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»Ich hatte gestern eine ausführliche Unterredung mit Amanda. Sie wird während des Flugs ein braves Mädchen sein. Kein Schlafzimmerblick. Keine knappen Uniformen. Sie hat versprochen, sich zu benehmen.«

Pancho war konsterniert. Diese falsche Schlange hat kein Wort davon gesagt, dass sie mit dem Boss sprechen will.

»Sie wird sich streng professionell verhalten. Sie hat's versprochen.«

»Ich weiß nicht, ob sie über ihren Schatten zu springen vermag«, sagte Pancho.

»Sie meinen, ich sollte sie von der Mission entbinden?«

»Nein, ich meine, Sie sollten mich davon entbinden«, stieß Pancho hervor.

»Sie? Wieso denn das?«

Tu's nicht!, schrie sie sich stumm an. Binde ihm das nicht auf die Nase. Er wird dich hochkant rauswerfen und dafür sorgen, dass du nie mehr eine Stelle bekommst. Aber er vertraut mir. Ich bin der Dreh- und Angelpunkt seiner ganzen Welt, weil er mir die Durchführung des Auftrags zutraut — im Gegensatz zum Personalbüro.

»Wieso sollte ich Sie von der Mission entbinden?«, hakte Randolph nach.

»Martin Humphries hat mir den Auftrag erteilt, gegen Sie zu spionieren«, sagte Pancho und schalt sich einen Narren.

»Ach, hat er das?«, ertönte Randolphs Stimme in der sternenklaren Nacht. Er klang viel ruhiger, als sie erwartet hätte. »Wann war das denn?«

»Vor über einem halben Jahr«, sagte Pancho. Sie hatte Mühe, die Worte hervorzubringen. »Als ich zum letzten Mal in Selene war.«

Randolph nahm das schweigend zur Kenntnis und setzte die Wanderung am Seedamm fort. Pancho ging neben ihm her. Sie lauschte dem Seufzen des Winds, dem Rauschen der Brandung und wartete darauf, dass er explodierte, zornig knurrte oder irgendwie reagierte.

Schließlich stieß er ein Lachen aus. Es war kein lautes, fröhliches Lachen. Nur ein leises, zynisches Keckern. »Ich wusste wohl, dass der Hundesohn versuchen würde, Schnüffler bei mir einzuschleusen, aber ich hätte es nie für möglich gehalten, dass er Sie anheuern würde.«

»Sie können mich feuern, wenn Sie wollen.«

»Was hat er Ihnen denn angeboten?«

»Geld.«

»Ist das alles, worauf Sie aus sind?«

Pancho zögerte für einen kurzen Moment. »Ich habe… eine Familie, um die ich mich kümmern muss.«

»Ja, ich weiß — Ihre Schwester.«

»Woher wissen Sie das?«

»Wie gesagt, ich habe Sie gründlich durchleuchtet. Ich weiß von Ihrer Schwester.«

»Nun…« Pancho musste erst einmal durchatmen, bevor sie weiter zu sprechen vermochte. »Sie hätten allen Grund, mich zu feuern«, sagte sie und wunderte sich darüber, wie schwer es ihr gefallen war, diese Worte auszusprechen.

»Welchen denn?« Randolphs Verwirrung wirkte durchaus echt.

»Weil ich Sie ausspionieren soll.«

»Das geht schon in Ordnung. Kein Grund zur Panik, Mädchen. Tun Sie sich keinen Zwang an und spionieren Sie nach Herzenslust. Ich wusste, dass er Astro mit ein paar Spionen infiltriert hatte. Trotzdem bin ich froh, dass Sie es mir gesagt haben. Ich weiß Ihre Aufrichtigkeit und Loyalität zu schätzen.«

»Aber…«

»Nein, nein, es ist schon in Ordnung«, sagte Randolph in einem fast heiteren Ton. »Sie machen weiter wie gehabt und berichten ihm über Ihre Tätigkeit. Ich werde es Ihnen sogar noch einfacher machen. Ich werde Sie und Amanda nach Selene versetzen. Dort lebt dieser Hundesohn doch, nicht wahr?«

»Ja, ich glaube schon.«

»Gut«, sagte Randolph. »Ich sollte eigentlich selbst dorthin gehen. Es ist dort viel gesünder für mich als hier, das steht schon mal fest.«

»Gesünder?«

»Klimatisiert. Gereinigte Luft. Dort muss ich mir keine Filter in die Nasenlöcher stöpseln.«

Bevor Pancho zu fragen vermochte, wozu Randolph überhaupt Nasenstopfen brauchte, fasste er sie an den Schultern und drehte sie sanft herum, so dass sie in den nächtlichen Himmel schaute. Hinter den vorbeiziehenden Wolken stand der Halbmond, und der helle Lichtpunkt von Selene leuchtete am Terminator, der Grenze zwischen Tag und Nacht.

»Dort werden Sie hinfliegen, Mädchen. Nach Selene.«

Pancho fragte sich, ob Randolph wirklich so begeistert war von ihrem Geständnis oder ob er sie nur in den entlegensten Winkel verbannte, den er zu finden vermochte.

Selene

Diesmal hatte Pancho keine Schwierigkeiten, durch den Zoll zu kommen. Derselbe Inspektor führte eine stichprobenartige Kontrolle ihrer Reisetaschen durch und zuckte nicht einmal mit der Wimper, als er der Mäuse im versiegelten Kunststoff-Käfig ansichtig wurde.

Dafür fiel die Kontrolle bei Amanda um so gründlicher aus. Vergrätzt sah Pancho, wie der Inspektor Amandas Reisetasche ausgiebig unter die Lupe nahm. Abwechselnd grinste er Mandy an und errötete beim Anblick ihrer Spitzenunterwäsche.

Er würde sie auch noch einer Leibesvisitation unterziehen, wenn sie ihm nur den geringsten Anlass dazu lieferte, sagte Pancho sich und schäumte innerlich vor Wut.

Mandy stand an der anderen Seite des Tisches und schaute mit großen Augen unschuldig drein, wobei sie zugleich nervös plapperte.

«Ich weiß nicht, wieso man immer mein Gepäck durchsucht, Pancho. Ich weiß es wirklich nicht. Man sollte doch meinen, dass man mich ohne dieses ganze Brimborium durchließe — so oft, wie wir schon nach Selene gekommen sind.«

»Mein Gepäck hat er auch kontrolliert, Mandy«, erwiderte Pancho spitz.

»Ja, aber er hat nicht deine Unterwäsche durchwühlt.«

»Deine ist auch viel reizvoller als meine«, sagte Pancho mit einem verkniffenen Grinsen.

Der Inspektor hielt den Kopf gesenkt, während er mit Fleiß und Hingabe Amandas einziges Gepäckstück durchsuchte. Pancho sah aber, dass sein Nacken puterrot angelaufen war.

»Alle anderen Passagiere sind schon abgefertigt worden«, bemerkte Amanda. »Wir sind die Letzten.«

»Die anderen Leute sind entweder mit einem langfristigen Arbeitsvertrag oder als Touristen eingereist. Wir kommen aber alle naselang her. Wäre ja möglich, dass wir Schmuggler sind.«

»Schmuggler?«, fragte Amanda schockiert. »Wir? Ich?«

Pancho beugte sich über den Tisch und tippte dem Inspektor auf die Schulter. »Stimmt's oder hab ich Recht? Wonach suchen Sie denn, nach Dope, eingeschmuggeltem Saatgut oder Flaschen mit irdischer Luft?«

Der Inspektor nuschelte etwas in den Bart.

Endlich beendete er die Kontrolle und schob Amanda die Reisetasche zu.

»Das war's, Ms. Cunningham. Tut mir Leid, dass ich Sie so lange aufgehalten habe. Aber ich tue nur meine Arbeit.«

Amanda bedankte sich höflich, zog den Reißverschluss der Tasche zu und hängte sie sich über die Schulter. Pancho sah, dass der Inspektor nicht umhin konnte, auf Mandys ausladende Brust zu schauen. Selbst in einem Standard-Fliegeranzug sah sie noch sexy aus.

Der Inspektor nahm sichtlich allen Mut zusammen und sagte: »Ähem… Ms. Cunningham… dürfte ich Sie irgendwann zum Essen ausführen, solange Sie hier sind?« Er setzte ein schmieriges Lächeln auf. »Um Sie… äh… für die ganzen Unannehmlichkeiten zu entschädigen.«

Mandy lächelte ihn voller Liebreiz an. »Das wäre wirklich nett. Rufen Sie mich doch an, ja?«

»Das werde ich ganz bestimmt.«

Pancho kochte vor Wut, als sie und Amanda die Zollstation verließen und sich einem der Elektrofahrzeuge näherten, die Neuankömmlinge vom Raumhafen durch den Tunnel in die Stadt brachten. Er hatte mich zum Essen eingeladen, als ich allein war, aber jetzt hat er mich keines Blickes gewürdigt. Selbst wenn ich den Eiffelturm unterm Arm gehabt hätte, er hätte keine Notiz von mir genommen.

Der Anrufbeantworter blinkte, als sie in der gemeinsamen Unterkunft eintrafen. Als Pancho vor sechs Jahren erstmals im Auftrag von Astro Manufacturing zum Mond geflogen war, hatten die Piloten auf der Dienstreise noch Privatquartiere bekommen. Das war einmal. Sie hatten schon auf La Guaira das Gerücht gehört, dass Randolph einen Wohnheimtrakt für die Raumschiff-Piloten und Besatzungen mieten wollte.