Doch als sie um die Bezahlung feylschten, gerieten König Elvrit und der Meister der Zwerge miteynander in Streyt, so daß der König den Schmied erschlug und das Schwert ohne Bezahlung nahm, woraus großes Unheyl entstehen sollte.
Zum Angedenken aber an ihre Ankunft im neuen Lande nannte Elvrit das Schwert Minneyar, das heißt ›Gedenkjahr‹.«
Der Troll endete und ging zum Tisch, um aus dem Wasserkrug zu trinken.
»Nun gut, Binabik von Yiqanuc, zwei mächtige Schwerter«, bemerkte Josua. »Vielleicht hat dieses furchtbare Jahr mir den Verstand getrübt, aber ich kann mir einfach nicht denken, was sie für uns bedeuten sollten.«
»Drei Schwerter«, schaltete nun Jarnauga sich ein, »wenn man Inelukis Jingizu mitzählt, das wir Leid nennen. Drei Große Schwerter.«
»Ihr müßt auch noch den letzten Teil von Nisses' Buch lesen, den Morgenes zitiert, Prinz Josua«, erklärte jetzt Strangyeard, der sich endlich auch zu ihnen gesetzt hatte. Er hob die Pergamente auf, die vor Binabik auf dem Tisch lagen. »Hier bitte. Diese paar Verse vom Ende der Schriften des Wahnsinnigen.«
Josua las laut vor.
»Ich glaube … ich glaube, das verstehe ich«, sagte der Prinz, der zunehmend gefesselt schien. »Es scheint mir beinahe eine Weissagung über unsere eigene Zeit zu sein – als hätte Nisses gewußt, daß Ineluki eines Tages wiederkommen würde.«
»Ja«, bestätigte Jarnauga, kämmte sich mit den Fingern den Bart und sah Josua über die Schulter, »und damit alles wieder so wird, wie es sein soll, müssen eben ›drei Schwerter zurückkehren‹.«
»Unser Verständnis, Prinz, ist so«, erläuterte Binabik: »Wenn man den Sturmkönig überhaupt besiegen kann, dann nur dadurch, daß wir die drei Schwerter finden.«
»Die drei Schwerter, von denen Nisses spricht?« fragte Josua.
»So hat es den Anschein.«
»Aber wenn das stimmt, was der Junge gesehen hat, befindet sich Leid bereits in der Hand meines Bruders.« Der Prinz zog die Brauen zusammen und seine blasse Stirn legte sich in nachdenkliche Falten. »Wenn es so einfach wäre, zum Hochhorst zu gehen und es ihm abzunehmen, brauchten wir uns nicht ängstlich hier in Naglimund zu verkriechen.«
»Über Leid sollten wir uns als letztes den Kopf zerbrechen, Prinz«, erklärte Jarnauga. »Jetzt müssen wir erst einmal etwas unternehmen, um die beiden anderen für uns sicherzustellen. Ich trage meinen Namen wegen meiner Augen und meines geübten Blickes, aber in die Zukunft sehen kann ich nicht. Vielleicht fällt uns noch ein Weg ein, wie wir Elias Leid fortnehmen können, vielleicht macht er irgendwann einen Fehler. Jetzt aber geht es um Dorn und Minneyar, die wir finden müssen.«
Josua lehnte sich in seinem Stuhl zurück, kreuzte die Knöchel und preßte die Finger an die geschlossenen Augen. »Es hört sich an wie ein Kindermärchen!« rief er. »Wie sollen einfache Menschen in solchen Zeiten überleben? Ein kalter Wind im Yuven-Monat … der wiedererstandene Sturmkönig, der ein toter Sithiprinz ist … und nun eine verzweifelte Suche nach längstverschollenen Schwertern – Wahnsinn! Narrheit!« Er öffnete die Augen und setzte sich gerade hin. »Aber was bleibt uns übrig? Ich glaube jedes Wort … also muß ich genauso verrückt sein.«
Der Prinz stand auf und begann im Zimmer umherzugehen. Die anderen schauten ihm zu und waren dankbar, daß sie, so mager ihre Hoffnung auch schien, Josua wenigstens von der grimmigen und absonderlichen Wahrheit überzeugt hatten.
»Vater Strangyeard«, sagte Josua endlich, »würdet Ihr Herzog Isgrimnur für mich holen? Ich habe meine Pagen und alle anderen fortgeschickt, damit uns niemand stört.«
»Gewiß, Herr«, antwortete der Archivar und eilte mit flatternden Gewändern aus dem Zimmer.
»Ganz gleich, was geschieht, ich werde heute abend beim Raed viel zu erläutern haben. Da möchte ich Isgrimnur an meiner Seite wissen. Die Barone kennen ihn als Mann der Tat, während sie mir wegen meiner Jahre in Nabban und meiner merkwürdigen Gewohnheiten noch immer nicht recht trauen.« Josua lächelte matt. »Wenn all dieser Wahnsinn Wahrheit ist, wird unsere Aufgabe noch viel schwieriger, als sie es ohnehin schon war. Steht der Herzog von Elvritshalla hinter mir, denke ich, daß die Barone ihm folgen werden – obwohl ich nicht glaube, daß ich ihnen unsere neuesten Erkenntnisse mitteilen sollte, auch wenn sie uns einen schwachen Hoffnungsschimmer bieten. Ich mißtraue der Fähigkeit einiger dieser Herren, so aufregende Dinge geheimzuhalten.« Der Prinz seufzte, erhob sich und starrte ins Kaminfeuer. Seine Augen glitzerten, als fülle sie spiegelnde Feuchtigkeit. »Mein armer Bruder.«
Binabik, erstaunt über den Tonfall des Prinzen, schaute auf. »Mein armer Bruder«, wiederholte Josua. »Nun muß ihn wirklich der Alp reiten – der Sturmkönig! Die Weißfüchse! Ich kann nicht glauben, daß er wußte, was er tat.«
»Aber irgend jemand wußte es, Prinz«, wandte der Troll ein. »Ich denke nicht, daß der Herr von Sturmspitze und seine Diener von Tür zu Tür ziehen wie die Hausierer, um ihre Waren anzubieten.«
»Nun, ich zweifle nicht daran, daß Pryrates sich auf irgendeine Art mit ihnen in Verbindung gesetzt hat«, antwortete Josua. »Ich kenne ihn und seinen unheiligen Durst nach verbotenem Wissen von früher her, aus der Priesterschule der Usiresbrüder.« Er schüttelte sorgenvoll das Haupt. »Aber Elias, sonst tapfer wie ein Bär, war immer mißtrauisch gegen Geheimnisse in alten Büchern, und er verachtete die Gelehrsamkeit. Außerdem fürchtete er sich vor Gesprächen über Geister und dämonische Wesen. Das wurde noch schlimmer, nachdem … nachdem seine Frau gestorben war. Ich frage mich, woran ihm soviel lag, daß er das Entsetzen in Kauf nahm, das dieser Handel ihm einbringen muß. Ich frage mich auch, ob er ihn inzwischen bedauert – welch grausige Bundesgenossen! Armer, törichter Elias…«
Es regnete wieder, und als Strangyeard mit dem Herzog zurückkam, waren sie beide vom Überqueren des langgestreckten Hofes triefendnaß. Isgrimnur blieb in der Tür zu Josuas Gemächern stehen und stampfte den Boden wie ein aufgeregtes Pferd.
»Hab gerade meine Frau begrüßt«, erklärte er. »Sie ist mit den anderen Frauen noch vor Skalis Ankunft aufgebrochen und zu Than Tonnrud gereist, ihrem Onkel. Hat ein halbes Dutzend meiner Männer und zwanzig Frauen und Kinder mitgebracht. Dabei hat sie sich die Finger erfroren, meine arme Gutrun.«
»Es tut mir leid, Euch von ihr fortzurufen, Isgrimnur, vor allem, wenn sie krank ist«, entschuldigte sich der Prinz, stand auf und drückte dem alten Herzog die Hand.
»Ach, ich kann ohnehin nicht viel für sie tun. Sie hat unsere Mädchen, die ihr helfen.« Er furchte die Stirn, aber aus seiner Stimme klang Stolz. »Sie ist eine starke Frau, und sie hat mir starke Söhne geboren.«
»Und wir werden Isorn, Eurem Ältesten, Hilfe bringen, zweifelt nicht daran.« Josua geleitete Isgrimnur zum Tisch und reichte ihm Morgenes' Handschrift. »Allerdings kann es sein, daß wir mehr als nur eine Schlacht schlagen müssen.«
Als der Herzog vom ›Verhängnis der Schwerter‹ gelesen und einige Fragen gestellt hatte, las er die Seiten noch einmal.