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»Edelleute aus Erkynland, die treu zu Naglimund und Josua stehen – oder sich zumindest noch nicht sicher sind, welcher Seite sie sich anschließen sollen. Der Beleibte dort in Rot und Weiß ist Ordmaer, Baron von Utersall. Er spricht mit Grimsted, Ethelferth und ein paar anderen Adligen.« Der Troll hob den Bronzepokal und trank. »Hmmm. Unser Prinz geht mit seinem Wein nicht verschwenderisch um, oder er wünscht vielleicht, daß wir das hervorragende Wasser dieser Gegend bewundern.« Binabiks schalkhaftes Lächeln war zurückgekehrt; Simon rutschte auf seinem Stuhl nach hinten, weil er fürchtete, auch der kleine, spitze Ellenbogen könnte sich wieder bemerkbar machen. Aber der Troll sah nur an ihm vorbei den Tisch entlang.

Simon nahm einen tiefen Zug von seinem Wein. Er war wirklich wäßrig, und der Junge fragte sich, ob es der Seneschall oder der Prinz selber war, der da an den Fithingstücken sparte. Immerhin war er besser als gar nichts und würde ihm vielleicht helfen, seine schmerzenden Glieder zu entspannen. Als er ausgetrunken hatte, huschte der Page herbei und schenkte von neuem ein.

Nach und nach stellten sich weitere Männer ein, manche in angeregtem Gespräch, andere kühl die bereits Erschienenen musternd. Ein wahrhaft uralter Mann in prunkvollen Priestergewändern trat am Arm eines kräftigen, jungen Priesters ein und fing an, am oberen Ende der Tafel verschiedene glänzende Gegenstände aufzubauen; seine Miene verriet entschieden üble Laune. Der jüngere Mann half ihm in einen Stuhl, beugte sich dann zu ihm hinunter und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Der Ältere gab mit anscheinend zweifelhafter Höflichkeit Antwort, worauf der junge Priester mit einem ergebenen Blick nach den Dachbalken den Raum verließ.

»Ist das der Lektor?« fragte Simon mit unterdrückter Stimme.

Binabik schüttelte den Kopf. »Es dünkt mich sehr unwahrscheinlich, daß das Haupt eurer gesamten ädonitischen Kirche sich hier in der Höhle eines verbannten Prinzen aufhalten würde. Dies hier dürfte Anodis sein, der Bischof von Naglimund.«

Noch während er das sagte, trat eine letzte Schar von Männern ein, und der Troll verstummte, um sie zu beobachten. Einige, denen das Haar in schmalen Zöpfen über den Rücken hing, trugen die gegürteten weißen Wämser der Hernystiri. Der augenscheinliche Führer, ein angespannt wirkender, muskulöser junger Mann mit langem, dunklem Schnurrbart, sprach mit einem Südländer, einem außergewöhnlich gutgekleideten Burschen, der kaum älter zu sein schien als er. Mit seinen sorgfältig gekräuselten Haaren und seinem in zarten Farbtönen von Erika und Blau gehaltenem Gewand war dieser letztere so elegant, daß Simon überzeugt war, er müßte selbst Sangfugol beeindrucken. Ein paar von den alten Soldaten an der Tafel grinsten unverhüllt über den geckenhaften Aufzug.

»Und diese?« fragte Simon. »Die in Weiß, mit Gold um den Hals – Männer von Hernystir, ja?«

»Richtig. Prinz Gwythinn ist das, mit seiner Gesandtschaft. Der andere, würde ich denken, ist Baron Devasalles von Nabban. Er steht im Ruf eines Mannes von scharfem Verstand, auch wenn er vielleicht ein bißchen zu viel Wert auf seine Aufmachung legt. Übrigens ein tapferer Kämpe, habe ich gehört.«

»Woher weißt du das alles, Binabik?« wollte Simon wissen und wandte seine Aufmerksamkeit von den Neuankömmlingen wieder seinem Freund zu. »Horchst du an Schlüssellöchern?«

Hochmütig richtete der Troll sich auf. »Ich lebe nicht ständig auf Berggipfeln, weißt du. Außerdem habe ich hier Strangyeard und andere Quellen aufgetan, während du dein Bett warmgehalten hast.«

»Was?« Simons Stimme klang lauter als beabsichtigt; er merkte, daß er zumindest leicht angetrunken war. Der Mann neben ihm drehte sich mit neugierigem Blick zu ihm um; Simon beugte sich vor, um seine Verteidigung in leiserem Ton fortzusetzen.

»Ich habe…« begann er – in diesem Augenblick knarrten überall in der Halle die Stühle, als die auf ihnen Sitzenden sich plötzlich erhoben. Simon sah auf und erkannte Prinz Josuas schlanke, in sein gewöhnliches Grau gekleidete Gestalt, die vom anderen Ende der Halle her eintrat. Josuas Miene war gelassen, aber ernst. Das einzige Zeichen seines Ranges bestand in dem Silberreif auf seiner Stirn. Josua nickte der Versammlung zu und setzte sich. Die anderen folgten rasch seinem Beispiel. Als die Pagen vortraten, um Wein einzuschenken, erhob sich der alte Bischof an Josuas linker Seite. Zu seiner Rechten saß Gwythinn von Hernystir.

»Nun bitte« – der Bischof klang mürrisch wie ein Mann, der eine Gunst erweist, von der er weiß, daß sie nichts Gutes bringen wird – »beugt Eure Häupter, und laßt uns den Segen Usires Ädons für diese Tafel und was an ihr beraten wird erbitten.« Mit diesen Worten ergriff er einen wundervollen Baum aus gehämmertem Gold und blauen Steinen und hielt ihn vor sich in die Höhe.

»Du, der du von unserer Welt warst und doch nicht völlig von unserem Fleische bist, höre uns.

Du, der du ein Mensch warst, doch dessen Vater kein Mensch war, sondern der lebendige Gott, tröste uns.

Wache über dieser Tafel und denen, die an ihr sitzen, und lege dem, der verirrt und auf der Suche ist, deine Hand auf die Schulter.«

Der Alte holte Atem und blickte sich giftig am Tisch um. Simon, der ihn mit auf die Brust gesunkenem Kinn scharf beobachtete, fand, er sehe aus, als würde er am liebsten seinen juwelenbesetzten Baum nehmen und ihnen allen den Schädel einschlagen.

»Außerdem«, schloß der Bischof jäh, »vergib den hier Versammelten all die verdammungswürdigen, hochmütigen Torheiten, die sie vielleicht sprechen werden. Wir sind deine Kinder.«

Er schwankte leicht und kippte in seinen Stuhl; am Tisch entstand ein leises Murmeln.

»Hättest du gedacht, Simon, daß der Bischof sich hier nicht wohl fühlt?« flüsterte Binabik.

Josua stand auf. »Dank sei Euch, Bischof Anodis, für Euer … von Herzen kommendes Gebet. Dank auch allen, die sich in dieser Halle eingefunden haben.« Er ließ den Blick durch den hohen, vom Feuer erhellten Raum schweifen, die linke Hand auf dem Tisch, den anderen Arm in den Falten seines Mantels verborgen. »Es sind schwere Zeiten«, fuhr er fort und blickte der Reihe nach in die Gesichter der Männer. Simon fühlte, wie ihm die Wärme des Raumes in die Wangen stieg; er fragte sich, ob der Prinz wohl etwas über seine Rettung erzählen würde. Er blinzelte und öffnete gerade noch rechtzeitig die Augen, um zu sehen, wie Josuas Blick ihn streifte und dann in die Mitte des Raumes zurückkehrte. »Schwere und sorgenvolle Zeiten. Der Hochkönig auf dem Drachenbeinthron – gewiß ja, natürlich ist er auch mein Bruder, aber für unsere Zwecke hier ist er der König – scheint unserer Not den Rücken gekehrt zu haben. Die Steuern hat er derart in die Höhe getrieben, daß sie zur grausamen Strafe geworden sind, und das, obwohl das Volk unter einer schrecklichen Dürre in Erkynland und Hernystir und furchtbaren Stürmen im Norden gelitten hat. Und während der Hochhorst die Finger nach mehr ausstreckt, als er unter König Johans Herrschaft je gefordert hat, zieht Elias die Truppen ab, die einst die Straßen offen und sicher hielten und die menschenleeren Weiten der Frostmark und des Weldhelms besetzen halfen.«

»Nur zu wahr!« rief laut Baron Ordmaer und knallte seinen Humpen auf den Tisch. »Gott segne Euch, aber das ist wahr, Prinz Josua!« Er drehte sich um und drohte, damit es auch die anderen sahen, mit der Faust. Ein Chor der Zustimmung ertönte. Aber es gab auch andere, unter ihnen Bischof Anodis, die über solch unüberlegte Worte gleich zu Beginn die Köpfe schüttelten.

»Und so«, fuhr Josua mit lauter Stimme fort und brachte damit die Versammlung wieder zum Schweigen, »so stehen wir vor einem Problem. Was sollen wir tun? Darum habe ich Euch hierher gerufen und darum, nehme ich an, seid Ihr gekommen: Um zu entscheiden, welche Möglichkeiten wir haben. Um diese Ketten«, er hob den linken Arm und wies auf die Handschelle, die ihn noch immer umschloß, »in die der König uns schlagen möchte, von uns fern zu halten.«