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»Damit kommen wir«, sagte Drunisine, »zu der Frage, wieso das Ulubis-Merkatoria-Separat es überhaupt für klug oder einträglich hielt, auf diese Weise und in solcher Zahl in Nasqueron einzufallen. Hat jemand dazu etwas zu sagen?« Der greise Dweller schaute in die Runde.

»Es könnte vielleicht mit mir zu tun haben«, gestand Fassin.

»Mit dir, Seher Taak?«, fragte Drunisine.

»Ich wurde hierher geschickt, um eine Information zu beschaffen.«

»Und dazu brauchtest du gleich die Hilfe einer kleinen Kriegsflotte?«

»Nein. Aber meine Auftraggeber dachten vielleicht, ich wäre in Gefahr.«

»Durch wen?«

»Das weiß ich nicht.«

»Wir sprechen also von einer Information, die für die Merkatoria wertvoll genug ist, um einen Krieg anzufangen? Obwohl sie in den nächsten Monaten oder Jahren ohnehin mit einer Invasion zu rechnen hat? Es muss sich um eine sehr wichtige Information handeln. worum geht es? Können wir helfen?«

»Danke? Aber ich glaube, es dauert nicht mehr lange, bis ich sie finde.«

»Aha«, sagte Valseir. »Das ist es also.«

»Was?«

»Die Geschichte mit der Mappe in dem verschlossenen Behälter, den ich Chimilinith von Deilte persönlich übergeben habe.«

»Und?«

»Sie stimmt nicht ganz.«

»Nicht ganz?«

»Nicht ganz.«

»Und wie viel davon stimmt?«

Valseir schaukelte ein wenig zurück und schien zu überlegen. Überraschungsmuster huschten über seine Signalhaut. »Eigentlich das meiste«, sagte er.

»Und was nicht?«, fragte Fassin geduldig.

»In dem verschlossenen Behälter war keine Mappe.«

»Chimilinith hat die Information also nicht.«

»Richtig.«

»Ich verstehe.«

»Ich warte immer noch auf Aufklärung, worum es bei dieser exemplarischen, wenn auch schwer zu fassenden Information eigentlich geht«, sagte Drunisine mit einem frostigen Blick auf Valseir.

Verdammte Scheiße, dachte Fassin. Wenn Valseir ihnen sagt, was es ist, und diese Liste wirklich existiert, bringen sie uns womöglich alle um.

Auf den Gedanken war offenbar auch Valseir gekommen. »Angeblich ein Verfahren für überlichtschnelles Reisen«, erklärte er dem greisen Commander.

Setstyins Panzer signalisierte Heiterkeit, doch die Muster erloschen rasch. Drunisine wirkte so unbeeindruckt, wie ein alter Dweller nur sein konnte. »Wie bitte?«, fragte er nur.

»Ein uralter Zusatz zu einem noch älteren Buch – das Seher Taak vor zweihundert Jahren während eines ›Trips‹, wie solche Ausflüge bei den ›Schnellen‹ genannt werden, hier eintauschte  – erwähnt eine Methode, ohne Adjutage und Cannula SAL zu reisen«, sagte Valseir. Fassin verstand. Der Alte hatte die Dweller-Begriffe für Portale und Wurmlöcher verwendet. Und seine Stimme hatte – hoffentlich – genau die richtige Mischung aus Beschämung und Sarkasmus zum Ausdruck gebracht. »Seher Taak wurde hierher geschickt, um eine genauere Beschreibung dieser … äh … unwahrscheinlichen Technologie zu finden.«

»Tatsächlich?« Drunisine sah Fassin an.

»Algebra«, entfuhr es dem Seher.

»Algebra?«, fragte Drunisine.

»Die Daten sehen angeblich aus wie algebraische Formeln«, sagte Fassin. »Formeln zur Beschreibung eines Warp-Antriebs, eines Verfahrens zur Krümmung des Raums. An sich längst bekannt, doch nun will man mit dieser Technik die Lichtgeschwindigkeit übertreffen.« Fassin machte eine Geste der Resignation, die Außenhaut seines Pfeilschiffs signalisierte Verlegenheit. »Ich wurde zu einer paramilitärischen Abteilung der Merkatoria abkommandiert, ohne mich dagegen wehren zu können, und auf diese Mission geschickt. was den Erfolg meiner Bemühungen angeht, bin ich wahrscheinlich ebenso skeptisch wie Sie.«

Auf Drunisines Haut erschien ein Muster, das höfliche Belustigung ausdrückte. »Oh, das möchte ich bezweifeln, Seher Taak.«

»Was geht hier vor?«

»Das wollte ich gerade dich fragen«, antwortete Setstyin. »Information gegen Information?«

»Schön, aber ich darf anfangen.«

»Was genau willst du wissen?«

Sie befanden sich immer noch in der Empfangssphäre im Innern der Riesenkugel. Commander Drunisine war gegangen. Zwei Erwachsenen-Sanitäter behandelten die kleinen Verletzungen, die sich Y’sul und Valseir während der Schlacht zugezogen hatten. »Was ist das hier?«, fragte Fassin und bezog mit einer Geste das ganze Schiff ein. »Wo kommt es her? Wer hat es gebaut? Wer steuert es? Wie viele von der Sorte gibt es in Nasqueron ?«

»Ich dachte, der Titel sagt alles«, meinte Setstyin. »Es ist eine Maschine zum Schutz des Planeten. Vor gezielter Aggression durch einen gewissen Typ von fortgeschrittener Technik. Ein Planeten-Protektor ist kein Raumschiff, wenn du das meinst. Er ist nur innerhalb der Atmosphäre einsetzbar. Der hier kam aus der Tiefe, wo solche Dinge gewöhnlich gelagert werden. Gebaut haben wir ihn. Ich meine, wir, die Dweller, wahrscheinlich vor ein paar Milliarden Jahren. Ich müsste nachsehen. Gesteuert wird er im Kontrollzentrum von Dwellern mit militärischer Erfahrung, die für diese Art von Maschinen gezielt an Simulatoren ausgebildet wurden. Was die Zahl angeht … das weiß ich nicht. Und wenn, dann sollte man die Information wohl auch nicht weitergeben. Nimm es mir nicht übel, Fassin, aber letzten Endes bist du eben doch keiner von uns. Wir müssen davon ausgehen, dass deine Loyalitäten anderswo liegen.«

»Vor Milliarden von Jahren gebaut? Und ihr könntet auch heute noch …?«

»Das muss ich aber als neue Frage werten«, schalt Setstyin. »Jetzt bin ich an der Reihe.«

Fassin seufzte. »Na schön.«

»Suchst du wirklich nach Daten für eine Warptechnologie zum SAL-Antrieb? Obwohl du genau weißt, dass sie nicht existieren ?«

»Die Merkatoria glaubt, mit diesen Daten bessere Chancen zu haben, den Kampf gegen das E-5-Separat zu gewinnen. Die Leute sind verzweifelt. Sie würden alles versuchen. Und ganz gleich, wie ich über die Sache denke, ich muss mich an meine Befehle halten. Natürlich weiß ich, dass es einen eigenständigen SAL-Antrieb nicht gibt.«

»Wirst du diesen Befehlen auch jetzt noch gehorchen?«

Fassin dachte an Aun Liss, an die Bewohner von Hab 4409 und all die anderen, die er im Lauf der Jahre im Ulubis-System kennen gelernt hatte. »Ja«, sagte er.

»Und warum?« Setstyin klang ehrlich verwirrt. »Deine Familie und deine Kollegen aus dem Seher-Sept sind fast alle tot, deine unmittelbare militärische Vorgesetzte ist in der Schlacht gefallen, und es gibt weit und breit niemanden, der ihre Stelle einnehmen könnte.«