»Er hat bereits durchblicken lassen, daß er das tun würde«, unterbrach ihn Hank.
»Meine Beweise«, sagte Barris, »die ich zwar heute größtenteils nicht mitgebracht habe, aber jederzeit vorlegen könnte, bestehen aus Bandaufnahmen, die ich von Telefongesprächen Robert Arctors angefertigt habe. Ich meine Gespräche, die er führte, ohne zu wissen, daß ich zuhörte.«
»Was ist das für eine Organisation?« sagte Fred.
»Ich halte sie für eine –«, begann Barris, aber Hank winkte ab. »Eine politische Organisation«, sagte Barris. Obwohl er schwitzte und ein wenig zitterte, machte er einen zufriedenen Eindruck. »Eine Verschwörung gegen den Staat. Von außen initiiert. Den USA feindlich gesonnen.«
Fred sagte: »Was für eine Verbindung besteht zwischen Arctor und der Quelle, aus der Substanz T stammt?«
Barris blinzelte, leckte sich dann die Lippen und sagte, indem er das Gesicht verzog: »Meiner Meinung nach –« Er unterbrach sich mitten im Satz. »Wenn Sie alle meine Informationen auswerten, werden Sie – meine Beweise, meine ich – werden sie zweifellos daraus den Schluß ziehen, daß Substanz T von einer fremden Macht hergestellt wird, die entschlossen ist, die USA zu vernichten, und daß Mr. Arctor eine wesentliche Funktion in der Maschinerie dieses –«
»Können Sie uns noch weitere Angehörige dieser Organisation namhaft machen?« sagte Hank. »Personen, mit denen Arctor sich getroffen hat? Sie sind sich sicher der Tatsache bewußt, daß es ein Verbrechen ist, staatlichen Behörden wissentlich falsche Informationen zu geben, und daß man Sie deswegen belangen kann und vermutlich auch belangen wird.«
»Ich bin mir dessen bewußt«, sagte Barris.
»Mit wem hat Arctor konferiert?« sagte Hank.
»Mit einer gewissen Miß Donna Hawthorne«, sagte Barris. »Unter verschiedenen Vorwänden fährt er hinüber zu ihrer Wohnung und kollaboriert dort regelmäßig mit ihr.«
Fred lachte. »Kollaboriert. Was meinen Sie damit?«
»Ich bin ihm gefolgt«, sagte Barris langsam und betont. »In meinem eigenen Wagen. Ohne sein Wissen.«
»Er geht oft dahin?« sagte Hank.
»Ja, Sir«, sagte Barris. »Sehr oft. So oft er –«
»Donna Hawthorne ist sein Mädchen«, sagte Fred.
Barris sagte: »Außerdem hat Mr. Arctor –«
Hank wandte sich zu Fred um und sagte: »Glauben Sie, daß an dieser Sache was dran ist?«
»Wir sollten uns auf jeden Fall die Beweise anschauen«, sagte Fred.
»Bringen Sie Ihre Beweise her«, befahl Hank Barris. »Alle. Vor allen Dingen interessieren uns Namen – Namen, Autonummern, Telefonnummern. Haben Sie jemals beobachten können, daß Arctor mit größeren Mengen von Drogen zu tun hatte? Mengen, die den Bedarf eines gewöhnlichen Drogenkonsumenten bei weitem überstiegen?«
»Aber ja doch«, sagte Barris.
»Welche Arten von Drogen?«
»Verschiedene Arten. Ich habe Proben davon. Ich habe sorgfältig Proben gesammelt … damit Sie sie analysieren können. Die kann ich auch mitbringen. Eine ziemliche Menge und über ein breites Spektrum verteilt.«
Hank und Fred wechselten einen kurzen Blick.
Barris, der blicklos vor sich hin starrte, lächelte.
»Gibt es noch etwas, was Sie uns für diesmal mitteilen wollen?« sagte Hank zu Barris. Zu Fred sagte er: »Vielleicht sollten wir ihm einen Beamten mitgeben, wenn er die Beweise holt.« Was im Klartext hieß: Um ganz sicherzugehen, daß er nicht plötzlich Angst vor seiner eigenen Courage bekam und sich verdünnisierte. Daß er gar nicht erst auf den Gedanken kam, es sich doch noch anders zu überlegen und wieder auszusteigen.
»Da wäre noch eine Sache, die ich Ihnen gerne sagen möchte«, sagte Barris. »Mr. Arctor ist schwer drogenabhängig, süchtig nach Substanz T, und daher jetzt geistesgestört. Seine geistige Verwirrung hat in letzter Zeit immer mehr zugenommen, und er ist gefährlich. «
»Gefährlich«, echote Fred.
»Ja«, erklärte Barris. »Er zeigt bereits Symptome, wie sie bei einem durch Substanz T verursachten Hirnschaden auftreten. Sein optischer Chiasmus muß ernsthaft beeinträchtigt sein, was eine Schwächung der ipsilaternalen Komponente nach sich zieht … Und zudem –« Barris räusperte sich. »Verfallserscheinungen auch im Corpus Callosum.«
»Ich habe Ihnen doch schon einmal erklärt«, sagte Hank, »daß solche durch nichts gestützte Spekulationen völlig wertlos sind, und ich möchte Ihnen dringend raten, in Zukunft darauf zu verzichten. Aber auf jeden Fall werden wir Ihnen einen Beamten mitgeben, wenn Sie jetzt Ihre Beweise holen. All right?«
Grinsend nickte Barris. »Aber ich nehme doch an –«
»Der Beamte wird selbstverständlich in Zivil sein.«
»Ich könnte –« Barris gestikulierte. »Ermordet werden. Ich sagte ja schon, daß Mr. Arctor –«
Hank nickte. »All right, Mr. Barris, wir wissen es zu würdigen, daß Sie ein derartiges Risiko eingehen, und wenn alles klappt, wenn Ihre Informationen von maßgeblicher Bedeutung dafür sind, bei Gericht eine Verurteilung zu erzielen, dann werden Sie natürlich –«
»Aus diesem Grunde bin ich nicht hier«, sagte Barris. »Der Mann ist krank. Gehirngeschädigt. Durch Substanz T. Der Grund, aus dem ich hier bin –«
»Uns interessiert nicht, warum Sie hier sind«, sagte Hank. »Uns interessiert nur, ob Ihre Beweise und das von Ihnen gesammelte Material uns etwas in die Hand geben. Der Rest ist Ihr Problem.«
»Vielen Dank, Sir«, sagte Barris und grinste und grinste.
XIII
Wieder in Zimmer 203, dem Polizeilabor für psychologische Tests, hörte Fred ohne großes Interesse zu, wie die beiden Psychologen versuchten, ihm seine Testergebnisse zu erläutern.
»Wir sind zu dem Schluß gekommen, daß bei Ihnen keine gewöhnlichen Funktionsbeeinträchtigungen vorliegen, sondern etwas, das wir eher als ein ›Konkurrenz-Phänomen‹ bezeichnen möchten. Setzen Sie sich.«
»Okay«, sagte Fred stoisch und setzte sich.
»Konkurrenz«, sagte der andere Psychologe, »zwischen der linken und der rechten Hemisphäre Ihres Gehirns. Das Problem liegt nicht so sehr darin begründet, daß ein einzelnes Signal unzulänglich oder, wenn man es einmal so ausdrücken will, verseucht wäre; uns scheint es vielmehr, als würden sich ständig zwei Signale in die Quere kommen, miteinander interferieren, weil sie einander widersprechende Informationen tragen.«
»Normalerweise«, erläuterte der andere Psychologe, »benutzt jeder Mensch die linke Hemisphäre. Das Ego, das Ich-Bewußtsein, hat dort seinen Sitz. Sie ist dominant, weil in eben dieser linken Hemisphäre auch stets das Sprachzentrum lokalisiert ist; oder, um es präziser auszudrücken: Die Zweigeteiltheit des Gehirns manifestiert sich vor allem darin, daß die Sprachfähigkeit – beziehungsweise das Potential für den Spracherwerb – in der linken und die räumlichen Fähigkeiten in der rechten Hälfte verortet sind. Die linke Hemisphäre kann mit einem Digitalcomputer verglichen werden, die rechte mit einem Analogcomputer. Daher führt die bilaterale Funktionsweise des Gehirns nicht zu einer einfachen Verdopplung; beide Perzeptionssysteme registrieren und verarbeiten die hereinkommenden Daten auf unterschiedliche Weise. Bei Ihnen jedoch ist keine der beiden Hemisphären dominant; sie ergänzen einander nicht, kompensieren nicht die funktionalen Defizite der jeweils anderen Hemisphäre. Die eine Hälfte gibt Ihnen eine Information, die andere Hälfte eine andere.«
»Das ist ungefähr so, als hätten Sie in Ihrem Wagen zwei Tankanzeiger«, sagte der andere Mann, »und einer davon würde anzeigen, daß der Tank voll ist, wohingegen der andere auf ›leer‹ steht. Beide Anzeigen können nicht gleichzeitig zutreffen. Die Informationen liegen im Widerstreit miteinander. Aber es ist – in Ihrem Fall – nicht so, daß einer der Tankanzeiger funktioniert und der andere nicht; vielmehr … Also noch mal anders rum. Beide Tankanzeiger überwachen genau die gleiche Menge Benzin: das gleiche Benzin, den gleichen Tank. Sie testen sozusagen das gleiche Ding. Sie als Fahrer haben nur eine indirekte Beziehung zum Benzintank, nämlich vermittelt über die Benzinuhr, oder, in Ihrem Fall, die Benzinuhren. Tatsächlich könnte der Tank sogar völlig leer sein, und Sie würden nichts davon wissen, bis eine Anzeige auf dem Armaturenbrett es Ihnen mitteilt oder der Wagen schließlich stehenbleibt. Es sollte nie zwei Benzinuhren geben, die einander widersprechende Informationen liefern, denn sobald dieser Fall eintritt, können Sie überhaupt kein Wissen mehr über den Zustand erlangen, auf den sich diese Informationen beziehen. Das ist nicht dasselbe, als hätten Sie zwei Benzinuhren, eine reguläre und eine als Reserve, und die Reserveuhr immer dann einspringt, wenn die reguläre ausfällt.«