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»Verdammte Flachland-Bewohner«, schimpfte jemand.

»Bin ganz Ihrer Meinung«, sagte Dan grinsend. »Sie sind so sehr mit kurzfristiger Schadensbegrenzung beschäftigt, dass sie nicht sehen, worauf es wirklich ankommt.«

»Von allen Firmen auf der Erde«, rief jemand, »müssten Sie doch noch am ehesten in der Lage sein, das benötigte Kapital durch ein paar Geschäftsabschlüsse aufzutreiben.«

Dan beschloss, die Sache abzukürzen. »Hören Sie. Ich wäre vielleicht imstande, ein Geschäft zu machen, mit dem ich das benötigte Geld verdiene, aber ich wollte Ihnen die Chance geben, hier einzusteigen. Das ist die Gelegenheit, auf die Sie gewartet haben.«

»Über so viel Geld verfügt Selene überhaupt nicht«, sagte ein Ratsmitglied.

»Ja, aber Sie haben die entsprechend ausgebildeten Leute und die Anlagen, um die Fusionsrakete mit Nanomaschinen zu bauen«, sagte Dan.

Es wurde plötzlich still im Theater. Nanotechnik. Alle wussten, dass es möglich wäre. Dennoch…

»Nanomaschinen sind aber auch keine Heinzelmännchen, Mr. Randolph«, sagte das neben Dan sitzende Ratsmitglied. Es handelte sich um einen dünnen jungen Mann mit verkniffenem Gesicht, der irgendwie einen fanatischen Eindruck machte.

»Das ist mir schon klar«, sagte Dan.

»Wir hatten einmal den Versuch unternommen, Nanomaschinen für die Wassergewinnung zu entwickeln: Sie sollten dem einströmenden Sonnenwind Wasserstoff entziehen und ihn mit Sauerstoff aus dem Regolith verbinden. Obwohl es technisch machbar war, geriet es in der Praxis zu einem kompletten Reinfall.«

Dan sah, dass der Mann zu den Ratsmitgliedern zu zählen war, die sich selbst gern reden hörten. »Wenn Nanomaschinen in der Lage sind, Raumclipper zu bauen, dann sind sie auch zum Bau von Fusionstriebwerken imstande«, sagte er kurz angebunden.

Ein weibliches Ratsmitglied mit dem leuchtend roten Haar und dem porzellanweißen Teint Irlands ergriff das Wort. »Man hat mir das Amt der Schatzmeisterin des Rats anvertraut, weil ich so eine ehrliche Buchhalterin bin.«

Damit erzielte sie bei Dan und dem größten Teil des Publikums einen Lacherfolg.

»Aber es ist nun einmal traurige Realität, dass wir keine Mittel für Ihr Programm zur Verfügung haben, Mr. Randolph, so gern wir Ihnen auch helfen würden. Wir haben das Geld einfach nicht.«

»Ich will auch gar kein Geld«, sagte Dan.

»Was dann?«

»Ich brauche Freiwillige. Ich brauche Leute, die bereit sind, sich mit vollem Einsatz der größten Herausforderung unserer Zeit zu stellen: der Erschließung der Ressourcen des ganzen Sonnensystems.«

»Aha, aber das wäre letztlich auch nicht ohne Geld zu machen, nicht wahr?«

»Doch, das wäre es«, ertönte eine tiefe Stimme in der Mitte des Theaters. Dan sah, wie ein untersetzter, kräftig gebauter Mann sich erhob.

»Ich bin Bernie James. Ich bin letztes Jahr aus dem Nano-Labor ausgeschieden. Ich bin zwar nur ein Techniker, aber ich würde mit Ihnen zusammenarbeiten.«

Ein paar Reihen hinter ihm stand ein größerer Mann mit einem blonden Kurzhaarschnitt auf. »Rolf Uhrquest, Abteilung für Raumflug«, sagte er in einem artikulierten Tenor. »Ich wäre bereit, meinen angesammelten Urlaub in dieses Fusions-Projekt zu investieren.«

Dan lächelte die beiden an. »Ich danke Ihnen.«

»Und ich glaube«, fuhr Uhrquest fort, »dass Dr. Cardenas auch Interesse hätte.« Er drehte sich um und rief: »Dr. Cardenas, sind Sie hier?«

Niemand antwortete.

»Ich werde sie schon ausfindig machen«, sagte Uhrquest mit großem Ernst. »Es ist sehr bedauerlich, dass sie heute nicht anwesend ist.«

Dan schaute erwartungsvoll ins Publikum, aber es meldete sich niemand mehr. »Ich danke Ihnen«, sagte er schließlich und trat vom Podium in den Bühnenflügel zurück. Stavenger signalisierte ihm mit den Daumen nach oben seine Zustimmung und wandte sich ans Publikum, um den letzten Punkt auf der Tagesordnung abzuhaken: den Antrag eines pensionierten Ehepaars auf eine Erweiterung des Wohnquartiers, um genug Platz für die Eröffnung eines eigenen Geschäfts zu haben.

Als die Versammlung sich dann auflöste, sagte Stavenger: »Wenn Kris Cardenas überhaupt in Selene gewesen wäre, hätte ich Sie ihr vorgestellt. Leider befindet sie sich in einer Raumstation im erdnahen Orbit. Sie ist mit der Entwicklung von Nanomaschinen beschäftigt, um die Kosten für die Marserkundungs-Zentren zu reduzieren.«

»In welcher Station?«, fragte Dan.

»In der über Südamerika.«

Dan grinste ihn an. »Nueva Venezuela. Ich war am Bau dieser Anlage beteiligt. Vielleicht wird es Zeit, dass ich ihr einmal einen Besuch abstatte.«

Alphonsus

Pancho verfolgte die Sicherheitsvorführung mit großer Aufmerksamkeit. Obwohl sie schon ein Dutzend Mal einen Raumanzug angelegt und Arbeiten außerhalb des Raumfahrzeugs durchgeführt hatte, konzentrierte sie sich auf jedes Wort bei der Vorführung. Diesmal handelte es sich nämlich um einen Ausflug auf die Mondoberfläche, und zwischen orbitalen EVA's und einem Mondspaziergang lagen in diesem Sinne Welten. Die Touristen im Bus schienen sich nicht im Geringsten dafür zu interessieren. Teufel, sagte Pancho sich, wenn sie so stinkreich sind, dass sie sich einen Kurzurlaub auf dem Mond leisten können, müssen sie wohl auch glauben, dass sie einen Schutzengel engagiert haben. Und falls der versagt, weisen sie ihre Anwälte an, jedermann zwischen hier und dem Mars auf horrenden Schadenersatz zu verklagen.

Die Mitglieder der Reisegesellschaft hatten in der Garage von Selene Raumanzüge angelegt, bevor sie den Bus bestiegen hatten. Nicht ohne Grund, denn es wäre ziemlich ungemütlich geworden, wenn vierzehn Touristen sich erst im beengten Bus in die Monturen gezwängt hätten. Anschließend waren sie in den Hartschalen-Anzügen und mit dem Helm auf dem Schoß zur Absturzstelle der Ranger 9 hinausgefahren.

Nach all den Jahren hat man immer noch nichts Besseres vorzuweisen als diese Panzeranzüge, sagte Pancho sich. Die Wissenschaftler reden zwar laufend von Softanzügen und sogar von Nanomaschinen-Häuten, aber bei diesen Sprüchen bleibt es dann auch.

Selbst die Teenager wurden still, als sie die Luftschleuse der Garage passierten und auf die rissige, pockennarbige Oberfläche von Alphonsus hinausfuhren. Der hundertachtzig Kilometer durchmessende Kraterboden zeichnete sich deutlich am Horizont ab. Die Ringwall-Berge wirkten alt und mürbe. Durch die äonenlange Dauerberieselung mit Meteoritenstaub waren sie wie mit Sandpapier abgeschmirgelt.

Es war der Staub, der Pancho Sorge bereitete. Im orbitalen Raum driftete man im Vakuum. Auf der Mondoberfläche musste man auf dem pulvrigen Regolith gehen, was Ähnlichkeit mit der Fortbewegung auf einem Sandstrand hatte. Nur dass der ›Sand‹ aufgewirbelt wurde und die Stiefel mit feinem grauem Staub überzog. Und nicht nur die Stiefel, wie Pancho sich erinnerte. Sie hatte schon Schilderungen gehört, wonach der Mondstaub in die Gelenke eines Raumanzugs und sogar in den Lebenserhaltungs-Rückentornister gedrungen war. Außerdem war der Staub durch den einfallenden Sonnenwind elektrostatisch geladen, sodass das verdammte Zeug wie Klebstoff an einem haftete. Wenn er sich am Visier ablagerte, nahm er einem im schlimmsten Fall die Sicht; versuchte man den Staub nämlich mit dem Handschuh abzuwischen, bildeten sich erst recht klebrige Schlieren.

Es war nicht ganz einfach gewesen, einen Anzug in Panchos Größe zu finden. Schließlich bekam sie eine brandneue Maßanfertigung. Der Anzug war mit den Ausdünstungen von neuem Kunststoff erfüllt. Als der Bus anhielt und der Führer die Touristen anwies, die Helme aufzusetzen, vermisste Pancho irgendwie die vertrauten Gerüche nach kaltem Schweiß und Maschinenöl, mit denen die Arbeitsanzüge imprägniert waren, die sie immer getragen hatte. Sogar die Luft, die über ihr Gesicht fächelte, roch synthetisch rein.