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Das scheint ihm aber nichts auszumachen, sagte Dan sich bei der Betrachtung von Stavengers Gesicht.

»Was auch immer sie für Sie getan haben«, sagte er, »Sie machen einen sehr gesunden — und glücklichen -Eindruck.«

Stavenger lachte leise. »Ich bin wohl der gesündeste Mensch im ganzen Sonnensystem.«

»Das glaube ich auch. Zu dumm, dass der Rest von uns sich keine Nanos injizieren lassen kann.«

»Das können Sie sehr wohl!«, entfuhr es Stavenger. »Aber Sie dürften dann nicht mehr zur Erde zurückkehren«, fügte er hinzu.

Dan nickte. »Wir dürfen Nanomaschinen nicht einmal unterstützend verwenden, um die Schäden durch Überflutungen und Erdbeben zu beheben. Sie sind verboten.«

Stavenger zuckte leicht die Achseln. »Im Grunde kann man ihnen auch keinen Vorwurf machen. Mehr als zehn Milliarden Menschen leben dort unten. Wie viele Irre und Möchtegern-Diktatoren mag es wohl unter ihnen geben?«

»Zu verdammt viele«, murmelte Dan.

»Dann werden Sie den Wiederaufbau ohne Nanotechnik bewältigen müssen. Leider. Wir dürfen nicht einmal mit Nanos gebaute Maschinen an die Erde verkaufen. Man befürchtet, dass die Maschinen irgendwie mit ihnen verseucht seien.«

»Ich weiß«, sagte Dan. Selene baute Raumschiffe aus purem Diamant, der mit Hilfe von Nanomaschinen aus Kohlenstoff gewonnen wurde. Aber sie durften sich der Erde nur bis auf den Radius der Raumstationen im niedrigen Orbit nähern. Absurd, sagte Dan sich. Nichts als ignoranter Aberglaube. Aber es war weltweit geltendes Gesetz.

Außerdem wurden so Arbeitsplätze auf der Erde geschaffen, wurde er sich bewusst. Die Raumschiffe, mit denen Astro von der Erde in den Orbit flog, waren im Prinzip auf die gleiche Art und Weise gebaut worden, wie Henry Ford sie gefertigt hätte — ganz ohne Nanotechnik. Typische Denkweise der Politiker, sagte Dan sich: Man beuge sich der lautstärksten Interessensgruppe, subventioniere veraltete Industrien und verschließe sich neuen Möglichkeiten. Der Treibhauseffekt hat die halbe industrielle Basis der Erde zerstört, und sie denken immer noch in den eingefahrenen Bahnen.

»Ich weiß, dass Sie das Kapital für die Entwicklung eines Fusionsantriebs aufzubringen versuchen«, sagte Stavenger und lehnte sich im Sessel zurück.

Dan grinste ihn verschmitzt an. »Sie sind gut informiert.«

»Dazu muss man kein Genie sein«, sagte Stavenger. »Sie haben Gespräche mit Yamagata und den meisten Großbanken geführt.«

»Und dem verdammten GEC.«

Stavenger runzelte die Stirn. »Und nun sprechen Sie mit mir.«

»Das ist richtig.«

»Was kann ich für Sie tun, Mr. Randolph?«

»Dan.«

»Also gut, Dan.«

»Sie können mir helfen, diese zehn Milliarden Menschen auf der Erde zu retten. Sie brauchen jede Hilfe, die sie kriegen können.«

Stavenger sagte nichts. Er saß nur mit ernster Miene da und wartete darauf, dass Dan weitersprach.

»Ich will den Asteroidengürtel erschließen«, sagte Dan. »Ich will die industrielle Basis der Erde nach Möglichkeit in den Orbit verlegen, und dazu brauchen wir die Ressourcen aus dem Gürtel.«

Stavenger seufzte. »Das ist ein schöner Traum. Ich hatte ihn auch einmal geträumt. Bis wir feststellten, dass die Kosten den Ertrag übersteigen.«

»Selene hat doch schon Raumschiffe zu den NEA's geschickt«, gab Dan zu bedenken.

»Schon seit Jahren nicht mehr, Dan. Es ist einfach zu teuer. Wir haben vor langer Zeit entschieden, dass wir auch von den Ressourcen zu leben vermögen, die der Mond bietet. Wir haben einfach keine andere Wahl. Nix mit Asteroiden.«

»Aber mit dem Fusionsantrieb wird es wirtschaftlich machbar, Ressourcen aus den NEA's zu gewinnen. Und sogar von den Asteroiden.«

»Sind Sie sich da sicher?«, fragte Stavenger leise.

»Unbedingt«, bestätigte Dan. »Es ist die gleiche Situation wie bei den Raumclippern. Ihre Raumclipper haben die Kosten für den Flug in den Orbit auf einen Punkt reduziert, wo es wirtschaftlich machbar wurde, Raumstationen, Solarkraftwerke und ganze Fabriken dort zu errichten.«

»Das sind nicht meine Raumclipper, Dan.«

»Die Masterson Corporation ist doch aber Ihr Familien-Unternehmen, oder?«

Stavenger wand sich unbehaglich im Sessel, und das Lächeln verschwand aus seinem Gesicht. »Masterson wurde von meiner Familie gegründet, schon richtig. Ich halte immer noch ein großes Aktienpaket, obwohl ich als Vorstandsvorsitzender zurückgetreten bin. In die Geschäftstätigkeit der Firma bin ich aber nicht mehr involviert.«

»Aber Ihr Wort hat noch immer Gewicht.«

Das Lächeln kehrte zurück, war nun aber zurückhaltender. »Manchmal«, sagte Stavenger.

»Wie würde es Masterson also gefallen, bei diesem Fusions-System mit mir ins Geschäft zu kommen? Es wird eine wahre Goldgrube werden.«

Stavenger zögerte mit der Antwort. »Dem Vernehmen nach unterstützt Humphries Space Systems Ihr Fusionsprogramm.«

»Richtig, Martin Humphries hat mir das angeboten«, sagte Dan.

»Aber Sie sind mit seinem Angebot nicht zufrieden?«

»Ich weiß nicht, ob ich ihm trauen kann. Er kommt in mein Büro getänzelt und lässt mir diesen Fusionsdeal quasi in den Schoß fallen. Wieso? Wieso führt er es nicht selbst durch? Wozu braucht er mich?«

»Vielleicht will er eigentlich Astro Manufacturing«, sagte Stavenger.

Dan nickte heftig. »Ja, das ist auch meine Sorge. Der Mann ist als ›zupackend‹ bekannt. Er hat Humphries Space Systems aufgebaut, indem er sich andere Firmen einverleibt hat.«

Erneut zögerte Stavenger. »Er steht kurz davor, große Aktienpakete von Masterson zu kaufen«, sagte er schließlich.

»Was?« Dan war perplex.

»Ich sollte das eigentlich gar nicht erfahren«, sagte Stavenger. »Das ist ruckzuck über die Bühne gegangen. Humphries steht dicht davor, zwei unserer größten Aktionäre auszukaufen. Wenn er damit durchkommt, hat er genug Macht, um den Vorstand mit seinen eigenen Leuten zu besetzen.«

»Verdammt«, knurrte Dan. »Verfluchter Mist.«

»Ich befürchte, dass Sie sich wohl oder übel mit Humphries arrangieren müssen. Zu seinen Bedingungen.«

Dan widerstand dem Drang, aufzustehen und gegen die Wand zu schlagen. »Vielleicht auch nicht«, sagte er.

»Nicht?«

»Es gibt noch eine andere Möglichkeit.«

»Und wie sähe die wohl aus?« Stavenger lächelte, als ob er genau wüsste, worauf Dan hinauswollte.

»Selene.«

»Aha«, sagte Stavenger und lehnte sich im Polstersessel zurück. »Das dachte ich mir.«

»Selene verfügt über ausgebildetes technisches Personal und Fertigungsstätten. Ich schlage Ihnen vor, meine Fusionsexperten hierher zu bringen und den Prototypen gemeinsam zu bauen.«

»Dan«, sagte Stavenger sanft, »wer sollte das technische Personal von Selene denn bezahlen? Wer würde für die Nutzung unserer Einrichtungen zahlen?«

»Wir könnten uns die Kosten teilen. Ich würde die laufende Geschäftstätigkeit von Astro reduzieren und dadurch Kapital beschaffen. Selene könnte…«

Der Ausdruck in Stavengers Gesicht ließ ihn verstummen. Er erinnerte Dan an den Blick seines Geometrie-Lehrers an der Highschool, wenn er eine Tangente falsch berechnet hatte.

»Sie wissen noch etwas, das ich nicht weiß«, sagte Dan.

Stavenger lachte leise. »Eigentlich nicht. Sie wissen es auch, kommen aber nicht darauf. Sie sehen sozusagen den Wald vor lauter Bäumen nicht.«

Dan blinzelte verwirrt.

»Sie schauen gerade auf die Lösung für Ihr Problem«, sagte Stavenger.

»Ich schaue auf Sie, und Sie sagen, dass ich…« Endlich fiel bei Dan der Groschen. »Bei meiner lieben alten Tante Sadie! Nanomaschinen.«

Stavenger nickte. »Bauen Sie Ihr Fusionstriebwerk mit Nanotechnik. Zudem geht es schneller und ist billiger als mit den herkömmlichen Verfahren.«