Выбрать главу

Barris sagte: »Du könntest doch gleich einen Vergaser mit doppelter Leistungsstärke einbauen lassen, wenn du schon einmal dabei bist. Natürlich müßte dann zugleich auch ein neuer Verteiler rein. Wir könnten bestimmt irgendwo ganz billig einen gebrauchten kriegen.«

»Der Motor würde im Leerlauf auf viel zu hohe Touren kommen«, sagte Luckman, »wenn man einen Rochester-Vergaser oder was anderes in der Art nimmt – daran hattest du doch gedacht, oder? Und er würde nicht richtig schalten. Er würde nicht hochschalten.«

»Man könnte die Einspritzdüsen durch kleinere ersetzen«, sagte Barris, »das würd’ das ausgleichen. Und er könnte die UpM auf einem Drehzahlmesser beobachten, damit er den Motor nicht überdreht. Er würde am Drehzahlmesser ablesen können, wenn der Wagen nicht hochschaltet. Wenn die Automatik nicht von selber hochschaltet, läßt sich das je auch bewerkstelligen, indem man den Fuß vom Gaspedal nimmt. Ich weiß sogar, woher wir einen Drehzahlmesser kriegen könnten. Ich hab’ nämlich einen.«

»Yeah«, sagte Luckman, »das mag ja noch hinhauen. Aber wenn er in einer gefährlichen Situation auf dem Freeway volle Pulle auf das Gaspedal tritt, um per Kick-down in den Überholgang zu wechseln, dann würde der Motor doch runterschalten und so stark überdrehen, daß es die Dichtungsköpfe auseinanderreißt. Und es könnte noch was Schlimmeres passieren – was viel Schlimmeres. Der ganze Motor könnte in die Luft gehen.«

Barris sagte geduldig: »Er würde die Nadel des Drehzahlmessers springen sehen und sofort den Fuß wegnehmen.«

»Beim Überholen?« sagte Luckman. »Wenn er gerade auf halber Höhe von so ‘m dicken Scheiß-Sattelschlepper ist? Scheiße, Mann, er würde weiter voll draufknallen müssen, hohe Umdrehung oder nicht; er würde den Motor hochjagen müssen, um genug Power zu haben. Wenn er nämlich langsamer würde, würde er nie an dem Kasten vorbeikommen, den er da gerade zu überholen versucht.«

»Schwung«, sagte Barris. »Bei einem so schweren Wagen wie dem hier würde ihn der Schwung vorbeitragen, selbst wenn er den Fuß vom Gas nähme.«

»Und was ist, wenn’s bergauf geht –« sagte Luckman. »Dein Schwung trägt dich sehr weit bergauf, wenn du überholst.«

Barris wandte sich an Arctor. »Dieser Wagen …« Er bückte sich, um nachzusehen, um was für eine Marke es sich handelte. »Dieser …« Seine Lippen bewegten sich. »Olds. Wieviel –«

»Er wiegt ungefähr tausend Pfund«, sagte Arctor. Charles Freck sah, wie er Luckman zublinzelte.

»Dann hast du recht«, gab Barris zu. »Bei einem so geringen Gewicht kann die träge Masse nicht hinreichend groß sein. Oder vielleicht doch?« Er wühlte in seinen Taschen nach einem Stift und etwas, worauf er schreiben konnte. »Wenn sich tausend Pfund mit hundertdreißig Stundenkilometern bewegen, ergibt das eine Kraft, die –«

»Tausend Pfund«, warf Arctor ein, »mit Insassen, einem vollen Benzintank und einer großen Kiste Ziegelsteine im Kofferraum.«

»Wie viele Insassen?« fragte Luckman. Sein Gesicht war so unbewegt wie das einer Sphinx.

»Zwölf.«

»Also sechs auf dem Rücksitz«, sagte Luckman, »und sechs auf –«

»Nein«, sagte Arctor, »elf auf dem Rücksitz. Der Fahrer sitzt allein vorn. Verstehst du, auf diese Weise lastet ein größeres Gewicht auf den Hinterrädern. Das ergibt eine bessere Bodenhaftung. Dann bricht er hinten nicht so leicht aus.«

Barris schaute beunruhigt auf. »Der Wagen bricht hinten leicht aus?«

»Außer, wenn du elf Leute hast, die auf dem Rücksitz mitfahren«, sagte Arctor.

»Dann wäre es besser, den Kofferraum mit Sandsäcken zu beladen«, sagte Barris. »Drei Sandsäcke zu je zweihundert Pfund. Dann könntest du die Beifahrer gleichmäßiger verteilen, und sie hätten es ein bißchen bequemer.«

»Wie war’s, wenn wir eine Kiste mit sechshundert Pfund Gold in den Kofferraum packen würden?« fragte Luckman ihn. »Ich meine, statt drei Säcken mit je zweihundert –«

»Kannst du nicht mal endlich die Klappe halten?« sagte Barris. »Ich versuche nämlich gerade, die Trägheit dieses Wagens bei hundertdreißig Stundenkilometern zu berechnen.«

»Der bringt sowieso keine hundertdreißig mehr«, sagte Arctor. »Einer der Zylinder ist kaputt. Ich wollte es dir eigentlich schon vorhin sagen. Ich muß da wohl gestern abend auf dem Nachhauseweg vom 7-11 was zu Klumpatsch gefahren haben. «

»Aber warum, zum Teufel, montieren wir dann eigentlich den Vergaser ab?« wollte Barris wissen. »Wenn wir das wieder in Ordnung bringen wollen, müssen wir das ganze Kopfteil des Motors abmontieren. Eigentlich sogar noch mehr. Sag mal, ist vielleicht sogar der Motorblock gesprungen? Darum also springt er nicht an.«

»Springt dein Wagen nicht an?« fragte Freck Bob Arctor.

»Er springt nicht an«, sagte Luckman, »weil wir den Vergaser abmontiert haben.«

Verwirrt sagte Barris: »Warum haben wir den Vergaser abmontiert? Ich hab’s vergessen.«

»Um die ganzen Federn und was es da sonst so an unwichtigen Teilchen gibt zu erneuern«, sagte Arctor. »Damit er nicht wieder über den Jordan geht und wir beinahe mit ihm. Der Mechaniker von der Union-Tankstelle hat uns das geraten.«

»Wenn ihr Bastarde nicht so dumm rumlabern würdet wie eine Bande von Speed-Freaks«, sagte Barris, »könnte ich endlich meine Berechnungen abschließen und euch sagen, wieviel dieser Wagen hier mit einem Rochester-Vergaser bringen würde, natürlich unter Berücksichtigung seines Gewichts und der notwendigen Modifikationen der Einspritzdüsen.« Er war jetzt echt sauer. »Also HALTET ENDLICH DAS MAUL!«

Luckman schlug das Buch auf, das er die ganze Zeit über unter dem Arm getragen hatte. Er plusterte sich so auf, daß es aussah, als sei er viel größer als gewöhnlich. Sein mächtiger Brustkorb schwoll an. Sein Bizeps ebenfall. »Höre, Barris, ich werde dir nun aus dieser Schrift lesen. « Er fing an, ungewöhnlich flüssig eine Textstelle aus dem Buch vorzulesen. »›Der, der die Gabe hat, Christus als wirklicher zu erkennen als jede andere Wirklichkeit …‹«

»Was?« sagte Barris.

Luckman las unbeirrt weiter. »›… als jede andere Wirklichkeit auf der Welt – Christus, der überall gegenwärtig ist und allerorten immer größer wird, Christus, die finale Bestimmung und das plasmatische Prinzip des Uni­versum –‹«

»Was ist das?« sagte Arctor.

»Chardin, Teilhard de Chardin.«

»Mein Gott, Luckman«, sagte Arctor.

»›… jener Mensch lebt wahrlich in einem Kosmos, wo die mannigfaltigen Phantome der Welt ihn nicht bedrängen können und die doch zugleich die aktivste Werkstatt der universellen Erfüllung ist.‹« Luckman klappte das Buch wieder zu.

Charles Freck, der dank seiner raschen Auffassungsgabe sofort begriff, daß es jetzt gleich Zoff geben würde, schob sich zwischen Barris und Luckman. »Macht doch mal halblang, Jungs.«

»Aus dem Weg, Freck«, sagt Luckman und holte weit mit dem rechten Arm aus, um Barris mit einem von unten hochgezogenen Schwinger kräftig eins zu verpassen. »Na, komm schon, Barris. Ich hab’s nicht gern, wenn jemand mich in so ‘m Ton anmacht. Dafür kriegst du jetzt eine getafelt, daß dir die Eier aus dem Sack fliegen.«

Mit einem flehentlichen, angsterfüllten Aufblöken ließ Barris Filzstift und Notizblock fallen und stürzte Hals über Kopf in Richtung der offenstehenden Haustür davon. Während er wegrannte, rief er über die Schulter zurück: »Ich glaub’, das Telefon hat gerade geklingelt. Bestimmt die Werkstatt wegen des Vergasers.«

Sie sahen ihm nach, wie er in der Tür verschwand.

»Ich wollte ihn nur ein bißchen auf den Arm nehmen«, sagte Luckman, seine Unterlippe reibend.

»Und wenn er jetzt seinen Revolver und den Schalldämpfer holt?« sagte Freck, dessen Nerven zum Zerreißen gespannt waren. Schrittchenweise bewegte er sich auf seinen Wagen zu, um sich blitzschnell dahinter in Deckung werfen zu können, falls Barris zurückkam und das Feuer auf sie eröffnete.