Выбрать главу

Sie befanden sich in Slynes Kabine, einem beeindruckenden Raum mit antiken Möbeln und flackernden Bildschirmen an den Wänden. An der Decke hingen alte Waffen: Pistolen, Blasterrohre und Armbrüste schwangen gemächlich hin und her, als sich die Poaflias mit halber Kraft von Valseirs altem Haus entfernte. Fassin hatte Hatherence zwar gesagt, wohin sie tatsächlich wollten, aber bisher nicht, warum.

Slyne kippte nach vorne, als wollte er umfallen, und kratzte sich weiter den Flossensaum. »Ich denke schon. Aber dann müsste ich jetzt einen anderen Kurs setzen.«

»Hat das nicht noch ein wenig Zeit?«, fragte Fassin. Sie waren erst eine halbe Stunde vom Blasenhaus entfernt. »Aber man könnte auf volle Kraft gehen.«

»Muss ich sowieso, wenn wir den Sturm rechtzeitig erreichen wollen.« Slyne drehte sich um und machte sich an einem Holowürfel zu schaffen, der über dem ringförmigen Tisch schwebte. Vor ihm leuchtete der größte Bildschirm auf, eine Karte des Raumabschnitts erschien und füllte sich rasch mit sanft geschwungenen Linien und abrollenden Zahlen. Slyne sah sich das Display eine Weile aufmerksam an, dann verkündete er: »Bei voller Kraft können wir in achtzehn Tagen dort sein. Mein bestes Angebot.« Slyne packte einen großen, blank polierten Griff, der unübersehbar aus dem Tisch ragte, und drückte ihn lustvoll, wenn auch etwas verlegen, bis zum Anschlag nach hinten. Das Geräusch der Triebwerke veränderte sich, und das Schiff begann allmählich zu beschleunigen.

»Wir könnten Verbindung zu Munueyn aufnehmen und ein schnelleres Schiff chartern«, schlug Y’sul vor.»Wir vereinbaren einen Treffpunkt mit der Poaflias, der auf unserem Weg liegt, und wechseln über.«

Slyne schaukelte nach hinten und starrte den älteren Dweller an. Die Muster auf seiner Signalhaut sprachen von tiefer Enttäuschung und heller Empörung.

»Achtzehn Tage sollten genügen, Captain«, beschwichtigte ihn Fassin. »Ich glaube kaum, dass wir bereits beim Start des Turniers anwesend sein müssen.«

»Wie lange dauern solche Wettbewerbe denn im Allgemeinen ?«, fragte Hatherence.

Slyne riss den Blick von Y’sul los, der den Gleichgültigen spielte, und antwortete: »Gewöhnlich zehn bis zwölf Tage. Diesmal wird man das Turnier wegen des Krieges vielleicht ein wenig abkürzen. Aber wir kommen noch zurecht, um das meiste mitzuerleben.«

»Gut«, sagte Fassin. »Bleib bitte noch eine halbe Stunde auf dem jetzigen Kurs, Captain. Danach kannst du abwenden und auf den Sturm zuhalten.«

Slyne hatte sich wieder halbwegs gefasst. »Schon so gut wie erledigt.«

Slyne nützte den WindFluss, ein kurzlebiges Band von noch schnellerer Strömung innerhalb des breiten Jetstreams der gesamten Rotationszone, und sie kamen gut voran. Zweimal wurden sie von Kriegsschiffen angehalten, durften dann aber ihren Weg fortsetzen. Sie schlüpften durch ein Minennetz, das wie eine Decke aus schwarzer, mit Sprengköpfen durchsetzter Spitze über den Himmel gebreitet war. Ein Panzerkreuzerfänger, versicherte ihnen Slyne. Ihnen könnte er nichts anhaben. Sie hätten, ach, zwanzig bis dreißig Meter Spielraum auf jeder Seite.

Der Schraubenbrecher Poaflias schaffte es, in sechzehn Tagen die Unterseite des Sturms mit Namen Ultraviolett 3667 zu erreichen. Sie trafen ziemlich genau zum Beginn der Regatta dort ein.

»Alles anschnallen! Könnte etwas unruhig werden!«, brüllte Y’sul und wiederholte die Warnung als Signal, für den Fall dass die anderen sie nicht gehört hätten.

Fassin und Hatherence waren auf dem Weg an Deck gewesen, als die Poaflias mehr als üblich zu bocken und zu rollen anfing. Das Gas war hier noch dunkler als um Valseirs Haus, wenn auch weniger dicht und heiß, und es pfiff förmlich durch die kümmerlichen Reste der Takelage. Bänder und Streifen, die sich eben noch um das ganze Schiff geringelt hatten, wurden fortgerissen, als sich die Poaflias in die nächste brodelnde Wolkenmasse stürzte.

Der Mensch und die Oerileithe befanden sich noch unter dem Dach des Niedergangs, wo es halbwegs ruhig war. Sie wechselten einen kurzen Blick, dann streiften sie rasch die primitiv aussehenden Geschirre über. Das Gurtwerk des Colonels passte gut über den Schutzanzug. Bei Fassin hielt es zwar, sah aber nicht sehr ordentlich aus, es war nicht für seine Alien-Gestalt gemacht. Slyne hatte verlangt, dass jeder die Dinger trug, der an Deck kam, solange die Poaflias in voller Fahrt war, obwohl sowohl Hatherence wie auch Fassin – sollten sie wider Erwarten davongeweht werden – das Schiff mit ihrem eigenen Antrieb leicht hätten einholen können.

»Was ist denn los?«, rief Hatherence, als sie sich Y’sul näherten, der sich neben der Harpunenkanone am Bug an die Reling klammerte.

»Wir schießen in den Sturm ein!«, brüllte Y’sul zurück.

»Hört sich gefährlich an!«, schrie Hatherence.

»Und ob!«

»Und was heißt es nun genau?«

»Wir fliegen durch die Sturmwand«, rief Y’sul. »Dazu müssen wir die Randwinde überwinden. Sollte ein ordentliches Spektakel werden!« Hinter den Gasfetzen, durch die sich das Schiff seinen Weg bahnte, tauchte eine mächtige dunkle Mauer aus wirbelnden, reißenden Wolkenmassen auf. Grelle Blitze zuckten wie Quecksilberadern durch die mächtige Klippe.

Auf diese Mauer, die sich nach den Seiten und nach oben erstreckte, so weit das Auge reichte, rasten sie in voller Fahrt zu. Unter ihnen brodelte eine unruhige Masse aus noch dunklerem Gas wie Suppe in einem Kessel. Der Wind wurde stärker und spielte auf den Relingen, dem Takelwerk und den Antennen wie auf einem gewaltigen Instrument. Die ganze Poaflias vibrierte und summte.

»Schätze, es wird Zeit, nach unten zu gehen«, rief Hatherence.

Eine Julmicker-Blase – offenbar die letzte, die noch übrig war – wurde von der Reling gerissen, traf Y’sul, schleuderte ihn nach Steuerbord und verschwand im heulenden Sturm. »Schon möglich«, pflichtete Y’sul ihr bei. »Nach Ihnen.«

Sie drängten sich mit Slyne mittschiffs auf dem gepanzerten Sturmdeck unter eine dicke Diamantblase und beobachteten von dort, wie sich die Poaflias mit der Nase in den Sturm bohrte wie ein Torpedo, der in einen horizontal daherkommenden Tintenwasserfall geschossen wurde. Das Schiff ächzte in allen Fugen und begann, sich um sich selbst zu drehen. Alle wurden gegeneinander geworfen. Die Poaflias verschwand hüpfend und schwankend wie ein Dweller-kind am Ende einer Harpunenleine in der schwarzen Mauer.

Slyne stieß einen Jubelschrei aus, zog an verschiedenen Hebeln und drehte an Rädern. Seine Haus-kinder drückten sich wimmernd an die Wände des ovalen Raumes.

»Muss das den wirklich sein?«, wandte sich Fassin an Y’sul.

»Ich bezweifle es!«, sagte der Dweller. Auf einer großen Tafel über Slyne leuchteten erste Lichter auf. In der Dunkelheit wirkten sie besonders hell.

Hatherence deutete darauf. Dutzende von weiteren Lichtern begannen zu blinken. »Was ist das?«

»Schadensanzeigen!«, erklärte Slyne, der weiter Hebel betätigte und an Rädern drehte. Das Schiff sackte jäh ab. alle wurden an die Decke geschleudert und stürzten wieder zurück.

»Das dachte ich mir«, sagte Hatherence. Das Schiff machte eine heftige Wendung. Sie wurde gegen Fassin geschleudert und entschuldigte sich.

Als die blinkenden Lichter zu aufdringlich wurden, schaltete Slyne die Tafel einfach ab.

Während der schlimmsten Turbulenzen warf sich eines von Slynes Haus-kindern auf seinen Herrn und musste weggerissen und bewusstlos geschlagen werden, bevor man es in ein Gepäckfach werfen konnte. Niemand wusste, ob es verzweifelt Schutz gesucht hatte oder ihn angreifen wollte.

Y’sul wurde übel. Fassin hatte noch nie gesehen, wie sich ein Dweller übergab. Er klebte wieder an der Decke, bedeckt mit einer Schicht von schleimigem Erbrochenem. Slyne bemühte sich fluchend, die Kontrolle über die Steuerung zu behalten. Auf allen Seiten heulten seine Haus-kinder. Jemand murmelte: »Scheiße, jetzt müssen wir alle sterben.« Hinterher wollte es niemand gewesen sein.