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… Nein … beschreiben …

Schön. Es ist ein Bild von weißen Wolken an einem blauen Himmel.

… Passt …

Dann kannst du es mir sagen ? Wo Leisicrofe ist?

… Fort …

Wann ist er fortgegangen ?

… Zeit messen wie …?

Standardsystem?

… Bekannt … Wesen Leisicrofe ging vor 7, 35 x 108 Sekunden …

Fassin rechnete nach. Etwa zwanzig Jahre.

Er war in die Randzonen des Wölker-Bewusstseins eingebettet. Das Gasschiffchen ruhte sanft zwischen zwei breiten Gassträngen, die ein klein wenig wärmer waren als das Weltall mit seinen eisigen Temperaturen. Im Grunde befand er sich auf einem Trip und hatte angehalten, um mit einem Wesen zu sprechen, neben dem ein stark zeitverlangsamter Dweller ein Geschwindigkeitsfreak gewesen wäre. Wölker dachten überdurchschnittlich langsam.

Ein Signal von außen, von der Velpin. Er sendete dem Wölker:

Wo ist Leisicrofe hingegangen?

Dann schaltete er auf normale Geschwindigkeit hoch.

»Brauchst du noch lange?«, fragte Y’sul. Es klang gereizt. »Meine Geduld mit diesem bilateralen Monomanen ist fast erschöpft. Du bist seit zehn Tagen weg, Fassin. was ist los? Bist du eingeschlafen?«

»Ich arbeite, so schnell ich kann. Für mich sind nur zwanzig oder dreißig Sekunden vergangen.«

»Du könntest einfach hier bleiben und mit normaler Geschwindigkeit denken. Dann könnten wir uns alle zusammen durch den Kopf gehen lassen, was dieses Gasgehirn zu sagen hat. wozu spielst du dich mit deinen Tripkünsten auf?«

»Nach deiner Methode kommt man nicht so leicht ins Gespräch. Ich will Respekt zeigen. Man holt mehr aus den Leuten heraus, wenn man …«

»Ja, ja, ja. Mach einfach weiter. Ich denke mir inzwischen neue Spiele aus, um diesen Schwachkopf mit seiner Persönlichkeitsspaltung zu beschäftigen. Rottere du nur davon und kommuniziere mit diesem Weltraumgemüse. Die wirklich schwere Arbeit bleibt wieder einmal an mir hängen. Jetzt tut es mir schon Leid, dass ich überhaupt mitgekommen bin. Wenn ich in meiner Abwesenheit noch mehr gute Kämpfe versäumt habe …« Seine Stimme verklang in der Ferne.

Fassin schaltete wieder auf extrem verlangsamte Zeit zurück. Der Wölker hatte noch nicht geantwortet.

Auf dem Rückweg von dem Wölker zur geheimen Wurmlochmündung flogen sie keine wahnwitzigen Spiralen. Zur Zerstreuung diente derselbe verschwommene, wenig zuverlässige Bildschirm, und auch die Türen zur Fahrgastkabine waren wieder versperrt, aber die wilde Rotation blieb aus. Fassin hatte Quercer & Janath gestattet, die Systeme seines Gasschiffs abzuschalten und es fernzusteuern. Diesmal verzichtete er darauf, das Schockgel wegzuwischen oder die Frontscheibe transparent zu machen, und versetzte sich stattdessen in Trance. Das fiel ihm nicht schwer, das Verfahren hatte viel Ähnlichkeit mit der Umstellung auf verlangsamte Zeit. Und auf diese Weise konnte er weder sehen noch hören, wie sich Y’sul darüber beschwerte, dass man ihn nur wegen einer harmlosen Reise durch den Weltraum schmählich k. o. schlug.

Diesmal steuerten sie Mavirouelo an – einen weiteren Ort, von dem Fassin noch nie gehört hatte. Laut Hoestruem war das Leisicrofes nächstes Ziel gewesen. Der Wölker hatte nicht gewusst, was sich hinter dem Namen verbarg, ein System, ein Planet, ein weiterer Wölker oder irgendetwas anderes. Quercer & Janath waren kurz verstummt, als sie den Namen hörten, und Fassins Sensoren hatten registriert, wie sie den primitiven galaktischen Atlas des Schiffes konsultierten. Dann hatten sie erklärt, den Ort zu kennen. Ein Planet im Achum-System. (Fassin oder zumindest die Speicher das Gasschiffs wussten von diesem System. Es war sogar durch ein eigenes Wurmloch angeschlossen, das von der Merkatoria kontrolliert wurde, aber Fassin nahm nicht an, dass sie es benützen würden.) Die Gesamtreisedauer sollte ›ein paar Tage‹ betragen.

Als Fassin in die Bewusstlosigkeit versank, kreisten seine Gedanken um die Schönheit des Wölkers. Das riesige Wesen, eine Million endlos langer, hauchdünner Lichtschals, nur ein Hauch von Materie und Schwerkraft, eigentlich fast nichts, aber insgesamt doch mit einer Masse von vielen Sonnensystemen, ließ sich durch das All treiben, aber nicht ohne Ziel, sondern auf einer vor Urzeiten festgelegten Route, die sich über Jahrmillionen erstreckte. Schubkraft und Steuerung erhielt es durch winzige Strömungen kalter Plasmen, die Kräfte kaum wahrnehmbarer Magnetfelder und das seufzerstarke Aus-und Einatmen interstellaren Materials. Äußerlich kalt und tot und dennoch ein lebendes, denkendes Wesen. Und im rechten Licht betrachtet auch schön. Auf den entsprechenden Wellenlängen war es von einer unendlichen Erhabenheit …

Saluus stand auf einem Balkon aus Eis und Metall und betrachtete die Aussicht. Der Atem gefror ihm vor dem Mund zu einer Nebelwolke.

Die Klausur der Justitiarität lag, teils ins Eis eingebettet, teils daraus geformt, in dem gefrorenen Wasserfall Hosennir, einer vierhundert Meter hohen, einen Kilometer breiten Eisklippe. Hier stürzte sich der Fluss Doaroe von der semi-arktischen Hochebene zu den Tundren und Ebenen hinab. Die Wintersonne stand tief am Himmel und tauchte, ein großartiges Schauspiel, Sepektes Wolken in sattes Rot und Violett, spendete aber viel zu wenig Wärme, um das Eis schmelzen zu lassen.

Sepekte taumelte langsam und nicht besonders stark auf seinem Orbit dahin. Die Polarkreise, wo die Sonne mitten im Sommer niemals unter-oder in den Tiefen des Winters niemals aufging, hatten einen Durchmesser von weniger als tausend Kilometern. Offiziell war der Planet nach menschlichen Normen als heiß bis gemäßigt eingestuft, seine Winter waren länger, aber nicht so hart wie auf der Erde und beschränkten sich in ihrer strengsten Form auf kleinere Gebiete als auf dem Heimatplaneten der Menschheit. Aber der Hoisennir-Wasserfall lag weit im Norden und hoch oben in den Bergen des Arktisschilds, so dass der Doaroe bisweilen über ganze Standardjahre bis auf den Grund gefroren war.

Man sprach von einer Klausur, weil die Anlage der Justitiarität gehörte, aber für Saluus war es einfach ein Hotel mit Tagungszentrum. Die Aussicht war jedenfalls grandios, vorausgesetzt, es gab genügend Tageslicht, um sie auch richtig zu genießen, und die Landschaft hatte, wie Saluus gerne zugab, einen gewissen herben Reiz.

Dennoch war er nicht gern hier. Er fühlte sich nicht wohl, wenn er einen Ort nicht jederzeit verlassen konnte – notfalls zu Fuß, wenn es zum Schlimmsten kam. Wer hier wegwollte, brauchte ein Lufttaxi oder musste mit dem Aufzug im Innern des gefrorenen Wasserfalls hinauf zum Landeplatz auf dem Eis des gefrorenen Flusses oder hinunter zur Vakuumbahnstation am Ufer des gefrorenen Sees am Fuß der Klippe fahren. Als er hörte, wo die Konferenz über die Dweller-Abordnung stattfinden sollte – man hatte sie aus Sicherheitsgründen sehr kurzfristig anberaumt – hatte er eigens ein Parasegel eingepackt, nur um im Notfall ein Hintertürchen zu haben.

Dabei war er ziemlich sicher, dass ein solcher Notfall nicht eintreten würde – und wenn doch, dann wäre die Katastrophe so groß und käme so plötzlich, dass eine Flucht nicht mehr möglich wäre –, aber mit dem Parasegel neben dem Balkonfenster seines Schlafzimmers fühlte er sich wohler und sicherer. Die anderen prominenten Konferenzteilnehmer hatten zumeist Suiten tief im Innern des Wasserfalls gewählt, möglichst weit weg von allen Gefahren von außen, aber Saluus hatte auf einer Außensuite mit Aussicht bestanden, um einen Fluchtweg zu haben. Er war seit Jahrzehnten nicht mehr mit dem Parasegel geflogen, aber er wollte lieber Kopf und Kragen riskieren, als sich wimmernd in einer Ecke seiner Suite zusammenzukauern und auf den Tod zu warten.

Manchmal fragte er sich, wieso ihn dieser Wunsch nach einer Fluchtmöglichkeit so hartnäckig verfolgte. Er war weder damit zur Welt gekommen, noch konnte er ein traumatisches Kindheitserlebnis dafür verantwortlich machen. Der Gedanke hatte sich im Laufe seines Erwachsenenlebens allmählich eingeschlichen. So etwas gab es manchmal. Er hatte sich bisher auch nicht die Zeit genommen, eingehender darüber nachzudenken.