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Er suchte immer noch nach einer Möglichkeit, die Velpin in seine Gewalt zu bringen, aber ohne große Hoffnung auf Erfolg. Das Problem des Zugangs zu den geheimen Wurmlöchern bliebe ja bestehen. wenn er wenigstens einen Weg fände, während dieser wilden Übergänge wach zu bleiben, wäre das schon ein Anfang, aber auch hier war er völlig ratlos.

Vielleicht wäre es möglich, wenn er mit einem Zeitsprung zu Apsile in die Gemeinschaftsanlage auf Third Fury zurückkehren könnte, um den Meistertechniker zu bitten, in das Gasschiff einen Satz von Untersystemen einzubauen, die auch dann noch arbeiteten, wenn die Hauptsysteme abgeschaltet wurden. Es müsste so aussehen, als hätte die Maschine alle Funktionen lahm gelegt, während er in Wirklichkeit noch an die Sensoren angeschlossen und bei Bewusstsein war. Aber nicht einmal die Dweller behaupteten, eine Zeitmaschine zu besitzen, und Fassin fehlten die nötigen Fachkenntnisse, um solche Einbauten an seinem Gasschiffchen selbst vorzunehmen, von der Zeit und den erforderlichen Werkzeugen ganz zu schweigen.

Vielleicht wäre es besser gewesen, zur Merkatoria zurückzukehren. Ein richtiger Major der Ocula hätte den Rückzug angetreten, um sich bei seinen Vorgesetzten zu melden, ihnen über das Geschehen Bericht zu erstatten und auf neue Befehle oder eine Wiederholung der alten zu warten. Aber ihm hatte die Ocula nie etwas bedeutet, und fast alles, was ihm einmal wichtig gewesen war, hatte sich inzwischen in nichts aufgelöst.

Er hätte sogar versuchen können, Verbindung zu den Beyondern aufzunehmen, aber wozu sollte das gut sein, solange er den Schlüssel zur Dweller-Liste nicht hatte? Und außerdem  – angenommen sie wären für den Anschlag auf seinen Sept verantwortlich, wenn auch nur indirekt? Wie viel Großmut wollte er walten lassen?

Hatte eine Rückkehr denn überhaupt noch einen Sinn? Siebzig Standardtage waren vergangen, seit Fassin zum ersten Mal in Nasquerons Atmosphäre eingetaucht war. Und die Schlacht im Sturm lag nach der Zeitrechnung der alten Erde mehr als einen Monat zurück. Wer wusste, wie lange er noch nach Leisicrofe suchen musste? Vielleicht musste er ihm durch die ganze Galaxis nachjagen, um ihm immer näher zu kommen, ohne ihn jemals einzuholen? Vielleicht würde er seine kostbaren Daten irgendwann erhalten, nur um bei der Rückkehr festzustellen, dass er zu spät kam, dass das Ulubis-System erobert oder völlig verwüstet war wie Third Fury, wo es nur geschmolzene und erkaltete Schlacke gab, zerstört von einer oder beiden Seiten in einem Kampf um etwas, das gar nicht mehr vorhanden war.

An sich müssten diese Daten immer noch die wichtigste Information sein, die je ein Mensch in Händen gehalten hatte. Aber selbst wenn der Schlüssel zur Dweller-Liste existierte, angesichts der Tatsache, dass Dweller dieses geheime Netzwerk seit Jahrmillionen vor der Nase der ganzen übrigen Galaxis benützen konnten – und das seit wer weiß wie vielen Milliarden Jahren auch taten –, wurde es sehr viel weniger wahrscheinlich, dass ein paar Daten oder ein algebraischer Beweis einen entscheidenden Einfluss haben sollten.

Trotz allem, was sollte er tun? Er konnte sich nichts anderes vorstellen, als weiter nach diesem Schlüssel zu suchen, auf den alle so versessen waren, in der Hoffnung, damit irgendetwas zu erreichen.

Fassin atmete ein und schmeckte Salz auf der Zunge.

Er bezweifelte nicht länger, dass diese Welt real war. wenn es sich um eine virtuelle Umgebung handelte, dann war sie so gut gemacht, dass es keine Schande wäre, sich täuschen zu lassen. Eine solch wilde, sturmumtoste Küste gab es im ganzen Ulubis-System nicht. Und die Sterne sahen auch hier wieder vollkommen anders aus.

Etwas erregte seine Aufmerksamkeit. Wenige Kilometer vor der Küste tauchte eine große flache Kuppel aus dem Meer, eine riesige, schwarze Hemisphäre mit Schaumflecken, von der das Wasser nach allen Seiten abfloss. Das Ding schoss aus der Tiefe empor wie ein Torpedo, der nicht explodierte. Es wurde immer größer und höher und ließ eine mächtige Wellenfront entstehen, die langsam auf die Klippen zuwogte. Endlich löste sich die Erscheinung – eine Doppeluntertasse von zwei Kilometern Durchmesser – vollends aus dem Meer und näherte sich langsam dem Strand. von ihrer Unterseite floss das Salzwasser in Strömen auf die überschattete Meeresoberfläche hinab und glättete die Wogen.

Y’sul schwebte heran und wies mit einem Nicken zu dem seltsamen Ding hin. »Wir werden abgeholt.«

Sie schwammen ins Innere der großen Untertasse und richteten sich auf. Sie befanden sich in einem Kristallsaal, der zur Hälfte mit Wasser gefüllt war.

Aumapile von Aumapile, ein fetter Aal, so groß wie ein Orca, mit einem mächtigen eingeklappten Fächersegel auf dem Rücken, schwamm in den Fluten. Fassin stand auf einem breiten Sims, das noch glitschig war vom Salzwasser, und Y’sul und der Vollzwilling Quercer & Janath – die Neugier hatte ihn schließlich doch heruntergetrieben, er trug an Stelle eines Schutzanzugs einen unförmigen Doppeloverall aus glänzendem Material  – schwebten über dem großen See in der Luft. Die Szene erinnerte Fassin an das Herbsthaus und an Slovius in seinem Becken.

Aumapile von Aumapile – beziehungsweise der Aumapile von Aumapile, so hatte ihn jedenfalls der Diener vorgestellt, der die Menschen und die Dweller in einer Luftkammer im Innern einer Diamantblase durch eine breite, wassergefüllte Röhre zum Audienzraum geleitet hatte – war nicht nur ein zu Recht berühmter Cincturier-Forscher, er war ein unermesslich reicher, zu Recht berühmter Cincturier-Forscher.

Aus einem Unterwasser-Lautsprechersystem drang ein hohes Trällern, das nicht enden wollte. vielleicht ein ›Gesang zur Begrüßung von Gästen aus fernen Landen‹.

»Ein Gesang, bei dem man sofort wieder dahin zurückkehren möchte, wo man hergekommen ist«, hatte Y’sul geflüstert, als man ihnen einen halbwegs annehmbaren Ersatz für Getränke und Inhalate servierte.

Sie sprachen von Leisicrofe. ihr Gastgeber erklärte ihnen mit Hilfe eines kleinen schwebenden Kugellautsprechers, sie hätten ihn um einige Jahre verpasst, worauf Y’sul erwähnte, sie wollten ihm folgen.

»Oh«, sagte der Sceuri, »aber dann müsst ihr mich mitnehmen.«

»Müssen wir?«

»Ich weiß doch, wohin er gegangen ist«, sagte der Sceuri, als sei damit alles erklärt.

»Könntest du uns das nicht einfach sagen?«, fragte Y’sul kleinlaut.

»Drehe uns einfach in die richtige Richtung.«

»Und schon sind wir weg.«

Der Sceuri zappelte in dem großen Becken, dass das Wasser überschwappte. Ein Lachen. Aus dem Schwebelautsprecher gluckste es leise. »Oh, das könnte ich schon, aber ich hatte immer den Eindruck, mein Freund Leisicrofe sei noch weiter herumgekommen als ich, besonders in den Gasen von Nhouaste. Da ihr nicht durch das Wurmloch-Portal gekommen seid und auch er es bei der Abreise nicht benützt hat, könnte das nämlich euer Ziel sein. versteht ihr? Ich habe meine Quellen. Ich weiß, was vorgeht. Ihr könnt mich nicht täuschen. Ich bin nicht so dumm. ihr werdet mit eurem Freund, dem kleinen Verschwender, nach Nhouaste zurückkehren.«

»Wohl kaum«, schnaubte der Expeditionscaptain …

Mit dem kleinen Verschwender war Fassin gemeint. Die Sceuri waren sehr stolz darauf, trotz vieler Hindernisse eine fortgeschrittene Technologie entwickelt und es bis zur Raumfahrt gebracht zu haben. auf einer klassischen Wasserwelt gab es kaum Metalle, die leicht abzubauen waren. was eine solche Welt an metallhaltigen Erzen besaß, war im Allgemeinen unerreichbar unter dickem Eis tief im Felskern des Planeten eingeschlossen. Wasserweltbewohner mussten mit dem auskommen, was an Metall in Form von Meteoriten vom Himmel fiel. In dieser Hinsicht hatten sie einen ähnlichen Werdegang hinter sich wie die Gasriesen-Dweller.