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Dan vermochte seine Abscheu kaum zu verbergen. »Kommen Sie, lassen Sie uns wieder an die Arbeit gehen. Für diesen Morgen haben wir genug philosophiert.«

Humphries pflichtete ihm mit einem Lächeln und einem Kopfnicken bei.

Stunden später, als Dan den Konferenzraum verlassen hatte, ging Humphries in sein Büro zurück und ließ sich in den hochlehnigen Drehsessel sinken. Während er sich zurücklehnte und zur getäfelten Decke emporschaute, passte der Sessel sich an die Konturen seines Körpers an. Humphries entspannte sich mit einem breiten Grinsen. Er hat es übersehen, sagte er sich. Die Zahlen stehen deutlich im Budget, und Randolph hat über sie hinweg gelesen, als ob sie mit unsichtbarer Tinte geschrieben seien.

Es war so leicht, Randolph abzulenken. Man musste ihn nur auf seinen idiotischen Kreuzzug ansprechen, und er vergaß alles andere. Er will zum Gürtel fliegen, um die Welt zu retten. Klingt so, wie wenn Kolumbus China hätte erreichen wollen, indem er in die falsche Richtung gesegelt wäre.

Humphries lachte auf. Es steht klar und deutlich im Budget, und es ist ihm gar nicht aufgefallen. Vielleicht hält er es auch nur für eine Absicherungslinie. Schließlich handelt es sich um keine allzu große Summe. Wenn die Nanos erst einmal ein Fusionssystem gebaut haben, dann ist das zweite für ein Taschengeld zu haben. Die eigentlichen Kosten werden durch die Konstruktion und die Programmierung verursacht, wobei die sich aber schon beim ersten Modell amortisieren. Und die Absicherungslinie ist nur für die Rohstoffe und die paar Mannstunden für die Prozessüberwachung erforderlich. Die Nanos selbst arbeiten gratis.

Er lachte wieder. Randolph hält sich für sehr gewitzt, weil er Panchos Schwester aus den Katakomben entführt hat. Ob er befürchtet, dass ich sie umbringen würde? Oder will er Pancho unter Kontrolle halten? Ich hätte eh keine Verwendung mehr für sie. Also was soll's? Sie hat ausgedient. Ich werde ein zweites Fusionstriebwerk bauen, ohne dass er etwas davon erfährt!

Raumhafen Armstrong

Pancho ließ den Blick über das tote, von Triebwerksflammen vernarbte Gelände des Startzentrums schweifen und rümpfte die Nase. »Das Ding sieht wirklich aus wie eine Schrottskulptur.«

Dan, der neben ihr in der kleinen Beobachtungskammer stand, musste ihr beipflichten. Der Fusionsantrieb sah aus wie die Arbeit eines betrunkenen Klempners: bauchige Behälter aus Diamant, die im harten ungefilterten, die Mondoberfläche durchglühenden Sonnenlicht funkelten, die bizarre Form des MHD-Kanals, die Pumpen, die den Brennstoff zur Reaktorkammer leiteten, Kühlerflächen und die gebündelten Raketendüsen, die durch ein surrealistisches Gewirr aus Rohren und Leitungen miteinander verbunden waren. Die ganze Vorrichtung war auf dem plattformartigen Deck eines plumpen und gedrungenen Boosters montiert, der breitbeinig auf der Startrampe aus geglättetem Mondbeton stand.

Die Beobachtungskuppel war nicht mehr als eine Blase aus Glasstahl, die aus dem Boden des riesigen Alphonsus-Kraters ragte. Die Kammer war so klein, dass kaum zwei Leute darin zu stehen vermochten, und sie war durch einen Tunnel mit dem Kontrollzentrum des Startkomplexes verbunden.

»Schönheit hat beim Bau nicht Pate gestanden«, sagte Dan. »Das Ding wird aber besser aussehen, wenn es erst einmal mit den anderen Modulen gekoppelt ist.«

Gedämpft rauschende Stimmen drangen aus dem Lautsprecher, der direkt unterm Rand der transparenten Blase in die Wand der Kammer integriert war.

»Pan Asia Null-Eins-Neun im Landeanflug«, sagte der Pilot des hereinkommenden Shuttles.

»Wir haben euch im Landeanflug, Null-Eins-Neun«, ertönte die ruhige Stimme einer Controllerin. »Landeplatz vier.«

Dan schaute in den Sternenhimmel und sah ein schwaches Blitzen.

»Bremsraketen«, murmelte Pancho.

»Auf dem Gleitpfad«, sagte die Controllerin.

Ein neuerlicher Blitz. Dan vermochte das Shuttle nun zu erkennen — ein dunkles eckiges Gerät, das mit ausgeklapptem Fahrwerk langsam vom Himmel fiel.

»Auf dem Gleitpfad, Null-Eins-Neun«, sagte der weibliche Controller. Sie klang beinahe gelangweilt.

Es schien alles wie in Zeitlupe abzulaufen. Dan sah, wie das Shuttle auf dem Landeplatz aufsetzte, der am weitesten von der Stelle entfernt war, wo die Fusionsrakete stand und auf die Startfreigabe wartete. »Null-Eins-Neun ist gelandet«, meldete der Shuttle-Pilot. »Alle Triebwerke aus.«

Pancho stieß die angehaltene Luft aus.

»Stress?«, fragte Dan erstaunt. »Sie?«

Sie grinste verlegen. »Ich habe immer Stress, wenn ich die Mühle nicht selbst fliege.«

»Wir müssten Starterlaubnis bekommen, sobald das Shuttle entladen wird«, sagte Dan mit einem Blick auf die Uhr.

»Ich ziehe mir besser den Anzug an«, sagte Pancho mit einem Nicken.

»Gut«, sagte Dan.

Das Fusionssystem war der letzte Teil des Raumschiffs, das in den Mondorbit gebracht werden sollte. Die Brennstofftanks und Logistikmodule kreisten schon in hundert Kilometern Höhe. Pancho sollte die Montageroboter beaufsichtigen, die die Komponenten zusammenfügen würden.

Dan ging mit ihr durch den Tunnel in den Umkleideraum, wo die Astronauten die Raumanzüge anlegten. Amanda war schon da und hielt sich bereit, um ihr beim Durchchecken zu helfen. Dan wurde sich bewusst, dass es schon lang her war, seit er jemanden durchgecheckt oder gar selbst einen Raumanzug angelegt hatte. Der Raumflug ist heute so alltäglich, dass ein Flug von der Erde zum Mond mit einer Flugreise oder Busfahrt zu vergleichen ist, sagte er sich. Aber eine andere Stimme in seinem Kopf sagte ihm: Du bist schon zu alt, um im Weltraum zu arbeiten. Du hast im Lauf der Jahre schon die maximale Strahlendosis abbekommen… und noch ein bisschen mehr.

Er fühlte sich alt und ziemlich nutzlos, während er zuschaute, wie Pancho sich in den Anzug zwängte und die neben ihr schwebende Amanda die Dichtungen und Anschlüsse überprüfte. Wie Pancho trug auch Amanda einen beigefarbenen Flugoverall. Dan stellte fest, dass sie eine Augenweide war.

Wenigstens bist du noch nicht zu alt, um für die Reize einer gut aussehenden Frau empfänglich zu sein, sagte er sich mit einem stummen Seufzer.

Doch dann wandte er sich ab und ging in Richtung des Tunnels, der den Raumhafen mit dem Stadtgebiet von Selene verband. Er kam sich nutzlos vor und fragte sich, ob Humphries nicht doch Recht hatte und er wirklich mit dem Kopf durch die Wand wollte.

Als er gerade den Korridor betreten wollte, der zum Verbindungstunnel führte, sah er Doug Stavenger aus der Gegenrichtung kommen. Er machte einen jugendlichen, agilen und zielstrebigen Eindruck.

Verdammte Hacke, sagte er sich, Stavenger ist älter als ich und sieht aus wie ein junger Spund. Vielleicht sollte ich mich auch einer Nanotherapie unterziehen.

»Wollen Sie auch den Start anschauen«, fragte Stavenger fröhlich.

»Ich glaube, ich gehe zum Startzentrum und schaue ihn mir von dort aus an.«

»Ich gehe dazu am liebsten in die Beobachtungskuppel.«

»Von dort komme ich gerade«, sagte Dan.

»Kommen Sie, gucken wir uns den Start live an, anstatt ihn auf dem Bildschirm zu verfolgen.«

Stavengers Begeisterung war ansteckend. Also machte Dan kehrt und ging durch den engen Tunnel zur Kuppel zurück.

Sie schlüpften durch die offene Luke in die enge Kammer. Stavenger erklomm die zwei Stufen und schaute grinsend nach draußen. Dan quetschte sich neben ihn und hätte sich fast den Kopf an der Glasstahl-Kuppel gestoßen.

»Ich habe mich als Kind immer hierher geschlichen, um die Starts und Landungen zu beobachten«, sagte Stavenger grinsend. »Heute gibt mir das immer noch einen Kick.«

Dan nuschelte einen höflichen Kommentar.

»Ich meine, wir verbringen fast das ganze Leben im Untergrund«, fuhr Stavenger fort. »Da tut es gut, ab und zu mal wenigstens nach draußen zu schauen.«