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»Was hast du heute gemacht?« fragte Arctor ihn.

Barris erklärte: »Nachforschungen angestellt.«

»Über was?«

»Über die besonderen Merkmale gewisser pilzartiger Daseinsformen mit recht heiklen Eigenschaften.« Barris kicherte. »Ist wohl nicht so gut gelaufen bei dem kleinen Fräulein mit den großen Titten, was?«

Arctor musterte ihn eingehend und ging dann in die Küche, um die Kaffeemaschine einzustöpseln.

Barris folgte ihm gemächlich. »Bob«, sagte er, »es tut mir leid, wenn ich irgendwas gesagt habe, was dich verletzt hat.« Während Arctor darauf wartete, daß der Kaffee heiß wurde, lungerte Barris bei ihm in der Küche herum und trommelte und summte ziellos vor sich hin.

»Wo ist Luckman?«

»Vermutlich irgendwo draußen unterwegs, um eine Telefonzelle zu knacken. Er hat deinen hydraulischen Wagenheber mitgenommen; für gewöhnlich heißt das, daß er vorhat, eine Telefonzelle auszunehmen, stimmt’s?«

»Mit meinem Wagenheber«, echote Arctor.

»Du weißt«, sagte Barris, »daß du jederzeit mit meiner professionellen Unterstützung rechnen kannst, wenn du weitere Versuche unternimmst, das kleine Fräulein anzumachen und –«

Fred ließ das Band im Schnellvorlauf vorwärtsschießen. Schließlich zeigte der Zähler einen Zwei-Stunden-Sprung an.

»– bezahl’ endlich deine gottverdammte Miete oder mach’ dich an die Arbeit am Cephskop, verflucht noch mal«, sagte Arctor hitzig zu Barris.

»Ich habe bereits Widerstände bestellt, die –«

Erneut spulte Fred das Band vorwärts. Weitere zwei Stunden verstrichen.

Jetzt zeigte Holo-Monitor Fünf, daß Arctor in seinem Schlafzimmer im Bett lag. Ein auf KNX eingestellter Radiowecker spielte leise und verschwommen Folk-Rock. Auf Monitor Zwei war Barris zu erkennen, der allein im Wohnzimmer saß und wieder in dem pilzkundlichen Buch las. Lange Zeit tat keiner der beiden Männer besonders viel. Einmal bewegte sich Arctor und streckte die Hand nach dem Radio aus, um den Lautstärkeregler höherzudrehen, weil gerade ein Song gespielt wurde, den er offenbar mochte. Im Wohnzimmer las Barris immer weiter; er rührte sich kaum. Arctor lag jetzt wieder reglos auf seinem Bett.

Das Telefon klingelte. Barris griff nach dem Hörer und hob ihn an sein Ohr. »Hallo?«

Aus dem Lautsprecher neben Fred drang die Stimme des Anrufers, eines Mannes: »Mister Arctor?«

»Ja, am Apparat«, sagte Barris.

Da brat’ mir doch einer einen Storch, sagte Fred zu sich selbst. Er griff nach dem Regler der Abhöranlage und drehte die Lautstärke höher.

»Mr. Arctor«, sagte der Anrufer, der seinen Namen immer noch nicht genannt hatte, langsam und mit leiser Stimme, »es tut mir leid, daß ich Sie so spät störe, aber es dreht sich um den Scheck, den Ihre Bank nicht annehmen –«

»Ah ja«, sagte Barris. »Ich hatte ohnehin vor, Sie deswegen anzurufen. Die Situation ist die, Sir. Ich habe einen schweren Anfall von Darmgrippe, verbunden mit einem starken Absinken der Körpertemperatur sowie Pförtner- und Unterleibskrämpfen … Mir geht’s im Moment zu beschissen, daß ich die Sache mit diesem mickrigen Zwanzig-Dollar-Scheck derzeit einfach nicht regeln kann, und offengestanden habe ich auch nicht die Absicht, sie überhaupt noch zu regeln.«

»Wie bitte?« sagte der Mann. Er wirkte nicht sonderlich überrascht; seine Stimme klang rauh. Und drohend.

»Ja, Sir«, sagte Barris nickend. »Sie haben mich schon richtig verstanden, Sir.«

»Mr. Arctor«, sagte der Anrufer, »besagter Scheck ist jetzt schon zweimal von der Bank retourniert worden, und diese Grippe-Symptome, die Sie da beschreiben –«

»Ich glaube, irgendwer hat mir was in den Kaffee getan«, sagte Barris mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht.

»Und ich glaube«, sagte der Mann, »daß Sie einer von diesen –« Er suchte nach dem richtigen Wort.

»Glauben Sie doch, was Sie wollen«, sagte Barris, immer noch grinsend.

»Mr. Arctor«, sagte der Mann und atmete vernehmlich ins Telefon, »ich werde mit dem Scheck zum Büro des Bezirks-Staatsanwalts gehen, und da ich Sie ohnehin gerade am Telefon habe, möchte ich Ihnen mal klipp und klar erzählen, was ich von Leuten halte, die –«

»Turn on, tune out und tschüß«, sagte Barris und legte auf. Die mit der Abhöranlage gekoppelte Fangschaltung hatte automatisch die Telefonnummer des Anrufers aufgezeichnet, indem sie auf elektronischem Wege die beim Wählen entstandenen Impulsketten von einem unhörbaren Signal aufnahm, das in dem Augenblick erzeugt wurde, da die Verbindung zustande kam. Fred las die Nummer ab, die jetzt auf einem Anzeigegerät sichtbar wurde. Dann stoppte er den Bandtransport aller Holos, griff zu seinem Polizeitelefon und fragte an, welcher Teilnehmer zu dieser Nummer gehörte.

»Schlosserei Englesohn, 1343 Harbor in Anaheim«, informierte ihn der diensttuende Beamte. »Lover Boy.«

»Schlosserei«, sagte Fred. »Okay.« Er hatte sich das notiert und legte jetzt wieder auf. Ein Schlosser … zwanzig Dollars, eine runde Summe: Das deutete auf einen Job außerhalb des Ladens hin – möglicherweise auf einen Außeneinsatz zur Herstellung eines Nachschlüssels, weil der Schlüssel des »Besitzers« verlorengegangen war.

Theorie. Barris hatte sich als Arctor ausgegeben und die Schlosserei Englesohn angerufen, um sich illegal einen »Zweit«-Schlüssel machen zu lassen, entweder für das Haus oder für den Wagen oder gar für beides. Wobei er Englesohn gegenüber vorgegeben hatte, seinen kompletten Schlüsselring verloren zu haben … aber dann hatte der Schlosser sozusagen als Rückversicherung plötzlich von Barris gefordert, zum Nachweis seiner Identität einen Scheck auszuschreiben. Barris war ins Haus zurückgegangen, hatte Arctors Scheckbuch geklaut, einen der Schecks ausgefüllt und ihn dem Schlosser gegeben. Der Scheck war nicht durchgegangen. Aber warum nicht? Arctor sorgte immer dafür, daß genug Geld auf seinem Konto war; ein Scheck über eine so geringe Summe würde auf jeden Fall gedeckt sein. Aber wenn der Scheck angenommen wurde, würde Arctor bei der Durchsicht der Kontoauszüge darauf stoßen und entdecken, daß nicht er, sondern Jim Barris den Scheck ausgeschrieben hatte. Also hatte Barris in Arctors Schränken herumgewühlt und – vielleicht schon zu einem früheren Zeitpunkt – ein altes Scheckbuch entdeckt, das zu einem längst aufgelösten Konto gehörte. Dieses Scheckbuch hatte er dann benutzt. Da das Konto nicht mehr bestand, war der Scheck retourniert worden. Und jetzt stand Barris das Wasser bis zum Halse.

Aber warum ging Barris nicht einfach hin und bezahlte die Rechnung in bar? So, wie die Dinge jetzt lagen, war der Gläubiger bereits sauer und rief dauernd an, und am Ende mochte er den Scheck vielleicht wirklich zum Bezirksstaatsanwalt bringen. Arctor würde alles herauskriegen, und eine ganze Wagenladung Scheiße würde auf Barris herniederprasseln. Aber die Art, in der Barris am Telefon mit dem ohnehin schon vor Wut kochenden Gläubiger umgesprungen war … er hatte ihn raffiniert zu noch größerer Feindseligkeit angestachelt, und nur der Himmel mochte wissen, was der Schlosser daraufhin alles unternehmen würde. Und was noch schlimmer war – Barris’ Beschreibung seiner »Grippe« war nichts anderes als eine Beschreibung der Symptome, die auftraten, wenn ein Heroinsüchtiger sich zu lange keine Fixe mehr gesetzt hatte, und jeder, der nicht ganz blöd war, mußte das erkennen. Und Barris hatte das Telefonat sogar mit einem weiteren ganz offenen Hinweis darauf beendet, daß er harte Drogen nahm und es ihm scheißegal war, wie andere darüber dachten. Und das alles in der Rolle Bob Arctors.