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»Ich würde wohl auch ausrasten«, sagte er, »wenn ich an seiner Stelle wäre.«

Die beiden saßen allein im Fahrzeug. Dan hatte extra gewartet, bis die vier anderen Passagiere der Raumfähre in Richtung Stadt aufgebrochen waren. Dann hatten er und Pancho das nächste Fahrzeug genommen. Die automatisierten Vehikel surrten wie Nähmaschinen durch den langen geraden Tunnel.

»Was werden Sie nun tun?«, fragte Pancho.

Dan grinste sie an. »Ich werde ihn anrufen und einen Termin vereinbaren.«

»In der Arena?«

»Nein«, sagte er lachend. »So schlimm wird's schon nicht werden. Es wird Zeit, dass er und ich über die Anbahnung eines Geschäfts sprechen.«

»Brauchen Sie ihn jetzt überhaupt noch?«, fragte Pancho mit einem Stirnrunzeln. »Ich meine, wo Sie nun die Nanotechnik und das alles haben. Wieso ziehen Sie das Ding nicht allein durch und lassen ihn außen vor?«

»Ich glaube nicht, dass das eine weise Entscheidung wäre«, erwiderte Dan. »Schließlich hat er mich überhaupt erst auf die Idee mit dem Fusionsantrieb gebracht. Wenn ich ihn nun ausstechen würde, hätte er eine rechtliche Handhabe gegen mich.«

»Das unterstellt er Ihnen aber.«

Dan betrachtete das Schattenspiel auf ihrem Gesicht, während der Wagen lautlos durch den Tunnel glitt. Licht, Schatten, Licht, Schatten — als ob er ein Video sähe, auf dem die Sonne im Zeitraffertempo über den Himmel wanderte.

»Ich spiele das Spiel nicht nach seinen Regeln«, sagte er schließlich. »Und ich will auch nicht, dass das Projekt von den Anwälten für die nächsten hundert Jahre auf Eis gelegt wird.«

»Anwälte«, grunzte Pancho voller Abscheu.

»Humphries hat das Fusionsprojekt an mich herangetragen, weil er sich bei Astro einnisten will. Ich kenne seine Methoden. Er stellt sich das so vor, dass er den Bau des Fusionsantriebs finanziert und im Gegenzug ein Aktienpaket von Astro erhält. Dann wird er über Strohmänner immer mehr Aktien erwerben, ein paar seiner Knechte in meinen Vorstand einschleusen und mich früher oder später aus meiner eigenen Firma rauswerfen.«

»Könnte er das überhaupt tun?«

»Das ist seine übliche Vorgehensweise. Auf diese Art hat er sich schon ein halbes Dutzend Firmen unter den Nagel gerissen. Im Moment steht er kurz vor der Übernahme von Masterson Aerospace

»Masterson?«, fragte Pancho erschrocken.

»Ja«, sagte Dan. »Die halbe Welt ertrinkt, und die andere Hälfte wird durch den verdammten Treibhauseffekt gebraten, und er schlägt daraus Kapital. Er ist ein gottverdammter Opportunist. Ein Vampir, der allem, was er anfasst, das Blut aussaugt.«

»Was werden Sie also tun?«

»Seine Investition ins Fusionsprojekt auf ein Minimum beschränken«, sagte Dan. »Und das Fusionsprojekt getrennt von und außerhalb der Astro Corporation abwickeln.«

»Dann mal viel Glück«, sagte sie verdrießlich.

Dan grinste sie an. »He, machen Sie doch nicht so ein Gesicht. Ich bin früher schon in solche Situationen geraten. Man muss nur die Gesetze des kapitalistischen Dschungels kennen.«

»Ja, vielleicht, aber ich glaube trotzdem, dass er sehr unangenehm wird, wenn er nicht seinen Willen bekommt. Sogar verdammt unangenehm.«

»Für solche Fälle habe ich Big George«, erwiderte Dan mit einem unbekümmerten Achselzucken.

»Wer ist denn Big George?«

Dan hatte die Stippvisite auf Nueva Venezuala ohne George gemacht. Er glaubte auf einen Leibwächter verzichten zu können, wenn er sich nicht auf der Erde aufhielt. Zumal er den Australier nicht mehr gesehen hatte, seit sie wegen der Besprechung mit Doug Stavenger zusammen in Selene angekommen waren.

»Ich werde ihn Ihnen vorstellen.«

Der Wagen erreichte das Tunnelende und wurde automatisch gestoppt. Dan nahm die Reisetasche und stieg mit Pancho aus. Dann gingen sie zur Zollstation. Dan sah, dass die beiden uniformierten Zöllner sich noch immer mit der Abfertigung der vier Leute befassten, die auch auf diesem Flug gewesen waren. Im gegenüberliegenden Eingangsbereich verabschiedete ein älteres Paar sich gerade von einer jungen Familie mit zwei Kindern. Eins davon war ein Kleinkind, das in den Armen seiner Mutter zappelte.

»Was soll ich Humphries also sagen?«, fragte Pancho. »Er wird wissen wollen, was Sie bei Dr. Cardenas gemacht haben.«

»Sagen Sie ihm die Wahrheit. Cardenas wird sich dem Team anschließen. Sie wird in ein paar Tagen hier eintreffen.«

»Soll ich ihm ausrichten, dass Sie einen Gesprächstermin mit ihm vereinbaren wollen?«

Dan dachte darüber nach, während sie zum Zollschalter gingen. »Nein«, sagte er schließlich. »Ich werde ihn selbst anrufen, sobald wir in unseren Quartieren sind.«

Humphries schien überrascht, als Dan ihn anrief. Trotzdem war er damit einverstanden, schon für den nächsten Morgen einen Termin zu vereinbaren. Er bestand darauf, dass das Treffen in den Büros von Humphries Space Systems stattfand — in dem Turm an der Grand Plaza, wo auch Doug Stavenger sein Büro hatte.

Dan bedankte sich recht freundlich und amüsierte sich im Stillen über Humphries' Tricks und Schliche. Er versuchte Big George telefonisch zu erreichen, wurde aber nur mit dem Anrufbeantworter verbunden. Er teilte George mit, dass er ihn am nächsten Morgen sofort zurückrufen solle. Dann zog er sich aus, duschte und ging zu Bett.

Er träumte von Jane. Sie waren zusammen auf Tetiaroa, sie beide ganz allein auf dem tropischen Atoll unter einem grandiosen Sternenhimmel und spazierten am Strand der Lagune entlang. Der Wind rauschte leise in den Palmen. Eine schmale Mondsichel tauchte hinter vorbeiziehenden silbrigen Wolken auf. Jane trug ein leichtes Gewand, und das kastanienbraune Haar fiel ihr über die Schultern. Im Sternenlicht sah er, wie schön und begehrenswert sie war.

Aber er brachte kein Wort heraus. Trotz aller Anstrengung vermochte er keinen Ton über die Lippen zu bringen. Was soll der Quatsch, zürnte Dan mit sich selbst. Wie willst du ihr deine Liebe gestehen, wenn du den Mund nicht aufbekommst?

Die Wolken wurden dichter und dunkler und verhüllten den Mond und die Sterne. Hinter Janes schemenhaftem Profil sah Dan das wogende und gischtende Meer. Eine riesige Flutwelle brandete gegen sie an und schlug wie ein Berg aus schäumendem Wasser über ihnen zusammen. Er wollte sie noch warnen und einen Schrei ausstoßen, aber das Wasser riss sie mit unwiderstehlicher Macht fort. Er streckte die Hand nach Jane aus und versuchte sie festzuhalten, zu retten, aber sie wurde ihm entrissen.

Er wachte schweißgebadet auf und setzte sich auf. Er hatte einen rauhen Hals, als ob er stundenlang geschrieen hätte. Er wusste nicht, wo er war. Alles, was er in der Dunkelheit des Raums sah, waren die grün glühenden Ziffern der Digitaluhr auf dem Nachttisch. Er rieb sich die Augen und versuchte sich zu erinnern. Selene. Ich bin in der Firmensuite in Selene. Morgen früh habe ich eine Verabredung mit Humphries.

Und Jane ist tot.

»Sie sind ein viel beschäftigter Mann«, sagte Humphries in offensichtlich geheuchelter Jovialität.

Die Besprechung fand nicht in seinem Büro statt, sondern in einem kleinen fensterlosen Konferenzraum, in den er Dan geführt hatte. Es gab nicht einmal Holofenster, nur ein paar Gemälde und Fotografien von Martin Humphries mit diversen Prominenten. Dan erkannte den amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten, einen sauertöpfischen älteren Mann in einem schwarzen Priestergewand und Vasily Malik vom GEC.

Dan lehnte sich im bequemen Polstersessel entspannt zurück und sagte: »Ich bin ziemlich viel unterwegs gewesen, seit wir uns das letzte Mal getroffen haben.«

Humphries, der Dan gegenübersaß, verschränkte die Hände auf der polierten Tischplatte. »Ehrlich gesagt, Dan, mich beschleicht das Gefühl, dass Sie mich aus diesem Fusions-Geschäft verdrängen wollen.«