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Verwirrt sah Pancho die Spiegelung einer bunten Schliere auf dem Bildschirm. Sie drehte sich auf dem Bürostuhl um und sah, dass sich der Gegenstand, den sie für ein zylindrisches gläsernes Kunstobjekt gehalten hatte, in ein Hologramm verwandelt hatte. Es zeigte eine dreidimensionale Darstellung des nackten Humphries, der im Bett mit einer Frau zugange war.

Hurensohn, sagte Pancho sich. Er macht Videos von seinem Sexleben. Sie schaute sich das für eine Weile an. Weil sie es aber nicht in ungewöhnlichen oder aufregenden Stellungen trieben, schaltete Pancho auf Schnellvorlauf.

Es war lustig, Humphries und seine Frauen im Zeitraffer zu beobachten. Er ist wirklich ein Stecher, sagte Pancho sich, während eine Parade schöner nackter Frauen an ihr vorbeizog, denen er es hektisch rammelnd besorgte. Sie erkannte die Rothaarige wieder, die sie beim ersten Besuch im Haus gesehen hatte. Ob sie wohl wissen, dass sie aufgenommen wurden, fragte sie sich.

Nachdem Pancho sich ein halbes Dutzend von Humphries' Home-Videos angeschaut hatte, wurde es ihr langweilig. Sie beendete das Programm und kehrte zur Menüauswahl auf dem Bildschirm zurück. Allerdings betrachtete sie das Programm VR — PERSONAL nun mit anderen Augen. Sie schaute kurz in eine Datei und schloss sie angeekelt mit einem Mausklick.

Der widerwärtige Hurensohn benutzt seine Betthäschen als Modelle für seine Virtual Reality-Phantasien, wurde sie sich bewusst. Anscheinend vermag er sie im wirklichen Leben nicht zu dem zu überreden, was er in seinen feuchten VR-Träumen alles mit ihnen anstellt.

Als Pancho einen Blick auf die Digitaluhr in der Ecke des Bildschirms warf, stellte sie erschrocken fest, dass inzwischen fast zwei Stunden vergangen waren. Aber es hatte sich doch gelohnt. Der Humphries Trust zahlte nun die Miete für Susan Lanes kryonischen Speicher. Damit war eine große Last von Panchos Schultern genommen, und für den milliardenschweren Trust war es nur ein winziger Nadelstich.

Die meisten Dateien waren ein Buch mit sieben Siegeln für Pancho. Es gab ein paar, die technische Fachausdrücke und mathematische Gleichungen enthielten und recht viele, die Aktienmanipulationen und Geschäftsvorfälle enthielten. Sie waren aber mit einem solchen Fachchinesisch und juristischer Terminologie gespickt, dass es zu ihrer Dechiffrierung einer ganzen Anwaltskanzlei bedurft hätte. Allerdings enthielten sie nun eine neue Subroutine, mit deren Hilfe Pancho von einem fernen Rechner auf die Dateien zuzugreifen vermochte. Codewort Hackensack. Hacken und Einsacken — genau das, was Pancho vorhatte.

Du musst aber vorsichtig sein, sagte sie sich. Wenn du zu gierig wirst, merkt er, dass er Besuch von einem Hacker hat. Ein Mann wie Humphries kloppt dich so schnell in die Tonne, dass dir Hören und Sehen vergeht. Oder er schickt jemanden vorbei, der dir die Möbel gerade rückt.

Zufrieden mit ihrer Arbeit schaltete Pancho den Computer aus und verließ Humphries' Büro. Dabei achtete sie darauf, dass die Tür einen Spaltweit offen blieb, so wie sie sie vorgefunden hatte. Während sie die Treppe hinunterging, fragte sie sich, ob Mandy und Humphries nach dieser langen Zeit immer noch beim Essen saßen.

Das war der Fall. Pancho lugte in den Raum und sah die Reste eines raffinierten Eis-Desserts in den Schälchen schmelzen. Halb leere Champagnerflöten funkelten im gedämpften Licht des Kronleuchters über dem Tisch.

»…das ist wunderschön, Martin«, sagte Mandy gerade, »und ich freue mich über Ihre Aufmerksamkeit, aber ich kann das nicht annehmen. Das geht wirklich nicht.«

Pancho schlich sich noch näher an und spähte in den Raum. Humphries hielt eine offene Schmuckschatulle in der Hand. Sie enthielt ein atemberaubendes Saphir-Halsband.

»Ich habe es extra für Sie anfertigen lassen«, sagte er in fast flehentlichem Ton.

»Martin, Sie sind ein lieber Mann, aber ich bin im Moment nicht für eine Beziehung bereit. Gerade Sie müssten das doch verstehen.«

»Ich verstehe es eben nicht«, sagte er. »Wieso nicht?«

»Ich werde in ein paar Monaten zur Mission aufbrechen. Und ich komme vielleicht nicht mehr zurück.«

»Ein Grund mehr, das Glück festzuhalten, so lang wir noch die Gelegenheit dazu haben.«

Amanda wirkte sichtlich betrübt. Sie schüttelte den Kopf und sagte: »Es geht einfach nicht, Martin. Es geht wirklich nicht.«

»Ich könnte Sie von der Mission abziehen«, sagte er im Flüsterton. »Ich könnte dafür sorgen, dass Sie hier bei mir bleiben.«

»Nein. Bitte…«

»Ich könnte es tun«, wiederholte er lauter. »Bei Gott, ich werde es auch tun.«

»Ich will das aber nicht«, sagte Amanda beunruhigt.

»Sie müssen das nicht auf sich nehmen«, insistierte Humphries. »Ich weiß, wie gefährlich das ist. Ich hatte ja keine Ahnung, dass Sie Angst haben…«

»Angst?«, rief Mandy. »Ich habe keine Angst. Dass ich mir über die Risiken im Klaren bin, heißt noch lange nicht, dass ich Angst hätte.«

Humphries stieß echauffiert den Atem aus. »Dann benutzen Sie die Mission also als willkommenen Vorwand, um zu mir auf Distanz zu gehen. Ist es das?«

»Nein!«, dementierte Amanda. »Das stimmt überhaupt nicht. Ich will nur…« Ihre Stimme erstarb.

»Was ist es dann?«, fragte Humphries. »Wo liegt denn das Problem? Liegt es vielleicht an mir?«

Sie schaute für eine Weile in bedrücktem Schweigen auf den Tisch. Pancho glaubte gar, Tränen auf Mandys Wange glitzern zu sehen. Der Ausdruck auf Humphries' Gesicht changierte irgendwo zwischen Verwirrung und Verärgerung.

»Martin, bitte«, sagte Amanda schließlich. »Wir kennen uns doch erst seit ein paar Wochen. Sie sind in jeder Hinsicht ein wundervoller Mensch, aber zu einer festen Beziehung bin ich nicht bereit. Noch nicht. Nicht, wo diese Mission bevorsteht. Vielleicht später, wenn ich zurückgekehrt bin — vielleicht dann.«

Humphries holte tief Luft. Pancho hatte den Eindruck, dass er mühsam versuchte, sich zu beherrschen.

»Geduld ist nicht gerade eine meiner Tugenden«, sagte er mit leiser Stimme. »Ich bin es nicht gewohnt zu warten.«

Nein, sagte Pancho sich. Du bist es gewohnt, die Frauen ins Bett zu zerren und zur Aktion zu kommen, um dich später daran aufzugeilen und als Vorlage für lüsterne VR-Spielchen zu benutzen.

»Verstehen Sie mich doch, Martin«, flüsterte Amanda mit tränenerstickter Stimme. »Bitte.«

Wenn er Mandy gegenüber handgreiflich wird, trete ich ihm so kräftig in die Eier, dass er für eine Woche keinen mehr hochkriegt, sagte Pancho sich. Sie wünschte sich, sie hätte Elly dabei, aber im Tarnanzug wäre es für die Schlange zu eng gewesen. Deshalb hatte sie Elly in ihrer Unterkunft zurückgelassen.

Humphries schloss die Schmuckschatulle mit einem Klicken, das wie ein Schuss hallte.

»In Ordnung«, sagte er gepresst. »Ich werde warten. Ich wünschte, ich hätte mich nie auf diese Fusionsgeschichte eingelassen.«

Amanda rang sich ein trauriges Lächeln ab. »Dann hätten wir uns aber doch nie kennen gelernt, nicht wahr?«

Er quittierte das mit einem hilflosen Achselzucken. Dann stand er auf und führte Amanda zur Haustür.

»Werde ich Sie wiedersehen?«, fragte er sie, während er ihr die Tür aufhielt.

»Es wäre das Beste, wenn wir uns nicht mehr sehen, Martin. Nicht vor meiner Rückkehr.«

Er nickte grimmig. Dann fasste er sie an den Handgelenken und sagte: »Ich liebe Sie, Amanda. Das ist mein Ernst.«

»Ich weiß«, sagte sie und hauchte ihm einen Kuss auf die Wange.

Dann eilte sie den Gartenweg entlang und floh so schnell vor ihm, dass Pancho gerade noch durch die Tür zu schlüpfen vermochte, bevor Humphries sie zuschlug.

Wohnquartier

Pancho musste die Aufzüge hinaufeilen, um noch vor Mandy in der gemeinsamen Wohnung einzutreffen. Zweimal wäre sie fast gestolpert und gestürzt; es war ziemlich riskant, sich auf einer Rolltreppe zu bewegen, wenn man nicht einmal die eigenen Füße sah.