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Wieso feuert er uns nicht gleich alle?, fragte Pancho sich. Wenn Randolph einen Blick für die Realitäten hatte, würde er die IAA davon zu überzeugen versuchen, diese blöden Bestimmungen abzuschaffen, wonach menschliche Besatzungen an Bord von Raumschiffen sein mussten.

Toll, gab sie sich selbst die Antwort. Was willst du dann machen? Dir eine Stelle als Missions-Controller suchen? Nur dass die sehr dünn gesät sind.

Als sie die Tür zum Apartment öffneten, sahen sie das Telefon blinken, das auf dem Nachttisch zwischen den beiden Betten stand. Amanda ließ die Tasche auf den Boden fallen; sie kam mit einem sachten Mond-Plumps auf. Mandy legte sich aufs Bett und hielt das Telefon ans Ohr.

Mit einem überraschten Gesichtsausdruck reichte Mandy das Telefon an Pancho weiter. »Es ist für dich«, sagte sie, als ob sie es nicht so recht glauben wollte.

Pancho nahm das Gerät und sah auf dem kleinen Display, dass es sich beim Anrufer um Martin Humphries handelte. Anstatt die Mithörfunktion zu aktivieren, hielt Pancho sich das Telefon ans Ohr.

»Pancho, sind Sie das?«, ertönte Humphries' Stimme. Er klang verärgert. »Sie befinden sich außerhalb des Kamera-Erfassungsbereichs.«

Sie stellte sich zwischen die Betten und schwenkte die Basisstation des Telefons. »Ich bin's«, sagte sie und setzte sich auf das freie Bett.

»Ich habe gehört, Randolph hätte Sie hierher geschickt«, sagte Humphries. »Aber ich musste es aus einer anderen Quelle erfahren. Ich habe seit Monaten keinen Pieps mehr von Ihnen gehört.«

»Aber jetzt bin ich ja hier«, sagte Pancho mit einem Blick auf Mandy, die sie voller Neugier anschaute.

»Wer ist denn zuerst ans Telefon gegangen? Sie sind nicht allein, stimmt's?«

»Nee, ich bin mit Mandy Cunningham hier.«

»Sie ist auch eine Astro-Mitarbeiterin?«

»Das ist richtig.«

Mandy versuchte einen Blick auf Humphries' Gesicht zu erhaschen, aber Pancho drehte das Telefon von ihr weg.

»Egal, ich muss mit Ihnen sprechen. Ich bezahle Sie für Informationen, aber bisher haben Sie den großen Schweiger markiert.«

Pancho setzte ein Lächeln auf. »Ich würde Sie auch gern sehen. Ich habe Ihnen nämlich eine Menge zu erzählen.«

»In Ordnung, kommen Sie sofort runter«, sagte Humphries schroff.

»Sie wünschen, dass ich zum Abendessen erscheine?«, fragte Pancho freudig.

»Abendessen?« Humphries schaute auf die Uhr. »In Ordnung. In zwei Stunden.«

»Heute Abend?«, krähte Pancho. »Das passt ausgezeichnet. Ich werde um neunzehnhundert erscheinen. In Ordnung?«

»Sieben Uhr«, sagte Humphries. »Pünktlich.«

»Ich werde da sein.«

Pancho legte auf und sagte zu Amanda: »Ich gehe zuerst unter die Dusche, Mandy. Ich habe nämlich eine Verabredung zum Abendessen.«

Sprach's und ließ Mandy stehen, die ihr vor Erstaunen mit großen Augen nachschaute.

Martin Humphries schaltete das Telefon aus und streckte sich im Liegesessel aus. Vielleicht ist sie doch schlauer, als ich angenommen hatte. Sie hat sich nicht früher mit mir in Verbindung gesetzt, weil sie nicht auffliegen wollte. In Ordnung, das ist plausibel. Sie ist nur vorsichtig. Sie ist die ganze Zeit von Randolphs Leuten umgeben gewesen. Sie muss sogar mit jemandem das Zimmer teilen.

Humphries setzte ein zufriedenes Grinsen auf. Randolph steckt seine Leute schon in Doppelzimmer, um Geld zu sparen. Er hängt in den Seilen, und er glaubt, dass ich ihn vor dem Bankrott retten würde.

Er lachte laut. »Ich! Der Retter von Dan Randolph!«

Er kicherte noch immer, als er einen Anruf zu Nobuhiko Yamagata durchstellen ließ.

Allem Anschein nach befand der Vorstandsvorsitzende von Yamagata Industries sich in seinem Tokioter Büro. Durch das Fenster hinter Yamagata sah Humphries ein paar Baukräne und die filigranen Stahlträgerkonstruktionen im Bau befindlicher Hochhäuser. Der Wiederaufbau nach dem letzten Erdbeben. Sie täten gut daran, massiver zu bauen, sagte er sich grimmig. Viel massiver.

»Mr. Yamagata«, sagte Humphries und senkte den Kopf, um eine höfliche Verneigung zu imitieren. »Ich freue mich, dass Sie sich die Zeit für ein Gespräch mit mir nehmen.«

Er spielte mit dem Gedanken, Yamagatas Konterfei auf den Wandbildschirm zu legen, aber dadurch hätte der Japaner zu groß gewirkt. Er zog den kleineren Computerbildschirm vor.

»Mr. Humphries«, sagte Yamagata fast drei Sekunden später mit einem knappen Nicken. »Es ist mir immer ein Vergnügen, mit Ihnen zu plaudern.«

Verdammte Scheiße, sagte Humphries sich. Es ist bei diesen Japsen einfach nicht möglich, ohne Umschweife zum Thema zu kommen und zu sagen, was anliegt. Man muss erst für eine halbe Stunde höflich Konversation pflegen, ehe man zur Sache kommt.

Deshalb war er nicht schlecht erstaunt, als Yamagata ihm eröffnete: »Dan Randolph hat mir angeboten, in eine neue Unternehmung zu investieren.«

»Lassen Sie mich raten«, sagte Humphries. »Er will ein Fusionsraketen-System bauen.«

Wieder trat eine Pause ein, bis die Mikrowellen Tokio erreichten und zurückkamen. »Ja, um zum Asteroidengürtel zu fliegen und die dortigen Ressourcen zu erschließen.«

»Und was werden Sie ihm antworten?«

Yamagata hatte Humphries' Frage kaum vernommen, als ein Anflug von Verärgerung in seinem ansonsten ausdruckslosen Gesicht erschien.

»Ich werde ihm sagen müssen, dass Yamagata Industrie vollauf damit beschäftigt sei, die Städte wiederaufzubauen, die durch die Flutwellen und Erdbeben verwüstet wurden. Wir haben keinen finanziellen Spielraum für die Erschließung des Weltraums.«

»Gut«, sagte Humphries.

Yamagata erstarrte, als ob er in Stein gemeißelt wäre. »Es wird so geschehen, wie wir es vereinbart haben«, murmelte er schließlich.

»Sie würden ihm gern helfen, nicht wahr?«

Die Sekunden gerannen zu Minuten. »Er ist ein alter Freund«, sagte Yamagata schließlich.

»Früher waren Sie aber Konkurrenten.«

»Yamagata Industries betreibt keine Aktivitäten mehr im Weltraum«, sagte der Japaner langsam. »Wir stecken unsere gesamten Energien in terrestrische Entwicklungsprojekte.«

»Das habe ich vernommen.«

»Aber ich stimme Dan zu. Die Ressourcen des Alls wären von größter Bedeutung für unsere Wiederaufbauanstrengungen.«

»Der Ansicht bin ich auch.«

Yamagata schaute Humphries prüfend in die Augen, als ob er seine geheimsten Gedanken zu ergründen versuchte. »Wieso bestehen Sie dann darauf, dass ich ihm meine Hilfe versage?«

»Sie haben mich missverstanden«, sagte Humphries und machte ein Gesicht wie jemand, der zu Unrecht beschuldigt wird. »Ich will, dass Randolph Erfolg hat. Ich beabsichtige, seine Fusionsraketen-Unternehmung selbst zu finanzieren.«

»Ja, das habe ich verstanden«, sagte Yamagata, nachdem Humphries' Antwort ihn erreicht hatte. »Was ich aber nicht verstehe ist, wieso Sie mich gedrängt haben, Dan nicht zu helfen.«

»Wären Sie zu dieser Hilfeleistung überhaupt imstande, Ihre Bereitschaft einmal vorausgesetzt?«

Yamagata zögerte. »Ich könnte zwei Milliarden für ihn auftreiben«, sagte er schließlich.

»Ohne die Wiederaufbau-Projekte zu beeinträchtigen?«

Diesmal ließ der Japaner sich mit der Antwort länger Zeit. »Es würde zu… Engpässen kommen.«

»Wenn ich die Finanzierung übernehme, müssten Sie keinen Penny aus den laufenden Projekten abziehen.«

Yamagata schwieg für eine Weile. »Sie haben starken Druck auf die Banken ausgeübt«, sagte er dann, »um zu verhindern, dass ich Dan Randolph finanziere. Ich möchte den Grund dafür wissen.«

»Weil ich der gleichen Ansicht bin wie Sie«, erwiderte Humphries treuherzig, »dass Japan nämlich alle finanziellen Ressourcen und seine ganze Arbeitskraft in den Wiederaufbau ihrer Nation investieren sollte. Diese Unternehmung mit der Fusionsrakete ist sehr spekulativ. Angenommen, das Projekt scheitert? Das Geld wäre futsch.«