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»Aber dann würde sich irgendein Junkie einen Hit schießen, der zur Hälfte aus Smack und zur Hälfte aus Mikropunkten besteht.«

»Tja, dann würde er wohl plötzlich der scheiß-ge­bil­detste Junkie sein, der dir je über den Weg gelaufen ist. «

»Käme ganz darauf an, was auf den Mikropunkten war.«

»Barris hatte auch noch ‘nen ganz neuen Trick auf Lager, um Dope über die Grenze zu schmuggeln. Du kennst das doch, diese Typen vom Zoll fragen einen immer, ob man was zu verzollen hat, richtig? Und da kann man ja schließlich nicht sagen: ›Ja, Dope‹, weil –«

»Okay, wie geht dieser Trick denn nun?«

»Tja, schau mal, du nimmst einfach einen großen Klotz Hasch und schnitzst so lange daran herum, bis er von außen wie ein Mensch aussieht. Anschließend höhlst du ihn teilweise aus und baust ein Aufziehwerk und ein kleines Cassettengerät ein. Dann stellst du dich mit ihm in die Schlange, und direkt vor der Zollabfertigung ziehst du ihn mit dem Schlüssel auf, und er geht von ganz alleine zu dem Mann vom Zoll hin. Der sagt dann zu ihm: ›Haben Sie etwas zu verzollen?‹ und der Haschklotz sagt: ›Nein, nichts‹ und marschiert einfach immer geradeaus weiter bis er auf der anderen Seite der Grenze stehenbleibt, weil das Uhrwerk abgelaufen ist.«

»Man könnte auch statt einer Feder eine Art Solarzellenbatterie einbauen. Dann könnte er jahrelang weitermarschieren. Bis in alle Ewigkeit.«

»Und was sollte das bringen? Am Ende würde er entweder den Pazifik oder den Atlantik erreichen. Vielleicht würde er sogar über den Rand der Welt hinauswandern, wie –«

»Stell’ dir mal ein Eskimodorf vor und einen zwei Meter großen Haschklotz, so ungefähr im Wert von – wieviel würde der wohl wert sein?«

»Ungefähr eine Milliarde Dollars.«

»Mehr. Zwei Milliarden.«

»Die Eskimos kauen gerade Seehundsfelle und schnitzen Knochenspeere, und dieser Haschklotz, der zwei Milliarden Dollar wert ist, kommt durch den Schnee dahermarschiert und sagt wieder und wieder: ›Nein, nichts‹.«

»Sie würden sich bestimmt fragen, was er damit wohl meint. «

»Sie würden so verwirrt sein, daß sie gar nicht mehr darüber wegkämen. Legenden würden entstehen.«

»Kannst du dir vorstellen, deinen Enkeln zu erzählen: ›Ich habe mit meinen eigenen Augen gesehen, wie der zwei Meter große Haschklotz aus den treibenden Nebeln auftauchte und vorüberschritt, ungefähr in die Richtung da vorne, und er war zwei Milliarden Dollar wert und sagte immer nur: ›Nein, nichts.‹ Seine Enkel würden ihn ins Irrenhaus stecken.«

»Nein, schau mal, Legenden bauschen immer alles auf. Nach ein paar Jahrhunderten würde die Geschichte ungefähr so gehen: ›Zu Zeiten unserer Altvorderen stürmte eines Tages ein dreißig Meter großer Klotz aus ganz hervorragendem Schwarzen Afghanen, der acht Trilliarden Dollar wert war und tödliches Feuer versprühte, auf uns los und schrie: »Sterbt, Eskimo-Hunde!« und wir kämpften todesmutig mit unseren Speeren gegen ihn und töteten ihn am Ende auch.‹«

»Die Kinder würden auch die Version nicht glauben.«

»Kinder glauben einem sowieso überhaupt nichts mehr.«

»Es bringt dich echt runter wenn du dich mit einem Kind unterhältst. Mich hat mal ein Kind gefragt: ›Wie war das eigentlich für dich, als du das erste Auto gesehen hast?‹ Scheiße, Mann, ich bin 1962 geboren.«

»Mein Gott«, sagte Arctor, »genau das hat mich auch mal ein Typ gefragt, den ich kannte. Hatte zuviel Acid geschluckt. Er war siebenundzwanzig Jahre alt, nur drei Jahre jünger als ich. Er bekam überhaupt nichts mehr auf die Reihe. Später pfiff er noch ein paar Hits Acid ein – oder was sie ihm als Acid verkauft hatten –, und danach pinkelte er auf den Fußboden und schiß auf den Fußboden, und wenn man etwas zu ihm sagte, wie etwa: ›Wie geht’s dir, Don?‹ dann sprach er einem das nur nach wie ein Papagei. ›Wie geht’s dir, Don?‹«

Das Gespräch verstummte, und das Schweigen hing wie der Qualm des Joints zwischen den beiden Männern in dem dunstigen Wohnzimmer. Ein langes, düsteres Schweigen.

»Bob, weißt du was?« sagte Luckman schließlich. »Ich bin immer gerade so alt gewesen wie alle anderen.«

»Ich glaube, ich auch«, sagte Arctor.

»Ich weiß nicht, woran das gelegen hat.«

»Aber natürlich weißt du das, Luckman«, sagte Arctor. »Nämlich daran, woran es bei uns allen gelegen hat.«

»Hm. Du, reden wir über was anderes, ja?« Er inhalierte wieder geräuschvoll, und sein langes Gesicht war ein blasser Fleck im trüben Licht des Mittags.

*

Eines der Telefone im Kontroll-Zentrum klingelte. Ein Jedermann-Anzug nahm das Gespräch entgegen und schob den Apparat dann zu Fred hinüber. »Fred.«

Er stellte die Holos ab und griff nach dem Hörer.

»Erinnern Sie sich noch daran, wie Sie letzte Woche unten bei uns waren?« sagte eine Stimme. »Und dem OH-Test unterzogen wurden?«

Nach längerem Schweigen sagte Fred: »Ja.«

»Sie sollten noch einmal wiederkommen.« Eine Pause auch am anderen Ende der Leitung. »Wir haben weiteres Material über Sie gesichtet. Material neueren Datums … Ich habe es für nötig erachtet, einen neuen Termin für Sie anzuberaumen, bei dem Sie sämtliche Standard-Perzep­tionstests sowie einige andere Tests absolvieren werden. Dieser Termin ist morgen um fünfzehn Uhr, wieder im selben Raum. Alles in allem werden die Tests ungefähr vier Stunden in Anspruch nehmen. Wissen Sie noch die Zimmernummer?«

»Nein«, sagte Fred.

»Wie fühlen Sie sich?«

»Okay«, sagte Fred stoisch.

»Irgendwelche Probleme? Während oder außerhalb des Dienstes?«

»Ich hab’ Krach mit meinem Mädchen gehabt. «

»Irgendwelche Bewußtseinsstörungen? Haben Sie bisweilen Schwierigkeiten, Personen oder Gegenstände zu identifizieren? Kommt es Ihnen manchmal so vor, als seien bestimmte Dinge, die Sie sehen, umgekehrt oder verkehrt? Und da ich gerade danach frage … irgendwelche Raum-Zeit- oder Sprachdesorientierungen?«

»Nein«, sagte er mürrisch. »Nein auf alle Fragen.«

»Wir erwarten Sie dann also morgen in Zimmer 203«, sagte der medizinische Assistent.

»Welches Material über mich hat Sie eigentlich dazu bewogen –«

»Darüber reden wir morgen. Kommen Sie einfach hin. All right? Und, Fred … Kopf hoch.« Klick.

Tja, ein herzliches Klick auch Ihnen, dachte er und legte auf.

Voller Verärgerung darüber, daß sie ihm solche Scherereien machten und ihn dazu zwangen, etwas zu tun, wogegen sich alles in ihm auflehnte, schaltete er einmal mehr die Holos an; die Schirme leuchteten in bunten Farben auf, und die dreidimensionalen Szenen darauf erfüllten sich mit Leben. Aus dem Lautsprecher drang noch mehr von dem nutzlosen, für Fred so frustrierenden Geplapper:

»Diese Puppe«, schwafelte Luckman weiter, »war also schwanger geworden und beantragte eine Abtreibung, weil ihre Periode schon viermal ausgeblieben war und ihr Bauch sichtlich dicker wurde. Die ganze Zeit über beschwerte sie sich ständig über die Kosten für die Abtreibung; aus irgendeinem Grund wollte die Wohlfahrt nämlich kein Geld dafür rausrücken. Nun, eines Tages war ich mal bei ihr auf der Bude, und da war so eine Freundin von ihr da und sagte ihr knallhart ins Gesicht, daß sie ja sowieso nur eine hysterische Schwangerschaft – ‘ne Scheinschwangerschaft also – hätte. ›Du willst einfach nur glauben, daß du schwanger bist‹ schimpfte die Puppe auf sie ein. ›Ein reiner Schuld-Trip. Und die Abtreibung und das ganze Moos, das du dafür blechen mußt, das ist ein Selbstbestrafungs-Trip.‹ Und daraufhin schaute die Puppe sie ganz ruhig an – ich stand damals echt auf sie, nebenbei bemerkt – und sagte: ›Na gut, wenn es also eine hysterische Schwangerschaft ist, dann werde ich auch eine hysterische Abtreibung haben und dafür mit hysterischem Geld bezahlen!‹«