte sich der Panzerkreuzer weiter. Eine Rakete, abgeschossen von der Merkatoria-Flotte, jagte über den Bildschirm, wurde von einer fächerförmigen Abfangsalve verfehlt und krachte in den Panzerkreuzer.

Sie bekamen noch die Anfänge der Explosion mit, die den Panzerkreuzer entzweiriss wie die Hülle um ein Stück Stern, dann wurde der Bildschirm zuerst weiß, um gleich darauf zu erlöschen. Im Korridor flackerten die Lichter, gingen aus und wieder an, dann wurde es endgültig dunkel. Das Jaulen des Alarms, die ganze Zeit vorhanden, aber im Grunde überhört, brach ab, es wurde so still, als hätte man mit einem Schlag das Gehör verloren. Die Dzunda erzitterte wie ein angeschossenes Tier.