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Die hohen Fenster des Taig waren heute mit Läden vor dem eisigen Wind und dem Nebel verschlossen. Maegwin fand ihren Vater und seine Räte in ernstem Gespräch vor dem Kamin.

»Meine Tochter«, sagte Lluth und erhob sich, sichtlich bemüht, ihr ein Lächeln zu zeigen.

»Ich habe ein paar Frauen geholt und mit ihnen den Rest des Viehs auf die große Koppel getrieben«, berichtete Maegwin. »Allerdings halte ich es nicht für richtig, sie derart eng zusammenzudrängen. Die Kühe fühlen sich elend.«

Lluth machte eine abwehrende Handbewegung. »Besser, wir verlieren jetzt ein paar, als daß wir versuchen müssen, sie dann noch zusammenzutreiben, wenn wir uns vielleicht in aller Eile in die Berge zurückziehen.«

Am anderen Ende der Halle öffnete sich die Tür, und die Posten schlugen einmal mit den Schwertern auf die Schilde, so als wollten sie das durchdringende Geräusch des Kesselrufes nachahmen. »Sei sehr bedankt, Maegwin«, erklärte der König und wandte sich von ihr ab, um den Neuankömmling zu begrüßen.

»Eolair!« rief er. Der Graf trat vor. Er trug noch die verschmutzten Reisekleider. »Ihr seid rasch zurückgekehrt von den Heilern. Gut. Wie geht es Euren Männern?«

Der Graf von Nad Mullagh kam näher, sank kurz auf ein Knie und stand auf Lluths ungeduldige Geste hin sofort wieder auf. »Fünf sind bei Kräften; um die beiden Verwundeten steht es nicht gut. Für sie und die anderen vier werde ich Skali persönlich zur Rechenschaft ziehen.« Jetzt endlich bemerkte er auch Lluths Tochter und lächelte sein breites Lächeln; aber seine Brauen blieben in müdem, sorgenvollem Sinnen zusammengezogen. »Maegwin, Herrin«, sagte er, verbeugte sich nochmals und küßte ihre langfingrige Hand, an der, wie Maegwin in peinlicher Verlegenheit feststellte, noch Schmutz von der Koppeleinfriedung haftete.

»Ich hörte, daß Ihr zurückgekehrt seid, Graf«, erklärte sie. »Ich wünschte nur, die Umstände wären glücklicher.«

»Es ist unendlich schade um Eure tapferen Männer, Eolair«, brummte der König und setzte sich wieder zu dem alten Craobhan und den anderen Vertrauten. »Doch Dank sei Brynioch und Murhagh Einarm, daß Ihr auf diesen Erkundungstrupp gestoßen seid. Wenn nicht, hätten Skali und seine Nordbastarde uns ahnungslos erwischt. Wenn er von dem Scharmützel mit Euren Männern erfährt, wird er sich uns weit vorsichtiger nähern, davon bin ich überzeugt. Vielleicht überlegt er es sich sogar ganz anders.«

»Ich wünschte, es wäre so, mein König«, erwiderte Eolair und schüttelte traurig den Kopf. Maegwins Herz schmolz dahin, als sie sah, wie tapfer er seine Erschöpfung trug; wortlos verfluchte sie ihre kindischen Gefühle. »Aber«, fuhr der Graf fort, »ich fürchte, es verhält sich anders. Wenn Skali so weit von seiner Heimat entfernt einen derart heimtückischen Angriff wagt, muß er überzeugt sein, das Glück auf seiner Seite zu wissen.«

»Aber warum nur, warum?« protestierte Lluth. »Wir leben mit den Rimmersmännern seit Jahren in Frieden!«

»Ich glaube, Herr, daß das wenig damit zu tun hat.« Eolair sprach respektvoll, scheute sich jedoch nicht, seinen König zu berichtigen. »Wenn noch der alte Isgrimnur in Elvritshalla regieren würde, hättet Ihr recht, Euch zu wundern; aber Skali ist ganz und gar Elias' Kreatur.

In Nabban geht das Gerücht, daß Elias jeden Tag gegen Josua ins Feld ziehen kann. Er weiß, daß wir Guthwulfs Ultimatum abgelehnt haben, und fürchtet sich nun davor, die Hernystiri frei und ledig in seinem Rücken zu wissen, wenn er auf Naglimund vorrückt.«

»Und Gwythinn ist auch noch dort!« sagte Maegwin angstvoll.

»Und ein halbes Hundert unserer besten Männer mit ihm, was schlimmer ist«, knurrte der alte Craobhan vom Kamin herüber.

Eolair warf Maegwin einen freundlichen Blick zu, einen von seinen herablassenden, wie sie fand. »Euer Bruder ist hinter den dicken Steinmauern von Josuas Burg ohne Zweifel sicherer als hier in Hernysadharc. Und wenn er von unserer Zwangslage erfährt und von dort wegreiten kann, hat Skali fünfzig Mann im Rücken, was wiederum ein Vorteil für uns ist.«

König Lluth rieb sich die Augen, als wollte er Kummer und Sorgen der letzten Tage fortwischen. »Ich weiß nicht, Eolair, ich weiß nicht. Ich habe bei der ganzen Angelegenheit ein schlimmes Gefühl. Man braucht kein Wahrsager zu sein, um ein unheilverheißendes Jahr zu erkennen, und dieses ist vom ersten Augenblick an eines gewesen.«

»Ich bin noch hier, Vater«, sagte Maegwin, trat zu ihm und kniete nieder. »Ich bleibe bei Euch.« Der König streichelte ihre Hand.

Eolair lächelte und nickte, als er diese Worte des Mädchens zu ihrem Vater hörte, aber seine Gedanken weilten deutlich erkennbar bei seinen zwei sterbenden Männern und der gewaltigen Streitmacht der Rimmersmänner, die durch die Frostmark zum Inniscrich herunterzog, eine riesige Flut scharfen, denkenden Eisens.

»Wer hierbleibt, wird uns vielleicht keinen Dank wissen«, flüsterte er ganz leise.

Draußen sang die eherne Stimme des Kessels weit über Hernysadharc hin und rief ohne Unterlaß den Bergen zu: »Habt acht … habt acht … habt acht…«

Auf irgendeine Art war es Baron Devasalles und seiner kleinen Nabbanai-Schar gelungen, ihre Zimmerflucht im zugigen Ostflügel von Naglimund in ein kleines Stück ihrer südlichen Heimat zu verwandeln. Zwar war das unzeitgemäße Wetter zu kalt, um die Fenster und Türen weit geöffnet zu halten, wie man es im balsamischen Nabban so liebte; aber sie hatten die Steinmauern mit hellgrünen und himmelblauen Stoffen verhängt und jedes freie Plätzchen mit Kerzen und tropfenden Öllampen vollgestellt, so daß die Räume hinter den verschlossenen Läden im Lichterglanz blühten.

Hier drinnen ist es mittags heller als draußen, fand Isgrimnur. Aber wie der alte Jarnauga gesagt hat – sie können nicht alles so leicht verscheuchen wie die winterliche Dunkelheit, leider nicht.

Die Nüstern des Herzogs zuckten wie bei einem verängstigten Pferd. Devasalles hatte überall Gefäße mit parfümierten Ölen verteilt; in einigen schwammen brennende Dochte wie weiße Würmer und füllten den Raum mit betäubenden Düften nach Gewürzen von den Inseln.

Ich möchte nur wissen, ob es der Geruch der allgemeinen Furcht ist, den er nicht mag, oder der nach gutem ehrlichem Eisen? Isgrimnur grunzte angewidert und rückte seinen Stuhl in die Nähe der Tür zum Gang.

Devasalles war überrascht gewesen, als er den Herzog und Prinz Josua vor seiner Tür fand, unangemeldet und unerwartet, aber er hatte sie sogleich hereingebeten und einen Teil der vielfarbigen Gewänder, die auf den harten Stühlen lagen, heruntergefegt, damit seine Gäste Platz nehmen konnten.

»Ich bedaure sehr, Euch zu stören, Baron«, begann Josua, beugte sich vor und stützte die Ellenbogen auf die Knie, »aber ich wollte, bevor wir heute abend den Raed abschließen, mit Euch allein sprechen.«

»Natürlich, Prinz, natürlich.« Devasalles nickte aufmunternd. Isgrimnur, der verächtlich das schimmernde Haar des Mannes und die glitzernden Schmuckstücke an Hals und Handgelenken musterte, fragte sich, wie es sein konnte, daß der Baron ein so tödlicher Schwertkämpfer war, wie sein Ruf es verkündete.

Sieht eher aus, als ob er mit dem Griff in seiner Halskette hängenbleibt und sich selber erwürgt.

Josua erläuterte hastig die Ereignisse der beiden letzten Tage, die der wirkliche Grund dafür waren, daß man den Raed nicht fortgesetzt hatte. Devasalles, der wie die anderen versammelten Edelleute die Erklärung des Prinzen, krank zu sein, zwar bezweifelt, aber notgedrungen akzeptiert hatte, hob die Brauen, sagte jedoch nichts.